Musikindustrie wohin?

Es gibt mittlerweile unzählige legale und illegale Wege, die zur Musik führen. Der Musikkonsument der Gegenwart ist durch die angeblich unbegrenzte Verfügbarkeit der Musik wohl ähnlich verwirrt wie das Strichmännchen nebenan. Mit Orientierungslosigkeit, Übermut oder Verfolgungswahn hangelt er sich durch den Dschungel der Online-Musikdistribution.

Der Verschwörungstheoretiker fragt sich: Wieso soll ich für Musik bezahlen, wenn die Musikindustrie und nicht der Künstler das Geld macht? Profitieren von der Musik-Flatrate (bei der man beispielsweise bei Napster für 15 ‚¬ im Monat nach Belieben downloaden kann) nicht gerade diejenigen Bands, die ich gar nicht unterstützen will?

Der Fortschrittsgläubige fragt sich: Warum lernt die Musikindustrie nicht aus den verlorenen Schlachten gegen Raubkopien und nervt mich mit DRM-Verschlüsselungsverfahren, die verhindern sollen, dass ich meine Musik meinen Freunden weitergebe? Wieso jammert die Musikindustrie – wo ich bedeutend mehr Geld im iTunes-Store liegenlasse als damals im Plattenladen – anstatt von den Möglichkeiten des Web 2.0 zu profitieren?

Der Nostalgiker fragt sich: War es früher nicht einfacher gute Musik zu finden, als mir der Plattenverkäufer verlässliche Tipps gab, während ich mich heute auf Myspace in einem Wirrwarr von austauschbaren Bands verliere? Ist es nicht schade, dass Musik zu einem so vergänglichen Gut geworden ist, dass mir meine Lieblingsplatte in Zukunft nur noch gehört, so lange ich Abonnent bleibe (wie das bei der Musik-Flatrate der Fall ist)?

Der Blogger fragt sich: Wieso werde ich für MP3-Verlinkungen abgemahnt, die doch in erster Linie kostenlose Werbung für das Produkt sind?

Und alle fragen sich: Hat die Musikindustrie bald ausgedient, wenn sie ihre Kunden weiterhin bekämpft, statt mit fairen Angeboten zu bedienen? Euren Senf zum Thema könnt Ihr da oder noch besser hier dazugeben:

Liebe Musikpiraten und Vertreter der Musikindustrie, die Podiumsdiskussion ist eröffnet!


Alle lieben Cat Power – eine Presseschau

Karl Lagerfeld sagt: “Sogar rauchend wirkt Chan Marshall glamourös”. (Naja, Karli) Ein Journalist vom amerikanischen Musik-Magazin “Filter” war hingerissen, als er sie das erste Mal sah: “The first time I see her she’s a smile and a wave from the open door of a yellow cab. Chan Marshall, Cat Power, fittingly maritime in her gold-buttoned blue blazer, grey sweatshirt, blue jeans and white boating shoes. Miami, South Beach”. (Ja, ja – in Miami tragen alle flotte Klamotten) Die “Zeit” ist der Meinung, dass “Ihre Lieder, die in der amerikanischen Musikgeschichte wurzeln, todtraurige Weisen von großer Intensität sind, in der die Liebe eine Sehnsucht und die Wirklichkeit schmerzhaft ist”. (Alles tut weh! Autsch) Die deutsche Ausgabe des Rolling Stones ist verwirrt, aber angetan: “Das Erstaunliche ist die kuriose Balance aus sonderbarer, offenbar recht leidvoller Introspektion und einer durchaus lebensnahen, überaus freundlichen Bodenständigkeit”. (Aha, ein In-die-Menschen-Horcher) Und wir? Wir sagen nur eins: Heute Abend (7.11) im Kaufleuten: Cat Power & The Memphis Rhythm Band. Nicht quasseln! HÖREN!


Das nächste grosse Bling

Vorredner Ralph mutmasste ja bereits, der Hip Hop sei tot. Die Frankfurter Allgemeine, mit ihrem nordischen Broadsheet Format ja gewissermassen das Thesenpapier aller Homies, hält mit dem besten Zeitungstitel des Jahres dagegen: “Das nächste grosse Bling” übertitelt sie ihre Kritik zu P.Diddys neuem Album. Was 78s von Diddys Album hält, fragt ihr euch? Hip Hop-Fraktion, bitte übernehmen.


Fishbone! Verpasst?

Was? Ihr wart nicht dort? Am Fishbone, im Abart? Tja, selber doof und das ging euch durch die Lappen.

Seit 1979 in immer wieder wechselnder Besetzung beschallen die “Prinzen der Fusion” aus L.A. die Trommelfelder rund um den Globus mit ihrer wahnwitzigen, hinreissenden und von allen guten Geistern verlassenen Show. Sie sind Gaugkler, welche unsäglich leichtfüssig verschiedene Genres mischen. Sie Sind Energiepakete, welche die Musikgeschichte schwindlig jonglieren. Sie sind Originale, welche die unterschiedlichsten Stile in ein Zwiegespräch verwickeln bis es Knallt. Sie sind Funk, Ska, Punk, Metal, Rock, Hip-Hop, Soul – alles und nichts zu viel. Arschwackeln bis zum Umfallen – an einem Sonntagabend im November. Und ihr wart nicht dort. Pfeifen!


Einfach gut

Wenn sie im richtigen Moment auftaucht, kann einfache Musik die Welt retten. Auf einmal ist alles eindeutig und klar, wo zuvor noch alles verworren erschein. Musik, die nur so und nicht anders sein kann. Songs, die man beim ersten Mal mitsingen kann. Strophe-Refrain-Dramaturgie, die einem den Atem verschlägt.

Es braucht nicht viel für drei Minuten Glück: Einen Drummer, der einigermassen den Takt halten kann, einen Bassisten, der die Saiten trifft, ein paar Griffe auf der Gitarre, eine eindringliche Stimme und vor allem eben Melodien, die alles richtig machen.

Land Of Talk aus Montreal machen auf ihrer Debut EP “Applause Cheer Boo Hiss” alles richtig. Die Chemie stimmt, die Gleichung geht auf. Man glaubt ihre Songs irgendwo schon gehört zu haben. In den ersten Ferien ohne Eltern, zusammen mit einer grossen Liebe oder vielleicht damals am Strand, als man glücklich war.

“Sea Foam”

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Nun wartet man in Kanada gespannt auf den ersten Longplayer einer der grössten Hoffnungen des Landes. Die Hypemaschine beginnt gerade anzulaufen und man könnte vom nächsten grossen Ding sprechen. Doch Land Of Talk sind nun mal kein Ding, sondern drei Individuen, die zusammen etwas Unbedingtes erschaffen. Wer immer noch misstrauisch ist, den können vielleicht ihre Live-Qualitäten überzeugen. Und wer sich nun ein Leben ohne Land Of Talk nicht mehr vorstellen kann, bestellt die EP hier. In Europa ist ihr Debut leider noch nicht angekommen, bei uns schon. Wir bleiben dran.


Alphabeten oder Analphabeten?

Wer wissen möchte, ob die schwedischen Jung-Rockstars Mando Diao schreiben können, der kann dies persönlich verifizieren. Wir verlosen exklusiv unter unseren registrierten Usern ein von Mando Diao unterschriebenes Band-Poster. Lecker, lecker. E-mail an gewinnen(ät)78s.ch.


très chaud: 78s Radio

Wir könnten behaupten, wir hätten wieder mal die derzeit heissesten Videos und Tracks in einer Liste zusammengestellt und für euch kompakt präpariert. Könnten wir nicht nur, sondern tun wir auch: 78s kompakt mp3 und 78s kompakt Videos warten auf euch. Aber das ist noch nicht alles. Wir haben ab heute ein neues Feature eingebaut. Alle mp3s der Woche könnt ihr in einem Player abspielen lassen. Hier ist es, 78s Radio:

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Bahn oder Band?

Norfolk & Western wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet und stellte 100 Jahre später als letzte amerikanische Eisenbahngesellschaft von Dampf- auf Diesellokomotiven um.

Norfolk & Western wurden Anfangs des 21. Jahrhunderts gegründet und sind die vielleicht letzte amerikanische Band mit singender Säge und Theremin.

Der Zug fährt ein, Abschied in Dampfschwaden und los geht die Reise. Destination: “The Unsung Colony” (Hush Records), wo Sufjan Stevens und Iron & Wine am Bahnhof warten.

Logisches Fazit: Musik für Zugfahrten. Pendler, entscheidet selbst:

“Terrified”  

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Das perfekte Arrangement

Dass die DVD “On/Off The Record” (Cityslang) von The Notwist schon hier zu kaufen ist, wissen wir ja bereits. Nun, warum sollte man sich diese feinsinnige Dokumentation anschaffen. Ganz einfach: weil sie das Label DOK verdient. Jörg Adolphs Visualisierung der Arbeit von The Notwist an ihrem Album “Neon Golden” (2002) ist nicht einfach eine Laudatio auf die äusserst experimentierfreudigen Bayern. Nein, denn keine pubertären Mitschnitte schreiender Groupies, keine Selbstbeweihräucherung und keine Imagepflege erwarten den neugierigen Konsumenten des vorliegenden Objekts.

Jörg Adolph beobachtet unaufdringlich die künstlerische Arbeit, die Tüfteleien, das Suchen, das Verwerfen, das Noch-Einmal, ja das Finden des perfekten Arrangements einer Band, die ständig zum Perfektionismus neigt, auf angenehm distanzierte und elegante Art. Im Vordergrund steht die Arbeit, nicht das Suhlen in Selbstlob. Somit sind wir schon zum Kern von “On/Off The Record” vorgestossen: Am Anfang war das Handwerk, nicht die Kunst. Der Leidensweg ist lang, bis ein Album im keimfreien, hermetisch abgeriegelten Raum seine Form findet. Das Schaffen eines Kunstwerks sowie der sich verändernde ontologische Zustand der Band im Arbeitsprozess stehen im Mittelpunkt, zeigen die Einsamkeit im Konglomerat von Gleichgesinnten. Eins wird klar: in der Ruhe liegt die Musik. The Notwist.


Herzliches Beileid

Gott ist tot.
Punk ist tot.
Techno ist tot.

Am 19.12. wird auch Hip Hop offiziell beerdigt: “Hip Hop’s Dead” heisst das neue Album von NAS und wenn das einer sagt, der vor 15 Jahren mit “Illmatic” einen Meilenstein dieses Genres schuf, dann wird wohl stimmen, was viele kommen sahen. Infarkt, zack und weg war er. Der gute war noch nicht mal 30. Zur Beerdigung hat NAS Kayne, Snoop, Dr. Dre und The Game eingeladen.
Ich denke mal der Sarg kommt extrabreit.


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