Alle Jahre wieder

Wie kürzlich berichtet hat Sufjan Stevens das Kunststück fertiggebracht ein erträgliches Christmas Album einzuspielen, weil es darauf eher um Musik als um Weihnachten geht. Sonst kommen diese Dinger ja immer reichlich überzuckert auf den vorweihnachtlichen Markt; in der Regel von Künstlern, die ihren Zenit überschritten haben. Dieses Jahr haben Robin Gibb (Bee Gees), Bootsy Collins (“Jingle Belz” (sic!)) und Billy Idol (!!!!!!!!!!!!!) ein Weihnachtsalbum angemeldet, Tokyo Hotel zum Glück nicht. Zudem schneit’s natürlich auch wieder Reissues von Genre-Klassikern.


Assoziationskette ausgelöst von Herman Dune

Vollbärte. Ukulelen. Selbstironie. Verschrobenheit. Akzentenglisch. Schweden. Vagabundengeschichten. Frankreich. LoFi-Vergangenheit. HiFi-Gegenwart. Major-Deal. Giant. Charme. Bescheidenheit. Sympathie. Verwandtschaft. Freundeskreise. Mehrstimmigkeit. Chöre. Lagerfeuer. Wolldecken. Hängematten. Sternbilder. Entspanntheit. Beschwingtheit. Marimbas. Strandglück. Wellenrauschen. Klangwärme. Autoradios. Landstrassen. Weltenbürger. New York. Bad Bonn. Heimatlosigkeit. Sonnenuntergänge. Longdrinks. Saxophonsolos. Weinflaschen. Erinnerungen. Barbecues. Seemövenkrächzen. Melancholie. Sehnsuchtstrompeten. Sommerkleider. Naturschönheiten. Lovestories. Grillenzirpen. Mondschein. Hunde. Katzen. Hühner. Blumen. Schunkelrefrains. Entertainment. Videoclips. Kostüme. Lächerlichkeit. Spass. Ernst. Waschsalonkonzerte. Congarhythmen. Exotik. Tagträume. Textwitz. Absurdheit. Phantasie. Harmoniebedürfnis. Sufjan. Unabhängigkeit. Wagenburgen. Heimwehsongs. Politgeschrammel. Realismus. Gespräche. Ideen. Regenbogen.


Mauey (HipHop á la Hamburgoise)

In Sachen HipHop sind wir bei 78s leider immer noch eher schwach auf der Brust (a.k.a. schmal in der Hose). Das soll sich ändern. Also habe ich heute in der Hamburger Innenstadt den jungen Mann nicht ignoriert, der sich corrismässig an mich heranschlich und fragte: “Stehst du auf HipHop?”. Eine Compilation von Hamburger HipHop Künstlern wollte er mir verkaufen, “fürn Fünfer” (Merke: Dieses Vertriebsmodell ist bei guten Cds eher unüblich). Jetzt mein Einsatz: “Ich stehe eher nicht auf HipHop”. Den Einwand scheint der Kollege zu kennen. “Neinnein, es ist nichts aggressives, so n’bisschen wie Freundeskreis” (Merke: Einer, der auf der Strasse Cds verkauft, greift mit einem Freundeskreis-Vergleich vermutlich sehr hoch). Kurzum: Die Cd ist gekauft, siehe einleitender Satz (Notiz an mich: Spesenabrechnung!).

“N’bisschen wie Freundeskreis” echot es in meinen Gedanken, als ich die Platte einlege. Das erste was ich zu hören bekomme, ist eine junge Stimme, die wiederholt von “Mauey” spricht. Mauey, wie ein Zusammenzug aus Maui und Ey. Mauey. Tatsächlich ist gemeint, frei nach Frank Sinatra: “I did it mauey“. Da spricht einer davon, wie er es auf seine Art macht. Meine Herren Hamburger, so spielt ihr euch nicht in meinen Freundeskreis.

Was folgt, tönt tatsächlich n’bisschen nach Freundeskreis, was leider nur bedingt viel bringt, da Freundeskreis vor allem durch ihre Texte und nicht durch ihre Musik bestochen haben. Die Rhymes hier holpern bedenklich, obwohl man ja meinen müsste, mit leeren Inhalten reime es sich leichter. Man kann die Silbentrennzeichen am Ende der Zeilen geradezu heraushören, als wäre Microsoft Word hier Geburtshelfer der Reime gewesen. Gefällige Beats machen leider noch keinen guten HipHop.

Wer jetzt neugierig geworden ist: “Für’s Leben” heisst das Projekt, “Da draussen” der Sampler, hier gibt’s mehr Infos dazu. Tipps, wo ich richtig guten Hamburger HipHop (den es sicher gibt) finde, nehme ich gerne entgegen.


Die famose Erfindung des Dr. Helmer

Mit Luftgitarren kann man neuerdings tatsächlich Musik machen. Ich überlasse das Wort Dr. Richard Helmer von CSIRO Textile & Fabre Technologies:

“Our air guitar consists of a wearable sensor interface embedded in a conventional shirt which uses custom software to map gestures with audio samples. It’s an easy-to-use, virtual instrument that allows real-time music making – even by players without significant musical or computing skills.”

Hier eine kurze Demonstration. “Without significant musical skills” - damit meint Dr. Helmer wohl auch sich selbst.


Dauerläufer, Schnellzünder, Rohrkreppierer

Die neue Trail of Dead-Platte zu rezensieren, ist eine ziemlich Bürde. Die Band ist kaum zu definieren, Genres prallen an ihnen ab wie Wasser an Neopren. Aber auch nur zu beurteilen, ob das Album was taugt oder eher saugt, ist ohne vertiefte Auseinandersetzung unmöglich. Schon ihre Letzte “Worlds Apart” wurde nicht auf Anhieb als das erkannt, was sie war: ein kleines Meisterwerk. Im Zentrum steht eine grosse Frage: welche Platten bestehen vor dem Herrn? Die Schnellzünder oder die Dauerläufer? Kondition hat schon immer über reine Muskelkraft gesiegt. Aber was tun, wenn der prognostizierte Dauerläufer zum Rohrkreppierer wird?

Das Urteil nach intnensivster Dauerbeschallung: “So Divided” (Universal) ist ein potentieller Dauerläufer wie er im Bilderbuch steht und schliesst nahtlos an “Worlds Apart” an. Songs wie “Wasted State of Mind“, “So Divided” und “Stand in Silence” zünden sofort. Der grosse Rest braucht Zeit. “Naked Sun” oder “Life” sind verschachtelte Monolithen. Bläser, elektronische Samples, Klavier, Akkordeon alles wie im Guss in das konservative Rock-Schema gegossen. “Eight Days of Hell”: wer in der Vergangenheit lebt, kauft sich das “neue” Beatles-Album, wer hören will wie die Beatles heute tönen würden, hört “Eight Days of Hell” rauf und runter. “Witch’s Web” beginnt mit der anmutenden Schönheit einer Singer/Songwriterin, geht so weiter und endet auch so. “Sunken Dreams”, zuerst düster wie die Seele eines Massenmörders, steigert es sich langsam zum melodischen Höhepunkt und endet in einem Wall of Sound. Und dann kommt das viel zu frühe Ende.

Trail of Dead sind besser denn je. Monieren mag man einzig, dass die punkige Urgewalt früherer Tage nahezu verschwunden ist. Pop ist Trumpf. Die Band steht aber nun mal nicht still, sondern entwickelt sich langsam aber sicher zu einem Monstrum an Kreativität und Innovation, das alles Bisherige in den Schatten stellt und sich von Platte zu Platte zu neuen Superlativen emporschraubt.

“Wasted State of Mind”

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“Stand in Silence”

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So Divided


Bürgersteig-Rock

Kürzlich wurde das Pavement-Album “Wowee Zowee” wiederveröffentlicht. Keine Ahnung warum, denn meiner Meinung nach, ist es das schlechteste Album der Band, sofern man bei Pavement von “schlecht” sprechen kann. Die E-Card zum Album klärt allerdings einiges auf: Das Album avancierte unter Pavement-Fans zur heimlichen Lieblingsplatte, weil es nach dem eher Pop-orientierten “Crooked Rain, Crooked Rain” zurück zur Kakophonie gegangen sei und verkaufte 122’000 Stück. Ich find’s trotzdem immer noch das schlechteste oder besser das am wenigsten gute Pavement-Album.


Fotos-Fotos, Teil 2

Die nächsten Fotos folgen Anfangs nächste Woche. Wenn ihr der Band liebe Grüsse, herzliche Glückwünsche oder üble Kritik zukommen lassen wollt: Schreibt sie in die Kommentare, wir leiten sie gerne und unverzüglich weiter.

Um alle Fotos im Album anzusehen, hier klicken.


Brüder

In England sind die Jungs schon Posterboys in Mädchenzimmern. Hierzulande asoziiert man mit The Fratellis wohl eher eine sizialianische Mafiabande. The Fratellis sind aber eine Band aus Schottland und machen Mitsing-Abgeh- und Party-Indie Rock – irgendwo zwischen den Pogues, den Beatles und Libertines. Dass es das gibt, das gibt’s doch gar nicht. Seht und hört selbst:

“Henrietta”

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“Flathead”

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“Chelsea Dagger”

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http://youtube.com/watch?v=GeBgHzcvihg


78s FörderBand

Berühmt und reich werden?
78s FörderBand – der erste (und langatmigste) Online-Bandwettbewerb der Schweiz!

Die Entscheidung ist gefallen: Ihr habt The Big Bang Boogie zum Sieger des 78s FörderBands gekürt. Wir gratulieren und danken euch für die rege Teilnahme bei der Abstimmung.

The Big Bang Boogie spielen ihren Siegergig am 26. Oktober zusammen mit The Robocop Kraus im Mascotte in Zürich!

Das FörderBand ist ein Bandförderungsprojekt von 78s. Wir wollen bislang wenig bekannten Bands die Möglichkeit geben, sich einem grösseren Publikum zu präsentieren und wichtige Kontakte mit dem Musikbusiness zu knüpfen. Die Leserinnen und Leser von 78s erhalten die Möglichkeit, die Vielfalt der jungen Schweizer Musikszene kennen zu lernen. Und sie sind es auch, die bestimmen, wer rockt und wer saugt. Denn das Förderband ist der erste Online-Bandwettbewerb der Schweiz. Die Bands präsentieren sich online, die LeserInnen stimmen online ab.

> Alle Artikel, die wir bislang zum Thema FörderBand veröffentlicht haben, findet ihr hier.
> FörderBand in den Medien: 20Minuten, Persönlich.com, 20 Minuten Week, Radio Sunshine, Montag
> FörderBand in der Blogosphäre: Via Technorati


Ei Liebi

Feuilletonisten blasen voller Inbrunst Fanfaren während sich ein Teil der Schweizer Rapszene nervt, wenn Kutti MC ihr den Spiegel vors Gesicht hält. Der ehemalige Slam-Poet ist schwarzes Schaf und dunkler Engel zugleich. Auf dem Zweitling “Dark Angel”, zu welchem Elektronik-Künstler Benfay die gesamte Musik produzierte, steigt er in ausschliesslich düstere und pessimistische Tiefen ab. Kutti rappt nicht für die Pommes-Chips fressenden Homies in den HipHop-Internetforen, sondern “erschtens für mi und zwöitens für au die schwär erziehbare Meitli wo im Lory-Heim bi Münsinge sind oder gsi sind. Ei Liebi.” One Love. Im gleichnamigen DOK-Film von Susanna Hübscher und Hannes Hug manifestierte er jüngst sein Muttersöhnchen-Image an der Seite seines besorgten Grosi, welche darin die wichtigste Nebenrolle einnimmt. “Weisch, i bi nid andersch, i bi besser, wobi i immer e andere bi.” Anders sind auch die Gäste: keine Rapper dafür mit Has Endo, Kuno Lauener und Polar die besten ihres Fachs. Rap-Puristen dürften sich noch mehr darüber ereifern, ob Kutti nun “real HipHop” ist oder nicht. Doch “Besserwüsser wärde’s bim beschte Gwüsse nid besser wüsse – mini Energie heisst: Ei Liebi.”    


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