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Dr. Pop, warum sind die Band-Shirts für Frauen immer schöner als die für Männer?

Von    |   20. Mai 2008   |   36 Kommentare

…fragt 78s-Leser Hugo in den Kommentaren zur aktuellen TingTings-Verlosung. Dass es nicht leicht ist, das perfekte Band-Shirt zu finden, findet auch Dr. Pop.

Illustration: Sarah von Blumenthal

Mir sind einige Fälle bekannt, die wie Hugo das andere Geschlecht um ihre Band-Shirts beneiden und deshalb manchmal einem grossen Girlie-Shirt oder einem kleinen Männer-Leibchen eine Chance geben. Dieses Phänomen ist ohne Zweifel Ausdruck einer zunehmend metrosexuellen Gesellschaft, denn obwohl sich der Männerrock nie wirklich durchsetzen konnte, ist die Mode von heute zu grossen Teilen unisex. Mann trägt gerne pink.

Doch zurück zu den Band-Shirts. Das Merchandise der Lieblingsband ist ja überhaupt selten so, wie man es gerne hätte. Entweder ist einem die Farbe oder das Motiv ein Dorn im Auge. Oder die Band hat zwar schöne Shirts, doch das Konzert war schlecht. Oder die Preise sind eine Frechheit. Oder die Tourdaten sind auf der Rückseite des Shirts aufgedruckt, was bei geschichtsträchtigen Vintage-Shirts natürlich durchaus cool ist, sonst aber eher ätzend.

Wenn optisch und ideologisch für einmal alles passt, ist das Shirt nicht selten nur noch in XL oder in Girlie-Size erhältlich. Gibt es das begehrte Medium doch, stellt man zu Hause fest, dass einem dieses eben doch nicht so gut passt, wie einem der Mann vom Merchandise-Stand weismachen wollte. Das Shirt platzt aus allen Nähten und im Bandnamen bilden sich Risse. Man zieht das Shirt verzweifelt nach unten, doch der Bauchansatz kommt sofort wieder zum Vorschein. Oder man steht in einem wallenden Nachthemd vor dem Spiegel und verbucht das Shirt, nachdem es beim Heiss-Waschen zu stark eingegangen ist, entnervt als Fehlkauf.

Im Schummerlicht des Merchandise-Standes ist die tatsächliche Farbe der Shirts oft nur schwer auszumachen. Noch trügerischer ist die Farbechtheit beim Mailorder-Versand. Was auf der Website nach einem unauffälligen Bordeaux aussieht, ist in Natura schnell mal leuchtorange. Deshalb ist schwarz bei Band-Shirts noch immer die sicherste Wahl. Bei Online-Bestellungen zeigt sich erst recht, wie subjektiv S, M und L ausgelegt werden. Wie oft hat man sich nach dem Auspacken der langerwarteten Bestellung nicht schon eine weltweite Normierung von T-Shirt-Grössen gewünscht? Ein weiterer Haken beim Mailorder-Versand: Die Stoffqualität lässt sich nur schwer beurteilen. Ob es sich um einen formlosen Sack oder ein köperbetontes Stretch-Shirt handelt, lässt sich oft nicht eruieren.

Doch hat man es endlich gefunden, das perfekte Bandshirt, wird es zum Lieblingskleidungsstück, zum stilprägenden Outfit, zur missionarischen Message an die Welt, zu einer zweiten Haut. Man transpiriert mit ihm durch den Sommer, wäscht x-mal den BBQ-Rauchgeschmack aus ihm, flickt Brandlöcher, lässt es sich an Festivals vom Mob zerreissen und trägt es trotzdem weiter, bis es einem Fischernetz gleicht. Wenn es schliesslich untragbar geworden ist, ist klar: Ein Ersatz dürfte schwer zu finden sein.

Welches ist Ihr Lieblings-Band-Shirt? Über Fotos, Band-Shirt-Anekdoten, Sammler-Listen und Merchandise-Shoppingtipps würde ich mich freuen.

(Bilder fügt man mit dem Code „<img src=“http://www.bild.jpg“/>“ ein)

> Leserfragen an Dr. Pop, den Briefkastenonkel von 78s, an: dr.pop(ät)78s.ch