Der Admiral spielt seine grössten Hits
Admiral James T. (sieht auf dem Bild ein bisschen aus wie Baschi, nicht?) war gestern in Basel im Fluss, und zwar im doppelten Sinne. Ich finde, man sollte ihn zum König der Songansagen krönen. Besonders gefallen hat mir gestern diese (man muss sich dazu noch einen Winterthurer Dialekt vorstellen): “Jetzt kommt ein neuer Song. Den kann ich noch nicht so gut, habe ich erst heute geschrieben, in Schaffhausen”. Lustig, nicht?
Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass auf diese Ansage “In The Ghetto” von Elvis folgte. Nach dem Song meinte der Admiral trocken: “Ich glaube, das wird ein Hit.” Überhaupt, die Hits. Jeden Song kündigte der Winterthurer (“Ich bin auf der Durchreise, von Stein am Rhein in Richtung Rotterdam”) als seinen grössten Hit an, wahlweise auch als seinen Lieblingssong oder seinen besten Song. Und bediente sich dann genauso schamlos wie Stilsicher aus dem Kanon der Populärmusik. Motörhead wurde genauso die Reverenz erwiesen wie Oasis, ebenso Queen mit “Another One Bites The Dust” (natürlich angekündigt als “mein grösster Hit”, und am Ende kommentiert mit “damit wäre ich fast reich geworden”).
Nicht diesen, aber einen anderen schönen Song, ebenfalls mit netter Ansage, haben die infamen Kollegen verdankenswerterweise mitgeschnitten (zur Erklärung vorweg: Admiral James T. hatte das Publikum nach allfälligen Wünschen gefragt und Radiohead zugerufen erhalten).
Von David Bauer | 6. August 2006 | 3 Kommentare
Feinste Kunst
Es sei eine Hommage an jene Künstler, die ihn beeinflusst hätten. Dies schreibt Gustaf Kjellvander über sein Debüt-Album mit The Fine Arts Showcase “Radiola” (Stickman Records/Irascible Vö:26.8.). Gustaf Kjellvander ist der Bruder von Christian Kjellvander, der nicht unbekannte Schwedische Singer/Songwriter. Währenddem es bei eben diesem Bruder Countryesk zu und her geht, widmet sich Gustaf einem sehr weiten Feld, nämlich der Popmusik in alle ihren Facetten. Gustaf hat dem Teufel aber seine Seele nicht verkauft. Man erkennt ihn immer noch als skandinavischen Musiker. Gewohnt paaren sich schöne Melodien mit einer tiefgreifenden Sehnsucht nach dem perfekten Popsong getunkt in einem psychedelischen Dipp. Hört man “Radiola”, scheint diese Sehnsucht für befriedigt.
The Fine Arts Showcase gelingt es, die Mimik der Lieder von Song zu Song zu verändern. Von bodenlos tief Melancholisch á la Nick Cave (“Brother in Black” und “Part II”), über durchschnittlich, britisch melancholisch (“Chemical Girl”) bis kraftvoll und beschwingt (“Frida and I”, “Spanish Kerosene”) reicht die Spannweite. Dabei finden sich Power-Pop-Balladen inmitten von Indietronic und Lagerfeuer-Romantik, bei der sich auch Nick Drake wohl gefühlt hätte. Abwechslung wie im Zirkus also. Zum Schluss bleibt der Eindruck, dass hier etwas Grosses im Player dreht. Paul McCartney meinte angeblich zu The Fine Art Showcase: “Best 19-lettered band I’ve heard”. Klar, der olle Paul ist nicht unbedingt eine Referenz, aber wenn dieser Dinosaurier schon mal etwas Gescheites rausgelassen hat in letzter Zeit, dann war’s bestimmt sein Kommentar zu The Fine Arts Showcase.
“Chemical Girl”
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Von Mathias Menzl | 6. August 2006 | 0 Kommentare
Frevel des Tages
In der heutigen Ausgabe von “Das Magazin” (5.8.06) wird in der festen Rubrik “Ein Tag im Leben von” (online leider nicht zugänglich) Daniel Goodwin porträtiert, der Marketing-Chef der deutschen Grammophon, das grösste Klassiklabel der Welt. Goodwin lässt sich darin wiefolgt zitieren: “Immerhin wird mein Bereich nicht dramatisch vom Internet bedroht, weil unser Kunde meistens beides kauft, den iTunes-Download und die CD, er will was in den Händen halten – und er hat, auf Grund seiner Bildung, auch einen Sinn für Copyright und geistiges Eigentum”. Wir fassen kurz zusammen:
- Jeder Internetuser, der sich die Musik nur bei iTunes legal runterlädt, ist ungebildet und hat weniger Sinn für geistiges Eigentum.
Diese Interpetration ist natürlich sehr zugespitzt. Trotzdem, ein Marketingchef, der sich zu einer solchen Aussage verleiten lässt, ist meiner Meinung nach kein guter Marketingchef, da er in dieser heiklen Angelegenehit solche Interpretationsmöglichkeiten verhindern sollte. So verunglimpft er aber einen grossen Teil der Musikkonsumenten. Insbesondere jene, die Popmusik hören und legal downloaden und die Musik nicht im Laden beziehen, werden als ungebildet und als Gesetzesbrecher dargestellt. Wahrlich eine fahrlässige Aussage für einen Manager in einem Unternehmenszweig, der sich eigentlich mit seinen jungen Konsumenten endlich versöhnen sollte. Universal, zu der das Label Grammophon gehört, ist seinerseits Teil von Vivendi, einer der grössten Medienkonzerne der Welt. Wenn die leitenden Angestellten dieses Unternehmens alle so denken wie Herr Goodwin, dann wäre dringend ein Seminar bei Herrn Renner angesagt. Ein alter Kollege von Herrn Goodwin.
Von Mathias Menzl | 5. August 2006 | 1 Kommentar
Jetzt müssen Steine rollen (Part 2)
Es lohnt sich mal wieder, eine Ex-libris-Filiale aufzusuchen (ist nicht oft der Fall). Diesmal sind die Rolling Stones der Grund (auch dies eher selten). Jetzt gibt’s nämlich anlässlich ihres Schweizer Auftritts ihr bestes Album zum Sonderpreis. 12 Franken kostet “Exile On Main Street” aus dem Jahre 1972. Zu keiner Zeit vorher oder nachher haben die Stones so viele Drogen konsumiert und also so gute Musik gemacht. Aber Achtung: Nicht auf der Website bestellen. Dort ist das Album teurer (fies ist das).
Von Philipp Albrecht | 5. August 2006 | 3 Kommentare
10 Songs, die Jagger & Co heute nicht spielen
Beat-Man am B-Sides: “Kennet ihr d’Rolling Stones? Die hei ja hüt Turnschue anne, aber die hei au mau gueti Musig gmacht, wo si no Läderschue anne gha hei.”
Da ist was dran. Beat-Man entschied sich mit “Playing With Fire” für einen Song, den die Stones heute in Dübendorf kaum spielen werden. An “Empty Heart” können sie sich vermutlich nicht mal mehr erinnern. An “Under My Thumb” vielleicht schon, aber dafür bleibt wohl keine Zeit. Vor lauter Hits werden sie wahrscheinlich nicht zu Songs wie “Child Of The Moon” oder “Wild Horses” kommen. “A 100 Years ago” ist lange her und für “Sister Morphine” sind sie heute einfach zu clean. Ob sie was vom unerreichten 69er-Album “Let It Bleed” spielen? “You Can’t Always Get What You Want” klingt aus dem Mund von Mick Jagger heute nicht mehr gerade glaubwürdig und “Love In Vain” oder “Monkey Man” stehen bestimmt nicht auf der Setlist. Vielleicht hat man mehr von diesem Abend und dieser Band, wenn man man sich diese 10 Songs anhört, statt im Regen zu stehen. Früher war vielleicht nicht alles besser, aber die Rolling Stones schon.
Von Ralph Hofbauer | 5. August 2006 | 0 Kommentare
Up the Irons!
Die Eisernen Jungfrauen sind zurück. Das britische Heavy Metal-Urgestein Iron Maiden wird am 28. August das neues Album “A Matter of Life and Death” (EMI) veröffentlichen. Ob die ganze Sache wirklich eine Frage von Leben und Tod ist, wird an dieser Stelle bezweifelt. Wer sich ein eigenes Bild machen will, der Clip zur ersten Single “The Reincarnation of Benjamin Breeg” gibts hier. Interessant dabei ist: “Copyright: Iron Maiden Holdings”. Das ist jetzt also eine Firma und keine Band mehr.
Von Mathias Menzl | 5. August 2006 | 0 Kommentare
Frisch ab Presse
Eizi Eiz ist wieder da. Jan Delay, schon lange nicht mehr nur absoluter Beginner, sondern mittlerweile Profi in den verschiedensten Tanzsportarten, versucht sich diesmal am Funk. Dass dabei eine dolle Pladde rauskommt, ist keine Überraschung. Nasal und légèr wie gewohnt wettert Curtis Eisfield mit viel Soul gegen Bausparverträge und andere Dinge, die nicht so funky sind in der Bundesrepublik. Seine Bigband tut das übrige und “Mercedes Dance” brächte wohl selbst James Brown ins Schwitzen. Jan Delay schreckt vor nichts zurück, auch nicht vor einem Duett mit Udo Lindenberg oder einem Rio Reiser-Cover – und dafür muss man den Eizi einfach lieben.
Diese Woche neu:
Jan Delay – “Mercedes Dance” (Universal)
Oh No – “Exodus Into Unheard Rhythms” (Stones Throw/Musikvertrieb)
Klee – “Zwischen Himmel Und Erde” (Ministry Of Sound/Musikvertrieb)
Slayer – “Christ Illusion” (Warner)
O.S.T. – “Miami Vice” (Warner)
Boozoo Bajou – “Juke Joint II” (K7/Namskeio)
Forward Russia – “Give me a Wall” (TBA)
The Russian Futurists – “Me, Myself and Rye” (TBA)
Curse – “Einblick Zurück” (Sony/BMG)
Outlandish – “Closer Than Veins” (Sony/BMG)
Von Ralph Hofbauer | 5. August 2006 | 0 Kommentare
Jetzt müssen Steine rollen
Heute ist der Tag, für den Sämu Schmid Verteidigungsminister geworden ist: Die Rolling Stones spielen auf dem Militärflugplatz Dübendorf. Von Grössenwahn und Ticketpreisen soll an dieser Stelle nicht die Rede sein, auch nicht von den durchaus erwähnenswerten Vorbands Kasabian und Lovebugs. Dafür soll auf eine wunderbare Coverversion des wohl grössten Stones-Hits hingewiesen werden. Bühne frei für PJ Harvey und Björk mit “(I Can’t Get No) Satisfaction” (Brit Awards 1994). Da sehen die Stones wahrlich alt aus.
Von David Bauer | 5. August 2006 | 2 Kommentare
Rock, Lyrik und Politik
Keine gewöhnliche Band ist das. Die Rede ist von The Weakerthans (Phonag). Der Frontmann der kanadischen Band, John K. Samson (Bild), ist auch kein alltäglicher Musiker. Samson kann nicht nur mit der Gitarre umgehen und einigermassen konsonant singen, sondern ist auch Poet, Buchverleger und Politischer Aktivist (wobei er dabei wohl nicht immer den für alle richtigen Ton trifft). Er ist Mitinitiant von Arbeiterring Publishing, einem kanadischen Buchverlag, der sich auf sozialpolitische Sachbücher spezialisiert hat. 1997 gründete er, noch mit seiner ehemaligen Band Propaghandi, das Label G7 Welcoming Committee Records. Sein Bücherwurm- und Intellektuellenimage (schöner Schal John!) unterstrich Samson kürzlich mit der Teilnahme bei “Canada Reads“, das Pendant zum Literaturclub von SF, just mit einem interessanteren und spannenderen Sendekonzept. Bei “Canada Reads” treten fünf Kandidaten mit ihren Lieblingsbüchern gegeneinander in einem Argumentationswortgefecht an, bis das eine Buch auserkoren wird, das von Kanada gelesen werden muss. Samson und seine Frau, die Folk-Sängerin Christine Fellows, gelten in Kanada als eines der originellsten und talentiertesten Künstlerpaare. Ein Weakerthans-Konzert, man kann es sich denken, ist darum mehr als ein normales Konzert; es ist Lyrik gepaart mit Rock Musik und politischen Zwischentönen. Dies kann man am nächsten Mittwoch (9. August) in der Luzerner Schüür gleich selbst erfahren.
Von Mathias Menzl | 4. August 2006 | 0 Kommentare
Cibelle und der künstliche Bach
Das waren keine Tränen der Rührung, es waren Regentropfen, welche die grosszügig verteilten blauen Regenponchos bedeckten, die wiederum Cibelle zur Aussage zwangen: “Oh, you all look so blue”. Das Wetter wollte nicht mitspielen, als Cibelle am letzten Donnerstagabend auf der Stimmen-Bühne im Rosenfeldpark zu Lörrach erschien. Begleitet wurde sie von einer dreiköpfigen Band: Gitarre, Keyboard/Laptop, Schlagzeug. Aus unerklärlichen Gründen wurde kein einziger Song ihres ersten Albums “Cibelle” (2003) gespielt. Man beschränkte sich auf die herausragend psychedelisch anmutenden Stücke ihres neuesten Langspielers “The Shine Of Dried Electric Leaves” (2006). Nicht minderer Qualität sind diese Songs, bloss verspielter und abgedrehter.
Immer wieder vermischten sich komplexe Bossa-Riffs mit knackenden und klickenden Samples. Dazu hielt Cibelle ihre Glöckchen-Kette ans Mikrofon und sang in ein zweites, das direkt am Laptop angeschlossen war, der ihre Stimme sachte hallen liess. Schliesslich sank Cibelle in die Knie und sang minutenlang ohne instrumentale Begleitung (nur der künstliche Bach hinter der Bühne plätscherte dazu, als müsste es so sein). Der Applaus hielt lange an. Er klang überrascht. Das Publikum war dennoch nur wegen Amparanoia angereist. Die spanische Sängerin Ampara Sánchez und ihre Band spielten im Anschluss einen Mix aus Salsa, Samba und Ska. Nichts Neues und auch nichts Spektakuläres. Aber dem spärlich erschienenen Publikum schien es zu gefallen. Und Petrus auch.
Ps: Das Bild zeigt zwar Cibelle, jedoch nicht am Stimmen-Festival.
Von Philipp Albrecht | 4. August 2006 | 0 Kommentare




