Hier kommt die Klimaerwärmung
Ein Geheimnis ist das nicht mehr: Wenn Polar seine Stimme erklingen lässt, dann tanzen die Eisbären und schmelzen die Pole. Dennoch ist das neue Album des welschen Pop-Chansonniers (“Jour Blanc”, Vö am 4.9. bei EMI) eine kleine Offenbarung: Zum ersten Mal singt Polar auf Französisch. Seine Songs klingen dadurch noch eine Spur intimer, natürlicher irgendwie. Ich könnte noch viel mehr Gutes schreiben, aber das würde euch nur die Zeit stehlen, die ihr lieber mit Polars Musik verbringen wollt.
Von David Bauer | 13. August 2006 | 0 Kommentare
CN auf CNN
“Funky Claude” zeigt alles. Alle Geheimnisse und brisanten Storys über Claude Nobs, Mister Montreux Jazz Festival, auf “CNN Revealed“. Genau wie das Schweizer Fernsehen hat auch der amerikanische Fernsehsender einen eingebetteten Journalisten hinter die Kulissen zu Claude Nobs geschickt – hoffen wir, dass er seinen Job besser gemacht hat als der gute Aeschbi für SF. Zu überprüfen auf CNN über die alte Fernseh-Technologie oder über’s Netz.
(Bild: “Funky Claude” links mit Chuck Berry)
Von Mathias Menzl | 12. August 2006 | 0 Kommentare
Beirut lebt!
Die vom Bürgerkrieg zerrüttete und nun von Israel zerbombte Stadt Beirut, war einst auf dem Weg, sich als das Kulturzentrum im Nahen Osten zu entwickeln. Nun wurde die Stadt um Jahrzehnte zurückgeworfen. Trotzdem geben die Bewohner Beiruts nicht klein bei. Musikethnologe Thomas Burkhalter schreibt unter dem Titel “Danke, dass ich den Krieg nochmals erleben darf” auf norient.com wie libanesische Künstler auf die Rückkehr des Krieges reagieren. Burkhalter verweist in seinem Artikel auf den libanesischen Trompeter und Karikaturisten Mazen Kerbaj, der sich auf seinem Blog zur gegenwärtigen Lage in Beirut äussert und sein Artwork im Stundentakt veröffentlicht.
Dass sich zu den Kriegswirren auch akustische Signale beimischen, ist für Raed Yassin und eben diesen Mazen Kerbaj die Basis für eine sehr eigenwillige Komposition, in der Fragmente aus politischen Reden, Werbespots, Radio-Jingles und Fernsehmelodien zu Soundcollagen verknüpfen werden. Ein eindrückliches Stück Musik, das die Unwirklichkeit des Krieges auf unheimliche Art wiedergibt.
Von Sven Zaugg | 12. August 2006 | 1 Kommentar
Hat da jemand James Blunt gesagt?
Mountains of Death klingt ja schonmal nach einem sehr gemütlichen Festival (18./19.8. im Muotatal). Aber die Bandnamen erst, da läuft einem das Blut im Munde zusammen (wer Übersetzungshilfe braucht, findet sie bei LEO): Cremation, Arsebreed, Sacramental Blood, Visceral Bleeding, Skinless, Suffocate Bastard, Necrotorture, Fleshless, Cripple Bastards, Suffocation. Ein Name poetischer als der andere, den Charme von geschlachteten Jungfrauen und geköpften Fledermäusen ausstrahlend. Wem also das Funk am See zu lasch ist, weiss wohin er nächstes Wochenende gehen muss.
Von David Bauer | 12. August 2006 | 0 Kommentare
Keane gehen barfuss
Til Schweiger ist angeblich ein Fan von Keane (Bild). Überrascht mich ehrlich gesagt nicht. Nun soll offenbar eine deutsch-englische Zusammenarbeit anstehen: Keane sollen “Try Again” als Titelsong zu Schweigers neuem “Barfuss”-Film (wie jetzt, noch einer?) beisteuern und Schweiger dann im Videoclip der gitarrenamputierten Schmusekönige mitspielen. Klingt beängstigend. A propos Video und Zusammenarbeit: Im neuen Video von Keane, “Crystal Ball”, spielt Giovanni Ribisi mit, der links liegen gelassene Ehemann von Scarlet Johansson in Lost in Translation.
Von David Bauer | 12. August 2006 | 2 Kommentare
Nigelnagelneu
Wäre untenstehende Liste von Neuerscheinungen die Menuekarte eines Restaurants, hätte ich Mühe mich zu entscheiden und würde mir vielleicht sogar wünschen ich hätte zu Hause gekocht. Am meisten gespannt wäre ich wohl, was Regina Spektor Neues auftischt. “Soviet Kitsch” liess hoffen, sie wäre der Missing Link zwischen Tori Amos und Cat Power, doch mit “Begin To Hope” begräbt man diese Hoffnung Song für Song. Ihre Zurückhaltung ist dem Mut zum Pop gewichen und die Pianominiaturen werden von Grossleinwandprojektionen überblendet. Kein Wunder, die New Yorkerin mit russischen Wurzeln spielt nun ja in der Major League. Leider kommt ihr Gänsehaut-Songwriting hinter der poppigen Fassade nur selten zum Vorschein - und dennoch beginnt in den magischsten Momenten von “Begin To Hope” die Hoffnung wieder zu keimen, dass diese Frau etwas besonderes ist.
Menues der Woche:
Regina Spektor – “Begin To Hope” (Warner)
The Twilight Singers – “Powder Burns” (One Little Indian/recrec)
Sandy Dillon – “Pull The Strings” (One Little Indian/recrec)
Manana Me Canto – “Arriba” (recrec)
Lambchop – “Damaged” (TBA)
Declan O’Rourke – “s/t” (TBA)
Blood Meridian – “Kick Up The Dust” (TBA)
The Black Neon – “Arts & Crafts” (TBA)
Jan Gazarra – “Love Rules (Sunday Service/Namskeio)
Comets On Fire – “Avatar” (Sub Pop/Irascible)
Madsen – “Goodbye Logik” (Universal)
Joy Denalane – “Born & Raised” (BMG)
Myrto - “Die mit O” (BMG)
Christina Aguilera – “Back To Basics” (BMG)
Iron Maiden – “The Reincarnation Of Benjamin Breeg” (EMI)
Von Ralph Hofbauer | 12. August 2006 | 1 Kommentar
Das verflixt gute 7. Jahr
Am 14. August startet zum siebten Mal das zeitlich befristete Radioprogramm Rundfunk.fm. Bis zum 10. September senden DJs aus allen Herren Länder ihre liebsten Sounds aus dem Landesmuseum ins Land hinaus. Empfangbar ist der Temporär-Sender nicht nur übers Heimradio, typisch für Rhythmus.fm sind die sogenannten “Satelliten” – Shops, Bars, Restaurants – die für die flächendeckende öffentliche Beschallung zuständig sind. 78s fragte Veranstalter Oliver Scotoni, was dahinter steckt.
Oliver Scotoni, gibt’s eigentlich irgendwo auf der Welt etwas Vergleichbares zu Rundfunk.fm?
Die Schweiz ist soviel ich weiss das einzige Land, das befristete Frequenzen vergibt. Wir teilen uns aber diese mit anderen Sendern wie dem Street Parade Radio oder dem Caliente-Sender. Die begleiten aber alle einen Event. Bei uns ist das Radio der Event.
Hast du noch keine Konzession beim Bundesamt für Kommunikation für einen permanenten Sender beantragt?
Das liegt nicht in unserem Interesse. Wir zelebrieren einen Monat lang Radio und haben Spass daran. Es ist eine ganz andere Konzeption als beim permanenten Radio. Die zeitliche Begrenzung ist sehr interessant.
Was sind dieses Jahr die Höhepunkte des Programms?
Die Institution ist der Höhepunkt. Nein, wir haben viele internationale Acts. Das ist für mich ganz klar ein Höhepunkt.
Lässt sich mit dem Sampler, den ihr jedes Jahr parallel herausgibt, Geld verdienen?
In der Schweiz lässt sich mit CDs leider kein Geld verdienen.
Und die Veranstaltung an sich. Ist das rentabel?
Sagen wir’s mal so: Es lässt sich ein Apparat aufrechterhalten. Es ist kein Big Business. Es arbeiten immerhin 200 Leute am Projekt mit.
Wieviele Hörer hattet ihr eigentlich letztes Jahr?
Wir geben prinzipiell keine Hörer-Zahlen heraus. Die sind schwer bestimmbar, nicht zuletzt weil man nicht genau weiss, wieviele Leute durch unsere “Satelliten” erreicht werden. Aber ich bekomme jedes Jahr ein extrem gutes Feedback.
Von Philipp Albrecht | 11. August 2006 | 2 Kommentare
Blog-Abo
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Und neu gibt’s jetzt auch die Gelegenheit, 78s auf dem Handy zu lesen, dank feed2mobile. Ein entsprechendes Handy und den Kaywa Reader (Download) vorausgesetzt, könnt ihr untenstehenden Code einlesen und schon kann’s losgehen.
Von David Bauer | 11. August 2006 | 0 Kommentare
Mit Jaymay gegen die Grossen
Die Geschichten, dass es Musiker hauptsächlich übers Internet zu einem Plattenvertrag schafften sind zum einen nicht neu, wurden zum anderen an den Beispielen der Arctic Monkeys, Lily Allen oder Clap Your Hands Say Yeah aber auch stets als Flunkerei abgetan (hier oder hier). Das Hauptargument der “Nichtgläubigen” lautete, dass die Bands sowieso erst dann so richtig erfolgreich wurden, nachdem sich ein Label ihrer angenommen hätte. Mit anderen Worten, dass eine Karriere ohne Labelstrukturen und nur mit MySpace bzw. iTunes nicht möglich sei. Die Folk-Sängerin Jaymay zeigt nun in Real-Time, dass es eben doch geht, indem sie aus ihrer Verweigerungshaltung eine medial nachvollziehbare Minisoap macht. So sensationell ist es nun auch wieder nicht, aber durchaus lesenswert.
Von Mathias Menzl | 11. August 2006 | 3 Kommentare
Paris Hilton – Ein Plädoyer
(Vorbemerkung: Ich habe meine allfällige Street-Credibility am Eingang abgegeben, ich werde sie später wieder abholen)
Paris Hilton ist ja eh dumm! So einfach könnte man es sich machen beim Anlauf, Paris Hiltons Einstieg ins Musikgeschäft zu kommentieren. Freilich ist es nicht sonderlich originell oder geistreich, Paris Hilton bei jedem Schritt, den sie tut, als dumm hinzustellen. Denn so dumm kann eine nicht sein, die alles, was sie anpackt, zu Gold macht.
Also sollte man als Journalist vielleicht eher versuchen, vorurteilsfrei an “Paris” (Warner, Vö 18.8.) heranzugehen und zu verstehen versuchen, wieso eine musikalisch unbedarfte Hotelerbin ein Album aufnimmt und damit Erfolg haben wird (die Single “Stars Are Blind” hält sich seit 4 Wochen in den Top Ten der Schweizer Charts). Dabei hilft, wenn man sich von ritterlichen Ansprüchen an die Musik löst: Man muss Hiltons Texte nicht mit denen von Dylan vergleichen, ihre musikalische Versiertheit nicht mit der eines Mike Patton und ihren Einstieg ins Musikgeschäft nicht mit dem einer Nachwuchsband.
Paris Hilton ist eine bestens etablierte Dachmarke, unter der nun in der Sparte Musik ein neues Produkt lanciert wird. Da ist der Erfolg programmiert. Dem Musikfreund blutet das Herz, der Marketingchef grinst über alle vier Backen. So ist das. Etablierte Marken verkaufen sich gut, Hilton unterscheidet sich von Robbie Williams, den Stones oder DJ Bobo einfach darin, dass sie sich branchenfern etabliert hat und erst jetzt in die Musik einsteigt.
Zur Musik: Diese spielt eine Nebenrolle in dieser Geschichte, trotzdem muss gesagt sein, dass das Album gut produziert ist und für Mainstream R’n'B völlig taugt (nicht zuletzt, weil Hiltons Stimme überraschend gut klingt). Betrachtet man die Platte als das was sie ist, dann muss man sagen: nicht schlecht! Kein Wunder: Hilton ist clever genug, um zu wissen, dass ein schlechtes Produkt der Dachmarke schaden würden.
Von David Bauer | 11. August 2006 | 9 Kommentare






