Blogger aller Kantone vereinigt euch

Das finden wir eine gute Idee: Swissblogpress vereinigt etablierte unabhängige Schweizer Blogs zum Wissensaustausch und der gegenseitigen Förderung der Professionalität. Das schreiben die Macher heute in einer Pressemitteilung. Swissblogpress dürfte dazu beitragen, dass Blogs in der Schweiz a) überhaupt mehr und b) als ernstzunehmende Alternative zu klassischen Medien wahrgenommen werden. Gründungsmitglieder sind 13 der bekanntesten Schweizer Blogs, die zu lesen sich lohnt. Wenn es nach uns geht, ist 78s bald auch bei Swissblogpress dabei.


Basel – de Räp isch für Dii!

Knapp 15 Jahre nachdem Black Tiger als erster MC überhaupt Baseldeutsche Reime kickte (“Murder By Dialect” mit P-27) wird die Schweiz seit Anfang Herbst regelmässig mit starken HipHop-Produktionen aus den beiden Halbkantonen Stadt und Landschaft bombardiert. Auf dem Konzeptalbum “Beton Melancholie” von Rap-Pionier Black Tiger rappen gleich 14 MCs aus dem Basler Umfeld und repräsentieren die Stadt in sechs verschiedenen Sprachen. “De Tigrr” reflektiert dazu trocken und stets mit melancholischem Unterton die Widrigkeiten auf und neben den Strassen. Kompromisslos und ignorant wie kein anderen Schweizer Rapper widerspiegelt dagegen Griot (ehemals Mory) “de harti Strosseshit” Basels. Wenn er im gepimpten Schlitten vorfährt und den Sound von “Strossegold” aufdreht, vibriert nicht nur der Asphalt. Das lang erwartete Major-Debüt pumpt wie der Clubshit von 50Cent mit noch dickeren Muskeln.

Weniger Muckis dafür mehr tiefgründigere Reime zeigt Tafs-Rapper Taz auf seinem zweiten Solo-Album “Zum Glück” und hält dabei mit Seelenverwandten wie Greis und Curse die Fahne sehr hoch. Wenige Wochen zuvor hatte bereits Aman, Partner in Rhyme und zweites Drittel der Tafs, sein Debüt “Juli/November” veröffentlicht. Das Trio (mit DJ Flink) ist definitiv “zrugg für d’Lüt” und jetzt auf grosser Tournee. Mit der feuchtfröhlichen Plattentaufe von “New & Improved” in der Kaserne Basel zurückgemeldet hat sich zudem auch die legendäre Latino-Combo Delinquent Habits aus Los Angeles. Das fünfte Album der Tres Delinquentes ist exklusiv auf dem Basler Independet-Label PW Records erschienen, das Management und Vertrieb der Tequila-Rapper in Europa übernommen hat!


Po(m)p

“Marie Antoinette” kam in Cannes schlecht weg, die Pressekonferenz zeigte eine niedergeschlagene Sophia Coppola. Einen Monat bevor der Film anläuft, steht nun der Soundtrack in den Läden. New Wave heisst das Programm – Siouxie & The Banshees, New Order, The Cure, Gang Of Four und Bow Wow Wow die Bands. Gelingt mit dieser Kontextualisierung der 80er im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts eine Subversion des Kostümfilms oder werden wir uns mit einem Material Girl im dekadenten Po(m)p langweilen?

On verra…


Damon Albarn live

Langsam wird Damon Albarns neues Superprojekt The Good, The Bad And The Queen konkret. Morgen Donnerstag stellt die Band bei einem Gig im Roundhouse Club in London ihr Debutalbum vor. Natürlich ist das Konzert längst ausverkauft und so schnell jettet man ja ohnehin nicht auf die Insel. Aber kein Problem. Ab 22.30 ist das Konzert live bei BBC im Web zu hören, ab Freitag kann man sich die Sache dann auch noch ansehen. So macht man das heute.


Wurde Rock’n’roll von einem Schweizer erfunden?

Die Schweizer haben ja schon einiges erfunden: den Stewi, den Reissverschluss, s’Matterhorn oder den Robidog. Laut der neuen SF-Sendung “Geheimarchiv” (Trailer) war der Erfinder von Rock’n’roll ebenfalls ein Schweizer (Sendung kommt am 29.10.). Guillaume Roch soll Pate gestanden haben für Elvis Presleys Hüftschwung: “Durch die hohle Gasse kam er, in der linken Hand eine Rickenbacher”. “Sweet Swiss Baby“, “Heartbreak Interlaken” und “Hot Chocolate Love” waren seine grössten Hits. Natürlich alles quatsch. Trotzdem, die Idee vom ehemaligen 10vor10-Anchorman Walter Eggenberger alias “Mahnfinger der Nation”, ist ziemlich fesch. Übrigens: wir versuchen immer noch rauszufinden, wer die angeblichen Hits von Guillaume Roch geschrieben bzw. eingespielt hat. Wer’s vor uns rausfindet, kriegt ein 78s-Überraschungspaket.


“Es ist doch völlig egal, woher die Musik kommt”

Interview mit Fotos-Sänger Tom Hessler in seiner Wohnung, einer typischen Studenten-WG in einem Hamburger Aussenquartier. Plötzlich macht es klick. Das Band des Diktiergeräts ist voll, nach gefühlten zehn Minuten ist eine Stunde vorbei. Wenn Tom über Musik spricht, dann ohne Punkt und Komma. Man kann seine Begeisterung förmlich spüren. Und hier spricht nicht etwa nur der Musiker Tom über seine eigene Musik, sondern auch der Musikfan Tom über Musik im allgemeinen. “Ich bin süchtig nach Musik, seit ich zwölf war.” House, Funk, Pop, Klassik – alles Phasen, die Tom nebst dem Fixpunkt Gitarrenmusik durchgemacht hat. Und von denen er sich regelmässig inspirieren lässt. “Der Musikfan in mir kauft die Platten, der Musiker pickt sich gezielt kleine Elemente heraus, aus denen dann eigene Songs oder Teile davon entstehen.”

Toms Songs kommen an. In Deutschland werden Fotos gerade als Band der Stunde gefeiert, im November beginnt die erste grosse Tour. So sehr er sich über diese Entwicklung freut – zwiespältig ist es trotzdem: “Mit dem Hype ist es so eine Sache. Viele Leute denken, wir wären jetzt schon reich, und nehmen uns das irgendwie übel. Dabei verdienen wir im Moment weniger als früher mit unseren Studentenjobs.”

Von einer Szenezuordnung hält Tom nichts. “Wir kommen alle aus unterschiedlichen Gegenden Deutschlands, bringen verschiedene Einflüsse mit. Als Band fühlen wir uns keiner Szene zugehörig.” Er geht gleich noch einen Schritt weiter: “Wir sind auch keine deutsche Band, sondern einfach eine Band. Und das ist der Unterschied zu den ‘deutschen Bands’”. Dass Toms Texte deutsch sind, hat denn auch nicht damit zu tun, dass er seine Herkunft hervorheben möchte: “Das ist nunmal meine Sprache, englische Bands überlegen sich auch nicht, ob sie englisch singen sollen”. Diskussionen über Zuordnungen von Bands langweilen, ja nerven, ihn. Sie bringen nichts, schränken nur ein. “Es ist doch völlig egal, woher die Musik kommt. Es zählt nur, ob sie gut ist.”


Immer schön die Klamotten zusammenhau’n

“Früher waren sie besser” stand auf der zweiten Aeronauten-Platte Gegen Alles. Das stimmte damals nicht, später – ca. Ära Bohèmes pas de Problème – schon eher. Deshalb haben sich Die Aeronauten auf ihrem neusten Werk Hier: Die Aeronauten auf alte Stärken besonnen: Da wird gerumpelt und gepunkt, gepöbelt und geblödelt. Und live war die heitere Truppe um Rampensau Big Olifr M. Guz schon immer unschlagbar. In Basel wärmen sich die Schaffhauser für die folgende Deutschlandtour auf, bis sie im Dezember dann nochmal die hiesigen Clubs beehren. Absolute Pflichttermine!

Die Konzert-Highlights des Wochenendes:
27.10 Die Aeronauten / Denner Clan (+ DJ Pop B. Sessen & König Lü. Q.), Wagenmeister, Basel
27.10 Polar / Raphelson, Parterre, Basel
27.10 Good Heart Boutique, Helsinki, Zürich
27.10 Junior Boys / The Mighty Roars, Swamp, Freiburg i. B.
29.10 Grizzly Bear, Palace, St. Gallen

Noch mehr gute Konzerte findest du hier.


Sonny und Cher live in Zürich

J+L Defer heisst das Seitenprojekt von zwei Viertel Disco Doom. Und da Disco Doom ja die beste Band der Schweiz ist, wenn nicht gar die beste Band der Welt, die keine reguläre Platte veröffentlicht hat bisher, sind J+L Defer gemäss Bruchrechnungsregeln fast so gut. Sauruhiger Indie Pop. Ein Song auf ihrer MySpace-Seite heisst Sonny. Darum auch der Titel hier. J+L Defer spielen Ende Oktober drei wahnsinnig empfehlenswerte Gigs in Zürich, am 29.10 unter anderem in der Total Bar.


Reizwäsche

Phébus gehören zu den Schweizer Bands, bei denen es sich eigentlich gehörte, dass sie mehr gehört würden. “Nothing I Can Do” ist vielleicht nicht der stärkste Song ihres aktuellen Albums, aber das Video dazu, das hat internationales Format. Sehr schöne Bilder, sehr professionell umgesetzt. Ein Video von Keane sähe nicht anders aus, ausser dass der Sänger pummeliger wäre und die Frau mehr anhätte (wer sich für die Unterwäsche interessiert, die gibt es hier). Gratulation. Aber Giusy, lächle mal.


Mark van Huisselings Sonnenbrille

Er ist gewissermassen der Last Britpopper Standing, optisch wie musikalisch: Richard Ashcroft (Diskussion hiermit eröffnet). Wer’s nicht glaubt, schaut sich sein neues Video “Why Not Nothing” an. Unglaublich, der Typ verändert sich kaum, sieht immer noch aus wie im Klassiker “Bittersweet Symphony”, sogar die Lederjacke ist noch dieselbe. Das einzig neue ist die Sonnenbrille, die er von Mark van Huisseling gestohlen hat.


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