Mad Richard

Kollege Bauer bezeichnete ihn unlängst als Last Britpopper Standing. Zwar kenne ich mindestens drei weitere Herren, die ihm diesen Titel streitig machen könnten und überhaupt muss man sein aktuelles Album Keys To The World zu den Enttäuschungen des Jahres zählen, aber – EGAL – wenn der Pop-Messias ruft, dann gilt es ihm zu folgen und ihm zu huldigen. yeah yeah yeah!
Ebenfalls dieses Wochenende in town: Trash Money, die neue Band vom Sneaker Pimps-Mann Joe Wilson. So sieht Big Beat heute aus.
Und auch Herr Lyxzen (Refused, The (International) Noise Conspiracy) beehrt uns mit seiner neuen Band.

Die Highlights des Wochenendes:
02.11 trash money, grabenhalle, st. gallen
02.11 the lost patrol band, isc, bern
03.11 the lost patrol band (+ dj pop b. sessen), hirscheneck, basel
03.11 die comics-apokalypse, allschwil
03.11 die aeronauten, boa, luzern
03.11 trash money, wasserwerk, bern
04.11 richard ashcroft, volkshaus, zürich
05.11 grizzlybear, el lokal, zürich
05.11 dead moon, reitschule, bern

Mehr Konzerte


Lovebugs zwischen Tokio und New York

Marsoel, Chur (27.10.06)

Chur ist cool. Das jedenfalls sagt die alte Trendposaune Tyler Brulé, der Mann der uns allen seit über 10 Jahren hilft, das richtige gut zu finden. Er schmeisst Chur – wo ich immer gedacht hab das sei einfach ein bisschen Altstadt um einen Mc Donalds drive-in drum rum – in die Schublade der “100 trendigsten Städte der Welt”. Also in etwa so: New York, Tokio, Chur, San Francisco, Kopenhagen und Berlin – das gibt unserer Tour natürlich sofort einen neuen und ziemlich internationalen Anstrich, und so binden wir uns alle bei der Autobahnausfahrt noch schnell ein Foulard um, nehmen ein After-Eight aus dem Humidor in der Tankstelle, und saugen dann im Marsoel diesen wundervoll zartbitteren Duft von trendigem alpine-chic und urbanem Paradies ein…herrlich!

Florian (ein eher bodenständiger Mensch) fühlte sich nicht so wohl in diesem mondänen flair und hatte darum nicht grad den Abend seines Lebens, wohingegen Simon das beste Konzert der Tour erlebte und da merkt man halt wieder was es ausmacht, wenn die Garderobe stimmt. Für alle die nicht in einer Metropole leben, kann ich übrigens noch sagen: Feuerwerk an Konzerten ist wieder ganz gross im kommen! Nehmt eure Feuervögel und Dynamitstangen mit in den Club und macht gute Stimmung. Das Nachtleben von Chur ist dann eine echte Überraschung, und da hat der Tyler gar nicht so unrecht, weil um halb sieben ist in Basel wirklich keine Bar mehr offen. In Chur schon, aber was international überall gleich ist, ist die Zerquetschtheit des Schlagzeugers dann um halb elf morgens im Hotel und auch, dass die Bühne halt noch in den Bus muss, da kann kann man noch so viel rauchen…


Connecting Culture

Nokia Trends? Ist, sobald das Wort Trend fällt, nicht alles schon vorbei? Kann man Mobilfunkgeräteherstellern in Sachen Musik trauen? Vielleicht sollte man das, wenn sich am 10. November im Schiffbau Ökonomie und Kultur umarmen – zumindest wenn man was für Elektronisches übrig hat. Mit dabei: Die Ninja Tune-Gründer Coldcut, die wunderbaren Zoot Woman, der vernachlässigbare Hype Mylo und die Genfer Postfeministin Kate Wax. Hoffentlich gibts dort gratis Handys, dann muss ich mich nicht mehr für mein 5110 schämen:


Dumme Antworten auf dumme Fragen

Wer sehen will, wie die wahrscheinlich beste deutsche Band (uiuiui, wieder mal so eine Aus-dem-Fenster-lehn-These), jedenfalls die deutsche Band mit dem lustigsten englischen Gesang, ja: The Notwist, wer also sehen will, wie die ein Album machen, für all diejenigen kommt am Freitag der Dokumentarfilm “On/Off The Record” in den Handel. Hier bei Intro gibt’s schonmal einen Trailer, der unter anderem wunderbar aufzeigt, wie 80% aller Musikerinterviews ablaufen: Dumme (oder keine) Antworten auf dumme Fragen. Noch Fragen?


“Pepsi or Coke?” mit The Blow

Die heimliche Platte des Monats kam im Oktober von The Blow. Schmissiger DIY-Elektropop von einem Duo aus Portland, der hier auf Herz und Nieren getestet und für sehr gut befunden wurde. Nun haben wir Jona, der die Sängerin Khaela an elektronischen Fäden tanzen lässt, vor Entscheidungsschwierigkeiten gestellt.

Taub oder blind?
Jona: Ich glaube blind. Das erinnert mich an diese unmögliche Frage, die mir mal ein Freund gestellt hat: Würdest du lieber jeden Tag eine Flasche Gin trinken oder einen Haufen Hundescheisse essen?

Spinnen oder Schlangen?
Als ich klein war hat mich mein Bruder in einem Raum voller Krabben eingeschlossen. Für mich sind Spinnen Mini-Krabben und deshalb habe ich fast ebenso grosse Angst vor ihnen.

Tour oder Studio?
Touren ist meine liebste Beschäftigung überhaupt. Ich mag es neue Leute zu treffen und an Orte zu gehen, von denen ich nicht mal gehört habe.

Punk oder Pop?
Beides.

DFA oder Neptunes?
Beide.

Missy oder Beyoncé?
Missy, weil sie neue und seltsame Klänge im Mainstream etabliert hat.

Pavement oder Sonic Youth?
Pavement im Moment, Sonic Youth für die Ewigkeit.

Shrigley oder Beuys?
Ich kenne Beuys nicht sehr gut, aber ich mag die Bilder, die ich von David Shrigley gesehen habe. Ich bin nicht sicher, ob dies ein Geheimnis ist, aber Tomlab bringt eine Compilation mit Musik raus, die von Shrigley’s Büchern inspiriert ist – und ich glaube ich werde auch einen Song beisteuern.

DeLillo oder Roth?
Meine Freundin wäre für Philipp Roth. Ich bin kein grosser Leser und schäme mich dafür.

Lynch oder Jarmush?
Ich habe Twin Peaks gesehen, als ich neun war. Lynch hat mich mit dem Unheimlichen bekannt gemacht, “Rückwärtsstimmen” beispielsweise. Das habe ich dann nachgemacht, als ich begonnen habe Musik zu machen.

Al Gore oder Gandhi?
Al Gore, weil ich in Amerika lebe. Viele meiner Landsleute glauben immer noch, dass grosse Autos gut für die Umwelt sind.

Mac oder PC?
Ich bin nahe dran mir einen Apfel tätowieren zu lassen.


3x Badly Drawn Boy zum 500sten

Mit diesen 78 Wörtern werden wir 500 Einträge alt. Deshalb ziehen wir die Spendierhosen an und schenken Euch die neue CD von Badly Drawn Boy, die in Svens Echtzeittest unten durch musste. Wer jetzt denkt, dass es ziemlich billig ist, Dinge weiterzuverschenken, weil man nichts mit ihnen anfangen kann, hat Recht. Aber erstens müsstet Ihr eigentlich uns etwas schenken, zweitens ist es eine Limited Edition und drittens stellen wir diesmal auch keine Frage. Ein Mail an gewinnen@78s.ch genügt.


Nachtrag

Übrigens habe ich an der Plattenbörse zwei Platten gekauft, die rein gar nichts gemeinsam haben: Kraftwerk konnten sich in meiner Tasche an einer Al Green-Platte wärmen.

Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass “I’m Still In Love With You” (reinhören/kaufen) das beste Album vom vielleicht grössten Soul-Sänger aller Zeiten ist, obwohl man das so eigentlich gar nicht sagen kann, weil Green nur gute Musik gemacht hat – bis er 1974 von seiner Freundin mit heisser Grütze übergossen wurde, angeblich weil er ihren Heiratsantrag nicht angenommen hatte.


“Ich kaufe ja eigentlich nur mint.”

Ich habe mir heute wieder mal die Plattenbörse im Zürcher Volkshaus angetan, wo sich zweimal im Jahr Vinylophile treffen. Wo Spiesser im Rock’n’Roll graben, Nostalgiker in Erinnerungen schwelgen und Althippies auf der Suche nach der verlorenen Zeit sind.

Musiknormalverbraucher würden nur Bahnhof verstehen, wenn sie mitbekämen, wie hier über Raritäten, Diskografien und Preise gefachsimpelt wird: “Hast du die Originalpressung mal gesehen?” - “Die ist grün und ziemlich dickes Vinyl, gell?” – “Genau, auf Prestige. Ich hab die mal bei einem Franzosen bestellt. Furchtbarer Zustand, ich kauf ja eigentlich nur mint. Mit diesen Franzosen kann man einfach nicht geschäften.”

Bild: Der typische Plattensammler trägt Glatze, Windjacke oder Ledergilet.

Viele der rund 60 Händler haben seit Jahren ihren Stammplatz. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: Die schlurfigen Junggesellen mit Nerdbrille, die sorgfältig rasierten Ehemänner mit schütteren Haaren und die ewigen Langhaarrocker mit Achselschweiss. Wenn man sich eine Platte genauer anschaut, sagen sie “Die ist gut” damit man sie nimmt. Oder sie haben dazu eine Anekdote auf Lager.

Als ich aus dem Volkshaus rauskam, habe ich mir geschworen nie so zu werden, wie die da drin. Doch jetzt, wo ich einer neuen LP beim Drehen zusehe, bin ich mir doch wieder ziemlich sicher, dass die Platte das eleganteste Ding ist, das die Maschinen des 20. Jahrhundert hervorgepresst haben. Und so bin ich wohl für immer den Rillen verfallen. Bis ich ein nostalgischer, spiessiger Glatzkopf bin.


Résumé Tschörmeni no.1

Kollege Menzls Résumés (1, 2, 3, 4) kennt ihr bereits. Heute gibt’s von mir ein paar Hinweise, was der grosse Kanton im Norden derzeit musikalisch zu bieten hat (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit): Da wären Click Click Decker aus Hammurch City (Bild) mit feinem Indiepop, Erfrischendes und Rotziges von Freunde der nacht/ruhe (“Ich mag keine Lieder, die nach Mädchennamen benannt sind”) oder Bratze und nochmals feiner Indiepop von From Major To Minor. Schliesslich hätten wir noch den Jack Johnson Deutschlands: Pohlmann.


Wenn der Chirurg mit Slayer…

Musik verbreitet sich immer mehr in den Operationssälen. Und zwar nicht etwa als Ablenkung für lokal betäubte Patienten, sondern als Hintergrundmusik für ChirurgInnen, AnästhesistInnen und alle anderen, die um den OP-Tisch stehen und arbeiten. Dies schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung heute (Text online leider nicht verfügbar). Bevorzugte Genres seien Mainstream-Pop, Jazz und Lounge. Das ist einigermassen beruhigend, ich möchte im Zweifelsfall nicht unbedingt von einem Arzt operiert werden, der dazu Slayer hört.


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