• limetorrent latest100
  • 78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

  • kickass lyrics
  • Tektonische Plattenverschiebung in der Schweizer Indie-Szene

    Von    |   10. Juni 2009   |   93 Kommentare

    Es tut sich was in der Schweizer „Indie-Szene“. Die Klassenbesten Luzern und Lausanne wurden heimlich abgelöst. Schuld daran haben zwei schöne Frauen. Wie das halt so läuft im Leben.

    Die eben veröffentlichten ziemlich grossen Platten der Züri-Bands Gabardine und Schnitzer haben unterstrichen, was sich schon länger abzeichnet: Lausanne ist nicht mehr die Indie-Hochburg der Schweiz,  Luzern hat seinen Status als „Rock-City“, der ihm vom Zürcher Magazin RockStar 2005 verliehen wurde, endgültig verloren.

    Was ist geschehen? Luzerns Status als Rock-City gründete auf einer wunderbaren kleinen Szene von jungen Menschen, die Musik machten und sich idealistisch für Musik einsetzten. Neben dem Amateur-Label Little Jig verfügte die Stadt über eine musikfreundliche Kulturförderung und mit Radio 3fach über einen vorzüglichen Jugend-Radio-Sender. Seit 2005 hat sich aber etwas Wichtiges geändert. Im Zentrum des Wandels: Little Jig. Die meisten Bands haben das Label verlassen und sich anderweitig organisiert: dazu zählen Mothers Pride, The Delilahs, Marygold und Flink. Einzig Heidi Happy scheint glücklich zu sein.

    Kein Wunder, denn mit ihr verdient das Label sein Geld. Sie hat dafür gesorgt, dass Little Jig sich professionalisiert hat. Das hatte Konsequenzen: Die idealistische Amateur-Struktur wurde aufgegeben, der Fokus voll auf Heidi Happy gerichtet. Jungen Künstlern eine Plattform zu bieten, stand nicht mehr im Vordergrund. Klar, Luzern hat immer noch gleich viele gute Bands wie früher, und auch immer noch ein super Radio, aber die integrative Kraft namens Little Jig ist nicht mehr das, was sie mal war. Neue Labels wie Goldon Records stecken noch in den Kinderschuhen, könnten Little Jig aber bald beerben.

    In Lausanne hat sich Ähnliches abgespielt. Christian Fighera hat zusammen mit dem Young Gods-Manager Patrick David im April das Label Two Gentlemen aus der Taufe gehoben, mit dem Ziel, Sophie Hunger, Kutti MC und The Young Gods ein professionelles Label-Zuhause zu bieten. Wie in Luzern fehlt jungen Bands nun ein Label, das sie als Sprungbrett nutzen können. Der Gentlemen-Katalog setzt sich heute mehrheitlich aus Westschweizer Acts zusammen, die Ende der 90er jung waren und mittlerweile arriviert sind. Daneben hat Gentlemen das Booking-Geschäft ausgebaut. Mit einer Nachwuchsband hat das Lausanner Label schon lange nicht mehr auf sich aufmerksam gemacht.

    Der kommerzielle Erfolg zweier Frauen, Sophie Hunger und Heidi Happy, hat in Lausanne und Luzern die Ressourcen der verantwortlichen Labels derart gebündelt, dass in der Nachwuchsarbeit ein Vakuum entstanden ist.

    An die Stelle von Little Jig und Gentlemen Records treten andere Nachwuchsförderer. Damit einher geht eine geographische Süd-Nord-Verschiebung. In der Westschweiz von Lausanne nach Fribourg, in der Deutschschweiz von Luzern nach Zürich.

    Saïko Records aus Fribourg setzt neuerdings die Akzente in der Westschweiz. Toboggan, ehemals auf Gentlemen, veröffentlichen schon bei Saïko. Mit Farlow, Tasteless, Underschool Element und Soften hat das Label vier sehr gute Nachwuchs-Acts in ihren Reihen. In der Deutschschweiz tut sich Ikarus Records aus Zürich hervor, das die neue Disco Doom-Platte und Gabardines Indie-Juwel „Years & Airports“ veröffentlicht hat. Neben den Gründungsmitgliedern von Duara, John Sars und Kid Icarus war auch mal die Verpflichtung der Hipster-Band Schnitzer ein Thema. Die basis-demokratischen Label-Strukturen standen dieser Weiterentwicklung aber im Wege.

    Auch sonst hat sich Zürich sehr positiv entwickelt. Es gibt wohl keine Bar zwischen Limmat- und Helvetiaplatz, die nicht regelmässig Konzerte von Schweizer Bands veranstaltet. Zürich hat zurzeit die wohl lebendigste Indie-Szene zu bieten. Künschtli macht schon länger einen hervorragenden Job, ebenso das kleine Cartoon-Heroes-Label. Aber nicht nur in Sachen Rock-Musik, sondern auch was Electro anbelangt. Tim und Puma Mimi werden dieses Jahr noch durchstarten, Mr. Soul sind sowieso ein todsicherer Wert und das jüngst veröffentlichte Album von Zwicker hat Weltformat.

    Die ehemals Klassenbesten Little Jig und Gentlemen Records sehen sich konfrontiert mit einer immer lebendigeren Szene und Vielfalt an Labels. Trotz des Verlusts der integrativen Kraft der beiden Vorzeigelabels ist dies eine sehr positive Entwicklung, natürlich auch für die beiden grossen Indies, denn Professionalisierung ist immer gut, nur müssen neue idealistische Indies nachrücken. Bleibt zu hoffen, dass sich die kleinen Labels, die sich jetzt profilieren dürfen und vom Boom profitieren können, ihrer Chance bewusst sind und sich nicht selber im Weg stehen.

    93 Reaktionen

    1. » Magazin #100 - with a buzz in our ears we write endlessly | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    2. » Wochenrückklick | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    3. Die Berner Labellandschaft | «KulturStattBern»
    4. » Musik im Juni: Die Zusammenfassung | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    5. » 99Verleger: Luzerns bester Club | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    6. » Creaked Records geben Gas / Larytta spielen in Zürich | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    1. #1 Tommy

      10:19 Uhr, 10.6.2009, Link

      ebenso wichtig erscheint mir, dass wir „jungen“-labels uns nicht als konkurrenten sehen… so haben sich unter den labels saiko, cartoon-heroes und goldon, regelrechte freundschaften entwickelt, welche sämtlichen bands nur gut tun können…

    2. #2 marco r.

      11:47 Uhr, 10.6.2009, Link

      sehr interessante beobachtungen. vielleicht hat sich die innerschweiz doch etwas zu lang auf einem titel ausgeruht, der vom rockstar eigentlich gar nie so wahnsinnig ernst gemeint war…

    3. #3 Dominique Marcel Iten

      11:55 Uhr, 10.6.2009, Link

      Ich hoffe ja wohl schwer, dass die Innerschweizer Labels das Rockstar! nicht ernst genommen haben…
      Schön aber zu sehen, dass unter den Schweizer Labels etwas geht.

    4. #4 jane

      12:08 Uhr, 10.6.2009, Link

      sehr gut beobachtet und ausgeführt!

    5. #5 Goldon

      12:11 Uhr, 10.6.2009, Link

      sehr fein recherchiert. schade eigentlich, dass die bands als auch die labels (noch) zu sehr nach geografischen kriterien ihre partnerschaften eingehen, meint: wenn label und band eben nicht aus der gleichen regionalen szene kommen, bündeln sich automatisch die nötigen kontakte/kräfte, um in den überregionalen und nationalen medien wahrgenommen zu werden.

      united we stand – divided we fall.

    6. #6 JV

      12:59 Uhr, 10.6.2009, Link

      sehr lesenswerter artikel!!

      man könnte auch dahingehend argumentieren, dass es die sogenannten „indie“-labels einfach allgemein mehr terrain am gesamtmarkt/bzw. neue märkte erobern… da auch die arrivierten labels ihre kräfte bündeln müssen, bleiben funktionen, die neu von „kleineren“ labels ebensogut wahrgenommen werden kann…

      …zugespitzt formuliert entwickelt sich erst jetzt richtig ein indiemarkt…?

    7. #7 Mister D.

      14:44 Uhr, 10.6.2009, Link

      interessant zu sehen wie sich in der schweiz die kleinen indies entwickeln! basel fehlt schon lange ein richtig ambitioniertes indielabel..
      schlussendlich sicher auch ein grund warum bands wie navel, the bianca story, manana und andere bei ausländischen indielabels unterschrieben haben.. und nicht in der schweiz..

      vielleicht ist die schweiz einfach zu klein für so viele labels mit hoch gesteckten zielen! Das wichtigste ist in meinen augen, dass Newcomerbands mit dem nötigen Talent und dem vorhandenen Willen für eine Karriere mehr Unterstützung erhalten.. Wenn dies durch motivierte kleine Labels geschieht, umso besser.. Kleine Indielabels könnten in Zukunft eine wichtige Rolle für den Aufbau junger Künstler einnehmen..

    8. #8 Martin

      15:23 Uhr, 10.6.2009, Link

      @Goldon: Das teritoriale Denken existiert eigentlich gar nicht. Für das Stolze Openair haben wir mit Nationmusic, inside agency etc. zusammengearbeitet und da war überhaupt nichts davon zu spüren, alle waren hell begeistert und es war eine enorm gute Zusammenarbeit… für uns eine super Erfahrung und es motiviert, weiter solche Aktionen zu starten…

    9. #9 Goldon

      15:39 Uhr, 10.6.2009, Link

      @Martin: Vorbildlich! Trotzdem ist es offenkundig, dass ZH-Bands eher bei einem ZH-Label signen, weil man sich ‚kennt‘, weil die ‚Wege‘ kürzer sind und weil Konzerte halt vor der Haustüre stattfinden (können). Das Gleiche gilt auch für Luzern, Bern oder die Welschschweiz. Übrigens steht bei uns mit Lallaby eine Basler Band unter Vertrag – ist doch mal ein Anfang. Nieder mit dem Kantönligeist und anderen geografischen Fussfesseln ….

    10. #10 Dominique Marcel Iten

      16:32 Uhr, 10.6.2009, Link

      Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Je weiter weg das Label, je aufwendiger und teilweise auch anstrengender die Zusammenarbeit.
      Ich bin wie Goldon schon lange dafür, dass die Schweizer Musiker endlich auf den Kantöndligeist pfeifen…wie auch auf die unnötigen Neidereien und Scharmützel.
      @Mister D: Ich glaube nicht, dass dies ein grosser Grund dafür war. Fakt ist, dass diese Bands schlicht zu gut waren um auf einem Schweizer Indie zu landen. Und das richtet sich jetzt nicht gegen die tollen Schweizer Indie Labels, sondern gegen den Schweizer Markt. Und natürlich ist es für eine Band mit einem gewissen Format und gewissen zielen interessanter, auf einem ausländischen Indie zu unterschreiben, da dort die Vertriebskanäle und der Ruf mehr Möglichkeiten zulassen.

    11. #11 chris / saïko

      16:51 Uhr, 10.6.2009, Link

      sehr fein, besten dank für den artikel!

      tatsächlich ist es so, dass die meisten indies (uns eingeschlossen) nach wie vor territorial agieren, aber genau in dieser sparte wird sich meiner ansicht nach noch einiges tun. es geht vorerst wohl darum, die fühler in greifbaren regionen auszustrecken – zumal es nach wie vor schwer ist, von der anderen seite der schweiz aus album-releases & gigs zu organisieren.

      ich für meinen teil wäre froh, wenn die clubs etwas mehr in anderen kantonen als dem heimischen auf jagd gehen würden, denn die grundlage eines richtigen austausches sollten nach wie vor ein paar solide gigs sein.

    12. #12 chris / saïko

      16:54 Uhr, 10.6.2009, Link

      und bevor ich’s vergesse:
      die tatsache, dass bands wie the bianca story fremdwertig unterschrieben haben, spricht eine klare sprache – momentan sind die meisten strukturen noch zu wenig gefestigt, oder in den markt involviert, um solchen bands die nötige rückenstütze bieten zu können. entweder man lässt die meisten acts dann einfach sitzen (siehe artikel), oder überlässt den erfolg einer grösseren firma. beide wege sind überaus bedenklich, der aufwand spricht bände…

    13. #13 Mathias

      18:49 Uhr, 10.6.2009, Link

      Danke für eure Beiträge: noch eine Präzisierung bzw. Konkretisierung zum Beitrag von Chris: Ich möchte nicht behaupten, dass Gentlemen oder Little Jig irgendjemand „sitzen gelassen“ haben. Dafür habe ich zu wenig Einblick.

    14. #14 Mister D.

      20:09 Uhr, 10.6.2009, Link

      @ dominique
      klar da stimme ich dir zu, im ausland ist einfach mehr möglich..
      Positiv zu erwähnen ist sicher auch, dass immer mehr Indies aus der Schweiz in Deutschland ihr eigenes Netzwerk auf- und ausbauen und somit CH-Bands über die Landesgrenzen hinaus pushen können..

    15. #15 chris / saïko

      21:39 Uhr, 10.6.2009, Link

      @ mathias: jup, hab‘ ich auch nicht so aufgefasst… sorry, wenn’s so geklungen hat.

    16. #16 jim

      10:00 Uhr, 11.6.2009, Link

      bitter ist einfach die basler situation. missgunst und hängerismus, keine gute kombination, obwohl da ja eigentlich der rvf wäre. eigentlich, denn dieser verein bringt für die ihm zur verfügung gestellten geldmittel wenig effektive und nachhaltige (beispiel soundcredit und sprungbrett) förderung von wirklich interessanten acts (abgesehen von den schon genannten) auf die reihe. lieber unter alten freunden die kohle verdealen….

    17. #17 David Bauer

      10:04 Uhr, 11.6.2009, Link

      @jim
      Das sind harte Vorwürfe. Kannst du die bitte ausführen und belegen? Und, wie so oft, würde es helfen zu wissen, wer diese Vorwürfe erhebt, sprich: wenn du aus der Anonymität heraustreten würdest. Punkt eins, das Belegen der Vorwürfe, ist aber wichtiger.

    18. #18 Mundartisten Records

      10:16 Uhr, 11.6.2009, Link

      Nicht vergessen: Auch in der Hip-Hop Landschaft tut sich was abseits vom Nation-Monopol! Die Mundartisten nahmen mit der Gründung des eigenen Labels Anfangs Jahr das Zepter selber in die Hand. Die Soloscheiben von Chocolococolo und eQuadrat sind schon draussen, Kwest folgt im Juli und Ende Jahr kommt Dimitri mit einer Indie-Scheibe, welche auch euch 78s-Lesern und Radiohead-Fans gefallen könnte.

    19. #19 Dominique Marcel Iten

      10:30 Uhr, 11.6.2009, Link

      Apropos Hip-hop: Auch die Herren von Yaheard.ch hätten ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient. Schliesslich sind sie so ziemlich die einzigen, welche die Hip-hop Kultur im Schlafkanton Zug leidenschaftlich vorantreiben.

    20. #20 jim

      11:54 Uhr, 11.6.2009, Link

      aus der anonymität heraustreten = selbstmord, lieber david. auf der ensprechenden website ist gelistet, wer in der letzten zeit geld bekommen hat. über die „relevanz“ (und „szenerelevanz“ trägt bei jurierungen offiziell zur bewertung bei, wie auch immer diese eingeschätzt wird) der acts lässt sich streiten, ok. hier aber nun wie gefordert einige beispiele:
      ein coaching im wert von 5000.- bei den eigenen leuten (rfv-coach-pool), newcomer wettbewerbe veranstalten mit bis zu 18.- eintritt obwohl das preisgeld nicht aus den eintritten generiert wird sondern aus rfv-geld, also subventionen, sprich steuergeldern (diesen missstand haben die herren nun selbst bemerkt und die preise gesenkt, wo das geld hin ist vom letzten jahr, wer weiss), jurymitglieder die ihre eigenen bands an den betreffenden anlässen spielen lassen, wettbewerbe, bei denen es aufnahmen im rfv-buddy-studio zu gewinnen gibt im wert von xx.-, wettbewerbe bei denen nur der protest der bands verhindert, dass zwei von drei jurymitgliedern vom selben basler studio sind (auch hier ist besserung in sicht, immerhin)….
      schwerwiegender wie diese beispiele wiegt jedoch die innovations- und netzwerk/struktur-feindlichkeit. mit den gegebenen ressourcen (jährlich 550’000.-) sollten wir doch den zürchern u.a. in den allerwertesten treten können, oder?

    21. #21 Marc

      22:13 Uhr, 11.6.2009, Link

      @ chris / saïko:

      Danke für Deinen Comment.
      The bianca Story werden in der Schweiz über „Inside Agency“ vertreten, die sich aber meistens im Hintergrund hält. Du hast recht, dass wir alle unsere Bands (mit ihren debut Alben) direkt ausserhalb der Schweiz gesigned haben und einfach den CH Markt selbst bearbeiten was die Label Arbeit & Booking betrifft (The bianca Story || Mañana || Slag In Cullet).
      CH indie Labels brauchen gute Partner im Ausland, sonst wird das eher schwierig mit dem Export.

    22. #22 dominic

      12:37 Uhr, 12.6.2009, Link

      den Wald vor lauter hiphoplandschaft….
      umdrehen, denn da steht: A TREE IN A FIELD, mein Lieblingslabel.

    23. #23 jim

      10:56 Uhr, 13.6.2009, Link

      hats dir die sprache verschlagen, david?

    24. #24 marc @ inside agency

      12:10 Uhr, 13.6.2009, Link

      @ jim:
      deine argumente finde ich spannend.
      vom rfv halte ich im bezug auf die aktuelle professionalität sehr viel.
      wenn du von „vetterliwirtschaft“ sprichst, kann ich verstehen
      was du meinst. auch mir sind nicht immer alle abläufe klar, wenn es um die jury, eigene bands und preise geht. wenn ich in der jury bin, sollte ich mich mit dem gewinner/preis nicht bereichern können.
      es machen alle mal einen fehler, auch du und ich. der rfv ist aber derzeit auf einem sehr guten weg mit einer kompetenten crew.

    25. #25 marc @ inside agency

      12:33 Uhr, 13.6.2009, Link

      alvin zealot aus luzern hat nach meiner einschätzung sehr viel potential.
      die sind noch jung, nicht unter vertrag und haben sehr viel talent.
      respect auch vor 7$taxi. die haben noch nicht so viel falsch gemacht und wissen was sie tun. ich finde die luzern szene naben zurich und baselland :) sehr geil.

    26. #26 Guido

      13:24 Uhr, 13.6.2009, Link

      @ Marc: Alvin Zealot sind sehr wohl unter Vertrag, nämlich beim noch jungen Musikverlag Goldon Publishing. Wer Label-Partner für das Debüt Album wird, entscheidet der Verlag zusammen mit der Band nach Fertigstelltung des Debüts im Sommer. Allerdings gebe ich dir recht, dass Alvin Zealot nocht jung und vorallem sehr talentiert sind.

    27. #27 David Bauer

      14:24 Uhr, 13.6.2009, Link

      @jim
      Nein. Schau morgen in die SonntagsZeitung, dann siehst du, wo und wie ich anderweitig beschäftigt war :-)

    28. #28 marc @ inside agency

      14:36 Uhr, 13.6.2009, Link

      @ Guido:

      das wurde ja auch höchste zeit..
      beim letzten gig war das noch offen, aber solche talente sind eben schnell vergeben :)

    29. #29 nino // quiet recs.

      10:08 Uhr, 15.6.2009, Link

      bei aller euphorie gilt es die produktionsbedingungen zu betrachten, um zu einer analyse zu kommen.
      da siehts für mich dann schon ein bisschen anders aus mit „aufstrebend“ und „szene“ und so..
      einige der labels, die angeblich so hart am lokale acts pushen sind, sind mit null risiko dabei wenns um die produktion geht. die „labels“ beteiligen sich weder an den studiokosten noch an den plattenproduktionen (belegt von bands, die auf den entsprechenden labels sind).

      wenn das vertrauen in eine band nicht mal für die finanzierung einer CD-produktion reicht, die mittlerweile gerade mal noch knapp 400.- kostet (300 CDs auf spindel), dann find ich das eigentlich eher ein kümmerliches zeichen für „die szene“, unabhängig davon, ob sie in lausanne, luzern, zürich oder basel hocken. eine solche labelvielfalt spricht nicht für ein lebendige szene, sondern für eine breite schicht an ausgebeuteten musikerInnen. mehr leider nicht.

    30. #30 Dominique Marcel Iten

      10:30 Uhr, 15.6.2009, Link

      @nino: Nur sehr wenige Indielabels finanzieren heute noch die Produktion einer Newcomerband mit. Oft wird erst bei der zweiten Produktion mitgeholfen, wenn auch feststeht, dass der Act sicher ein paar Platten absetzt.

    31. #31 David Bauer

      10:55 Uhr, 15.6.2009, Link

      @nino
      400.- für eine CD-Produktion? Du meinst wohl die Pressung, nur ein kleiner Teil dessen, was das alles wirklich kostet.

    32. #32 nino // quiet recs.

      11:54 Uhr, 15.6.2009, Link

      also um das mal schnell klar zu stellen: wir betreiben seit 10 jahren ein indielabel. wir haben soeben unsere 25. veröffentlichung draussen, 14 davon auf vinyl. mit einer ausnahme bezahlten wir IMMER die produktionskosten der platten und CDs und das mastering. meiner meinung nach ist das das absolut mindeste, was man als label machen kann. wenn ich als band alles selber bezahlen muss und dann sogar noch dem label meine eigenen, selbstfinanzierten CDs abkaufen muss, dann läuft etwas falsch.

      dominique schildert genau das problem des kapitalistischen zusammenhangs, der – und das ist ja das verrückte und eigentlich nur peinliche –: gewisse indielabels helfen –wenn überhaupt– erst , wenn es sich über einen testlauf erwiesen hat, dass sich eine unterstützung wirtschaftlich zu rechnen scheint. horror! genau indielabels sollten m.E. bands unterstützen, die ihnen grandios vorkommen, drauf gepfiffen, wieviele einheiten davon umgesetzt werden. nur etwas zu machen, das sich ökonomisch lohnt – und das noch mit einem testlauf auf kosten der bands belegen lassen, dafür sind die majors da.

      @ david: darum habe ich ja geschrieben, ich zitiere mich selbst: “ 300 CDs auf spindel“. die covers kannst du selber siebdrucken oder stempeln. ein digipak rohling kostet 0.85 Cents. in diversen schönen farben.

    33. #33 chris / saïko

      12:13 Uhr, 15.6.2009, Link

      @ nico // quiet recs.

      du hast natürlich recht, in einer perfekten welt könnten indies diese kosten locker übernehmen – aber gerade weil sich in dieser szene die zahlen nach wie vor extrem tief halten, ist es oft einfach gar nicht möglich, bands finanziell zu unterstützen… labels punkten fast durch’s band hauptsächlich mit der namensverwendung und der promo auf, da gibt es eine klar sichtbare verschiebung.

    34. #34 Dominique Marcel Iten

      12:32 Uhr, 15.6.2009, Link

      @nino: Das Problem liegt auch noch woanders. Viele Indielabels leisten sich den Komfort, Bands zu signen, welche bereits eine Platte produziert haben und mit dieser dann beim Label antanzen. Die Plattenkosten sind also bereits übernommen, hinzu kommt ein Beteiligungsvertrag, bei welchem das Label die Hälfte der Produktionskosten übernimmt. In der Schweiz bei einer Pressung im kleinen Rahmen 2000- inkl. Booklet etc….in England ab 3000, wobei 4000 verlangt werden, was nebenbei ein Grund ist, warum man als Schweizer Band nicht von Anfang an auf einem englischen Indie signen sollte. Ein Fehler, den auch wir gemacht haben.
      Du siehst, das Label kann nur gewinnen: Die Platte ist produziert, und die Produktionskosten werden ebenfalls nochmals geteilt. Hinzu kommt, dass ein Teil deines Geldes noch in den Administrationsaufwand des Labels einfliesst. Die Band zahlt also folglich für einen Vertrieb ein haufen Geld, während der Indie kein Risiko eingeht und einen weiteren Act in seinem Artist Rooster hat, von denen dann einige auch wirklich Platten verkaufen.
      Der Witz ist: Würden die meisten Indies die Produktion und Recordingkosten übernehmen, wären sie sehr schnell weg vom Fenster.
      Natürlich, wenn man auf eine Demo-Veröffentlichung setzt kommt das Ganze nicht so teuer. Aber bei internationalen Releases muss einfach eine Pressung her, alleine schon wegen den Rechten der Künstler. Und das kostet nun mal eben viel Geld.
      Geld, welches die Indies entweder nicht zahlen können oder nicht zahlen wollen. Beide Argumente sind nachvollziehbar: Entweder du willst, aber kannst einfach nicht. Oder du ziehst jungen Bands das Geld aus der Tasche und lockst sie mit offensichtlich guten Verträgen mit hoher Prozentbeteiligung.
      Das Geschäft ist schmutzig.
      War es aber schon immer.

    35. #35 Luca

      12:41 Uhr, 15.6.2009, Link

      Kid Ikarus schreibt man übrigens mit einem K. So wie Ikarus Records. So gut wurde da offenbar auch nicht recherchiert…

    36. #36 nino // quiet recs.

      12:47 Uhr, 15.6.2009, Link

      @ chris: ich sage nicht, dass das „locker“ zu schaffen ist. aber es ist machbar, mindestens die produktionskosten (pressung). oder dann halt die hälfte davon, wenns mal eng ist mit dem labelkonto.

      ich glaube was mich nervt, ist – wie dominique ebenfalls feststellt – der umstand, dass sich gewisse labels wortwörtlich auf kosten der bands einen lorbeerkranz binden und in artikeln auch noch dafür gelobhudelt werden. dabei kriegen sie es nicht einmal auf die reihe, ein paar hundert franken auf die seite zu legen für das, was ihnen anscheinend soooo viel bedeutet. ausserdem kann man sich als label auch geld beschaffen, wenn man selber keines hat.

    37. #37 Patrik

      12:54 Uhr, 15.6.2009, Link

      @ nino: Habt ihr als Label bei Euren Produktionen Rechtebeteiligung an der Musik?

    38. #38 seb

      12:58 Uhr, 15.6.2009, Link

      wenn man als band sein produkt einem label „verschenkt“ muss man sich einfach wirklich bewusst sein, dass man investiert und zwar in die zukunft. da wird einerseits labelarbeit damit „bezahlt“ die man selbst nicht hinbekommen würde, um überhaupt ein bisschen marktaufmerksamkeit/airplay usw. zu bekommen und andereseits kriegt man so die chance bei der nächsten produktion unterstützt zu werden, und hat die chance darauf aufzubauen.

      für mich als bandmusiker ist dieser deal „normal“ und auch in ordnung, denn eine hand wäscht die andere. klar wasche ich als musiker die des labels erst mal mehr als das label meine…genau das ist die investition.

      Die konditionen des deals lassen sich ja aushandeln und spätestens da merkt man mit wem man es zu tun hat und ob man da wirklich einsteigen soll oder eben nicht.

    39. #39 nino // quiet recs.

      13:02 Uhr, 15.6.2009, Link

      @patrik: nope.
      alle rechte liegen immer zu 100% bei den musikerInnen.
      ausserdem arbeiten wir mit copyleft/GPL lizenzen, womit wir uns – politisch motiviert – aus dem verwertungszyklus ausnehmen.

    40. #40 Patrik

      13:12 Uhr, 15.6.2009, Link

      @ nino: Löblich, habe noch nie von Copyleft gehört und bin mich am einlesen. Aber SUISA angemeldet sind die Werke der Bands schon, oder nicht?

    41. #41 nino // quiet recs.

      13:24 Uhr, 15.6.2009, Link

      SUISA nur dort, wo die bands ausdrücklich und unwiderruflich drauf bestehen. das ist bei einer combo der fall. die anderen spannen erfreulicherweise nicht mit dem privatunternehmen und monopolisten SUISA zusammen. ist ja auch überhaupt nicht nötig, wenn es um die rechte an kompositionen geht. lediglich die verwertung bleibt aus, bis eine alternative verwertungsgesellschaft gegründet wurde.

    42. #42 Patrik

      13:47 Uhr, 15.6.2009, Link

      @ nino: gegründet wurde oder gegründet wird?

    43. #43 chris / saïko

      14:15 Uhr, 15.6.2009, Link

      @ nino: ich seh‘ schon was du meinst, aber ich würde mal spontan behaupten, dass es von aussen ziemlich schwer ist, in die finanziellen machenschaften der labels reinzugucken.
      ich glaub‘ ich kann offen sagen, dass wir keinen einzigen franken zurückbehalten, sondern beinahe sämtliche ‚einkommen‘ in die promo stecken… wie andere labels bei so simplen vorgängen noch was für sich abzwicken, ist mir ein rätsel.

    44. #44 nino // quiet recs.

      15:16 Uhr, 15.6.2009, Link

      ich will ja auch keinem der oben genannten labels unterstellen, was abzuzügeln oder zu veruntreuen. erstens weiss ich davon nichts und zweitens geht es mir auch nicht da drum.

      mich stört, dass – gemäss angaben von gewissen bands, die auf gewissen labels sind) von seiten der labels häufig kaum was reingebuttert wird, aber man trotzdem grosszügig den (vorwiegend immateriellen, zugegeben) mehrwert abschöpft. mich stört, dass aufbau arbeit sich darauf beschränkt, eine promoliste zu führen, die jedEr halbwegs vernünftige erdenbürgerIn mit ein bisschen grips per google auch hinbekommen hätte.

      wenn es nun viele solcher labels gibt, ist das meiner meinung nach kein anzeichen einer vitalen indieszene, sondern ein zeichen dafür, dass die kleinen die strategien der grossen kopieren. (war nämlich die warner strategie beim 2. rilo kiley album). und das wiederum zeugt für mich eher von der invitalität der entsprechende indieszene, weil sie keine eigenen lösungen zu entwickeln scheint.

      @ patrik: die gibts leider noch nicht, die alternative verwertungsgesellschaft. hab mich im futur II vertan. es hätte heissen sollen: „(…) bis eine alternative verwertungsgesellschaft gegründet sein wird“

    45. #45 Michi

      20:01 Uhr, 15.6.2009, Link

      Ein Label kann auch einfach als Bandkollektiv funktionieren (Bsp. Ikarus Records) das den Bands einen Rahmen und organisatorische Strukturen bietet. Organisation und Labelarbeit etc. werden aufgeteilt, was natürlich aktive Mitarbeit voraussetzt, aber auch viele Freiheiten ermöglicht. Das Label macht selber keinen Gewinn, d.h. jede Band bezahlt ihre Releases selbst, bestimmt den Preis selbst, und bekommt die gesamten Einnahmen davon.

    46. #46 felix

      22:54 Uhr, 15.6.2009, Link

      @ nino: mich stört, dass die bands von quiet praktisch unbekannt sind.

    47. #47 rockyeah

      03:39 Uhr, 16.6.2009, Link

      naja, also zumindest von göldin und bit-tuner sollte man schonmal gehört haben. ansonsten gehts bei quit recs. wohl auch mehr um den guten alten diy gedanken. und um eine gewisse langfristigkeit abseits des täglichen medienhypes. etwas, das ich, der das label bis jetzt nicht gekannt hat, grad durchaus sympathisch finde. zudem: sehr interessante und aufschlussreiche diskussion grad, bitte weitermachen.

    48. #48 David Bauer

      07:49 Uhr, 16.6.2009, Link

      @nino
      Ich sehe deinen Standpunkt, dir geht es wohl auch um grundsätzliches und die Symbolik eines Labelbeitrags.

      Mein Einwurf bezüglich der 400.- war so gemeint: Damit ein Label eine Band wirklich unterstützen kann, braucht es wesentlich mehr als mal schnell ein paar hundert Franken für das DIY-Pressen einer Cd (ob man als junge Band zunächst CDs pressen soll, ist dann nochmals eine andere Frage…). Die Zeiten, in denen eine Band sich bloss in den Hafen eines Labels geben musste und dann vieles von alleine ging, sind längst passé. Von Bands wird heute sehr viel Eigeninitiative verlangt, was allerdings der Qualität nicht unbedingt nicht abträglich ist. Labels, zumal kleine, können da wohl wirklich nicht viel mehr als Strukturgeber und Vernetzungsorganisationen sein.

    49. #49 chris / saïko

      11:55 Uhr, 16.6.2009, Link

      einfach mal eine generelle frage in die runde:
      wie steht der bedarf nach informations-austausch zwischen den labels? offensichtlich werfen wir uns alle mit den unterschiedlichsten strategien in die schlacht, da könnte der eine oder andere durchaus noch eine brauchbare info rausfischen… was meint ihr? wäre sowas in die gänge zu leiten?

    50. #50 seb

      12:39 Uhr, 16.6.2009, Link

      das ist mal ein klasse vorschlag, ich denke, da kann man nur profitieren. das ist sicher auch im sinne von bands, wenn eine interlabel diskussion stattfindet.

    51. #51 Dominique Marcel Iten

      13:29 Uhr, 16.6.2009, Link

      @seb: Das finde ich auch. Engere Zusammenarbeit und Infoaustausch unter Labels würde der Szene sehr viel helfen und sie enorm vorwärts bringen.
      Auch den Bands würde das helfen…vielleicht würden dann endlich auch viele Bands merken, dass man für- und mit als nur immer gegeneinander arbeiten muss, um voran zu kommen…

    52. #52 nino // quiet recs.

      13:46 Uhr, 16.6.2009, Link

      @david:
      da stellt sich die frage, was „unterstützung“ denn überhaupt bedeutet in unserem kontext. und so kommt man dazu, ideologisch zu fragen, was die aufgabe eines labels ist.

      soll „unterstützung“ heissen, den bands einen lebensunterhalt zu ermöglichen? dann sind die presskosten ganz klar nicht wirklich ausreichend. m.E. ist man damit bei einem indie aber auch am falschen ort . wenn „unterstützung“ aber heissen soll, dass man man ihre musik materialisiert, ihnen was in die hand drückt, mit dem sie gigs organisieren können, das sie verkaufen können zu einem von ihnen festgelegten preis und nur die produktionskosten ans label zurückgeben müssen, dann sind u.U, genau diese initialen paar hundert franken presskosten der springende punkt.

      ich gehe mit dir einig, david, dass es den einsatz der bands braucht (war ja schon immer so). aber genauso braucht es eben den einsatz der labels, und der sollte, finde ich, das rumschicken von promos übersteigen.

      mal offline zu diskutieren und ansätze auszutauschen, chris, dünkt mich eine sehr gute idee. bilateral läuft da ja immer wieder mal was, aber halt geografisch bedingt immer im inzestuösen rahmen.

    53. #53 chris / saïko

      14:00 Uhr, 16.6.2009, Link

      eben, ich wüsste echt nicht, wo bei der ganzen sache der haken sein könnte – theoretisch wäre vieles möglich, aber es gäbe klar zwei grobe marschrichtungen: entweder wir tauschen uns online in einem eigenen sektor aus, oder aber wir sitzen einfach mal eine runde an den tisch, hübsch mit traktanden und all dem tralala. hat beides vorteile, aber vor allem wär’s definitiv an der zeit. was meint ihr?

    54. #54 dude

      14:03 Uhr, 16.6.2009, Link

      also sind eben doch die frauen an der misere schuld! :o)

    55. #55 Goldon

      16:46 Uhr, 16.6.2009, Link

      @ chirs / saiko: Ein Labelmachertreffen würde sicherlich einiges bringen, allerdings nur, wenn klar definiert ist, auf was ein Labeltreffen hinauslaufen soll. Was ich mir beispielsweise spontan vorstellen könnte, ist ähnlich der Action Swiss Music (für Musiker) oder Petzi (für Veranstalter) auch für Labels eine gewisse Interessenvertretung gegenüber Dritten in Form eines Verbundes von unabhängigen CH-Musiklabels zu gründen. So würde man beispielsweise an grösseren internationalen Messen gemeinsam auftreten können und als Ganzes den Schweizer Markt voranbringen …

    56. #56 Marc @ Inside Agency

      17:52 Uhr, 16.6.2009, Link

      @ chris / saïko:

      Das ist ein guter Input mit dem runden Tisch & Brainstorming.
      Mit einem der hier aktiven Labels habe ich bereits telefoniert aufgrund dieses blogs…
      78s wird ja zur richtig guten networking Plattform :)

    57. #57 chris / saïko

      19:35 Uhr, 16.6.2009, Link

      na also, geht doch – im zweiten schritt stibitzen wir euch anderen labels dann noch die top-artisten, und gut ist.

      aber mal im ernst: ich denke, dass da durchaus was machbar wäre, zumal offensichtlich bedarf besteht. zeigt her eure ideen!

    58. #58 David Bauer

      21:21 Uhr, 16.6.2009, Link

      Ein runder Tisch klingt ausgezeichnet. Es freut uns, dass wir dazu anregen konnten. Natürlich freuen wir uns genauso, wenn die Diskussion auch hier weiter geht, damit möglichst viele Leute teilhaben können.

      Und wir rufen inzwischen Mal M Kulturprozent an und verlangen für 78s Geld für Labelförderung.

    59. #59 dominic

      00:04 Uhr, 17.6.2009, Link

      hey nino, hab eben deine posts gelesen. sprichst du ikarus an?
      „gewisse labels“ usw.

    60. #60 nino // quiet recs.

      10:03 Uhr, 17.6.2009, Link

      sinn machen würde m.E. ein informeller austausch im sinne von hilfe zur selbsthilfe. ideen, wie der ganze krams von anderen gehandhabt wird, finde ich grundsätzlich spannend. man muss das rad ja nicht 17 mal erfinden, sozusagen.

      uns als indies fit zu trimmen für eine bessere verwertung in der industrie („internationale messen“, „schweizer marktvertretung“) interessierte mich hingegen dezidiert weniger.

      11.7., ziegel oh lac? alle mit roten gummistiefeln an den füssen, damit wir uns erkennen?

    61. #61 chris / saïko

      11:36 Uhr, 17.6.2009, Link

      grundsätzlich würde klar einmal ein informations-austausch im vordergrund stehen – hier die nötigkeit einer interessengemeinschaft zu diskutieren, wäre tatsächlich etwas hastig, aber natürlich ist die idee nicht grundsätzlich auszuschliessen.

      wenn also jemand eine konkrete idee für eine mögliche zusammenkunft hat, dann wäre hier und jetzt der richtige moment.

    62. #62 tobtob

      12:34 Uhr, 17.6.2009, Link

      montag 6. juli 20 uhr bahnhofbuffet olten,viel glück allen;)

    63. #63 David Bauer

      13:10 Uhr, 17.6.2009, Link

      Im Bahnhofbuffet Olten wurde übrigens vor Weihnachten 2005 die Idee für 78s geboren. Guter Ort also…;-)

    64. #64 Carl

      15:18 Uhr, 17.6.2009, Link

      Man munkelt auch, dass das Oltener Aktionskomitee im Bahnhofbuffet zu Olten 1918 den Landesstreik organisiert habe.

    65. #65 Mathias

      22:11 Uhr, 17.6.2009, Link

      ne, die idee wurde am flughafen schönefeld geboren ;)

    66. #66 nino // quiet recs.

      23:18 Uhr, 17.6.2009, Link

      und nochmals derselbe vorschlag von oben:

      11.7., ziegel oh lac? alle mit roten gummistiefeln an den füssen, damit wir uns erkennen?

    67. #67 nadine / saïko

      08:53 Uhr, 18.6.2009, Link

      nett, dass alle so motiviert sind für einen austausch!
      ich finde es aber auch wichtig die nichtdeutschschprachigen labes davon nicht auszuschliessen und ich denke da vor allem an die westschweiz.
      deshalb fände ich es sinnvoll ein treffen an einem ort zu organisieren, welcher sich in der mitte der schweiz befindet und gut zugänglich für alle ist. bern zum beispiel?

    68. #68 David Bauer

      09:45 Uhr, 18.6.2009, Link

      @Mathias
      Um bei der Metaphorik zu bleiben: Wahrscheinlich gezeugt in Schönefeld, geboren in Olten ;-)

    69. #69 soso

      10:39 Uhr, 18.6.2009, Link

      wie wärs, wenn jemand die initiative ergreifen würde, einen ort festlegt, und dann ne einladung verschickt? bin gerne dabei was mit zu organisieren….
      in anbetracht aller tätigkeiten schlage ich nen sonntag vor, musikbrunch oder so…was gibt es für orte in bern, die für sowas geeignet wären?

    70. #70 Pwei

      15:20 Uhr, 18.6.2009, Link

      Den besten Sonntagsbrunch in Bern gibt es im Restaurant Marzilibrücke: http://www.taberna.ch/userdocs/documents/AngebotBrunchMarzilibrueckeNeu1.pdf

      Unbedingt reservieren oder früh da sein.

    71. #71 Don Sarbudo

      10:31 Uhr, 19.6.2009, Link

      wenn wir grad am interessengruppen gründen sind – ich suche noch mitglieder für den schweizerischen verband der von 78s boykottierten bands! :o)

    72. #72 David Bauer

      11:30 Uhr, 19.6.2009, Link

      @Don Sarbudo
      Wir freuen uns auf eine Kopie der Statuten.

    73. #73 Patrik

      18:02 Uhr, 20.6.2009, Link

      Die “Grafik” da oben ist verwirrlich. Kid Ikarus sind bloss ein Teil von Ikarus Records. Beides wird, wie oben schon einmal erwähnt, mit einem k geschrieben. Bitte das nächste Mal besser recherchieren.
      Ich finde die Tatsache, dass Schnitzer bei uns nicht aufgenommen wurde, für so einen Bericht irrelevant. „Szenengewäsch“ dieser Art gehört nicht in einen solchen Artikel, denn eigentlich geht das niemanden etwas an. Ausserdem sind Schnitzer nicht die einzige Band, die wir in letzter Zeit abgelehnt haben. Derartige Entscheidungen führen bei uns immer zu heftigen Auseinandersetzungen und Grundsatzdebatten.
      Interessant ist auch, dass sich bis vor zwei, drei Jahren keine Sau für uns interessiert hat und plötzlich sind wir offenbar attraktiv. Ob das was mit Gabardine und Disco Doom zu tun hat? (Man bemerke den sarkastischen Unterton.)
      Ikarus Records versteht sich nicht als Label im herkömmlichen Sinn. Wir sind ein Kollektiv, welches nach basisdemokratischen Regeln organisiert ist. Es gibt bei uns keinen Chef und alle haben Mitspracherecht. Es geht bei uns vor allem um Qualität und nicht um Quantität. Damit will ich keinesfalls sagen, dass Schnitzer keine Qualitäten aufweisen! Wir wollen nicht wachsen um des Wachsens willen. Jeder Schritt wird sorgfältig abgewägt und überlegt.
      Bei Ikarus Records geht es nicht um Geld, sondern um Musik. Wir haben sehr wenig Geld und verdienen auch praktisch nichts. Es wäre uns schlicht unmöglich einer Band einen Vorschuss zu bezahlen oder gleich eine ganze Produktion. Wir sind nur schon froh, wenn wir wieder mal ein paar Kleber drucken können. So viel ich weiss, hat bisher jede Band die bei uns mitmacht, ihre Ausgaben durch Cd-Verkäufe und Konzertgagen wieder decken können. Von Kulturförderung halte ich persönlich nicht allzu viel. Um Beiträge zu bekommen, muss man sich mit Businessplänen und anderem Bullshit auseinandersetzen, professionelle Strukturen aufweisen und kommerziell einigermassen attraktiv sein. Es schadet auch nicht, wenn man die richtigen Leute kennt. Damit will ich möglichst wenig zu tun haben. Schliesslich garantiert uns unsere finanzielle Unabhängikeit auch grenzenlose künstlerische Freiheit.

    74. #74 David Bauer

      21:25 Uhr, 20.6.2009, Link

      @Patrik

      Ich finde euren Ansatz spannend und eure Arbeit verdienstvoll. Allerdings verstehe ich diese kategorische Trennung von künstlerischer Arbeit und kommerzieller Arbeit nicht. Wenn du schreibst: „Bei Ikarus Records geht es nicht um Geld, sondern um Musik“, dann drückst du damit ja nichts weiter aus als die Haltung der allermeisten Indie-Bands und -Labels. Dennoch ist klar, dass Geld dabei hilft, gewisse künstlerische Ansprüche überhaupt erst in die Tat umzusetzen. Auch helfen „Businesspläne und anderer Bullshit“ und geschicktes Vernetzen dabei, als Band oder als Label weiter zu kommen. Im Idealfall hat eine Band eine oder mehrere Vertrauenspersonen, die sich um diese Belange kümmern, damit sich die Band weiterhin voll der Musik widmen kann.

      Dies alles bedeutet ja nicht automatisch, dass eine Band einschneidende Kompromisse eingehen muss – auch wenn natürlich die Gratwanderung immer eine schwierige ist. Wenn eine Band aber mit ihrer (möglicherweise genialen) Musik aus dem Bandraum herauskommen möchte, braucht es gewisse Anstrengungen, die nicht nur mit Musik zu tun haben.

      Uns bei 78s geht es ja in gewisser Weise ähnlich. Uns geht es nicht ums Geld, sondern um die Musik (und ums Schreiben). Dennoch haben wir 78s einen kommerziellen Überbau verpasst, um gewisse Dinge erst möglich zu machen. Ohne die Einnahmen, die auf diese Weise generiert werden, würde 78s heute möglicherweise nicht mehr bestehen, ganz sicher aber wären einige Aktionen nicht möglich gewesen, die wir in den letzten drei Jahren angepackt haben.

      In deinen Augen sind wir damit wohl zu viele Kompromisse eingegangen (glaub mir: aus Sicht der Labels und anderen Geldgebern sind wir viel zu wenige Kompromisse eingegangen – darauf sind wir auch stolz). Nicht jeder muss diesen Weg gehen, dennoch glaube ich, dass es niemandem schadet, diese Option nicht von Beginn weg und kategorisch auszuschliessen.

    75. #75 nino // quiet recs.

      11:27 Uhr, 21.6.2009, Link

      david sagt:
      „Auch helfen “Businesspläne und anderer Bullshit” und geschicktes Vernetzen dabei, als Band oder als Label weiter zu kommen“
      die relevanten fragen die sich dabei auftun sind: was heisst „weiterkommen“? muss man weiterkommen? will man weiterkommen? wohin will man kommen und warum?

      in der beantwortung dieser fragen scheidet sich in meinen augen, wie indie man ist. ausserdem stimme ich mit patrik überein, wenn er von die kategorische trennung musik und kohle macht. nicht zuletzt dank der digitalisierung, die (bis zum digital divide mindestens) auch eine demokratisierung ist, kommt man mit sehr wenig geld durch. (mehr dazu hier ). wer verve und das (erlernbare) wissen hat, kann bis zur pressung (vinyl) oder vollständig (CD-R, tapes) eigentlich alles selber machen. wenn mans genau nimmt, könnte man mit marx sagen, dass geld eigentlich eher zur entfremdung führt. aber wir sind ja über marx hinweg und weisen drum darauf hin, dass selbermachen noch den mehrwert (hupos, schon wieder marx) des unikats eines jeden tonträgers mit sich bringt.

      bezüglich kulturförderung finde ich, dass man schauen muss, woher das geld kommt. ikea-stiftungskohle, an der der halbe urwald klebt oder nestlé-beiträge, an denen gewerkschafterInnenblut klebt sind ja keine frage. allerdings hat etwa auch die rote fabrik einen eigenen förderungsfonds, mit tiefen bürokratischen hürden sogar. ist der koscher? oder nicht, weil die fabrik auch nur geld weitergibt von den städtischen subventionen? oder doch weil städtische subventionen ja steuergeld sind, und man sich ja somit quasi selbst unterstützt?

    76. #76 nino // quiet recs.

      11:28 Uhr, 21.6.2009, Link

      hui, kein HTML möglich? naja. der link zu „hier“ war:
      http://kommerz.ch/artikel.php?id=121

    77. #77 marc @ inside agency

      16:38 Uhr, 21.6.2009, Link

      Hallo Labels

      Für alle die es noch nicht mitbekommen haben:
      Die Popkomm, Berlin wurde für dieses Jahr aus mangeldem Interesse abgesagt.

      Hier ein aktuelles Statement aus erster Hand:
      http://www.welt.de/kultur/article3958792/Die-Popkomm-haette-sich-wandeln-muessen.html

    78. #78 Mathias

      15:11 Uhr, 22.6.2009, Link

      danke dafür marc. ich hab mich so saumässig über gorny geärgert, dass ich gar nichts darüber schreiben wollte. herr renner sieht das natürlich wieder mal sehr treffend.

      http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/popkomm-wegen-piraterie-protest-abgesagt;2375028

      der grund für gornys disfunktionalität: http://twitter.com/ragebuch/status/2238209689

    79. #79 Tschino

      07:50 Uhr, 23.6.2009, Link

      die „c/o pop“ in köln scheint – trotz den illegalen downloads – vieles richtig bzw. besser zu machen:

      http://www.presseportal.de/pm/75923/1426673/cologne_on_pop_gmbh

    80. #80 Patrik

      13:02 Uhr, 24.6.2009, Link

      @ David
      Wir haben es relativ weit gebracht wenn man bedenkt, dass wir vor fünf Jahren effektiv bei Null angefangen haben. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass ein gutes Konzert mehr wert ist als „geschicktes Vernetzen“. Die Leute sind durch unsere Musik auf uns aufmerksam geworden und nicht durch unsere Beziehungen und Marketingtools. Ich denke es spricht für uns, dass sich renommierte Bands wie Gabardine und Disco Doom überhaupt vorstellen konnten sich auf uns einzulassen.
      @ Nino
      „was heisst “weiterkommen”? muss man weiterkommen? will man weiterkommen? wohin will man kommen und warum?“
      Gute Fragen! Ich glaube, dass wir uns diese Fragen noch nie so konkret gestellt haben. Wir machen einfach das worauf wir grade Lust haben. Eigentich gilt bei uns wohl das altbekannte Motto: Der Weg ist das Ziel.

    81. #81 David Bauer

      13:29 Uhr, 24.6.2009, Link

      @Patrik
      Ich weiss, was du meinst: Ein hervorragendes Produkt braucht keine Werbung, es ist selber Werbung genug. Das ist der Idealfall und wenn das bei euch funktioniert, umso erfreulicher. Was ich sagen will, ist, dass es keinen Widerspruch gibt zwischen dem genannten „guten Konzert“ und dem „geschickten Vernetzen“. Ein (musikalisches) Produkt wird nicht per se schlechter, nur weil es vermarktet wird (besser allerdings auch nicht, das müsste man mal Navel erzählen).

    82. #82 marc @ inside agency

      16:04 Uhr, 25.6.2009, Link

      @ Patrik: Überzeugende Konzerte und die richtigen Songs sind doch die Basis von allem.
      Ein gutes Netzwerk mit durchschnittlichem oder schlechtem Material zu nutzen oder bemustern bringt mir gar nichts, ausser viel kostbare Zeit & Geld zu verschleudern.
      Beziehungen sind wichtig, aber noch wichtiger ist wie Du richtig sagst, fette live shows und sehr gutes Song Material.

    83. #83 chris / saïko

      14:46 Uhr, 27.6.2009, Link

      so leute, was ist von der gruppendynamik übrig geblieben?
      setzen wir uns jetzt mal hin, und diskutieren wie die grossen?

    84. #84 Acoustic Desaster Records

      15:52 Uhr, 14.1.2011, Link

      aHoi!!!
      …bitte ACOUSTIC DESASTER RECORDS nicht vergessen, seit 1997 aktiv und immer noch „real underground“! Das mini, mini, mini, indiemusik-label aus bienne/biel.

      Mit der ersten und einzigen „CH-Instrumentalrock Compilation-LP“ ETYMOS NOISE aus dem Jahre 2006!!! (Bands: KidIkarus, TunicaDartos, AdAbsurdum, Pirol, Crispy, OverdriveAmpExpolsion, ExperimentalJetSet, JohnSars)

      …Merci und viel Spass beim entdecken neuer spannender Bands!!!
      -acoustic desaster records-

    85. #85 andi ahnungslos

      09:33 Uhr, 15.1.2011, Link

      spannende diskussion hier. ist aus dem label-treff was geworden? oder hat der röschtigraben dies verhindert? übrigens, was mich noch interessieren würde: alle sprechen vom röschtigraben und dem deutsch/französischsprachigen teil der schweiz als musikland. eine italienischsprachige rock/indie fraktion scheint so gut wie nicht zu existieren. oder gibt es deutschschweizer bands die im tessin touren? beziehungen? labels?

    86. #86 chris

      10:39 Uhr, 15.1.2011, Link

      aus dem treff hat sich noch nichts konkretes entwickelt, obwohl der austausch nach wie vor läuft.

      korrekter einwand, aber tatsächlich gibt’s im tessin scheinbar kaum brauchbare strukturen – clubs wie etwa der ‚living end‘ laufen mehr schlecht als recht, weil das entsprechende publikum offebar fehlt. unter anderem auch deswegen haben etwa lonsome southern comfort company ihr eigenes label, on the camper records, aus der taufe gehoben…

    87. #87 Sam

      18:18 Uhr, 17.1.2011, Link

      Herr Menzl, gibts wiedermal einen Zischenbericht? Hats sich denn die Label Szene so entwickelt wie prognostiziert? Two Gentlemen unter Druck, Saiko im Vorwärtsgang, etc…? Nähme mich noch Wunder.

    78s wird seit Juni 2015 nicht mehr redaktionell betreut. Die Kommentarfunktion ist deswegen deaktiviert.

  • btscene serials popular