78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

Facebook & Musik: It’s complicated (und das dürfte nicht sein!)

Von    |   10. August 2010   |   48 Kommentare

Facebook versagt in Sachen Musik. Wir sagen, was getan werden müsste.

Wie viele Leute kennt ihr, die sich überhaupt nicht für Musik interessieren? Eben. Unter den mehr als 500 Millionen Menschen auf Facebook müssten also einige zu finden sein, die sich für Musik interessieren. Facebook aber tut bislang alles dafür, diese Beziehung auf dem Status „It’s complicated“ zu belassen.

Das Problem: Musiker und Fans, aber keine Musik

Gemäss AllFacebook gehören von den 30 beliebtesten Facebook-Seiten deren neun Musikern oder Bands. Als wäre dieser Beweis überhaupt nötig: Die Menschen auf Facebook mögen ganz offensichtlich Musik und möchten sich über Facebook mit ihren Lieblingsmusikern vernetzen.

Doch den Facebook-Seiten der Musiker fehlt das wichtigste: ein brauchbarer Musikplayer. Facebook versagt dabei gleich in beide Richtungen: Den Top-Marken auf der Plattform fehlt ein Tool, um ihr Hauptprodukt, die Musik, zu präsentieren. Den Facebook-Nutzern ihrerseits wird der einfache Zugang zu Musik verwehrt.

Was Facebook zurzeit als „Music Player“ anbietet, spottet jeder Beschreibung. Man kann auf Play klicken und einen Song abspielen. Das ist alles. Und nicht mal das funktioniert reibungslos. Viel zu oft stockt der Player oder gibt ganz den Geist auf. Die Verantwortlichen von Facebook könnten klarer nicht kommunizieren, dass ihnen Musik auf der Plattform egal ist.

Bloss: Facebook kann sich nicht erlauben, Musik zu vernachlässigen. Musik muss zu einem Kernstück des Facebook-Universums werden. Besser heute als morgen.

Die Begründung: Musik ist zwischenmenschlich

Facebooks Erfolg gründet wesentlich in der Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und zur Interaktion zu animieren. Dies geschieht, indem Facebook klassische zwischenmenschliche Tätigkeiten in die Online-Welt bringt. Anderen mitteilen, was wir gerade tun und denken; Fotos von uns und unseren Freunden herumzeigen; Spiele spielen; unsere Freizeit planen.

Musik hören und anderen weiter empfehlen hatte ebenfalls immer schon eine starke zwischenmenschliche Komponente. Früher haben wir Mixtapes zusammengestellt, um Freunden eine Freude zu machen oder Mädchen zu beeindrucken. Es erstaunt wenig, dass praktisch alle Musikdienste im Netz die Funktion eingebaut haben, Musik mit anderen zu teilen. Ein Grossteil dieses Teilens geschieht über Facebook. Die Musik aber, die spielt weiterhin ausserhalb von Facebook. Auf MySpace beispielsweise, was viel über Facebooks Versagen in Sachen Musik aussagt. Während die Menschen in Millionen von MySpace zu Facebook abgewandert sind, ist die Musik auf MySpace geblieben. Wer ohne grosse Umwege ein paar Songs eines bestimmten Künstlers hören will, wird auf MySpace immer noch am besten bedient. Ein gut gemachter Musikplayer von Facebook würde bei MySpace das Licht löschen.

Es ist längst überfällig, dass Facebook mit Musik ernst macht.

Die Lösung: Von Bandcamp lernen

Fürs Erste braucht er gar nicht so viel. Gebt den Musikern einen voll funktionsfähigen, gut gestalteten Player, mit dem sie ihre Songs präsentieren können. Lasst die Nutzer Songs aus den Playern in ihre Status-Updates integrieren und Playlists zusammenstellen, die sie mit ihren Freunden teilen können. Im Nu werden Facebook-Nutzer massenhaft Musik von innerhalb der Plattform weiterverbreiten anstatt von externen Anbietern (Videos von YouTube, Mp3 von Blogs, etc.) einzubinden. Die Facebook-Seiten der Musiker werden dadurch viel stärker frequentiert, die Gesamtaktivität auf Facebook steigt.

Damit der Player für Musiker wie Nutzer gleichermassen attraktiv ist, sollte Facebook mal rüber schauen, wie Bandcamp es richtig macht. Das Musik-Startup bietet einen simplen, überzeugenden Player, der überall im ganzen Netz eingebunden werden kann. In den Player stets integriert ist eine virtuelle Verkaufstheke, einfach und effizient gestaltet, damit Bands ihre Musik direkt verkaufen können, wenn die Menschen sie hören. Bandcamp animiert zum Weiterverbreiten der Musik und gibt Musikern die Gelegenheit, Geschäfte zu machen. Genau so sollte es Facebook auch tun.

Darum, liebe Verantwortliche bei Facebook:

Stellt einen Player zur Verfügung
– der einwandfrei läuft,
– der mühelos auf Facebook und im ganzen Netz weiterverbreitet werden kann,
– der eine Option zum Kauf der Musik integriert hat.

Es ist ein kleiner Schritt – der Grosses bewirken wird. Ihr seid es euren Nutzern schuldig.

Interface Mockups

So könnte der Musikplayer von Facebook aussehen. Auf Musikerseiten:

Im Newsfeed von Nutzern:

Im Newsfeed von Nutzern, wenn er per Klick vergrössert wird:

Original auf Englisch auf der Website von David Bauer veröffentlicht.