“Es ist doch völlig egal, woher die Musik kommt”

Interview mit Fotos-Sänger Tom Hessler in seiner Wohnung, einer typischen Studenten-WG in einem Hamburger Aussenquartier. Plötzlich macht es klick. Das Band des Diktiergeräts ist voll, nach gefühlten zehn Minuten ist eine Stunde vorbei. Wenn Tom über Musik spricht, dann ohne Punkt und Komma. Man kann seine Begeisterung förmlich spüren. Und hier spricht nicht etwa nur der Musiker Tom über seine eigene Musik, sondern auch der Musikfan Tom über Musik im allgemeinen. “Ich bin süchtig nach Musik, seit ich zwölf war.” House, Funk, Pop, Klassik – alles Phasen, die Tom nebst dem Fixpunkt Gitarrenmusik durchgemacht hat. Und von denen er sich regelmässig inspirieren lässt. “Der Musikfan in mir kauft die Platten, der Musiker pickt sich gezielt kleine Elemente heraus, aus denen dann eigene Songs oder Teile davon entstehen.”

Toms Songs kommen an. In Deutschland werden Fotos gerade als Band der Stunde gefeiert, im November beginnt die erste grosse Tour. So sehr er sich über diese Entwicklung freut – zwiespältig ist es trotzdem: “Mit dem Hype ist es so eine Sache. Viele Leute denken, wir wären jetzt schon reich, und nehmen uns das irgendwie übel. Dabei verdienen wir im Moment weniger als früher mit unseren Studentenjobs.”

Von einer Szenezuordnung hält Tom nichts. “Wir kommen alle aus unterschiedlichen Gegenden Deutschlands, bringen verschiedene Einflüsse mit. Als Band fühlen wir uns keiner Szene zugehörig.” Er geht gleich noch einen Schritt weiter: “Wir sind auch keine deutsche Band, sondern einfach eine Band. Und das ist der Unterschied zu den ‘deutschen Bands’”. Dass Toms Texte deutsch sind, hat denn auch nicht damit zu tun, dass er seine Herkunft hervorheben möchte: “Das ist nunmal meine Sprache, englische Bands überlegen sich auch nicht, ob sie englisch singen sollen”. Diskussionen über Zuordnungen von Bands langweilen, ja nerven, ihn. Sie bringen nichts, schränken nur ein. “Es ist doch völlig egal, woher die Musik kommt. Es zählt nur, ob sie gut ist.”


Immer schön die Klamotten zusammenhau’n

“Früher waren sie besser” stand auf der zweiten Aeronauten-Platte Gegen Alles. Das stimmte damals nicht, später – ca. Ära Bohèmes pas de Problème – schon eher. Deshalb haben sich Die Aeronauten auf ihrem neusten Werk Hier: Die Aeronauten auf alte Stärken besonnen: Da wird gerumpelt und gepunkt, gepöbelt und geblödelt. Und live war die heitere Truppe um Rampensau Big Olifr M. Guz schon immer unschlagbar. In Basel wärmen sich die Schaffhauser für die folgende Deutschlandtour auf, bis sie im Dezember dann nochmal die hiesigen Clubs beehren. Absolute Pflichttermine!

Die Konzert-Highlights des Wochenendes:
27.10 Die Aeronauten / Denner Clan (+ DJ Pop B. Sessen & König Lü. Q.), Wagenmeister, Basel
27.10 Polar / Raphelson, Parterre, Basel
27.10 Good Heart Boutique, Helsinki, Zürich
27.10 Junior Boys / The Mighty Roars, Swamp, Freiburg i. B.
29.10 Grizzly Bear, Palace, St. Gallen

Noch mehr gute Konzerte findest du hier.


Sonny und Cher live in Zürich

J+L Defer heisst das Seitenprojekt von zwei Viertel Disco Doom. Und da Disco Doom ja die beste Band der Schweiz ist, wenn nicht gar die beste Band der Welt, die keine reguläre Platte veröffentlicht hat bisher, sind J+L Defer gemäss Bruchrechnungsregeln fast so gut. Sauruhiger Indie Pop. Ein Song auf ihrer MySpace-Seite heisst Sonny. Darum auch der Titel hier. J+L Defer spielen Ende Oktober drei wahnsinnig empfehlenswerte Gigs in Zürich, am 29.10 unter anderem in der Total Bar.


Reizwäsche

Phébus gehören zu den Schweizer Bands, bei denen es sich eigentlich gehörte, dass sie mehr gehört würden. “Nothing I Can Do” ist vielleicht nicht der stärkste Song ihres aktuellen Albums, aber das Video dazu, das hat internationales Format. Sehr schöne Bilder, sehr professionell umgesetzt. Ein Video von Keane sähe nicht anders aus, ausser dass der Sänger pummeliger wäre und die Frau mehr anhätte (wer sich für die Unterwäsche interessiert, die gibt es hier). Gratulation. Aber Giusy, lächle mal.


Mark van Huisselings Sonnenbrille

Er ist gewissermassen der Last Britpopper Standing, optisch wie musikalisch: Richard Ashcroft (Diskussion hiermit eröffnet). Wer’s nicht glaubt, schaut sich sein neues Video “Why Not Nothing” an. Unglaublich, der Typ verändert sich kaum, sieht immer noch aus wie im Klassiker “Bittersweet Symphony”, sogar die Lederjacke ist noch dieselbe. Das einzig neue ist die Sonnenbrille, die er von Mark van Huisseling gestohlen hat.


3000 Hände für die Lovebugs

City Halle, Winterthur (20.10.06)

Das sah da drin ungefähr aus wie in meiner Lieblingsbar um die Ecke, und hatte Platz für ein ziemliches grosses Rudel Leute. Unser Harakiri-Mischer Andy hat seine Banane mittlerweile verdaut und am Mischpult ein paar Schrauben anziehen lassen (man kennt das ja, wenn man die Kaffeemaschine in den Laden bringt: “Oh, das hatten wir aber noch gar nie, und das ist vom Technischen her gar nicht möglich, dass jetzt da dings…), und das stimmte doch alle zuversichtlich. Ganz flott war als dann Eulen Meusengrecht und seine Paces zum Soundcheck erschienen, weil man hatte sich doch zwei Wochen nicht mehr gesehen (ausser vielleicht in eben dieser Bar um die Ecke) und das ist eine lange Zeit, wenn man noch so frisch verliebt ist wie wir alle…

Es waren wieder 1500 Leute da und absolut die Krönung! Stadioncheckmässig sind das ziemlich viele Hände und in der ersten Reihe ging’s sowieso unerhört ab heut Abend. Bei uns auf der Bühne ging’s eher drunter und drüber, aber nicht wie in Bern sondern in kleinen leicht verträglichen Dosen (quasi Bananenschnitze in einem Fruchtsalat…), und das ist ja eine Bereicherung für alle Beteiligten, weil Schadenfreude ist doch auch Freude, und bei uns rennt dann die ganze Crew so lustig im Kreis rum und niemand weiss wer jetzt was und wie tun soll und das lockert die ganze Sache mordsmässig auf für uns fünf. Wirklich ein schöner Abend, auch im Salzhaus nachher und in der Bahnhofsunterführung und am Dönerstand und alles…spitzenmässig, bis bald!


Heute gehört

Weckerfiepsen, Parkettknacksen, Urinplätschern, Spülungsrauschen, Duschwasserbrausen, Kaffeemaschinendröhnen, Zeitungsrascheln, Wasserhahntropfen, Zahnbürstenschrubben, Klingeln, Beamtenstimme, Kotplumpsen, WC-Deckelknallen, Schlossklacken, Verkehrsbrummen, Beach House, Handysurren, Elternstimmen, Radiogedudel, Miauen, Besteckgeklimper, Zahnarztwerkzeugkreischen, Münzklingeln, Verpackungsgeknister, Bonnie ‘Prince’ Billy, Auslöserklicken (nur ein Foto, nicht auf Menschen geschossen), fremde Stimmen, vertraute Stimmen, Pfannenzischen, Gläserklirren, Feuerzeugklacken, Manyfingers, Regenprasseln, Kühlschranksurren, Laptoprauschen, Tastenklicken.

Und was hört Ihr so?

(Diese süsse Ohrenmaus sieht in echt bedeutend weniger niedlich aus.)


Rock-Oper 2.0 bequem im Heimtheater geniessen

Die Hype-Maschine ist in vollem Schwung. My Chemical Romance sollen offensichtlich Green Days Rock-Oper “American Idiot” beerben. Queen standen wohl dafür Pate, zumindest fürs Intro. Das neue My Chemical Romance-Werk “The Black Parade” (Warner) ist eine Bombast-Emo-Punk Platte mit Hitparaden-Ambitionen. Ins Opernhaus muss man aber deswegen nicht. Hier könnt ihr die Platte bequem im Heim-Theater und in Wohlfühlklamotten Probehören. Dann aber auch kaufen, und zwar hier:

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Hoch soll er leben

Okay. Wir könnten uns hier anbiedern und als tausendster Blog Apple und Steve Jobs zum 5. Geburtstag ihres Steckenpferdes iPod gratulieren und dazu passenderweise die langweilige Keynote von 2001 verlinken. Stattdessen gratulieren wir mit einem “kleinen” Trommelwirbel:

http://www.youtube.com/watch?v=VNvwfJ3zuxk


Schneidet Robbie vorne was weg, dann kommt’s gut

Als Hauspsychologen von Robbie (aka Elektrobbie) aufspielen sollen sich die Musikredakteure der etablierten Printmedien und in aller Breite und Länge Abhandlungen darüber schreiben, wie sich Mr Williams’ Seelenleben in seiner neuen Platte “Rudebox” (EMI) manifestiert. Wir beschränken uns auf den einen wesentlichen Tip: Überspringt sofort die ersten vier Songs der Platte, danach werdet ihr ein gewitztes, abwechslungsreiches und schönes Album vorfinden. Das meine ich ernst.

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