Das 78s Reisebüro empfiehlt

In Spanien muss eine kleine aber feine Szene von Musik-Connaisseuren existieren. Anders lässt es sich nicht erklären, dass am Tanned Tin-Festival (9.-11.11.) im wunderschönen Teatre Principal von Castellón (Valencia) folgende Grössen des Untergrunds auftreten: Lisa Germano, Manyfingers, Okkervil River, M. Ward, Matt Elliot, His Name Is Alive undundund. Die MySpace-Links hab ich mal weggelassen, denn wer keinen dieser Namen kennt, legt dafür auch nicht 1000km zurück, weiss eigentlich gar nicht worum es hier geht und hat schon lange aufgehört zu lesen. Hallo? Noch wer hier? Gehen wir?


Serge Gainsbourg unflätig

http://www.youtube.com/watch?v=LMAHstZ565w


Döwnlöd quelques fronsösische Söngs

Zwei Mal Frankreich. Zwei Mal Hurra! und Bravo!. Anlass für solche Begeisterung bieten Toy Fight und Mina Tindle. Erstere lassen Indietronic-Herzen höher schlagen. Mindestens 100bpm. Und noch grösser ist die Freude, weil sich alle vier MySpace-Songs auch downloaden lassen. Dasselbe bei Mina Tindle aus Paris. Sie watet in den Trampelpfaden von Cocorosie oder Jaymay.


Sieht so künstliche Intelligenz aus?

Es scheint, als könnten diese vier niedlichen Roböterchen keiner Fliege was zu Leide tun. Oder müssen wir den ersten und hoffentlich auch letzten Song von Robot Attack “You’re All Going To Die” doch als unmissverständliche Ankündigung eines Roboteraufstands auffassen?

Bessere Musik und Kostüme hat My Robot Friend zu bieten. Die Robotermusik erfunden haben übrigens die hier.

Noch mehr Roboter gibts hier oder hier. Wenn ich genug von Platten habe, werde ich Roboter sammeln. Allfällige Sammlungsauflösungen bitte umgehend melden.


Für hartnäckige Liebhaber und im Bauch eines Cellos

Du bist ein lustiger Kauz, Du “Badly Drawn Boy”, ganz schön anstrengend. Da schieb ich Deine “Born In The U.K.” (EMI) in meinen gierigen Player, warte bis Du mich betörst und dann, ja dann… Kommt es einfach nicht, das Betörende. Nervös haste ich von einem zum nächsten Song. Und dann… “Promises” ich wusste es, das würde es sein – Klavier, das kannst Du gut. “It’s a different day everyday / Don’t want you to walk alone”, nein, nein, nein. Zu platt – unpoetisch. Wie eine welkende Liebe fermentierst Du, wirst schlabbrig, stinkst. Weiter, weiter… “Without a Kiss”: “All the songs have been sung / You’re too old then you’re too young / Did you leave your mark on the world? / One as deep as true love / Let’s sing Hosanna”. Endlich, Du bist zurück – noch nicht ganz – ich brauche mehr. Suchen, suchen, suche! Auf einmal sitzt Du da in meinem Kopf – ein wunderschöner Akkord, dann Streicher, ich wusste es: “The Time of Times”. Deine sanfte Stimme bezirzt meine Synapsen, Dein makelloses Piano berauscht meine Gehörgänge. “Born In The U.K” – für Liebhaber und Hartnäckige, oder hartnäckige Liebhaber.

Eine andere Geschichte erzählt uns Isobel Campbell in “Milkwhite Sheets” (V2/Rough Trade, VÖ 20.10). Man stelle sich die lieblich-zarte Isobel eingeschlossen im Bauch eines Cellos vor. Nie hätte sie das Licht der Welt erblickt. Wie ein ungeborenes Kind summte sie im bauchigen Tannholz. Zu ihr gesellten sich klitzekleine Violinen, schwingende Saiten, lustige Pauken, und feine Banjos. Drückte man sein Ohr auf des Cellos Bauch, so horchte man der Campbells samtenen Klangfarbe. Schlösse man die Augen, so schwänge man mit den Saiten, wippte mit den Trömmelchen und verlöre ob dem Hauchen des ungeborenen Stimmchens vollends das Bewusstsein. Isobel Campbell übersetzt alten Folk in erschreckend dunkle Lullabys, erhebt das Suhlen in Melancholie zum Dogma. Aus dem Mutterleib haucht ein Fötus – die betörende Isobel Campbell.


Résumé England no.2

Heisses neues Hörfutter von der Insel Nummero zwei (part 1). Heute beginnen wir mit Fun-Indie-Rock von den Good Shoes. Die sind schon “all in my head”. Die aktuelle Jahreszeit lechzt jedoch nach etwas düsterem: Gérard Le Cain bietet die melancholische Alternative und trotzdem hat’s noch den nötigen Pop im “Füdli”. Zu düster? Da haben wir ‘ne abgrehdete Ausweichsvariante mit Comanechi zum einen und zum anderen etwas relaxteres mit The Black Neon. Hier dreht die Discokugel in Slow-Mo.


Rock’n’Gutmensch

Sogenannte Gutmenschen haben ja nicht erst seit kurzem einen schweren Stand. Zyniker und Neo-Liberale (oder schlicht Roger Köppel) lauern hinter jeder Ecke, kaum will man etwas für Odachlose, Drittweltländer oder Menschenrechte tun. Darum gibt’s Amnesty Rock ‘n’ Rights. Dabei vereinen sich gute Menschen und gute Musik zu einem guten Abend und alles wird gut. Auf dem Basler Schiff treffen sich am nächsten Samstag, 21.10., drei Schweizer Vorzeige-Rockacts und rocken für die Menschenrechte. Mit dabei sind Zhivago, The Paces und The Delilahs. Wer nicht hingeht wird in der nächsten Weltwoche-Ausgabe öffentlich denunziert.


Keine Angst vor schmutzigen Fingern

Ryan Adams, der sich in letzter Zeit vor allem durch Balladeskes hervorgetan hat, scheint Sehnsucht nach seinen Garage-Days zu haben. Öl, Fett, Sprit, Testosteron und andere Autopflegesubstanzen durchtränken die 36 einminütigen Rotzrocknummern, von denen man sich schon mal gratis druchschütteln lassen kann, bevor sein neues Album erscheint. Man darf gespannt sein, ob dies nun lediglich Prototypen oder bereits die fertigen Serienmodelle sind. Falls schon: Fasten your seatbelts, ladies and gents!


Korken raus, diesmal

D!Club, Lausanne (11.10.06 )

Abwechslung macht das Leben süss und Fremdsprachen wollen ja regelmässig praktiziert werden… und das geht doch eh am besten, wenn man in Not ist und gar nicht anders kann, weil man muss – und im D!Club (sprich Diiklööbb) muss man, (auch wenn man nicht kann…), wenn man nicht möchte, dass die ganze Technik sofort zu Staub zerfällt während dem Soundcheck. So kompliziert ungefähr wie dieser Satz war das dann jedenfalls für unsere Crew, die erst mal in vorbildlicher pötätre-schö-parl-de-la-francoise-manier die ganze Technik reparierte und aus ein paar Lichtschaltern und alten Boxen eine schlussendlich ziemlich tiptop helldunkel-lautleise-Anlage aus dem Discoinventar zusammenbastelte. Unsere Lieblingsvorband The Paces waren leider nicht am Start und wurden von Stevens aus Genf vertreten. Die sind sehr gut und können auch sehr gut französisch…

Adrian liess das nicht auf sich sitzen und machte ebenfalls alle Ansagen auf, naja: Französisch ist jetzt vielleicht nicht das richtige Wort, aber Frympathisch kann man sicher gelten lassen. Ich fand’s jedenfalls eines der besten Konzerte bis jetzt, vielleicht weil man nix erwartet hat und dann der Blutdruck stimmt, oder weil im Französisch auch ein Hauch von Ausland (und Limbo…) mitswingt? Ja, reim du nur, es war Zufall und der Saft! Jedenfalls war es irgendwie magisch auf der Bühne und so ein richtiger Klubgig wie’s sein muss.
Und weil wir dann alle so mordsmässig gut drauf waren nach dem Konzert und ja eben letztes Mal die Korken drin gelassen hatten, suchten wir uns in Lausanne noch einen passenden Schuppen für eine Feier. Den gab’s nicht, aber das war der Feier egal…


No(news)-Flash

Pete Doherty hat das für morgen geplante Konzert seiner Babyshambles in der Kaserne Basel abgesagt. Grund: Aufenthalt in der Entzugsklinik verlängert. Im Dezember soll das Konzert nachgeholt werden. Wer’s glaubt. Die Absage ist allerdings nur halb so schlimm: Nun kann man für läppische 15 Fränkli die wunderbaren Veils sehen und danach zu Kollege Pop B.Sessens rotierenden Plattentellern abtanzen.


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