Wie riecht Missy Elliott?

Wie Missy Elliott‘s erster Auftritt in der Schweiz war, wissen wir nicht. Auch das heutige Zusatzkonzert werden wir verpassen. Doch dafür wissen wir, wie die Königin des HipHop riecht. Nach Duftkerzen der Marke Bond No 9. Die Kerzen des Parfumlabels aus NYC haben ihren Preis, über 70 Dollar kostet das Stück (naja, immerhin 60 Stunden Brennzeit…). Für einen wohlriechenden Backstagebereich konnten die Konzertveranstalter vom X-TRA allerdings nur fronsösische Cersen von Diptyque (40‚¬) auftreiben, an denen angeblich Madonna gerne schnuppert.


Schön, weil gut

Frida Hyvönens Album “Until Death Comes” (Licking Fingers/EMI) erschien eigentlich schon Ende letzten Jahres. Nun gabs dieses Jahr einen Re-Release (Secretly Canadian/Irascible). Das ist schön, weil gut. Aber seht selbst! Frida in “The Modern”.

http://www.youtube.com/watch?v=6WOdirYQSjw


Hier kommen die Giganten

Selten ist mir eine deutsche Band so ans Herz gewachsen wie die Fotos (tiefenpsychologische Analysen sind erlaubt). Wie bereits angekündigt erscheint am Freitag ihr Debutalbum. Eine Frage beantworten die Jungs aus dem grossen Kanton schnell: Ja, da ist mehr als der Übersong Giganten. Das selbstbetitelte Album (EMI) ist frischer Indie-Rock, der beim ersten Hören gefallen mag und nach dem dritten noch nicht verleidet. Die Melodien bleiben haften, ohne dass sich die Fotos besonders Mühe gegeben haben, die Songs möglichst gleichförmig zu machen. Etwa das verflixt gut groovende “Komm Zurück” oder die Ballade “Viele” – schön einfach, einfach schön.

In der Presseinfo hat es einen Verschreiber, den man durchaus als freudschen verstehen kann: “Natürlich wollen sie unter keinen Umständen”, steht da, “die deutschen Maximo Party sein”. Keine billige Fetenversion von Maximo Park sind Fotos, sondern eher die deutsche Antwort auf die neue englische Welle.

Am 16. November spielen die Fotos erstmals in der Schweiz, im Boa in Luzern, tags darauf auch im Mascotte in Zürich.

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Elektrobbie kehrt zu Take That zurück

Da dachte ich schon, der Lautsprecher meines neuen Laptops sei kaputt – aber nein: Robbie Williams meint es wirklich ernst mit seinem Elektro-Alter Ego. Neuester Beweis – wem die erste Single seines neuen Albums “Rudebox” noch nicht gereicht hat – ist “Lovelight”, bereits die zweite Single, die vor Albumveröffentlichung (am 20.10. bei EMI) erscheint. Hier gibt es den offiziellen (reichlich kurzen) Trailer zum Song, YouTube hat das ganze Video. Nie hat Robbie solo mehr nach Take That getönt…


Blues ist Langeweile im 4/4-Takt.

Sagen manche. Man kann dagegen halten, dass jeder mal den Blues hat, was dieses Genre zu einer existentiellen Notwendigkeit macht. Meiner Meinung nach wurde der Blues erst durch seine Elektrifizierung in den 60ern zum Gähnen, als Weisse versuchten die schwarze Spielart durch Bluesrock nachzuahmen. Hört man sich Blueslegenden der ersten Generation an wird deutlich, dass dieser Musikstil durch grossartige Musiker geschaffen wurde. Wenige Jahre nachdem folgende Video-Aufnahmen gemacht wurden, nahmen diese drei Männer den Blues mit ins Grab: Skip James, Big Bill Broonzy und Mississippi John Hurt (Bild, l.)


…every weekend four to the flooring

Am Freitag startet die neue Indie-Disko-Reihe “Die Hypemaschine” im Nordstern zu Basel. Die Hits von Übermorgen und Klassiker in Sachen Indie-Rock, Brit-Pop, Indietronica, Retro, Garage, Nu- No- und Naja-Wave serviert von den DJ-Teams D.C. Bell & Millhaus und König Lü. Q. & Pop B. Sessen. Die Hypemaschine wird einmal im Monat angeschmissen, weitere Daten sind der 13.10, 17.11 und 8.12.

Ausserdem wird in Züri ein neuer Club eröffnet, Deutschlands spitzeste Feder ist in der Schweiz zu Gast und in Strassburg steigt ein wahnsinns Festival.

Ansonsten empfehle ich folgende Veranstaltungen:
Donnerstag, 28.9., Botanica/Kate Mosh, Das Schiff, Basel
Donnerstag, 28.9., Kill The Young, Hafenkneipe, Züri
Donnerstag, 28.9. Wiglaf Droste (Lesung), ISC, Bern
Freitag, 29.9., Die Hypemaschine, Indie-Disko, Nordstern, Basel
Freitag, 29.9., Radio 4/Kate Mosh, Rohstofflager, Zürich
Freitag, 29.9., Wiglaf Droste (Lesung), Helsinki, Zürich
Freitag, 29.9 & Samstag 30.9., Festival Les Nuits Electronique de L’Ososphere mit DAT Politics, Radio 4, The Rapture, Matthew Herbert, Hot Chip, Schneider TM und vielen mehr, La Laiterie, Strasbourg
Samstag, 30.9., The Whitest Boy Alive, Das Schiff, Basel
Samstag, 30.9., Egoexpress/Hachi & Christian Walt, Presswerk, Münchenstein
Samstag, 30.9., The Boy Group/Saalschutz, Zukunft, Zürich
Samstag, 30.9., Seachange, Grabenhalle, St. Gallen
Sonntag, 1.10., Sugarplum Fairy, Kaserne, Basel
Sonntag, 1.10., The Boy Group, Wagenmeister, Basel

Wem das immer noch nicht genügt, kann noch Alternativen auschecken.


Heisser Schuppen

Blue Note, Biel (24.09.06)

In diesem Jazzkeller wird nicht so oft so laut Musik gemacht wie an diesem Abend. Ein Name wie Blue Note schreit ja eher nach Zigarrengeklimper und Pianodunst. Die Bühne war sehr interessant ausgelegt und Schlagzeuger Simon (Bild) hatte quasi seine eigene Zuschauerloge hinter dem Rücken. Das Ambiente erinnerte durch die Wandbeleuchtung ein wenig an einen Hamburger Strip-Schuppen und wenn da plötzlich von hinten ein Geldschein in die Schlagzeugerhose gefummelt worden wäre, hätt mich das nicht mal so gewundert.

Der Gig war heiss wie Sau und alles in allem grosses Tennis, wenn auch nicht auf dem Center Court. Ausser der ersten Reihe hat wohl niemand was gesehen, aber das spielte keine Rolle. Man entwickelte eine art kollektives Saunagefühl und schwitzte sich gegenseitig voll. Die Locals von Carnation haben mit sicherem Griff in die zweitunterste Schublade mitgeholfen die Bar leer zu kriegen und viel über Eier und Vorbands gesprochen an diesem Abend. Wir gingen dann früh, denn Simon gab sein Debut mit Busfahren – und das wollte niemand verpassen.


Für mich und Dich

Nova International spielten letzten Freitag im Mascotte in Downtown Switzerland, und, hm…sie waren ziemlich gut, haben solide gespielt, sich gefreut über das zahlreich erschienene Schweizer Publikum, super Stimmung gemacht und so. Viel mehr lässt sich darüber auch nicht sagen, denn, Hand aufs Herz, Nova kennt eh keiner. Das ist die Augsburger Newcomer-Band, die die Songs der Für-mich-und-dich-Kampagne von Coop geschrieben hat.

Sie selber finden die Kampagne ganz toll, ihr tanzbarer Herzschmerz-Mitsumm-Wohlfühl-Poprock wird ja auch täglich zur Prime-Time in tausende Schweizer Haushalte gesendet. Aber auch wenn zu ihren MySpace-Freunden unter anderem Regina Spektor und Feist gehören, ist das Ganze nicht spektakulärer als die Dandy Warhols für Vodafone waren. Was solls, Coop engagiert sich für Junge, und Musik darf auch mal einfach nur schööööön sein.


Glitzerpferdchen vs. Presslufthammer

Heute haben die Sanierungsarbeiten an den Balkonen meiner Nachbarschaft begonnen und nach fünfjähriger Wartezeit ist ein neues Sparklehorse-Album erschienen. Presslufthammer und Zerbrechlichkeit – eine denkbar unfaire Begegnung. Zum Glück gibts Kopfhörer, doch leider kommen auch die nicht gegen vibrierendes Parkett und zitternde Wände an.

Während die Büezer rackern, versuche ich mich in das Werk eines Taugenichts zu versenken. Mark Linkous, das Mastermind hinter Sparklehorse, ist Träumer von Beruf. Er ersinnt dunkle Schönheiten, die in bizarren Märchen ihre Haare mit Blut waschen und erzählt mit kauziger Stimme Fabeln von dicken Spinnen, die im Sonnenlicht explodieren.

Man sollte nicht darauf hoffen, dass sich Mark Linkous während seiner fünfjährigen Absenz neu erfunden hat. Er bleibt auf “Dreamt For Lightyears In The Belly Of A Mountain” (EMI) der alte Märchenonkel und schmiert uns mit schönen Geschichten und wimmernden Gitarren Honig um den Mund, um uns mit der Pointe das Messer ins Herz zu rammen. Wieder sind illustre Gäste mit an Bord. Waren es bei “It’s A Wonderful Live” PJ HarveyNina Persson und Tom Waits, sind auf dem neuen Album neben Waits Danger Mouse und Steven Drodz von den Flaming Lips dabei.

Wer sich dadurch betrogen fühlt, dass für das neue Album alte Songs recycled wurden (“Shade And Honey” kennt der Raritätensammler bereits von den B-Seiten des letzten Albums) kann im Waschsalon nachlesen, weshalb faule Leute die intelligenteren Menschen sind. Und wer behauptet, er könne einen Song wie “Mountains” mal schnell unter der Dusche schreiben, muss grössenwahnsinnig sein.

Dank den Rockern ”Ghost In The Sky” und “It’s Not So Hard” können es Sparklehorse dann doch noch mit dem Baulärm aufnehmen, denn bekanntlich durchbricht keine andere Band verstörender ein Album voller Lullabies mit Stromgitarren. Deshalb geht das auch nie ganz auf, wenn man Sparklehorse zum Einschlafen hören will. Oder wenn Presslufthämmer Glitzerpferdchen zerstören wollen.

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Lovebugs im Dunkeln

Eintracht, Kirchberg (22.09.06)

Tourstart. Jetzt definitiv und ohne wenn und aber!!! Am Freitag ging’s los in malerisch ländlichem Ambiente mit kleiner Bühne und grosser Magenverstimmung auf der Gitarren-Roadie-Seite. Gleich beim Eröffnungsspiel nur zu zehnt auf dem Rasen geht ja eigentlich gar nicht. Darum wurde subito ein Merchandiser nachnominiert (Mr. Fizz mit Doppel-T) um die Lücke zu füllen. Wetter und Band zeigten sich in Bestlaune und ausverkauft ist ja eh immer nett. Adrian genoss seine neue Gitarrenfreiheit und Stefan machte vor Freude sofort sein erstes Vintage-Keyboard kaputt. Mit 30 Jahren auf dem Buckel bricht halt schon mal was auseinander (das gilt übrigens auch für Gitaristensteissbeine und Saltos auf dem Hotelgarten-Trampolin, wie man später herausfand).

“Listen to the silence” fand im komplett dunklen Raum statt, bis irgendwer irgendwann den Sicherungskasten fand und die armen Zuschauer ihre Feuerzeuge für die Baladen abkühlen lassen konnten. Hat aber ziemlich Schwung in die Bude gebracht diese Dunkelgeschichte und ich finde wir sollten das wieder mal machen. Erwähnenswert auch die Aftershow-Party mit DJ Haarald, die erstaunlich stilecht als Dorfdisco verkleidet gegen drei Uhr plötzlich noch mit “The Strokes”, “The Roots” und “The Gin & Tonics” auftrumpfte, was ein Heimgehen unmöglich machte. Alles in allem ein schönes Spiel.


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