Alle 1188 Artikel von Ralph Hofbauer

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obskuradio Vol.3: Der Hund von Baskerville

Heute für einmal obskuradiotelevision. Cindy und Bert, dem einen oder anderen vielleicht als das Vorzeige-Schlagerpaar der 70er bekannt, haben – so unglaublich das jetzt auch klingen mag – ein Cover des Black Sabbath-Songs “Paranoid” eingespielt. Dass sie den Urmetalsong mit einem deutschen Text versehen haben, der auf eine Sherlock Holmes-Geschichte zurückgeht, macht die Sache umso unglaublicher. Fasten your Seatbelts für Schlager on the rocks und Stromgitarreneasylistening a gogo. Ladies and gents, we proudly present: *Trommelwirbel* “Der Hund von Baskerville”!

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Popmusik für Leute, die Pop hassen

Andrew Bird ist ein seltener und auch ein etwas seltsamer Vogel. Er wurde von seinen Eltern durch die Suzuki-Methode schon als Kleinkind zum Geigenspiel gezwungen gebracht und entschied sich trotzdem aus freien Stücken als Violinist zu promovieren. Statt zum Stargeiger zu werden, wählte er glücklicherweise den Weg des Songwriters und legt nun mit “Armchair Apocrypha” (VÖ 20.3. Fargo/Irascible) sein zehntes Album vor, das ihn wohl endgültig als einen der besten seiner Zunft etablieren dürfte.

War der Amerikaner mit seiner Band Bowl Of Fire noch ausschliesslich mit der Geige und dem rekonstruieren von Roots Music beschäftigt, fand Andrew Bird vor einigen Jahren als Solokünstler zum Gitarrenspiel und zu einer freieren Klangsprache. Mittlerweile haben seine anfänglich noch ziemlich reduzierten Songs eine so opulente Form angenommen, dass man glauben könnte, Birds Ziel sei es, Popmusik für Leute zu machen, die Pop hassen.

“Heretics”

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“Armchair Apocrypha” bringt alle Eigenschaften eines guten Popalbums mit: kompakte Eingängigkeit, leichtfüssiges Timing, gefühlvolle Melodieführung und Abwechslungsreichtum innerhalb eines homogenen Gefüges. Und doch kann man nicht von Ohrwürmern sprechen, denn statt penetranten Hooklines dominieren Arrangements, deren Halbwertszeit herkömmliche Popmusik überlebt. Das Album erinnert wenn überhaupt an jemanden, dann vielleicht noch am ehesten an Eels oder Grandaddy, weil die Musik des Multiinstrumentalisten aus Illinois ebenso kauzig, raffiniert und doch sehr zugänglich ist. Oder an Thom Yorke, weil Andrew Bird seine Worte ebenso verschleiert. Statt Katzengejammer anzustimmen, pfeift der seltsame Vogel Bird dann aber doch lieber seine fast schon heiteren Melodien.


Arien für alle

Für einmal ein Urheberrechtsstreit, der sich nicht um youtube-Videos dreht: Eine der letzten Hochburgen der Hochkultur, das Zürcher Seifenopernhaus, droht mit rechtlichen Schritten gegen das Kollektiv Bitnik, weil die selbsternannte Mediengruppe für ihre Installation “Opera Calling” im Opernhaus Abhöreinheiten angebracht hat, die Arien ins Cabaret Voltaire und von dort aus wiederum via zufallsgenerierte Telefonanrufe in x-beliebige Haushalte übertragen. Hoffentlich kann diese Aktion etwas an der blendendweissen Fassade des konservativen Dekandenztempels kratzen, der 85% des Zürcher Kulturförderungsbudgets verschlingt.


Dipl. Ing. für Tanzflächen

James Murphy vom LCD Soundsystem hat innert weniger Monate drei Tonträger veröffentlicht. Trotzdem klang er am Telefon ausgeschlafener, als er auf dem Bild aussieht.

Du hast für Nike einen Workout-Soundtrack
aufgenommen. Kam es da nicht zu einem Konflikt zwischen künstlerischen Idealen und der Entscheidung, zur Imagebildung eines Global Players beizutragen?

Um wahrgenommen zu werden, ist Kunst immer auch vom Markt abhängig. Ich habe mir das lange überlegt, doch ich fand dieses Experiment weniger bedenklich, als einen bestehenden Song für eine Nike-Werbung zu verkaufen. Ich war erstaunt, wie viele Freiheiten man mir liess und bin sehr glücklich mit dem Resultat.

Machst du selbst Sport?

Ich mache etwas Thai-Chi, eine Kampfsportart, bei der das Kämpfen eigentlich Nebensache ist.

Was waren deine Ansprüche an dein neues Album “Sound Of Silver” (EMI), ausser ein gutes Album zu machen?

Ich wollte mich nicht neu erfinden, die Alben sind durchaus verwandt. Ich wollte einfach eine etwas homogenere Platte machen, als die letzte – und natürlich eine bessere.

Hast du nach dem Hype um den Vorgänger viel Druck verspürt?

Der Druck war nach den ersten erfolgreichen Singles für mich viel grösser. Jetzt konnte ich mir Zeit nehmen, um Sachen ausprobieren.

Ein Song auf dem Album dreht sich um New York. Was bedeutet dir diese Stadt?

Ich lebe seit 18 Jahren dort und könnte mir nicht vorstellen wegzuziehen.

Wie hat die Stadt sich in dieser Zeit verändert?

Ich denke man verändert sich selbst stärker, als die Stadt, in der man lebt.

Kürzlich ist auch wieder eine DFA-Remix-Sammlung erschienen. Was ist dir wichtiger, DFA oder LCD Soundsystem?

Ich kann das nicht trennen. Es ist, wie wenn du zwei Kinder hast. Du magst das eine nicht mehr, weil es Fussball spielt und das andere weniger, weil es Leichtathletik macht. Bei DFA fühle ich mich eher wie ein Ingenieur, bei LCD Soundsystem wie ein Musiker.


Leslie und Emily beim Tête á Tête

Einberufen hat die Reunion der First Ladies des Broken Social Scene-Kuchens das Vice Magazine. Dort gibts auch den Dialog zum Tête á Tête von Feist und Haines in einem Londoner Pub. Die beiden plaudern mit exzessivem Gebrauch des F-Words über die gemeinsame Vergangenheit, sagen ständig “Yah” statt “Yeah”, einigen sich darauf, dass sie ihre Freundschaft trotz Missverständnissen und kontinentaler Trennung nie beendet haben und darauf, dass Pop mehr Frauen braucht. Fazit Haines: “Bitches are out, gals are in.”


Nichts Besonderes

Soeben war ich am ersten Prelistening-Event meines Lebens. Man hatte zum Vorkosten von “Favourite Worst Nightmare geladen. So stand ich da, unter Medienschaffenden, liess mir Häppchen anbieten, löste Getränkgutscheine ein, sah Dani Beck gelangweilt sein Bier zuzzeln und schliesslich spielte noch eine Band. Nein, nicht die Arctic Monkeys. Pegasus aus Biel, blutjung und formatradiokompatibel. Und wie ist nun die neue Artic Monkeys? Keine Ahnung, ich war in ein Gespräch mit Michèle Roten vertieft. Quatsch. Nichts Besonderes.


Rjd2 erfindet sich neu

Rjd2 war nach seinen ersten zwei Platten der Mann, der – so dachte man – einst in die Fussstapfen von DJ Shadow treten würde. Sein neues Album “The Third Hand” (XL Recordings/Musikvertrieb) ist jedoch ein eindeutiges Statement, dass er dies nicht im Geringsten vor hat. Statt zu Samples greift der Amerikaner neuerdings zu Instrumenten und versucht sich als empfindsamer Popsongwriter zu profilieren, dem Refrains wichtiger sind als Breaks. Eine Tatsache, die viele seiner HipHop-affinen Fans vor den Kopf stossen wird.

Bei Pitchfork musste “The Third Hand” unten durch, 3.7 Punkte (von 10) bleiben sonst harmlosen Popschnuckelchen oder überflüssigen Rockbands vorbehalten. Mit einer so tiefen Note würde ich “The Third Hand” allerdings nicht abkanzeln, allein wegen dem grossen Mut zur Veränderung – schliesslich sind Funksamples auch nicht mehr so originell wie auch schon. Die neue Alchemie aus relaxten Grooves und leichten Melodien tönt auf Anhieb eigentlich ganz flockig und macht durchaus Lust auf die sommerliche Leichtigkeit des Seins. Trotzdem fehlt Rjd2 zum Leftfield-Popstar wohl einfach eine charismatische Stimme – sein Falsett ist nett, aber dünn. Vielleicht hätten Gastsänger diesem Album mehr Charakter geben können.

Eigentlich hätte “The Third Hand” das ideale Popalbum für Leute werden können, die Popmusik hassen, denn Rjd2 biedert sich nie an und bleibt durch seine verspielte Produktion stets auf der schrägen Seite. Doch die Hooklines, die Lust auf mehr machen, fehlen – und Songs, die weder richtig gut, noch richtig schlecht sind, bleiben auf lange Frist dann eben doch links liegen.

Den Albumstream zu “The Third Hand” gibts – wie könnte es anders sein – bei Luisterpaal.


obskuradio Vol.2: Disco Computer

Vom französischen Futurismus der ausgehenden 70er Jahre war hier bereits die Rede. Dieselbe visionäre Bewegung macht heute im obskuradio erneut von sich hören. 1978: Terroristen überall, Argentinien wird in Argentinien Weltmeister, Papst Johannes Paul I. stirbt nach 33 Tagen im Amt, das erste Retortenbaby erblickt das Licht der Welt, ebenso wie Patty Schnyder, Menzl und eine Band, die nur für eine Single existieren sollte:
Trans Volta, die mittels Vocoderstimme Tekkno prophezeiten: “Disco Computer, I am the Future”.

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Forget about Second Life

Get a first life.


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