Alle 1288 Artikel von Ralph Hofbauer

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Was machen eigentlich…

…die Fräuleinwunder des Pop?
Sie schüren fleissig unsere Vorfreude:
Feist macht ein neues Album (VÖ 23.4.: Mit an Bord die Ganze Avant-Pop-Clique: Jamie Lidell, Gonzales und Mocky), Laura Veirs auch (VÖ: 26.3. Ein neuer Song ist bereits auf Myspace zu hören) und Björk ebenfalls (VÖ: Mai. Timbaland produziert, Antony ist – entgegen aller Gerüchte – nicht auf dem Album, irgendetwas haben die Beiden aber doch am Laufen). Cat Power und Coco Rosie hingegen bitten noch um Geduld.


Mein neues Home Office

Ich verbringe mein halbes Leben vor dem Computer. Deshalb litt ich lange Zeit unter starken Rückenschmerzen – bis ich den Ergopod 500 für mich entdeckte. Dieser ergonomische Geniestreich hat allerdings auch seine Schattenseiten. Um mich herum türmen sich Pizzaschachteln, Chipspackungen, Bierdosen und überquellende Aschenbecher. Seit Tagen habe ich das Bett nicht mehr verlassen. Wozu auch? Das Leben findet auf dem Bildschirm statt. Mein einziges Problem: Ich habe noch immer keine Website gefunden, wo ich mal kurz aufs Klo kann.


Herrlichstens

Die Legende besagt, er habe MC Hammer damals in mehreren Battles besiegt. Inwischen ist Sammy Stephens so tief gesunken, dass er Werbung für Brockenhäuser machen muss. Im Vergleich mit Hammers legendärem “Can’t Touch This” wirkt Sammys aktueller Hit “Mini Mall Rap” zwar eher behäbig, das Timing seiner Rhymes ist dafür umso genauer. OK, die Sache mit MC Hammer ist erfunden, aber Sammy Stephens gibts wirklich und er ist grossartig. Oh Mann, ich liebe diesen Typen:

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Sieht nicht danach aus, aber hier gehts um Innerlichkeit

Keine Angst, auch wenn sie ein wenig aussieht wie Joan Baez, mit ihren laaangen Haaren und dem ganzen Indianerschmuck, ist Jesse Sykes aus Seattle nicht einfach eine weitere harmlose Folkchanteuse. Und obwohl sie fast so viel Grazie wie Carla Bruni hat, ist sie mehr als eine weitere gutaussehende Singersongwriterin. Nur schon deshalb, weil ihre Backing Band The Sweet Hereafter mit allem aufwartet, wonach facettenreicher Pop verlangt, von Klavier und Orgeln, über Bläser und Geigen bis hin zu Chören und verzerrten Gitarren.

In diesen Tagen erscheint (zumindest webweit) das dritte Album von Jesse Sykes & The Sweet Hereafter, worauf psychedelic Rock, Americana und orchestraler Folk auf wunderbare Weise zusammenfinden. Es trägt einen Titel, der Innerlichkeit verspricht: “Like Love, Lust & The Open Halls Of The Soul”. Jesse Sykes Stimme ist denn auch von einer traumfängerischen Romantik, die man gewiss als sentimentalen Empfindsamkeitskitsch abtun kann. Einige Songs müssen sich solchen Urteilen bestimmt stellen, doch wer genau hinhört, den wird dieses Epos mit seiner Harmoniesucht weichklopfen. Die Arrangements nehmen sich alle Zeit der Welt und verführen mit ähnlich rustikaler Melancholie, wie jene von Bonnie Prince Billy oder Okkervil River. Ein Album, das Zeit braucht. Wer genug davon hat: Zum Albumstream gehts hier lang.


Ein Stück vom Himmel

Ich bin dem Gröni immer schon mit einer gewissen Gleichgültigkeit begegnet. Ähnlich wie Marius Müller Westernhagen blieb er für mich ein Mann ohne Eigenschaften. Ein bodenständiger Popdinosaurier, der mich wenig angeht, ein guter Songwriter womöglich. Kommt ein Lied von Grönemeyer am Radio, freu ich mich ein bisschen – immerhin nicht Xavier! – und finde ihn manchmal fast philosophisch. Mir scheint jedoch, Grönemeyer werde zunehmend pathetisch, um nicht zu sagen esoterisch. Fast ein wenig wie Xavier eben, das hier.


Endlich auf Grossleinwand

Habt ihr sie auch langsam satt, diese youtube-Videofensterchen, die so klein sind, dass man den Bassisten nicht vom Gitarristen unterscheiden kann? Nun häufen sich die Anzeichen, dass Computer bald doch die besseren Fernseher sind. Babelgum, ein p2p-Internetfernsehen im Fullscreenmodus, steht in den Startlöchern und auf specialten.tv kann man schon heute grossformatige Videos ruckelfrei kucken. Ursprünglich ein DVD-Magazin, hat specialten nun ein schickes Internetfernsehen lanciert. Wer sich registriert, kann sich zur Zeit eine Kubrik-Doku oder das neue Video von Clark ansehen.


Altherrensoul mit funktionierender Libido

Der Godfather ist tot. Ein anderer, der diesen Titel ebenfalls für sich in Anspruch nimmt, ist nach wie vor wohlauf. Er soll den Rap noch vor James Brown erfunden haben, weil er bereits in den 50ern mit Sprechgesang am Start war. Wenn er sich nicht “The Black Godfather” nennt, ist er wahlweise “Mr. Rhythm”, “The Duke Of Dirty-Ass”, “The Legendary Lord Of Lascivious Lyrics” oder “The Baron Of Badass R’n’B”. Seine Aliasse lügen nicht, Andre Williams ist ein bad Motherfucker.

Wie der kränkelnde Lee Hazelwood ist auch Andre Williams eine lebende Legende und doch nur eine Schattenfigur der Popgeschichte. Die meiste Zeit seiner Karriere schaute er anderen bei ihren Erfolgen zu. Die Songs, die Williams selber performte, waren zu rauh, um Hits zu werden und seine Texte zu schlüpfrig. Hinter den Kulissen der Hitfabrik Motown agierte Williams jedoch als erfolgreicher Songschreiber und Produzent, u.a. für Stevie Wonder oder Funkadelic. Als Williams Anfangs der 70er mit Ike Turner zusammenspannt, geben sich die beiden einem 18-monatigen Dauerexzess hin, der offenbar zuviel des Guten war. Verkatert und ausgemergelt verschwindet Williams in der Versenkung und landet in der Gosse. Bis ihm John Spencer Ende der 90er – wie Williams selbst sagt – das Leben rettet, worauf er seinen zweiten Frühling mit sleazigem Garage-Rock auslebt.

Nun kehrt Andre Williams zu seinen Wurzeln im Rhythm & Blues zurück. Sein neues Album groovt so entspannt, dass er schafft, was nur den wenigsten Legenden gelingt: mit Würde zu altern. Was der 70-Jährige mit “Aphrodisiac” (Vampi Soul/Karbon) auftischt, ist Altherrensoul mit funktionierender Libido. Mal gibt Williams den Crooner, mal singt er kehlig wie ein Bluessänger, mal schmoov wie ein Soul-Gigolo. Der dicke Soundteppich, den die Diplomats Of Solid Sound für Andre Williams ausrollen, ist gutabgehangen und doch frisch, klassisch und trotzdem vielseitig. Sollte “Aphoridsiac” Williams’ letzter Streich sein, wäre dies ohne Frage ein sexy Testament.


Dini Mueter

Beleidigungen wie “Dini Mueter isch e verdammti Missgeburt” sind für die heutigen Kids so selbstverständlich wie Klingeltöne. Dabei hatte Mr. T, auch bekannt als B.A. vom A-Team,  schon in den 80ern versucht mit Rap der Diffamierung von Müttern entgegenzuwirken – offensichtlich ohne Erfolg.

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Wenn wir grad bei Songs über Mütter sind: Erinnert ihr euch an diesen? Oder diesen?


Zum Heulen

“Wayfaring Stranger” war schon immer ein Song, der mich bewegte, egal ob Johnny Cash, Dusty Springfield oder Sixteen Horsepower ihn interpretierten. Nun singt ein 23-Jähriger dieses gut 200-jährige Traditional und ich bin den Tränen nicht nur nahe, nein, sie kullern mir gleich reihenweise die Wange runter. Keine Frage, Jamie Woon ist eines der grössten Gesangstalente unserer Zeit. Lauscht seiner Stimme und schluchzt mit mir – doch schliesst bitte nicht die Augen, das Video ist nämlich auch wunderschön:

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=0lq2k7rmjdY[/flash]


Wünsch dir was


Sie werden kommen. Mit ihnen Gewummer, Gestank, Geschrei und mehrtägige Ausnahmezustände. Nicht von Kriegstruppen, von Festivals ist die Rede. Die popbesessenen unter euch stellen sich vielleicht jetzt schon Wunsch-Lineups zusammen, die Festival-Booker machen sich an die Kandidatenlisten. Noch ist es nicht zu spät. Wünscht euch was. Es muss nicht realistisch sein. Ich wünsche mir zum Beispiel ein Festival auf einer tropischen Insel mit Fat Freddys Drop. Sollte der Vorschlag realistisch sein, werden wir ihn an die entsprechende Stelle weiterleiten.


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