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    78s-Motel: Vlada in Nashville

    Mittlerweile bin ich in Nashville, Tennessee, angelangt, und ich muss mich immer noch kneifen, um herauszufinden, ob mein Abenteuer nun Traum oder Wirklichkeit sei. Die Reise begann 2003, völlig unerwartet, ungeplant und ohne Vorwarnung, als Weltklassemusiker und Helden von mir 14 Songs meines Debutalbums einspielten. Dass Cats, die sonst für Sting, Michael Jackson, Stevie Wonder oder Whitney Houston wirken, plötzlich in einem abgelegenen Jurawinkel in Lommiswil SO die Songs eines völlig unbekannten Schweizers einspielen, grenzt an ein Wunder, welches ich bis heute kaum fassen kann. Es ist etwa so wahrscheinlich, wie wenn Manchester United in Bestbesetzung an einem Grümpelturnier in Küttigen AG antreten würde. Ich hatte die Gelegenheit zwar weder gesucht, noch verdient, doch ich nahm sie gerne als Gottesgeschenk an, und meine Verantwortung war fortan, die Produktion nach bestem Wissen und Gewissen abzuschliessen.

    Das war vor knapp 5 Jahren. In der Zwischenzeit lag die Produktion aus diversen Gründen 2 ½ Jahre auf Eis. Ich wusste offen gesagt nicht, wie und mit wem ich die Scheibe fertig stellen soll. Ich hatte zudem den Eindruck, ich sollte nichts überstürzen und einfach warten, was mir zwar sehr schwer fiel, doch das Ausharren lohnte sich. Denn anfangs 2006 ergab sich die Möglichkeit, das Album mit Mark Kibble (Take 6), meinem absoluten Vocal Hero, abzuschliessen, womit wiederum ein grosser Traum in Erfüllung ging. So flog ich nach Nashville, wo wir Horns, Backing Vocals, Hammond und Percussion aufnahmen. Nach drei US-Trips und diversen Türen, die sich öffneten, habe ich schliesslich diesen Sommer meinen Traumjob als PR-Mensch beim Konzertveranstalter AllBlues aufgeben, um dieses Baby endlich zu gebären. Nun bin ich seit zwei Monaten in Nashville, wo ich neben den Lead Vocal Sessions viel Zeit mit Editing, Networking, Songs Fertigschreiben und Admin-Kram verbrachte. Die Tage sind sehr voll und intensiv, doch der Traum will schliesslich auch gelebt werden!

    Derzeit wird das Album gemischt, und ich kann das Endresultat kaum erwarten. Gleichzeitig bin ich mir dessen bewusst, dass es bloss eine CD ist, eine von Abertausenden. Und wie mein Soundingenieur hier sagte: «The album is not the journey, it’s just packing up for the trip!» Jetzt geht es erst richtig los! Im Moment bewerbe ich mich um ein US-Arbeitsvisum, um hier nächstes Jahr möglichst viel live zu spielen und nach einem geeigneten Vertrieb suchen. Ich weiss zwar nicht, was mich erwartet, doch ich vertraue, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Das Abenteuer geht weiter! Greetings from Nashville, Vlada

    >> Das Debutalbum von Vlada erscheint im nächsten Jahr
    >> Vlada live (mit 7-köpfiger Band): 17./18.1.08, Trattoria & Soul, Zürich

    Illustration: Sarah von Blumenthal

    78s Motel: Back to the Future mit Favez-Sänger Chris

    I remember 2007 really well, it was soooo damn cool, we used to chat on myspace, make new friends, I remember all the excitement that would arise when Against Me posted their album, you could listen to it, check out the torrents and download the songs, we’d chat about it for hours on msn, those were the good old days…

    Now it’s all about going to a boring mental wi-fi connection place, hooking up your brain and exchanging your thoughts… The kids nowadays don’t even use a keyboard! There’s no real relationship, you’re not chatting, you’re not even adding friends anymore, it just makes me sick. Ah, the good times we had… My Chemical Romance! Now that’s what I call music. We’d plug in the good ol‘ webcam and check out each others‘ eyeliner listening to the Black Parade. That’s how rock and roll is supposed to be listened to: great sounding 64kbps Mp3s. These days it’s all about 1Ko multi compressed crap, you can’t even hear the phasing on the cymbals! In 2007, we could have fun with barely 400 Gigas of downloads, now they need at least a 10% DDBC (Direct Download to Brain Capacity) to be satisfied. And the crap these kids listen to is unbelievable. Give me one lyric as powerful as the late great Avril Lavigne’s: „this innocence is brilliant, i hope that it will stay, this moment is perfect, please don’t go away“.

    I know that some of you think that I’m just an old asshole who can’t adapt to society, but I do believe that rock music was meant to be in Tony Hawks games and in Mercedes adds, not floating in the air waiting for some stupid kid to get it on his DDBC. You used to have to work hard, surf the net, even go to a Starbucks to get your music, now you can just wait for it to land in your skull. No work, no investment, no pleasure.

    Thank god some old school bands like Fall Out Boy are still using the good old method of posting blogs and spamming their Friends, I could never get used to the DDBC ways. Don’t these new Chinese bands know about different time zones? Waking up in the middle of the night to hear a tour announcement screaming in your head just doesn’t do it for me! I’m not talking about the pre historical ways, of course the Vinylised Compacted Diskettes (or whatever they were called) totally sucked, to have to get up and press play on your turntable needle was grotesque and I’m glad technology saved us from THAT, but nowadays, it’s just going too far and too fast.

    That’s the problem with the kids, they just don’t know where to stop. We just should have freezed in 2007, when everything was simple and human…

    Signed: Angry In Lausanne.

    > Chris Wicky ist Favez-Frontmann, ab und zu nostalgisch und zurzeit in der Deutschschweiz auf Tour.

    Illustration: Sarah von Blumenthal

    78sTV: Lofidogma mit Brother A (The Circle Brothers)

    Die strategische Partnerschaft von 78s und Lofidogma geht in die dritte Runde. Diesmal hat sich Brother A aka Alban Ringli aka ein Drittel von The Circle Brothers, den 9 eisernen Regeln des Dogmas unterworfen und in den Sound Development Studios den Song „Polar Angel“ aufgenommen. Nach den Aufnahmen von Puts Marie und Tim & Puma Mimi, die wir bereits begleitet haben (zum Archiv), stilistisch wieder etwas komplett anderes: Whiskeyesker Dark-Country made in Downtown Switzerland.

    > Brother A (Alban Ringli) – „Polar Angel“ (Lofidogmatic)

    Wobei das mit dem Whiskey so eine Sache ist, wie wir im Interview mit Alban Ringli erfahren haben. Denn um nach Whiskey zu klingen, braucht er Bier. Wenn er echten Whiskey für seine Aufnahmen beizieht, dann klingt das Resultat – irgendwie klebrig. Aber hört (und seht) selbst:


    YouTube Direktlink

    78s-Motel: Marc Krebs – Genug gejammert!

    Schweizer Bands sind merkwürdig. Sie jammen gerne. Und sie jammern gerne. Denn sie hätten gerne: Öffentliche Gelder. Öffentliche Anerkennung. Mehr Auftritte. Mehr Räume, Radioairplay, Medienpräsenz.

    Kann man fordern, klar. Nur, was ich mich immer wieder frage: Wie sehr sind sie bereit, sich für ihre Kunst aufzuopfern? Die Frage stelle ich mir in einem Bed & Breakfast in Airdrie. Schottische Provinz. Gestern habe ich in einem Theaterfoyer in Glasgow gespielt. Als Tourschlagzeuger von Andy White. War ein schönes Konzert. Doch Hotel nicht inbegriffen. Essen auch nicht. Die Norm, wenn man nicht Maxïmo Park oder David Gray heisst.

    Andy wuchs in Belfast auf, zu einer Zeit, als Bombendrohungen Alltag waren und Fragen nach der Konfession gefährlich. Eindrücke mussten raus – Songs geschrieben, Bühnen bespielt werden. Das ist über 20 Jahre her. Noch immer reist er jedes Jahr vier Monate durch Europa und Nordamerika. Die Zeiten, als er in der BBC- oder DRS-3-Rotation war, sind vorbei. Um sich und seine kleine Familie mit Gagen und CD-Verkäufen über Wasser halten zu können, muss er immer wieder auf Tour. Eine Ochsentour. Verzicht lautet die Devise. Andy hat keinen iPod. Keine acht Paar Turnschuhe. Keinen Proberaum mit Versicherungswert 15’000 Stutz. Und kein Problem damit. Er hat sich für das Leben eines Künstlers entschieden.

    Solche Menschen gibt es auch in der Schweiz. Aber sie sind in der Minderheit. Was mir hier nicht alles zu Ohren kommt: Da gewann eine Band CD-Fördergelder, 10 000 Franken, löste sich dann vor dem Release auf, weil die Sängerin ein Auslandjahr einlegen wollte. Oder da war jene Band, die einen Deal mit einer deutschen Major-Firma auf sicher hatte, aber nicht unterschrieb, weil im Vertrag festgeschrieben war, dass das Album mit einer stattlichen Anzahl Konzerte begleitet werden muss. Die Gruppe wollte zwar gerne Musik machen, aber nicht jedes Wochenende unterwegs sein. Also lehnte sie ab.

    Dass Bands zweimal wöchentlich proben, irgendwann eine CD aufnehmen, und dann die Welt nicht verstehen, dass niemand darauf gewartet hat, erstaunt mich nicht mehr. In der Schweiz geht es vielen Musikern zu gut. Alles auf diese Karte setzen? Dazu fehlt nicht einfach nur der Markt, sondern auch der Mut, der Wille und die professionelle Einstellung. Vergleiche ich das mit England, so stelle ich fest: Viele Bands hier haben Luxusprobleme. So wünsche ich mir, dass sich all die Schweizer, die auch auf dieser Plattform klagen, sich gelegentlich fragen: «Wie bereit bin ich, mein ganzes Leben meiner Kunst unterzuordnen?»

    Marc Krebs ist Kulturredaktor bei der Basler Zeitung und als Musiker in den Formationen Andy White’s Garageband, Gabriel Vetter & Wirtschaft sowie Wilde bühnenreif. Und ja, manchmal jammert er auch.

    78s Orakel: Team Robespierre & Thieves Like Us

    78s-Leser, die uns schon letztes Jahr die Stange gehalten haben (nichts Perverses imfall) kennen es, das 78s-Orakel. Das 78s-Orakel hat Anfang 2007 alles vorausgesagt, was dann natürlich auch eingetroffen ist: Justice, Voxtrot und Cold War Kids sind „durchgebrochen“, die Smashing Pumpkins haben ihr Comeback gefeiert und Mika hat die Scissor Sisters als Stadion-Neuling und als nervigster Radio-Zeitgenosse abgelöst.

    Die Weihnachtsdekorationen- und Zeitungsprospekte sind obwohl erst November schon wieder im Vollzeit-Einsatz und bald wird wohl auch der Nikolaus-Coca-Cola-Werbespot wieder gezeigt werden. Zeit also, um das 78s-Orakel langsam in Gang zu bringen. Heute möchten wir euch zwei Bands vorstellen die 2008 wohl als heisse Newcomer gehandelt werden dürfen.

    Team Robespierre

    Robespierre hat 1794 seinen Kopf verloren. Das Team Robespierre aus Brooklyn NY, ist dagegen quicklebendig und schickt sich an, mit ihrer Musik dafür zu sorgen, dass andere ihren Kopf verlieren – wenn auch nicht so endgültig wie Monsieurt Robespierre unter dem Schafott. Un peu de New Wave, un peu de Elektro, garniert mit un peu de Punk – gibt Team Robespierre, die ihren Sound selber Hard House nennen. Ihre Debüt-Platte, und diese Info ist so heiss wie eine Kochplatte, erscheint am 22. Januar 08. Live sind sie angeblich das momentan Beste, was New York zu bieten habe.

    Zur zweiten Band, welche uns das 78s-Orakel verraten hat und damit zu den Thieves Like Us. Das Trio fand 2002 in Berlin zusammen – zwei Schweden und ein US-Boy. Da sie als unangemeldete Berliner nicht einmal eine Ausleih- Karte in der Videothek erhielten, widmeten sie sich statt Video-Studium French-House, Italo-Disco und New Wave und Post-Punk – selber bezeichnen sie sich als „half Daft Punk, half Factory„. Das perfektionierten sie nun dermassen, dass sie das Maison Kitsuné aufgenommen hat und die Thieves Like US wohl bald Asyl in Frankreich bekommen werden (Vielleicht wollen sie die Berliner aber dann doch wieder zurückhaben). Hoch leben die „Sans-Papiers“ des Electro-Pop! Bis zum 15. November läuft auf der Maison Kitsuné-Webseite noch ein Cover-Wettbewerb für den Thieves Like Us-Song „Drugs in My Body“. Ihr Debüt wird irgendwann nächstes Jahr erscheinen…

    Team Robespierre – 88th Precinct
    [audio:http://www.ohmyrockness.com/mp3/teamrobespierre_88thprecinct.mp3]

    Thieves Like Us – Drugs in My Body
    [audio:http://www.circlebar.org/hipster9/02%20Drugs%20In%20My%20Body.mp3]

    78s Motel: Wenn Smudo anruft…

    Donnerstag Abend, das Fleisch brutzelt in der Pfanne, die Beilagen sind servierbereit, der TV läuft und mein Magen knurrt. „Ring Ring Ring“, verdammt !! Wieso hat sich die Menschheit dazu verschworen, mich immer in diesen Momenten zu stören! „JA!!“ schnautze ich in den Hörer „ehm, hallo hier Smudo von den Fantastischen Vier, ich gratuliere dir, du hast gewonnen!“

    5 Wochen früher:
    Ich sitze an meinem Arbeitsplatz, schlürfe meinen allmorgendlichen überzuckerten Bio-Alpenkräutertee und lese die Zeitung. „Fanta 4 suchen via Contest den offiziellen Musicclip für ihre neue Single. Preisgeld Euro 44’444.-. „Okay klingt gut, muss ich mitmachen, als alter Fanta 4-Kenner und selbsternannter Videografiker habe ich keine andere Wahl. Daily Business zurück auf den Stapel und los geht’s!!

    1 Woche später:
    Mein 30 Sek.-Bewerbungs-Spot ist fertig! Nun gut, fertig sieht anders aus, aber hey, ist ja auch nur ein Wettbewerb und ich muss ja als Selbstständiger auch irgendwie Geld verdienen. Also, Schluss damit, das Teil hochladen und zurück zum Alltag. Bald drauf erreicht mich eine Mail. „Herzlichen Glückwunsch, DU bist im Finale“ Wow, cool, aber das heisst für mich nun einen 4-Minuten-Clip in nur 3.5 Wochen zu basteln. Anders ausgedrückt: Keine bezahlten Aufträge in dieser Zeit, keine Wochenenden und kein Sozialleben. Dafür eine kleine Chance, ein gesamtes Jahresgehalt in einem Monat einzufahren. Nun gut, was blieb mir anderes übrig als meinen Plan in die Tat umzusetzen. Kurz bei Freunden und Familie für die nächsten paar Wochen abgemeldet und dann Vollgas ohne Rücksicht auf Verluste.

    Ich öffne mein Projekt und motiviert mältriere ich Maus und Tastatur- CRASH – Bildschirm schwarz! Absturz! Okay, kommt schon mal vor. Kiste neu gestartet und wieder verabschiedet sich mein Bild ins Nirvana! Bleibt mir hier zu sagen, dass ich die Kiste erst nach 4 Tagen wieder zum laufen brachte. Der Verlust der Daten und der Nerven inklusive. Danach war ich natürlich noch mehr im Stress als ich zu Beginn kalkuliert hatte, aber zurück konnte ich nicht mehr. Zuviel Zeit war investiert, zuviel Herzblut vergossen worden.

    Die folgenden Wochen war ich wie in Hypnose, stets auf mein Ziel fixiert. Kein Tag ohne meinen PC, dafür ohne alles andere was ein vernünftiger Mensch zum Leben braucht. Endlich brach der Tag des Abgabetermins an. Ich war fix und fertig! Anyway, Clip abschicken, Kiste aus und dann schlafen bis zum geht nicht mehr. Am Abend dann zur Freundin was leckeres kochen und einfach nur noch entspannen und Ruhe! Dann klingelt das Telefon.

    >>> Sascha Kämpf ist Videografiker und hat mit seinem Beitrag den Fanta4-Videoclip-Wettbewerb gewonnen.

    Illustration: Sarah von Blumenthal

    78s-Motel: Fifty Foot Mama’s Little Red Rooster

    Ich erzähl Euch mal was über meine erste Platte. Ich hatte eine ziemlich fesche Mutter. So eine, die gut zu uns war, weil sie auch gut zu sich selber war. Die hatte zwar diesen typischen 70er Jahre Hausfrauen-Job, machte sich aber jeden Tag voll flott. Sie war die Lady Di von Züri Wollishofen – hilfsbereit und unwiderstehlich stylish. Sie konnte Säcke voller Food heimschleppen in Stöckelschuhen, die höher waren als unsere Legotürme und in Röcken, die kürzer waren als unsere Fransen. An freien Nachmittagen bretterten wir im hellgrünen Ford Taunus in die City. Schon im Auto drehte sie den Sound so auf, dass an den Ampeln die Typen in den Kisten nebenan grinsend die Scheiben runterkurbelten und Dinge in Erwachsenensprache zu ihr sagten, die sie sichtlich glücklich machten. Man traf sich also mit jemandem auf einen Drink, dann donnerte man im Rausch der Dezibel wieder Heim.

    In der Dreizimmerwohnung im sechsten Stock ging dann voll die Disko ab. Sie schnallte sich jeweils enge Trainingshosen an, legte Sound auf und tanzte ungefähr so, wie heute die Girls bei diesen Dance-Castings – einfach viel besser. Mein kleiner Bruder und ich fanden es Spitze, sassen auf dem Sofa und gafften. Ihre Lieblingsscheiben waren ein paar alte Stones Seven Inches aus ihrer Jugend. Auf jeder Scheibe hatten ganze vier Songs Platz! Sie schraubte sich zuerst mit den Krachern hoch, zb. «Not fade away», dann geriet sie völlig ausser Kontrolle bei der Schmacht Nummer «Heart of Stone» und kühlte sich dann mit «House of the Rising Sun» von den Animals wieder auf Hausffrauentemperatur ab. Wenn die Show vorbei war, konnten mein Bruder und ich uns endlich dem widmen, was uns am meisten interessierte am Ganzen. Das war dieses autonome Ding im Buffet drin, das Triebwerk der Magie, das Kernkraftwerk der Ekstase unserer Mutter. Dieses Ding mit der Nadel an einem Metallärmchen. Das Metallärmchen hob sich so wie von Geisterhand selber aus der Angel, schob sich zum platten schwarzen Rund hinüber, und liess sich dann mit diesem «Krchkrch» Sound darauf nieder. Das Ärmchen arbeitete sich so in der Rille drin, in der drehenden Scheibe geduldig gegen Innen vor, und mein Bruder und ich versuchten still zu verstehen was da vor sich ging. Wir lernten beide nie recht schwimmen, wir waren Eier in Ballspielen, wir waren die Anti Pfadis unserer Generation und wir waren scheu, aber wir wurden zu den DJs unserer Mutter. Was für ein Job! Eine Platte faszinierte uns ganz besonders. Es war die B-Seite von Heart of Stone. Die Single hatte so einen Buck am Rand. Der machte Action, weil man nie so sicher war, ob die Nadel den Buck schaffen würde, denn sie hüpfte da so gefährlich drüber. Auch klangtechnisch eröffnete der Buck uns neue Welten.

    However Jedenfalls handelte es sich um den Song Little Red Rooster, ein alter Blues Klassiker, den die Stones ziemlich okay als B-Seiten Füller von einem schwarzen Kollegen geklaut hatten. Es war meine erste Platte und es ist wohl auch der meistgehörte Song meines Lebens. Ich konnte den Text in und auswendig, bevor ich ein einziges Wort der Englischen Sprache kapierte und das Sleeve-Foto der Single prägte mich nachhaltig. Ich hab noch immer eine Schwäche für Männer mit langen Haaren in engen Jeansjacken. Warum gerade dieser Song? Keinen blassen Schimmer. Er ist popkulturell völlig unbedeutend, mittelmässig gespielt und gesungen, auch klangtechnisch von mässig glanzvoller Ausstrahlung und alles in allem etwas langweilig. Vielleicht ist es der treibende Groove, das Schleppende, leicht Leidende, das etwas Laszive? Will man das so genau wissen, warum man einen Song so liebt? Kann man es überhaupt erklären, wenn man es weiss? However – ich würd mich freuen über Eure Meinungen zu Little Red Rooster. Es gibt übrigens ne tolle Version von Howlin‘ Wolf!
    Greets, your Fifty Foot Mama

    Illustration: Sarah von Blumenthal

    Favez „in der 69er-Stellung“

    „Yep, I know, the charts suck and James Blunt is number 1, but still, we’re quite happy to announce our Gainsbourgly erotical place of number 69 on the swiss bilboard this week! Thanks you dear Swiss dames and sirs for buying our record, a pec on the cheek to all of you, see you on the road, heehaaaaaaaaaaaaaaw!!!!!!!!!!“ (Chris Wicky, Favez)

    78s-Motel: Trummer singt fürs Folk (uf Bärndütsch)

    Manchmal träume ich ja schon, man könnte zurückspulen und sich das mit dem Kapitalismus noch mal überlegen. Und das gerade wegen den schlimmen Auswirkungen, die er auf unsere geliebte Musik hatte.

    Musik als Lebensbegleiter der Menschen, Volks-Musik eben, ist ja nicht als Produkt entstanden. Heute haben wir uns gewöhnt an Musik als käufliche Gebrauchsware, der in der Perspektive des Konsumenten etwa ein ähnlich kultureller Wert zugeschrieben wird, wie der gerade zum kollektiven Bewusstsein gehörenden Daily-Soap oder Casting-Serie.

    Aber immer noch gibt es Künstler, die mit dem Medium Musik versuchen, dem Menschsein auf den Zahn zu fühlen, ein reales Lebensgefühl zum Klingen zu bringen. Die Vermarktbarkeit der Musik hat uns zwar (nebst Tonnen Schrott, der Vollständigkeit halber sei es erwähnt) viel ganz Grosses und wunderbare Songs beschert, aber wenn es durch den momentan überall beklagten Zerfall dieses Marktes nun wieder möglich wird, ein Minnesänger für sein eigenes kleines Volk zu sein und dort auch gehört zu werden, warum nicht?

    Als Künstler bedeutet das dann halt, dass man sich seine Welt wählen muss. Will man ein MP3 werden oder eine Vinyl-Platte mit schönem Umschlag? Auch das scheint mir aber eine begrüssenswerte Entwicklung, denn viel engagierte Arbeit wird verbraten um im vermeintlich zugänglichen grossen Spiel mitzuhalten und verliert dabei vielleicht den potentiellen Wert, den sie im kleineren, aber menschennaheren Feld hätte haben könnte (und ich schliesse da mein eigenes Werk auch nicht immer aus).

    All of this being said: Wenn einige von euch sich meine neue CD trotz allem kaufen wollen, freut mich das natürlich ungemein. Sie heisst „Im Schatte vo däm Bärg“, ist meine erste volksnäher-weise berndeutsche und wird hoffentlich den Test bestehen, nicht bloss eine weitere und eigentlich unnütze Geräuschkulisse zu sein. Und wenn ihr fleissig kauft leisten wir uns dann noch die Vinylausgabe, hehe

    >>>> Bevor Trummer sich dem akustischen, berndeutschen Wohnzimmerindiefolk verschrieben hatte, machte er sich mit englischsprachigen Folksongs einen Namen.

    Illustration: Sarah von Blumenthal

    78s-Motel: Annakin verkrampft sich auf dem Sofa

    Wieder einmal geht’s nach dem Proben in Schlieren mit blinzelnden Augen hinaus aus dem Übungsraum und mit viel Musik um die Ohren dann aber doch noch mit der Band auf einen Drink in die Hafenkneipe. Einige Zeit und ein starkes Bier später, erinnere ich mich beim Heimschlendern in Richtung 78s-Motel an ein Konzert im el Lokal und denke mir: Was für eine blöde Idee.

    Was für eine blöde Idee, dass ich damals fand, es wäre eine super Idee, schon mal auf das rote Sofa auf der Bühne zu sitzen und auf meinen Einsatz, der erst für das vierte Stück geplant war, zu warten, während der Frontmann die ersten Songs solo spielte. Das ganze Backstage-Zappeln, Händewarmreiben und Gesangsübungen schnalzen, geht ja dann dummerweise gar nicht mehr; man kann auch schlecht hüpfen wie ein Weitspringer vor dem Anlauf holen und einatmen als hätte man gerade einen 100 Meter langen Tauchgang hinter sich (oder vor sich, je nachdem) ist auch eher ein no go.

    Stattdessen zerreisst es einem langsam auf dem weichen, roten Sofa auf der Bühne unter dem Skelett. Wie doof von mir. Nun sass ich da, alles und alle tiptop und glasklar sehend von hinten unten aus der Froschperspektive, gefangen in einer dummen Idee, adrenalinbesoffen, kieferbeissend und sicherlich aufs Schärfste von allen beobachtet, und es gab, wie so oft, nur die Flucht nach vorne. Deshalb bin ich dann auch nach viel zu vielen und viel zu langen Liedern des Frontmannes irgendwann einfach aufgestanden – wobei das Aufstehen aus einem solchen weichen roten Sofa ja jeweils gar nicht so einfach ist – und habe mich mindestens einen Song zu früh, aber für mein Gehirn mindestens drei Lieder zu spät nach vorne ans Mikrofon gedrängt.

    Was für eine Erlösung! Endlich konnte ich mir – die ganze Anspannung kanalisierend – Leonard Cohens Suzanne vom Leib singen. „Suzanne takes you down to her place near the river…“ und ich fühlte mich wieder wohl an dem Ort in der Nähe des Flusses.

    .

    Annakin war die Stimme von Swandive und ist heute solo unterwegs. Ihr Album „Falling Into Place“ ist soeben bei Phonag erschienen. Live: 3.11. Gaskessel, Bern / 16.11. Bad Bonn, Düdingen / 7.12. Kofmehl, Soloturn / 8.12. Mokka, Thun / 14.12. Schüür, Luzern. / 20.12. ETH, Züri.

    Illustration: Sarah von Blumenthal

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