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    Die versaute Alice Schwarzer

    peaches.jpgSie mag keine Gitarrensoli, beteuerte sie kürzlich gegenüber dem deutschen Musikmagazin „Intro“. Solche waren auch nicht zu hören auf ihren ersten beiden Alben „The Teaches Of Peaches“ (2002) und „Fatherfucker“ (2004). Genausowenig wie auf ihrem dieser Tage erscheinenden Album „Impeach My Bush“ (XL/Musikvertrieb). Peaches mag einfache Rock-Riffs, die sie problemlos auch selbst auf der Gitarre spielen kann, während sie sich fünf Mal auf der Bühne umzieht, ohne diese ein einziges Mal zu verlassen. Wer sie ein bisschen kennt, weiss, dass sich bezüglich Sex auf dem neuen Tonträger nichts ändern wird. Dass es ihr aber nicht nur um das eine geht, ist relevant für das Verständnis dieser Frau. Ein Gegenpol zum Machismo ist sie, ein weiblicher Macho. Aber keine Schlampe. So wird aus „Shake Your Titts“ „Shake Your Dick“ und aus „Motherfucker“ „Fatherfucker“ – eine versaute Alice Schwarzer.

    Nebenbei produziert Peaches groovigen Elektro-Rap, mit Beats, wie sie damals zu Beginn der Neunziger von Rap-Acts wie Ice Cube oder 2 Live Crew benutzt wurden, bevor der Jazz den Sprechgesang in das „Golden Age Of Hip Hop“ führte. In der Regel macht das Peaches nicht alleine. So gehörten in der Vergangenheit Leute wie Iggy Pop („Kick It“) oder Gonzales zu ihren Studiogästen. Diesmal wird sie von Joan Jett, Josh Homme (Queens Of The Stone Age) an den Gitarren und Samantha Maloney (Ex-Hole) am Schlagzeug begleitet. Ab und zu schauten auch Freunde aus der kanadischen Vergangenheit (Mocky, Feist) im Studio rein. Ihr Einfluss beschränkt sich aber auf unbedeutende Backgroundgeräusche. So unterscheidet sich „Impeach My Bush“ insbesondere durch die (erfrischende) homogenere Instrumentalisierung von seinen Vorgängern.

    Was bleibt?

    Die Müllberge des Roskilde Festivals sind abgetragen und die Zelte der 100’000 Besucher abgebrochen oder verbrannt. Was bleibt? Neben einem Teint von vier Tagen Sonnenschein und lädierten Ohren, Leber oder Lungen vor allem Erinnerungen an magische Konzertmomente. Solche gab es z.B. bei Fat Freddys Drop, Jenny Lewis & the Watson Twins, Why?, Ed Motta und dem Tied & Tickled Trio. Eher traurig dagegen, was die Legenden boten. Axl kam eine Stunde zu spät, Bob Dylan schien hinter einer musealen Vitrinenglaswand zu spielen und Roger Waters verlor sich im Grössenwahn. Für Gänsehaut sorgte hingegen die dänische Popszene mit Under Byen, Rumpistol und Melk. Schön war’s mal wieder, am vielleicht schönsten Festival der Welt.

    John und Ossi

    Johnossi führen die Riege der kultigen Duos in der populären Rockmusik weiter. Und um gleich Referenz zu nehmen an drei anderen Päärchen, den White Stripes, Death From Above 1979 und Two Gallants, Johnossi tönen in Tat und Wahrheit wie ein Mischung aus diesen Dreien. Das Album der beiden Schweden erscheint zwar erst am 1.9. (TBA/V2), aber die gute, alte Tante MySpace hat natürlich schon was parat. Zudem gibt’s auf der Webseite der beiden Jungs schon Hörfutter.

    Mit Zuckerbrot und Peitsche

    Genau so muss gute Popmusik tönen: zu Beginn schwer zugänlich, überwiegend, es darf über zehn oder zwölf Songs verteilt circa zwei unmittelbar erschliessbare Stücke haben, die ein Zurückkommen auf die Platte unumgänglich machen. Der Rest der Songs muss unter dem Schleier einer schleierhaften Mystik noch verschlossen sein. Nach drei, vier Durchgängen beginnt die Phase, in der man neue Liebelingsssongs entdeckt. Diese Phase hält dann an bis man wieder von vorne sich daran erinnert fühlt, wie gut doch eigentlich jener Song ist, den man als erstes schon ins Herz geschlossen hat. Dies ist dann der Zyklus einer guten Popplatte. Und so ist es auch bei TV on the Radios „Return to Cookie Mountain“ (Musikvertrieb/4AD). Die Band spielt mit Wärme und Kälte, mit Zuckerbrot und Peitsche.

    Aufgefallen sind TV on the Radio zum ersten Mal mit einer 23-Spur-A-cappella-Version des „Pixies“-Stücks „Mr. Grieves“. 2004 kam die Platte „Desperate Youth, Blood Thirsty Babes“ mit der Übernummer „Staring at the Sun„. Darauf spielen die New Yorker genauso gekonnt mit Electro/Breakbeats wie mit Gospel/Soul-Stimme(n) und Gitarrenrock. Aber die Band genremässig zu fassen ist genauso unmöglich, wie Radiohead erklären zu wollen. Das kaum bekannte erste Album der Band aus Brooklyn heisst nicht von ungefähr „OK Calculator“. Die Marksteine sind gesetzt. David Bowie hat sich ebenfalls schon wieder als Fan geoutet, genauso wie bei Arcade Fire oder Calp Your Hands Say Yeah! und auch Trent Reznor gab ihnen Live die Ehre (hier). TV on the Radio sind aber nicht nur wegen prominenten Schulterklopfern die derzeit wohl interessanteste Rock-Band. Dass sie noch keine grossen Wellen schlagen, zeigt auch der Song „Dry Drunk Emperor„, der nach der Untätigkeit der Bush-Administration nach dem Hurrikan in New Orleans zum Sturm des Weissen Hauses aufrief, aber keinerlei Reaktionen auslöste. Wahrscheinlich sind TV on the Radio zu gut, lies zu hochstehend, dass sie von Republikanern gehört werden. Die empören sich lieber über nackte Titten in Hip Hop Videos. So hat die Revolution wohl doch noch eine Chance. Vor allem auch mit Songs wie „Wolf Like Me„.

    TV on the Radio spielen am 17. August am Rock oz Arenes in Avenches und am 30. August in der Roten Fabrik in Zürich

    (Not) a-muse-d?

    Es streiten: David Bauer und Mathias Menzl
    über: „Black Holes & Revelations“ von Muse (Warner Music)

    Also Mathias, dann nehm ich dir gleich den Wind aus den Segeln: Du willst sicher kritisieren, dass Muse völlig Mainstream geworden sind und tönen wie Coldplay im Vaterschaftsurlaub. Ich sage: Na und? Wenn Muse Mainstream werden, schliessen 5 andere gute Indie-Bands die Lücke, der Mainstream ist um eine wirklich gute Band reicher und ein DJ Bobo mehr wird in Rente geschickt.

    Muse wehrten sich immer gegen Stillstand. Auf „Black Holes and Revelations“ versuchen sie es mit mehr Streichern, etwas Akkustikgitarren und elektronischen Stilmitteln. Das ist ja durchaus legitim. Allerdings: Muse haben sich zu sehr verbogen, um nicht wieder dasselbe Album zu machen wie zuvor. Nur drei Beispiele: „Supermassive Black Hole“ (Mischung aus Smashing Pumpkins zu Adore-Zeiten und Christina Aguillera) kommt auf die nächste Ibiza-Compilation, „Hoodoo“ (Wüstengitarre und Larmoyanz) ist wohl der schlechteste Muse-Song ever, und „Soldier’s Poem“ ist etwas viel Freddy Mercury auf ein Mal.

    Ich glaube, Muse wehren sich weiterhin erfolgreich gegen den Stillstand. Dieses Album muss als Übergangsphase verstanden werden. Die ersten drei Alben waren stilprägend und ragten aus der Musiklandschaft Britanniens heraus. Muse sind nun auf der Suche nach neuen Ufern und wagen die Odyssee. Daher die teils seltsamen Stilkombinationen. Und doch sind da Songs für die Ewigkeit: Invincible etwa, eine Ballade, wie sie Keane im Leben nie hinbekommen werden. Assassin, möglicherweise der beste Muse-Song ever. Oder Exo-Politics, das die Gespenster von Stockholm Syndrome zurückruft. So klingt Perfektion.

    Von Umschreibungen wie „Perfektion“ oder „beste(r) Muse-Song ever“ würde ich im Rahmen dieser Album-Besprechung einen sehr grossen Bogen machen. Wenn deine These stimmt, und dies ein sogenanntes Übergangsalbum ist, dann wird es wohl im Rückblick als „schlechtestes Muse-Album ever“ abgekanzelt werden. Mit „Assassin“ geb ich dir Recht. Früher gab’s ein Dutzend solcher Kracher, jetzt noch einen. Das macht den Braten nicht feiss.

    Whistle Pop (Sommerhit 2.0)

    Ja was soll man dazu sagen. „Young Folks“ von Peter Bjorn and John im zuckersüssen Duett mit Victoria Bergsman von The Concretes kann wohl traumwandlerisch sicher (Alain Suter) als einer der besten Songs des Jahres bezeichet werden. Sommerhit 1.0 war ja Lily Allens LDN, „Young Folks“ ist Sommerhit 2.0. Whistle on! Das Album von Peter Bjorn and John „Writer’s Block“ erscheint am 21. Juli (Wichita/TBA).
    Young Folks (Video)

    Basler poppen besser

    bugs.jpg

    Als „elektronisches Rockalbum“ ist es vom Label angekündigt worden, das neue Album der Basler Lovebugs. Das ist es natürlich nicht geworden, sondern ein „Nachtalbum“, wie die Band jetzt selber sagt, ein melancholisches Liebesalbum gewissermassen, mit Avalon als Highlight. Misst man die Lovebugs endlich nicht mehr an ihrer Vergangenheit, so muss man sagen: „In Every Waking Moment“ (Gadget/Phonag) ist ein hervorragendes Pop-Album. Und Pop ist ja so schlecht nicht.


    Beirut

    Mit Beirut scheint wieder mal ein Wunderkind der Marke Connor Oberst am Start zu sein. Stilistisch bewegt sich der 19-jährige Zach Condon auf europäischen Folk-Pfaden. Seine Songs heissen „Brandenburg“, „Postcards from Italy“, „Prenzlauerberg“, „Bratislava“ und sein Debüt-Album „Gulag Orkester“. Nadel auf die Platte setzen, an die Sonne legen, den Mitbewohner bitten Staub zu saugen und nachher den Staubsack über einem auszuschütten, auf der Strasse etwas Pferdekot sammeln, und daneben legen, und fertig ist die Puszta-Athmosphäre.Klar, hinter der Musik von Beirut versteckt sich kein genuines Roma-Ensemble, aber es ist zumal eine etwas weltoffene, erfrischende Herangehensweise, irgendwo zwischen dem Indie-Folk von Neutral Milk Hotel und eben verwestlichten, balkanesken Gipsy-Klängen.

    Postcards from Italy (mp3)
    Mount Wroclai (mp3)

    Dirty on Purpose

    Nein, bei Dirty on Purpose handelt es sich nicht um ’nen Porno. Nichts Schlüpfriges und auch überhaupt nichts nur im Ansatz Böses verbirgt sich hinter dem anrüchigen Namen. Im Gegenteil, Dirty on Purpose könnten die nächsten Death Cab for Cutie werden. Sie sind perfekt dafür geeigent, bei der nächsten Staffel von „OC Calfornia“ mitzuspielen. Trotzdem haben sie etwas an sich, das verführerisch wirkt. Es ist ihr einlullender Sound zwischen Shoegazing der Marke Amusement Parks on Fire und, da wag ich mich weit aus dem Fenster, der Lieblichkeit von Coldplay. Ihr Debüt-Album „Hallelujah Sirens“ erscheint am 27. Juni und wird in den USA schon freudig erwartet.

    My Blindness (Video)
    Light Pollution (Video)

    The Walkmen

    Und sie laufen wieder, The Walkmen aus New York. Fast hätten wir es verpasst. Denn ihr neues Album „A Hundred Miles Off“ läuft schon seit Ende Mai. Und ob sie nun „Lost in Boston“ sind oder irgendwo in „Louisiana„, die Musik der Bob Dylans des Indie Rock bereitet ortsungebundene Freude.

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