David, der Jimi Hendrix des Alten Testaments

Generation Golf, Generation Praktikum, Generation Bachelor. Kennen wir alles. Haben wir alles zur Kenntnis genommen. Jetzt aber wird’s dreist: Jetzt werden schon die Namen unbescholtener Musikblogger zu solchen Wortklaubereien missbraucht. “David Generation”, neulich in Form einer Cd des Projekts “Zeichen der Zeit” von Sony BMG ins Haus geflattert. Hinter dem Projekt steht Xavier Naidoo, mit von der Partie sind unter andere Patrick Nuo, Cassandra Steen und Danny Fresh (Yvonne Catterfeld, die bei der ersten Platte des Projekts mit von der Partie war, ist nicht mehr dabei). Natürlich ist Bedeutungsschwangeres drin, wo Naidoo drauf steht. Könnte man nicht mal Naidoos Stimme ohne Text dazu haben? A propos Text: Natürlich muss die Titelwahl “David Generation” erklärt werden. Selten dümmlich führt die Pressemitteilung aus:

“David. So hiess der Outdoortyp, der erstmals den Terminator Goliath mit einer Steinschleuder niederstreckte. Das wissen die meisten. Dass David aber auch so etwas wie der Jimi Hendrix des Alten Testaments war, ist nur Insidern bekannt: Der spätere König eckte gerne mal an, trug sein Herz auf den Lippen, war ein begnadeter Sänger und suchte vor allem die Nähe Gottes”.

Wetten, Naidoo hat das getextet?


Von einem Unding namens Jazz-Pop

Neulich am jazznojazz: Eine Sängerin changiert mit ausdrucksstarker Stimme zwischen Katzenjammer und Engelszungen. “Das isch doch kei Jäzz, das isch e Zuemuetig”, murmelt das Publikum. Entrüstet verlassen viele ältere Zuschauer das Gratis-Konzert. Hätte Diana Krall gespielt, wär’s bestimmt nicht gratis gewesen, aber sie wären geblieben, nicht nur weil sie bezahlt haben, nein, weil sie die Darbeitung fantastisch gefunden hätten. Dabei degeneriert Vocal-Jazz doch gerade bei Diana Krall zum unerträglichen Kitsch: musikalischer Anspruch als Statussymbol und leeres Versprechen. Wie ich ihn verachte, diesen grausligen, diamantbesetzten Jazz-Pop, zu dem sich die amerikanische Oberschicht am Kaminfeuer in Seidenstoffe kuschelt! Egal. Worauf ich eigentlich hinaus will: Jazz-Pop könnte man auch nennen, was Madeleine Peyroux macht – und in diesem Fall könnte ich mich mit diesem Begriff fast schon versöhnen.

Peyroux bietet mit “Half The Perfect World”  (Universal/probehören) Seele statt 24 Karat. Ihr Timbre erinnert entfernt an Billie Holiday und vermeidet elegant, ehrlich und samtig übersteigerte Fortissimi. Doch da Peyroux nicht über den Rand des Jazz- und Blues-Lexikons hinausschaut, drohen ihre Songs bisweilen im Jazz-Klassizismus zu erstarren. Und dies bedeutet immer auch Kitsch, wie wir dank obigem Beispiel wissen. Wenn dann gar klebrige Easy-Listening-Sax-Solos aufgetischt werden, stellen sich für Momente leider doch noch die befürchteten Krall-Assoziationen ein, die auf Peyroux’ bisherigen zwei Alben rarer waren. Ihrer Stimme und dem Charme von Songs wie “Blue Alert” kann man trotzdem nur schwer wiederstehen.

Sollte die CD sich als Fehlkauf entpuppen, könnt ihr sie immer noch euren Eltern zu Weihnachten schenken. Diana Krall Norah Jones haben sie ja schon.

Madeleine Peyroux spielt am 5.12. im Kaufleuten. 


Blutkoller

Stadtkoller kennt jeder (Landkoller vielleicht auch). Kennt jemand Musikkoller? The Blood Brothers machen es einem einfach, einen solchen zu bekommen. Seit nunmehr fünf Platten treiben sie den spastischen, tobsüchtigen, vertrackten, psychotischen Post-HC auf die Spitze des Ertragbaren. Allerdings taten sie dies immer auf eine sehr innovative Art und Weise. Deshalb hat man sie auch gerne “ertragen”, verstanden haben sie wohl die wenigsten.

“Burn Piano Island, Burn” im Jahr 2003 war die Offenbarung, “Crimes” ein Jahr später die Perfektion. Beim neusten Gemetzel “Young Machetes” (V2/TBA), ist die Sättigungsgrenze bei der Hälfte der Songs aber erreicht. Irgendwie haben sie sich ad absurdum geführt. Der einzige Song, der dieses Album rechtfertigt ist “Laser Life”. Die anderen Stücke sind eine Repetition dessen, was sie schon seit vier Alben machen. Die Blood Brothers als ihre eigene Cover-Band? Zweifellos gibt es andere Meinungen. Bei mir sind die Indianer aus Seattle nun aber ein Mal zu viel um den Marterpfahl getanzt.

> Bei den netten Niederländern von 3voor12 gibt’s das ganze Album im Stream.


Ehre wem Ehre gebührt

JT, Iggy Pop, Keith Richards, Johnny Depp, Kate Moss, Sheryl Crow, Corinne Bailey Rae, Kim Gordon, Bono, Chris Martin, ZZ Top, Kid Rock, Krist Kristofferson, Justin Timberlake; alle vertreten im Johnny Cash-Video “God’s Gonna Cut You Down” aus “America V: A Hundred Highways”.

http://www.youtube.com/watch?v=o7w2FnNDUHU


Die neuen Smiths?

Zufälle gibts. Da habe ich heute Morgen wieder mal die vorzüglichen Smiths gehört und mir gedacht, dass die mit ihren frühen Songs eine Spielart perfektioniert haben, die Pop sagt aber Punk denkt. Ist man in dieser bestimmten Morrissey-Stimmung, hört man ganz einfach The Smiths – alles andere erübrigt sich. Doch da klopfen vorhin tatsächlich Vincent Vincent And The Villains bei mir an und sagen: Wir sind die neuen Smiths! Ob sie’s sind, kann man am 18.11. in der Hafenkneipe herausfinden.


Lovebugs im Weichenstellkarussell

Casino, Herisau (2.9.06)

Eigentlich ist in Herisau jedes Mal irgendwas Bahnbrechendes, Wegleitendes und/oder Schicksalshaftes passiert. Ist etwa das fünfte Mal dass wir da spielen und immer war’s ein Knotenpunkt. Beim ersten Mal haben wir unseren Manager und Busenfreund Ricco de la Gadgetta kennengelernt und vor drei Jahren zum Beispiel hatten wir beim Nachtessen bei Schnitzel/Pommesfrites die Idee, eine Unplugged-Platte zu machen. Das Restaurant ist jetzt ein Nichtraucherspunten und macht dadurch solcherlei brilliante Denkakrobatik unmöglich. Kennen tun wir auch schon alle, also wird’s schwierig hier im Casino Weichenstellkarussell irgendwas zu reissen, und wir beschliessen einfach auf gerdadem Weg das Glück herauszufordern und kaufen ein paar Euromillionscheine.

Das Konzert war mal wieder von der Sorte Glimmbrand (remember the Grillstand?), also gemütlich am vor-sich-hin-glühen und dann am Schluss irgendwann schmeisst einer noch mal etwas Brennspiritus und zwei kleine Strohballen drüber (don’t try this at home folks…) und die ganze Geschichte explodiert in einem riesigen Funkenregen und vier Feuerbälle schiessen quer durch die Halle und mischen sich mit vibrierenden Halszäpfchen und Stimmbändern und zerbersten in einem Viollet/roten Meer aus Flammensplittern über den…ich komm glaub ins Plappern…es war jedenfalls super! Die Afterwork-Party wurde wegen Nichtexistieren von geeigneter Lokalität in die Hotelbar verlegt wo unglaublicherweise niemand war und trotzdem nichts kaputtging. Es hat sich noch herausgestellt, dass es in Herisau ziemlich mutige und latent gereizte Männer mit Hunden unterwegs sind. Gewonnen hat dann niemand so eine Million. Dafür fing’s an zu schneien – und das ist ja manchmal auch schön…


Boah, Web 2.0

Boah, das ist ja sowas von Web 2.0, was sich Kashmir da ausgedacht haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten MySpace-Seite rufen die kuscheligen Dänen ihre Fans dazu auf, Vorschläge für ein Video zum Song “California” einzureichen. User-Partizipation in vollendeter Form. Im für Kashmir-Verhältnisse eher lahmen Song geht es um “Transportation”, dies gibt die Band den potentiellen Videoproduzenten noch mit auf den Weg. Dann kann’s jetzt ja losgehen.


Shirts von Richard Ashcroft zu gewinnen

Erst kürzlich hat Richard Ashcroft uns im Interview gesagt, dass er glaube, seinen besten Song noch nicht geschrieben zu haben. Das beste komme erst noch. Das beste kommt jetzt gleich: Wir verlosen 4 T-Shirts zu Ashcrofts neuem “Album Keys to the World” (falls du zu den Gewinnern gehörst, fragen wir dich natürlich noch nach der gewünschten Grösse).
[verlosung]2[/verlosung]


DJ ist ein Gott

Dass Gott ein DJ sein, ist die älteste Leier der Welt und als Spruch in etwa so gehaltvoll wie eine Bauernregel. Das Gegenteil, der DJ als Gott, ist dagegen ganz sehenswert (via Melville).

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=Nh1C0prGaGk[/flash]


Alte Musikvideos können verregnete Sonntage retten.

Doch irgendwann gehen einem die Ideen aus und die Vorschläge, die youtube generiert, langweilen. 1500 of your favourite 80′s Videos kam mir (via Popnutten) deshalb heute gerade recht. Ach, die 80er… Auch wenn die Frisuren besser geworden sind – vieles ist heute noch da: 

Lollipop-Pop: B-52s vgl. The Pipettes

Visual-Scratching: Bomb The Bass vgl. Coldcut

Synthie-Spastis: Devo vgl. Hot Chip

Ihr merkt, ich bin erst bis D gekommen. Bin also noch bis zum Abendessen unterhalten.


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