Allien am Apparat

Bald ist wieder Fasnacht. Provinzler und Zürcher malen sich bunt an, werfen sich in glimmrige Kostüme und ziehen durch die Gassen. Doch die Street-Parade hat auch ihre guten Seiten. Zumindest eine: die dreitägige Lethargy in der Roten Fabrik (11.-13.8.). Diesmal mit dem deutschen Elektro-Traumpaar Apparat und Ellen Allien, die mit ihrer CD “Orchestra Of Bubbles” Synergien genutzt und Frühlingseuphorien ausgelöst haben. Zudem sind Alter Ego (Elektro+Rock), Dirt Crew (Elektro+Oldskool) und Paul St.Hilaire (Dub+Dub), sowie diverse Schweizer Grössen zugegen. 


Sigur Ros im Englischkurs

Post-Rock ist nicht jedermanns (und schon gar nicht jederfraus) Sache. Post-Rock ist der Mont Ventoux des Musikhörens. Zum Glück gibt es dafür Einsteigermodelle: Vito ist so eines. Ihr Debut “Make Good Areas Disturbed” (Flower Shop/Irascible) ist sehr pop-affiner Post-Rock. Vito aus Wales klingen wie Mogwai im Sommerurlaub auf Island, wie Sigur Ros im Englischkurs und in den poppigesten Momenten wie Jimmy Eat World auf Selbstfindung. Traumhaft schön und ein weit offenes Tor in die Zauberwelt des Post-Rock.


Statt Sommer

Die Programmverantwortlichen vom Stadtsommer 06 in Zürich werden sich wohl fast nicht mehr einkriegen können. Zwei Monate war es dauerschön und ausgerechnet bei der Veranstaltung, die Sommer im Namen führt, regnet’s wie aus Kübeln. Pech, aber zum Glück geht der Event über zwei Wochenenden. Petrus kann sich also noch gnädigen zeigen. Das Programm ist trotzdem nett: Fifty Foot Mama, Radio 200000 und Fisher sorgen für die Highlights. Mehr hier.


Die Tiere sind unruhig

Morgen erscheint das neue Kante-Album. Vorerst nicht in der Schweiz, sondern lediglich in Deutschland. EMI will den dortigen Erfolg abwarten, bevor “Die Tiere sind unruhig” hier veröffentlicht wird. Dieser dürfte allerdings gesichert sein, wurde die Scheibe doch von Musikexpress und Visions zum Album des Monats erkoren. Da fragt man sich, wie die Musikindustrie mit solcher Blindheit aus ihrem Jammertal herausfinden will. Was tut ein Musikjunkie, der neuen Stoff braucht und in seiner Stadt keinen Dealer findet? Richtig, downloaden.


Legale Gratismusik

Alle zwei Jahre gibt es in Luzern gratis was auf die Ohren. Dann nämlich, wenn auf der Lidowiese das grösste Gratis Open-Air der Schweiz stattfindet: Das Funk am See (19. August 2006, ab 13h). Wer hier funkiges erwartet, ist aber falsch gewickelt. Seinen Namen hat das Open-Air vom hiesigen Radiosender 3fach, der den Eintagesevent früher selber organisiert hat und heute noch live über den Äther schickt. 12’000 Leute sind vor zwei Jahren nach Rock City Lu-Town gepilgert und es gibt wenig Grund anzunehmen, dass es dieses Jahr weniger sein werden (nicht mal das Wetter ist ein Argument, denn bei schlechter Witterung wird das Open-Air in ein Closed-Air verwandelt – damit die Schönwetterrocker nicht nass werden?).

Das traditionell rein schweizerische Programm kann sich auch dieses Jahr sehen lassen. Etablierte Grössen (Favez) treffen auf raketenartig gestartete Newcomer (The Delilahs), deutschsingende Lokalgrössen (Kronzeugen) auf englischsingende Local Heroes (Neviss) und rätoromanisch rappende Bündner (Liricas Analas), Zauberer (The Flow Magicians) und Ex-Hühner (The Chicken Nuggets) aus Luzern auf geerdete Hip-Hopper aus Bern (Wurzel5). Und dann wären da noch die Elektro-Popper aus Zürich (Camp), die eigentlich einen Gegenpart aus Basel verdient hätten. Doch dass Basel gute Bands hat, hat sich offenbar nicht bis nach Luzern herumgesprochen.


Rhythmus bei dem man mitmuss

Bei The Thermals gibt’s Rhythmus, bei dem man mitmuss. Das dritte Album der Amerikaner, “The Body, The Blood, The Machine” (Sub Pop/Irascible Vö: 22.8.), versorgt uns mit Gütesiegelware in der Schnittmenge von Punk, Indie Rock und Pop. In Bildern gesprochen: The Thermals zeigen, wie Weezer hätten tönen können, wenn die mal ihren Finger aus dem Allerwertesten genommen hätten. The Thermals tönen nach Kampf, Aufruhr nach Bewegung, Weezer nach Kifferromantik. Das Neue wird wohl etwas mehr als 60 Dollar gekostet haben. Soviel mussten sie angeblich für ihr Debüt aufwenden. Demenstprechend scheppert’s nicht mehr so. Lo-Fi ist aber weiterhin Trumpf, und Hits liefern sie auch wieder wie am Fliessband, wie “A Pillar of Salt” beweist:

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Remmidemmi

Den Kopfnickern sind sie zu elektronisch, den Elektronikern zu kopfnickerisch. Wer beides mag, ist mit Deichkind bestens bedient. Ihr dritter Langspieler “Aufstand im Schlaraffenland” wurde vor zwei Monaten freigelassen. Darauf ist gut erkennbar, dass Deichkinds Motivation zum Musikmachen weder selbstverliebter noch politische Natur ist; Spass soll es machen. Auch und vor allem live. Auf der Bühne sind die Bremer unberechenbar. Im Rahmen der ersten Plan B Elektro Sessions treten Deichkind am 16. August zu später Stunde im Zürcher Kaufleuten auf.


Es war einmal

MTV wurde am 1. August 1981 geboren, also vor 25 Jahren. Ja, wir geben’s zu, wir haben es verpasst, um einen Tag. Aber Fernsehen ist ja schliesslich auch eine ziemlich veraltete Technologie (Augenzwinkern). Beim Roboter gibt’s die Highlights zu einem Vierteljahrhundert Musikfernsehen zum Ankucken und zum Schwelgen.


Nerddancing mit Ok Go!

OK Go! ist eigentlich gar keine schlechte Band. Noch viel besser als ihre Musik sind allerdings ihre Videos. Der Clip zu ihrem Song “A Million Ways” stellte schon so ziemlich alles in den Schatten. Bis heute. Denn nun gibt’s den Nachfolger mit “Here it Goes Again“. Der Erfolg ihrer Clips reicht ihnen aber noch nicht: Auf YouTube unterrichten sie nun sogar Nerddancing und lancierten einen Nerddancing-Contest. Dance or Die!


Gern Gehörtes

Am 4. August erscheint der Hochsommer-Soundtrack für Verliebte: Klee “Zwischen Himmel und Erde” (Ministry Of Sound/Musikvertrieb). Das Kölner Trio kommt zur richtigen Zeit mit der richtigen Musik, die wirkt wie eine Umarmung. Indie-Pop von der zärtlichsten Sorte. Nichts allzu Neues aber immer wieder gern Gehörtes. Ein “Bild” davon kann man sich hier machen. Und richtig anschauen sollte man sie sich am 31. August an den Winterthurer Musikfestwochen (gratis) oder am 1. Oktober im Mascotte (kostenpflichtig).


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