Die neuen Smiths?

Zufälle gibts. Da habe ich heute Morgen wieder mal die vorzüglichen Smiths gehört und mir gedacht, dass die mit ihren frühen Songs eine Spielart perfektioniert haben, die Pop sagt aber Punk denkt. Ist man in dieser bestimmten Morrissey-Stimmung, hört man ganz einfach The Smiths – alles andere erübrigt sich. Doch da klopfen vorhin tatsächlich Vincent Vincent And The Villains bei mir an und sagen: Wir sind die neuen Smiths! Ob sie’s sind, kann man am 18.11. in der Hafenkneipe herausfinden.


Lovebugs im Weichenstellkarussell

Casino, Herisau (2.9.06)

Eigentlich ist in Herisau jedes Mal irgendwas Bahnbrechendes, Wegleitendes und/oder Schicksalshaftes passiert. Ist etwa das fünfte Mal dass wir da spielen und immer war’s ein Knotenpunkt. Beim ersten Mal haben wir unseren Manager und Busenfreund Ricco de la Gadgetta kennengelernt und vor drei Jahren zum Beispiel hatten wir beim Nachtessen bei Schnitzel/Pommesfrites die Idee, eine Unplugged-Platte zu machen. Das Restaurant ist jetzt ein Nichtraucherspunten und macht dadurch solcherlei brilliante Denkakrobatik unmöglich. Kennen tun wir auch schon alle, also wird’s schwierig hier im Casino Weichenstellkarussell irgendwas zu reissen, und wir beschliessen einfach auf gerdadem Weg das Glück herauszufordern und kaufen ein paar Euromillionscheine.

Das Konzert war mal wieder von der Sorte Glimmbrand (remember the Grillstand?), also gemütlich am vor-sich-hin-glühen und dann am Schluss irgendwann schmeisst einer noch mal etwas Brennspiritus und zwei kleine Strohballen drüber (don’t try this at home folks…) und die ganze Geschichte explodiert in einem riesigen Funkenregen und vier Feuerbälle schiessen quer durch die Halle und mischen sich mit vibrierenden Halszäpfchen und Stimmbändern und zerbersten in einem Viollet/roten Meer aus Flammensplittern über den…ich komm glaub ins Plappern…es war jedenfalls super! Die Afterwork-Party wurde wegen Nichtexistieren von geeigneter Lokalität in die Hotelbar verlegt wo unglaublicherweise niemand war und trotzdem nichts kaputtging. Es hat sich noch herausgestellt, dass es in Herisau ziemlich mutige und latent gereizte Männer mit Hunden unterwegs sind. Gewonnen hat dann niemand so eine Million. Dafür fing’s an zu schneien – und das ist ja manchmal auch schön…


Boah, Web 2.0

Boah, das ist ja sowas von Web 2.0, was sich Kashmir da ausgedacht haben. Auf einer eigens dafür eingerichteten MySpace-Seite rufen die kuscheligen Dänen ihre Fans dazu auf, Vorschläge für ein Video zum Song “California” einzureichen. User-Partizipation in vollendeter Form. Im für Kashmir-Verhältnisse eher lahmen Song geht es um “Transportation”, dies gibt die Band den potentiellen Videoproduzenten noch mit auf den Weg. Dann kann’s jetzt ja losgehen.


Shirts von Richard Ashcroft zu gewinnen

Erst kürzlich hat Richard Ashcroft uns im Interview gesagt, dass er glaube, seinen besten Song noch nicht geschrieben zu haben. Das beste komme erst noch. Das beste kommt jetzt gleich: Wir verlosen 4 T-Shirts zu Ashcrofts neuem “Album Keys to the World” (falls du zu den Gewinnern gehörst, fragen wir dich natürlich noch nach der gewünschten Grösse).
[verlosung]2[/verlosung]


DJ ist ein Gott

Dass Gott ein DJ sein, ist die älteste Leier der Welt und als Spruch in etwa so gehaltvoll wie eine Bauernregel. Das Gegenteil, der DJ als Gott, ist dagegen ganz sehenswert (via Melville).

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=Nh1C0prGaGk[/flash]


Alte Musikvideos können verregnete Sonntage retten.

Doch irgendwann gehen einem die Ideen aus und die Vorschläge, die youtube generiert, langweilen. 1500 of your favourite 80′s Videos kam mir (via Popnutten) deshalb heute gerade recht. Ach, die 80er… Auch wenn die Frisuren besser geworden sind – vieles ist heute noch da: 

Lollipop-Pop: B-52s vgl. The Pipettes

Visual-Scratching: Bomb The Bass vgl. Coldcut

Synthie-Spastis: Devo vgl. Hot Chip

Ihr merkt, ich bin erst bis D gekommen. Bin also noch bis zum Abendessen unterhalten.


Lost

Davids Frage “was ist eigentlich los mit…” kommt nicht von ungefähr. Denn das Jahr neigt sich dem Ende zu, und da macht man sich so Gedanken über die besten Platten des ablaufenden Jahres. Bei diesem Gedankenspiel stolpert man nicht nur über Bands, die keinen Ton von sich gaben, sondern auch über Bands, die sich mit neuen Platten gemeldet haben, aber irgendwie doch nicht mehr so da sind. Dabei stechen zwei besonders hervor: Sparta und Incubus.

Sparta haben im Oktober ihr neues Album “Threes” veröffentlicht. Auch wenn die Band jetzt nicht zu den ganz grossen Playern im Musikgeschäft gehört, hätte man etwas mehr Anteilnahme erwartet. Trotz enormem Werbeaufwand hat es die Welt aber nicht so richtig bemerkt. Kein Wunder, der Sound ist irgendwie passée.

Incubus können sich da etwas mehr Aufmerksamkeit erhoffen. Zumal sie auch zwei, drei Nummern grösser sind als Sparta. Dennoch, das kribelige und gespannte Warten alias Vorfreude auf ein neues Album will sich nicht so wirklich einstellen, obwohl das Album “Light Grenades” am 28.11 in die Läden kommt. Irgendwie haben sie den Reiz verloren.

Es gibt Bands, die mit der Zeit einfach nich mehr attraktiv wirken. Die spannende Frage dabei ist, warum?


Was ist eigentlich los mit…

Institute? Vor etwas mehr als einem Jahr hat sich Ex-Bush-Frontmann/Rock-Beau/Mr. Gwen Stefani, Gavin Rossdale, mit neuer Band zurückgemeldet. Das Album “Distort Yourself” klang vielversprechend und auch in einem Interview, das ich mit ihm führen konnte, strahlte Rossdale grossen Tatendrang aus. Ausser ein paar Konzerten in den USA ist seitdem nicht viel passiert, auf der offiziellen Website sind keine Konzertdaten aufgeführt, die deutsche Seite ist seit Monaten verwaist. Ist da der Ofen etwa schon wieder aus? Schade wär’s.


Netlabels zum Anfassen

Netlabels haben in den letzten Jahren ganz legal das verwirklicht, wogegen die herkömmliche Musikindustrie ankämpft: Gratisdownloads. Abseits von Urheberrechts-Diskussionen sind durch die Obsoleszenz von physischen Tonträgern eine Fülle von Plattformen entstanden, die MP3s gratis – und dank Creative Common-Lizenz trotzdem legal - zur Verfügung stellen, weil Label und Künstler dies so wollen.

Das netlabelfestival.ch, das erstmals am 17. und 18. November in der Roten Fabrik stattfindet, will den Diskurs über Netlabels fördern und Einblicke in Theorie und Praxis der digitalen Musikdistribution geben. Neben Talk-Runden mit Netlabel-Betreibern, Musikern und Software-Entwicklern, gibt’s natürlich auch Live-Musik. Wer wissen will, was ihn erwartet, kann den Festival-Sampler - wie sollte es anders sein – gratis downloaden.  “Broken Friday” und “Electronic Saturday” heissen die Mottos der beiden Abende, das Programm geht von Frickelclicks über Bigbeats bis hin zu knarzigem Minimal. Musik elektronischer Machart also, wie sie auf Netlabels vorwiegend vertrieben wird.

Während Bands, die Gesang und Instrumenten fröhnen – wie wir dank Menzl wissen -immer häufiger auf Blog-Labeln vertrieben werden, die auf kostenpflichtige CDs setzen, sind auf Netlabels Indie-Gitarren kaum vertreten. Doch es gibt Ausnahmen: Allen Indiefreunden sei Go Jukebox! empfohlen. Wer hingegen Beats und Bleeps bevorzugt, sieht schnell mal vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Für Orientierung im ClickHopGlitchTekDubStep-Dschungel sorgt der Netlabel Catalogue mittels praktischer Wiki-Navigation.

Zwar bieten viele Netlabels austauschbare Musik an, für die wohl niemand Geld bezahlen würde, doch der Netlabel-Kosmos ist ohne Frage von faszinierender Unendlichkeit, in der sich auch so manches Talent versteckt. Und da dem digitalen Musikdistributionsmodell die Zukunft gehört, stehen die Chancen gut, dass das netlabelfestival.ch zu einer Institution wird.


Tropfsteinhöhlen und Schlachthöfe

Elektronische Musik findet in der Regel auf Tanzflächen statt. Die Compilation “Expedition” zeigte letztes Jahr, wie ausserhalb des Klubkontexts mit Elektronica experimentiert wird. Mit “Expedition 2″ begibt sich das Berner Label Everestrecords erneut auf Entdeckungsreise an Unorte, an denen eher Kopf- als Körpermusik gespielt wird. Fast ausschliesslich unter 100bpm, oft auch in Beat-loser Schwebe, oszillieren diese 15 Stücke zwischen lieblichem Ambient und ungemütlichem Illbient, denn der einstündige Klangrundgang beinhaltet sowohl die Besichtigung von stillen Tropfsteinhöhlen, als auch von lärmigen Schlachthöfen.


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