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  • Unscharf: Aidan Baker & Thisquietarmy

    Von    |   8. Juni 2011   |   4 Kommentare

    Konzerte reizen Sinne, wecken Emotionen und beleben Gedanken – bleiben in Erinnerung aber oft unscharf. Sicher ist, dass zwei kanadische Experimentalmusiker @ Bazillus (Zürich) einer faszinierenden Hinterwelt Gehör verliehen.

    4.6. – Zum achten Mal bereits lädt das Team von The Lodge zum etwas anderen Konzertabend ins Kellergewölbe des Zürcher Bazillus-Clubs. Als Plattform für aussergewöhnliche Musik versteht sich das Projekt als „gateway to parallel universes“ und wird durch das Booking experimenteller Klangforscher zum „channel to the world behind the world“.

    Wie wahr! Am Abend zuvor noch unter freiem Himmel zwischen grölenden Teenies gestanden, die das kleine Festival in ihrem Quartier feierten. Kids, die glauben, offen zu sein, und kaum ahnen, was es da draussen noch alles gibt.

    Zum Beispiel Musik, die tatsächlich im Untergrund spielt, spielen muss, weil sie für die Oberfläche zu tief und düster ist. Sie bleibt unterhalb des Gutelaune-Radars und übersteigt die Schmerzgrenze eines durchschnittlich lebensfrohen Menschen. Erzeugt wird sie von Tonkünstlern, deren flinke Arbeit hinter einem Arsenal von Gerätschaften kaum zu durchschauen ist. Man kann sich bloss wundern, woher all die Geräusche kommen, und muss letztlich glauben, sie schallen direkt und verstärkt aus deren Herzen: stoisch pulsierend, unschuldig verdorben, selbstsicher zweifelnd und in der Wucht unerträglich feinfühlig.

    Eric Quach aka Thisquietarmy („deep shoegaze soundscapes“) kauert am Boden, drückt auf Pedals und Kästchen rum, zupft und schrammelt an der Gitarre. Aus den Lautsprechern fliessen zäh wie Lava wummernde Drones, brennen sich in die Seele und versteinern zu Landschaften, wogegen Mordor ein Ferienparadies wär. Der stumme, aber laute Sturm durch eine finstre Hinterwelt endet im verzerrten Rock-Opus, das gen Himmel strebt, aber im Sumpf versinkt. Danach schlägt Aidan Baker („experimental guitar drones“ / Nadja, Whisper Room) ruhigere, aber nicht minder eindringliche Töne an. Spielt Geige auf der E-Gitarre und beschwört stoisch noch nie gehörte Klänge. Akustische Gewalt, die durch beinah zärtliche Übergänge und detailreiche Variationen gezügelt wird.

    Jeder Loop, jeder Saitenanschlag wohlüberlegt, und doch scheint alles spontan, purer Instinkt. Da wird nicht einfach Musik gemacht und routiniert immer derselbe Song runtergeleiert, sondern klanggeforscht und jedes Stück ad hoc neu erfunden. Es bleibt jedoch nichts vereinzelt, alles wird Teil und Variation des universellen Grundtons, einer amorphen Klangmasse, die ins Bewusstsein einfliesst und dessen Strömung bestimmt. Und wenn die Musik nach halbstündigem Rausch plötzlich verstummt, endet der Wachtraum und beginnt das Staunen, wohin überall er getragen hat. Nischenmusik, die dorthin führt, wo Leute wie jene von The Lodge bereits warten: „Where states of mind can free-float“.

    > „Orange“, die kürzlich veröffentlichte Split-Platte der beiden hat er zwar nicht auf Lager, aber trotzdem sei hier auf den Klangkurier verwiesen, den für artverwandte Nischen vielleicht bestsortierten Onlinestore der Schweiz

    Thisquietarmy – New Dawn Fades (Joy Division-Cover)

    >> Live-Mitschnitte z.B. hier oder da

    Aidan Baker live

    4 Reaktionen

    1. Song des Tages: Krankenzimmer 204 – Dumpf - 78s – bessere Musik!
    1. #1 Henry@TheLodge

      14:45 Uhr, 9.6.2011, Link

      Ein sehr schöner Artikel – danke für den Bericht!

      Worte werden bekanntlich der Musikwahrnehmung im Allgemeinen meist nur sehr unzureichend gerecht, was natürlich vorallem an der subjektiven Natur der Sache liegt. Aber hier wurde für mich ganz klar die Essenz erkannt und getreu meiner eigenen Wahrnehmung wiedergegeben. Schön, dass es in der heutigen Welt noch gemeinsame Sichten gibt ;)

    2. #2 Marco Durrer

      16:29 Uhr, 11.6.2011, Link

      danke schön, freut mich!

    3. #3 Stefanie@TheLodge

      14:02 Uhr, 12.6.2011, Link

      Vielen Dank für den bild- und tonhaft schönen Artikel, der mich den Abend nachzuempfinden vermag. Ich musst-durfte dieses Mal nämlich fern bleiben, um unseren kleinen Nachwuchs zu Hause zu betreuen ;-)

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