78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

Review: MGMT „Congratulations“ (Platte nach Leak offiziell als Stream)

Von    |   20. März 2010   |   16 Kommentare

Die für den 13. April angesagte neue MGMT-Platte „Congratulations“ ist geleaked. Als Reaktion darauf wird sie nun offiziell auf der Band-Webseite als Stream angeboten. Fazit: Die Platte ist ein dicker Mittelfinger in Richtung Mainstream.

Die Ereignisse scheinen sich überschlagen zu haben. Nachdem vom 19. auf den 20. März diverse MGMT-Leak-Links aufgetaucht sind, hat Sony Music schnell reagiert und „Congratulations“ bereits am Samstagabend offiziell als Stream auf  whoismgmt.com gestellt. Und an gleicher Stelle lässt uns die Band wissen:

„Hey everybody, the album leaked, and we wanted you to be able to hear it from us. We wanted to offer it as a free download but that didn’t make sense to anyone but us.“

Und wie waren wir gespannt und wie wurden wir überrascht. Positiv überrascht. „Congratulations“ ist sehr avantgardistisch geworden und wird die Erwartungen vieler Fans wohl nicht erfüllen können. Dafür ist die Platte zu vertrackt, sperrig und experimentell ausgefallen. Viele werden sich wohl enttäuscht zeigen, andere wiederum gerade deswegen anbeissen.

Das haben auch die ersten Reaktionen auf die seit zehn Tagen im Netz hörbaren Tracks „Congratulations“ und „Flash Delirium“ (auf 78s hören) gezeigt. Ersterer ist eine ziemlich grandiose Ballade, wie aus dem Lehrbuch, während „Flash Delirium“ ein Potpourri an Ideen offenbart, die auf gewiefte Art und Weise zusammenkomponiert wurden. Die Songs wurden aber nicht verstanden (zum Beispiel hier) und erhielten ziemlich schlechte Kritiken. Die Band sah sich sogar veranlasst, sich für die schlechte Single „Flash Delirium“ bei den Fans zu entschuldigen (Link). Kurios an der Sache ist hingegen: Es gäbe keine bessere Single auf der Platte als „Flash Delirium“. Alle anderen Songs sind noch weitaus unzugänglicher.

Diejenigen, die nicht unbedingt nach straighten Hits lechzen sondern auch sperrigem, schrägem Pop eine Chance geben, oder wie man es provokativ auf den Punkt bringen könnte auch mit etwas prätentiöserem Pop zurecht kommen, für die wird „Congratulations“ ein Ohrenschmaus darstellen. Bei einigen Songs hat sich beim Schreibenden bereits Grower-Potential bemerkbar gemacht, zum Beispiel bei „It’s Working“, „Brian Eno“ oder „I Found A Whistle“. Allen voran überzeugen aber das pixieske „Song For Dan Treacy“ und das über zwölf Minuten lange „Siberian Breaks“, das sich schon fast als kleines MGMT-Musical geriert.

MGMT zeigen damit, dass sie noch mehr Potential haben, als es der bisherige Output vermuten liess. „Oracular Spectacular“ verdanken sie den Durchbruch, wegen Synthie-Pop-Hits wie „Time to Pretend“ oder „Kids“. „Congratulations“ sorgt dafür, dass sie kein One-Hit-Album-Wunder bleiben werden, und sie schaffen es auf eindrückliche Art und Weise, sich dem Mainstream(-Sound) zu verweigern. Es wird interessant sein zu beobachten, ob die Mainstream-Klientel der Entwicklung folgen kann, wie das zum Beispiel bei Radiohead der Fall ist.

> MGMT „Congratulations“ im 78s Soundsystem hören

> MGMT „Congratulations“ auf der MGMT-Webseite

> MGMT Live am 13.12.2010, Zürich, Maag Event Halle