Autos hinterherjagen – wie romantisch

Ok, neu ist der Song nicht. Aber noch immer einer der besten, um ein Herbstwochenende einzuläuten. Und um die hierzulande meistunterschätzte Popband der Welt in Erinnerung zu rufen. Bitte, vergesst Keane. Hört mehr Snow Patrol. Zum Beispiel “Chasing Cars” (obwohl ich sagen muss, dass ich Low-Budget-Lookalike Musikvideos nicht mag von Bands, die Kohle haben). Aber der Song schlägt vieles. Deshalb dasselbe nochmals live aus Toronto. Und: Ja, liebe Frauen, das ist der Song aus Grey’s Anatomy.


Neue Plodden

The Skygreen Leopard – Disciples of California (Irascible)
Isis – In the Absence of Truth (Irascible)
The Evens – Get Evens (Irascible)
The Curtains – Calamity (Irascible)
Saosin – Saosin (EMI)
Naturally 7 – Ready 2 Fly (EMI)
Dierks Bentley – Long Trip Alone (EMI)
June Christy – The Intimate (EMI)
Cheb Mami – Layali (EMI)
Archive – Noise/Unplugged/All Look the Same (Warner)
Black Bomb A – One Sund Bit to React (Warner)
My Chemical Romance – The Black Parade (Limited Edition) (Warner)
The Who – Endless Wire (Universal)
Children of Bodom – Live (Universal)
I am Ghost – Lovers Requiem (Phonag)
Converge – No Heroes (Phonag)
Funky Brotherhood – Try it (MV)
Union of Knives – Violence and Birdsongs (MV)
Pet – Rewind the Sofa Lady (MV)
The Residents – Tweedless (MV)
Europe – Secret Society (MV)
Miho Hatori – Ecdysis (MV)


Shakermaker aus Basel

Zwei Schweizer erobern New York und Paris: Alex Gloor und Sasha Crnobrnja (ich habe noch nie so viele Anläufe benötigt, um einen Namen richtig zu schreiben) alias In Flagranti (MySpace) sind die neuen Shakermakers. Zum “hypnotic blend of electro-disco-afro-rock-funk-dub” gesellen sich Gloors Trash-Clips, die man als eine Mischung aus italienischen Semi-Soft-Pornos und Paparazzi-Shootings bezeichnen könnte. Die ganze DIY-Romantik wird damit abgerundet, dass sie mit Codek Records ein eigenes Label haben. Chapeau, hier ist etwas ganz Besonderes gereift. Ihr neues Album “Wronger than Anyone Else” (Codek/Discograph) ist im September erschienen. Am 16. und 17. November kommen die beiden Basler nach Zürich in die Zukunft.

http://www.youtube.com/watch?v=AI_yU8M_4wc

Dank an P


Nicht aus dem Handgelenk geschüttelt

Die Deftones sind sowas wie die letzten Überlebenden von New Metal. Zumindest wenn man sich die Bands dieses Genres anschaut, die auch heute noch als zeitgemäss gelten. Und dazu gehören …. nur die Deftones. Die Karriere der Sacramento-Jungs liess sich bis zum neuen Album “Saturday Night Wrist” (Warner) in zwei Phasen gliedern. Die erste Phase betiteln wir als “HC-Phase”, da sie sich auf ihrem Debüt-Album “Adrenaline” und “Around the Fur” noch der harten Gangart widmeten: New Metal mit HC-Einflüssen. “Around the Fur” gilt für viele zurecht immer noch als bestes Deftones-Album. Danach kam die “Larmoyanz-Phase”: Sänger Chino Moreno schrie zwar immer noch, allerdings nicht mehr zu ca. 80 Prozent, sondern nur noch zu 50 Prozent. Die andere Hälfte überzog er mit Stöhnen, Schmauchen und Hächeln. Die Songs waren aber auf White Pony und zum Teil auch noch auf dem selbst betitelten letzten Album, immer noch grosse Klasse und hatten Stil und Format.

“Saturday Night Wrist” hat nun eine neue Phase eingeläutet: Die Songs sind praktisch inexistent. Ausser der Album-Single “Hole in the Earth”, die vieles retten kann, aber leider nicht die ganze Platte, bringen die Kalifornier nicht mehr viel auf die Reihe. Die Melodien verstecken sich hinter noch grösserem Hächeln und Stöhnen von Chino Moreno, die Gitarrenarbeit wirkt uninspiriert, die kickenden Melodien fehlen fast gänzlich. Einige Songs deuten ihr Potential an, doch verlieren sich dann in der Belanglosigkeit. Ein möglicher Grund: die Band habe sich aufgrund der harzigen Produktion beinahe aufgelöst. (Quelle) Das vorliegende Endprodukt kann ein Zeichen für den Zwist innerhalb der Band sein. Fazit: Die Deftones konnten sich nach “Around the Fur” auf sehr hohem Niveau halten. Irgedwann musste der Absturz kommen.

“Hole in the Earth” (mp3)

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“Hole in the Earth” (Video)
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Blogger aller Kantone vereinigt euch

Das finden wir eine gute Idee: Swissblogpress vereinigt etablierte unabhängige Schweizer Blogs zum Wissensaustausch und der gegenseitigen Förderung der Professionalität. Das schreiben die Macher heute in einer Pressemitteilung. Swissblogpress dürfte dazu beitragen, dass Blogs in der Schweiz a) überhaupt mehr und b) als ernstzunehmende Alternative zu klassischen Medien wahrgenommen werden. Gründungsmitglieder sind 13 der bekanntesten Schweizer Blogs, die zu lesen sich lohnt. Wenn es nach uns geht, ist 78s bald auch bei Swissblogpress dabei.


Basel – de Räp isch für Dii!

Knapp 15 Jahre nachdem Black Tiger als erster MC überhaupt Baseldeutsche Reime kickte (“Murder By Dialect” mit P-27) wird die Schweiz seit Anfang Herbst regelmässig mit starken HipHop-Produktionen aus den beiden Halbkantonen Stadt und Landschaft bombardiert. Auf dem Konzeptalbum “Beton Melancholie” von Rap-Pionier Black Tiger rappen gleich 14 MCs aus dem Basler Umfeld und repräsentieren die Stadt in sechs verschiedenen Sprachen. “De Tigrr” reflektiert dazu trocken und stets mit melancholischem Unterton die Widrigkeiten auf und neben den Strassen. Kompromisslos und ignorant wie kein anderen Schweizer Rapper widerspiegelt dagegen Griot (ehemals Mory) “de harti Strosseshit” Basels. Wenn er im gepimpten Schlitten vorfährt und den Sound von “Strossegold” aufdreht, vibriert nicht nur der Asphalt. Das lang erwartete Major-Debüt pumpt wie der Clubshit von 50Cent mit noch dickeren Muskeln.

Weniger Muckis dafür mehr tiefgründigere Reime zeigt Tafs-Rapper Taz auf seinem zweiten Solo-Album “Zum Glück” und hält dabei mit Seelenverwandten wie Greis und Curse die Fahne sehr hoch. Wenige Wochen zuvor hatte bereits Aman, Partner in Rhyme und zweites Drittel der Tafs, sein Debüt “Juli/November” veröffentlicht. Das Trio (mit DJ Flink) ist definitiv “zrugg für d’Lüt” und jetzt auf grosser Tournee. Mit der feuchtfröhlichen Plattentaufe von “New & Improved” in der Kaserne Basel zurückgemeldet hat sich zudem auch die legendäre Latino-Combo Delinquent Habits aus Los Angeles. Das fünfte Album der Tres Delinquentes ist exklusiv auf dem Basler Independet-Label PW Records erschienen, das Management und Vertrieb der Tequila-Rapper in Europa übernommen hat!


Po(m)p

“Marie Antoinette” kam in Cannes schlecht weg, die Pressekonferenz zeigte eine niedergeschlagene Sophia Coppola. Einen Monat bevor der Film anläuft, steht nun der Soundtrack in den Läden. New Wave heisst das Programm – Siouxie & The Banshees, New Order, The Cure, Gang Of Four und Bow Wow Wow die Bands. Gelingt mit dieser Kontextualisierung der 80er im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts eine Subversion des Kostümfilms oder werden wir uns mit einem Material Girl im dekadenten Po(m)p langweilen?

On verra…


Damon Albarn live

Langsam wird Damon Albarns neues Superprojekt The Good, The Bad And The Queen konkret. Morgen Donnerstag stellt die Band bei einem Gig im Roundhouse Club in London ihr Debutalbum vor. Natürlich ist das Konzert längst ausverkauft und so schnell jettet man ja ohnehin nicht auf die Insel. Aber kein Problem. Ab 22.30 ist das Konzert live bei BBC im Web zu hören, ab Freitag kann man sich die Sache dann auch noch ansehen. So macht man das heute.


Wurde Rock’n’roll von einem Schweizer erfunden?

Die Schweizer haben ja schon einiges erfunden: den Stewi, den Reissverschluss, s’Matterhorn oder den Robidog. Laut der neuen SF-Sendung “Geheimarchiv” (Trailer) war der Erfinder von Rock’n’roll ebenfalls ein Schweizer (Sendung kommt am 29.10.). Guillaume Roch soll Pate gestanden haben für Elvis Presleys Hüftschwung: “Durch die hohle Gasse kam er, in der linken Hand eine Rickenbacher”. “Sweet Swiss Baby“, “Heartbreak Interlaken” und “Hot Chocolate Love” waren seine grössten Hits. Natürlich alles quatsch. Trotzdem, die Idee vom ehemaligen 10vor10-Anchorman Walter Eggenberger alias “Mahnfinger der Nation”, ist ziemlich fesch. Übrigens: wir versuchen immer noch rauszufinden, wer die angeblichen Hits von Guillaume Roch geschrieben bzw. eingespielt hat. Wer’s vor uns rausfindet, kriegt ein 78s-Überraschungspaket.


“Es ist doch völlig egal, woher die Musik kommt”

Interview mit Fotos-Sänger Tom Hessler in seiner Wohnung, einer typischen Studenten-WG in einem Hamburger Aussenquartier. Plötzlich macht es klick. Das Band des Diktiergeräts ist voll, nach gefühlten zehn Minuten ist eine Stunde vorbei. Wenn Tom über Musik spricht, dann ohne Punkt und Komma. Man kann seine Begeisterung förmlich spüren. Und hier spricht nicht etwa nur der Musiker Tom über seine eigene Musik, sondern auch der Musikfan Tom über Musik im allgemeinen. “Ich bin süchtig nach Musik, seit ich zwölf war.” House, Funk, Pop, Klassik – alles Phasen, die Tom nebst dem Fixpunkt Gitarrenmusik durchgemacht hat. Und von denen er sich regelmässig inspirieren lässt. “Der Musikfan in mir kauft die Platten, der Musiker pickt sich gezielt kleine Elemente heraus, aus denen dann eigene Songs oder Teile davon entstehen.”

Toms Songs kommen an. In Deutschland werden Fotos gerade als Band der Stunde gefeiert, im November beginnt die erste grosse Tour. So sehr er sich über diese Entwicklung freut – zwiespältig ist es trotzdem: “Mit dem Hype ist es so eine Sache. Viele Leute denken, wir wären jetzt schon reich, und nehmen uns das irgendwie übel. Dabei verdienen wir im Moment weniger als früher mit unseren Studentenjobs.”

Von einer Szenezuordnung hält Tom nichts. “Wir kommen alle aus unterschiedlichen Gegenden Deutschlands, bringen verschiedene Einflüsse mit. Als Band fühlen wir uns keiner Szene zugehörig.” Er geht gleich noch einen Schritt weiter: “Wir sind auch keine deutsche Band, sondern einfach eine Band. Und das ist der Unterschied zu den ‘deutschen Bands’”. Dass Toms Texte deutsch sind, hat denn auch nicht damit zu tun, dass er seine Herkunft hervorheben möchte: “Das ist nunmal meine Sprache, englische Bands überlegen sich auch nicht, ob sie englisch singen sollen”. Diskussionen über Zuordnungen von Bands langweilen, ja nerven, ihn. Sie bringen nichts, schränken nur ein. “Es ist doch völlig egal, woher die Musik kommt. Es zählt nur, ob sie gut ist.”


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