Neue Musik

Rock, baby, rock

Als angehende Eltern rinnt einem ja so manche Schweissperle die Stirn hinunter, wenn man bangt und hofft, dass der eigene Nachwuchs später einmal den richtigen (whatever that might be) Musikgeschmack entwickelt. Stell ich mir jedenfalls so vor. Klar, wer über Jahre die richtigen Platten (oder Cds oder Mp3 Files) gesammelt und rechtzeitig die üblen Sünden entsorgt hat, der bringt den neugierigen Spross auf den richtigen Weg.

Doch wieso warten, bis sich Sohnemann oder Tochterfrau den Weg zur elterlichen Plattensammlung bahnt. Früh übt sich. Darum stattet der verantwortungsvolle Vater bereits die Kinderwiege mit dem richtigen Soundtrack aus. Natürlich könnte es passieren, dass, während der ambitionierte Vater bereits eine PA ins Kinderzimmer montiert, die auch eines Hallenstadions würdig wäre, und bereits übereifrig die Queens of the Stone Age in den Player werfen will, ja dann könnte es passieren, dass die Mutti mahnend dazwischenfunkt und einen Kompromiss vorschlägt: Baby Rock Records.

Das Prinzip ist dasselbe wie bei Babybrei: Schwer verdauliches wird püriert. So kann man seinem Kind dann aber durchaus mal Radioheads Karma Police vorsetzen, oder Coldplays Clocks (musste nur wenig püriert werden). Natürlich sollte auch Metallica in der frühkindlichen Musikerziehung nicht fehlen, vor allem natürlich nicht dieser Titel: Enter Sandman. Das volle Sortiment an pürierten Klassikern findet ihr hier.

Und hier noch die Orignialversionen der genannten Songs zum Vergleichen:
> Karma Police
> Clocks
> Enter Sandman

PS: Was mich jetzt noch interessieren würde: Tokio Hotel für Erwachsene


Auf der Schlachtbank

Gott und sein Sohn haben keine Freude daran. Slayer kümmern sich aber bekanntlich nicht um den Gefühlszustand von Gott und seinem Anhang. Ihr neues Album “Christ Illusion” (American Recordings/Warner) steht seit kurzem in den Läden (wieder mit Dave Lombardo). Für Menschen, die nicht enterbt werden wollen, und darum Angst davor haben, sich in der CityDisc-Filiale zu outen, die können das ganze Album klammheimlich hier probehören. Für alle, die sich einen Dreck darum scheren: Slayer Live 23.10. in Winterthur.


Das musizierende Familienkränzchen

Wer sich in den letzten drei Jahren immer wieder gefragt hat, wo denn die wirklich typisch englischen Bands abgeblieben sind, der findet die Antwort bei den Duels. Die Duels versprühen auf ihrem Debüt “The Bright Lights & What I Should Have Learned” (TBA) den Charme von Suede und Pulp, klauen die Gabe für simple und darum intelligente Lyrics bei den Beatles und tragen noch so nebenbei Morrisseys Anmut unter dem Arm. Doch die Songs an sich, nämlich die Melodien und Refrains, die bringen sie selber mit. Auf einem Silbertablett. Schön angeordnet wie eine Schachtel Pralines. Und auch so unverschämt lecker.

Die Pralineschachtel gibt auch gleich das Stichwort. Die Duels sind nämlich nichts anderes als ein musizierendes Familienkränzchen. Die Brüder Jon und Jim Foulger bilden mit ihrer Cousine Katherine zusammen das Gründertrio der Band. Und auch im Umfeld der Duels geht es familiär zu und her. Die Duels stammen nämlich aus der kleinen aber feinen Musikszene in Leeds. Zu dieser gehören auch die Kaiser Chiefs, Forward Russia, The Cribs und das Label Dance to the Radio. Von einem typischen Leeds-Sound kann aber nicht die Rede sein. Gross und berühmt wird man ebenfalls individuell getrennt. Zurück in Leeds treffen sich dann aber doch wieder alle im Club Josephs Well und trinken zusammen ein Bier. Vielleicht sogar zum Konzert von Voltage Union, angeblich das nächste grosse Ding aus Leeds. Wir sagen nur: smells like “Clap Your Hands”, aber nicht “say yeah”!


Meine Lieblingsband des Tages

Sie sind die Supportband von Phoenix in Deutschland und sie sind toll: Die Fotos aus Hamburg/Köln/Wuppertal. Allfällige Wortspiele mit dem Bandnamen lassen wir bleiben. Lieber direkt mitten ins Geschehen: Vier Songs gibt’s bei MySpace und alle machen Lust auf das Album, das im September kommt: Gigantenhaft schöne Einfachheit, so gar nicht fremd, Musik, die für dich da ist, zu der man gerne zurückkommt. Die Kollegen Popnutten haben noch ein Interview.


Hier kommt Kurt

Kurt Wagner ist zurück. Und dabei fragt man sich, ob er jemals weg war. Das letzte Werk seiner Band Lambchop liegt doch schon zwei Jahre zurück. Doch “Aw C’mon / No You C’mon” war so dicht und umfangreich, dass man gut und gerne zwei Jahre daran kauen konnte. 2005 kam noch eine kleine Kolaborations-EP mit Hands Off Cuba, die interessant klang aber doch etwas verstörte. Macht Kurt jetzt auf Elektro? Nein, natürlich nicht.

Am 11. August haben wir “Damaged” (Cityslang/TBA), ein Songzyklus, der wieder mehr nach “Is A Woman” als nach “Aw C’mon…” klingt. Denn Kurt Wagner bleibt ein sensibler und melancholischer Nashville-Cowboy, der gerne experimentiert und noch lieber weint. Dabei weint er keine Tränen, sondern Poesie in Form von einfachen Riffs und Metaphern.

Die Stimmung von “Damaged” ist klar fröhlicher als die von “Is A Woman”. Zum Beispiel “Crackers”, das gut ins Autoradio passt, mit seiner zielgeraden Aufbruchstimmung, oder “Paperback Bible”, das Vergangenes vergangen lassen will. Und überhaupt brechen immer wieder überraschende Bläser- oder Streichereinsätze das melancholische Eis und zeigen dorthin, wo alles besser wird, anstatt sich im Kreis zu drehen. Das ist eben Kurt Wagner. Einer, der konstate Qualität predigt und dazu Innovation trinkt. Live am 11. August in Lausanne (For Noise) und am 23. November in Zürich (Rote Fabrik).


From Russia with Love

Zwei Bands, die abgesehen von ihrem Namen, so ziemlich nichts gemeinsam haben: Forward Russia (“Give Me a Wall” (TBA)) und The Russian Futurists (“Me, Myself and Rye” (TBA)). Forward Russia sind laut, hektisch, zappelig, druckvoll, aufdringlich, am 17.9 Live im Mascotte und derzeit das Vielversprechendste aus England. The Russian Futurists tönen, wie eine alte Hose sitzt – vertraut und eingetragen. Süsser Lo-Fi Pop ohne Ecken und Kanten.


Das Empire ist nicht genug

Wenn “Club Foot” vom Debutalbum von Kasabian in der Indie-Disko gespielt wird, müssen Franz Ferdinand in die Ecke stehen. Das war vor zwei Jahren, jetzt muss die Bestätigung folgen. Nimmt man die erste Singleauskopplung des kommenden Albums (22. September bei Sony BMG) als Massstab, so muss man skeptisch sein: “Empire” klingt zwar unverwechselbar nach Kasabian, kommt aber insgesamt eher bemüht schwungvoll und etwas lasch daher. Da muss also noch mehr kommen, Jungs!


Nerddancing (Fortsetzung)

Ok Go! haben es vorgemacht. Die Mates of States machen ihre Sache mit “Goods (All in your Head)” aber auch ganz Gut. Die Beinarbeit stimmt auf jeden Fall.


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Der grösste Kanadier

Einer der grössten Antihelden ist zurück. Spookey Ruben hat mit “Ausfahrt Walsrode” (Hi-Hat Recordings) einen weiteren Auszug seines schräg-schönen Schaffens parat. Who the fuck is Spookey Ruben, werden sich viele fragen. Spookey ist der grösste Kanadier, den es je gab. Für einige zumindest (auch für Beck & Beck). Für viele ist er wohl eine Mischung aus Bully Herbig und Markus Kavka. Für mich und ein paar andere ist er schlicht ein cooler Hund. Auch wegen dieser Jamie Oliver-Verarsche.


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