Alle 1281 Artikel von Ralph Hofbauer

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Dini Mueter

Beleidigungen wie “Dini Mueter isch e verdammti Missgeburt” sind für die heutigen Kids so selbstverständlich wie Klingeltöne. Dabei hatte Mr. T, auch bekannt als B.A. vom A-Team,  schon in den 80ern versucht mit Rap der Diffamierung von Müttern entgegenzuwirken – offensichtlich ohne Erfolg.

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=7_rBidCkJxo&eurl=[/flash]

Wenn wir grad bei Songs über Mütter sind: Erinnert ihr euch an diesen? Oder diesen?


Zum Heulen

“Wayfaring Stranger” war schon immer ein Song, der mich bewegte, egal ob Johnny Cash, Dusty Springfield oder Sixteen Horsepower ihn interpretierten. Nun singt ein 23-Jähriger dieses gut 200-jährige Traditional und ich bin den Tränen nicht nur nahe, nein, sie kullern mir gleich reihenweise die Wange runter. Keine Frage, Jamie Woon ist eines der grössten Gesangstalente unserer Zeit. Lauscht seiner Stimme und schluchzt mit mir – doch schliesst bitte nicht die Augen, das Video ist nämlich auch wunderschön:

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=0lq2k7rmjdY[/flash]


Wünsch dir was


Sie werden kommen. Mit ihnen Gewummer, Gestank, Geschrei und mehrtägige Ausnahmezustände. Nicht von Kriegstruppen, von Festivals ist die Rede. Die popbesessenen unter euch stellen sich vielleicht jetzt schon Wunsch-Lineups zusammen, die Festival-Booker machen sich an die Kandidatenlisten. Noch ist es nicht zu spät. Wünscht euch was. Es muss nicht realistisch sein. Ich wünsche mir zum Beispiel ein Festival auf einer tropischen Insel mit Fat Freddys Drop. Sollte der Vorschlag realistisch sein, werden wir ihn an die entsprechende Stelle weiterleiten.


Von der Jam-Session zum gemeinsamen Projekt

Our Theory ist die erste Kollaboration des französischen Trompeters Eric Truffaz mit Ilhan Ersahin, Produzent und Saxophonist türkischer Abstammung. Veröffentlicht wird diese Theorie auf Ersahins Label Nublu (recrec). In der Praxis werden Truffaz’sche Solos mit Ersahins orientalisch angehauchten Grooves gepaart, an denen zudem Leute von Wax Poetic mitgebastelt haben. Heraus kommt dabei hypnotischer NuJazz auf der Höhe der Zeit. Organisch, minimalistisch und trotzdem detailverliebt. Vielleicht gelingt das Experiment etwas gar reibungslos, doch es bestätigt ihre Theorie des Jazz.


Hype-Alarm: Lily Allen 2.0

Lily Allen startete zeitgleich mit uns. Sie startete durch, wir – naja, taten unser bestes, auch wenn wir selten so gut waren. Jedenfalls herrschte bezüglich dieser Zuckerpuppe aus London eine Hysterie, die ich nie nachvollziehen konnte. Allen (nicht Lily), die schon damals nichts mit Allens naivem Rap-Singsang anfangen konnten, sei versichert: The worst is yet to come. Die Dame heisst Kate Nash und hat statt einem Fahrrad ein Keyboard. Das Video zur Single “Caroline” (V.Ö. 5.2.):

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=IwsBacKQwLU&eurl=[/flash]

Skills statt Frills gibts HIER.


Bracken?

1200 v.Chr. wurden die ersten Bracken von den Phöniziern und Griechen als Tauschobjekte nach Europa gebracht. Vor allem die Kelten beschäftigen sich intensiv mit der Brackenzucht, worauf sich im Zuge der Völkerwanderung die Bracken in ganz Europa verbreiteten. Heute gibt es die Tiroler Bracke, die Brandl-Bracke, die steirische Rauhaarbracke und die alpenländische sowie die westfälische Dachsbracke (Bild). Gemeinsam ist ihnen ein ausdauernder Jagd- und Spurwille, hervorragendes Orientierungsvermögen, Leichtführigkeit und ausgeprägte Ambition zur Schweißarbeit. Bracken sind vielseitig, intelligent, ausdauernd, kinderfreundlich und familienbezogen.

Leider sind diese Informationen wenig dienlich, wenn es darum geht die Musik von Bracken zu charakterisieren. “Intelligent” ist – neben dem melancholischen Blick - das einzige Attribut, das sie mit ihren Namensvettern teilen. Zum Jagen sind Bracken zu apathisch, zum Bellen zu schüchtern, für Familien zu eigenbrötlerisch und “vielseitig” sind sie auch nicht, denn “We Know About The Need” (Irascible) prägt ein eintöniger Sound. Und das ist gut so, denn obwohl Brackens Musik eine schläfrige Monotonie anhaftet, ist sie keineswegs zum Gähnen. Zu dicht sind ihre Texturen, zu wohlig ist die Wärme, die dieser eisig kalte Fluss paradoxerweise ausstrahlt.

Bracken sind die vielleicht stillste Band auf dem Ausnahmelabel Anticon, dessen übrige Vertreter sich in ekklektischem Sinne eher an HipHop orientieren. Mit seinem Nebenprojekt Bracken bewegt sich Chris Adams, der Hauptberuflich bei Hood musiziert, weg von den Gitarren hin zu einer Musik, die nicht ganz in die Schublade Indietronics passen will. Eine sanfte Stimme, geisterhafte Choräle, Synthieflächen und Blasinstrumente schweben über dubbigen Bässen und Drumloops. Bracken bauen in den Raum, als gebe es keine Schwerkraft und bleiben auch nach mehrmaligem hören so flüchtig wie ein schöner Traum.

Ich geh dann mal mit Bracken Gassi. Im flüchtigen, wattig weichen Schnee.


Rocken ist tödlich

Gleich noch eine Statistik zum Thema. Wer rockt, stirbt früher, das war schon so, als man noch glaubte rauchen sei gesund. Für nebenstehende Tabelle wurden die Todesursachen von rund 300 frühzeitig verstorbenen Rockstars untersucht.

Die Frage “Was wählst du, Leben oder Tod?” kommt etwas überraschend, wenn man auf dieser Seite ganz runterscrollt. Wie sich herausstellt, dient die Statistik nur dazu den Rock’n’Roll-Lifestyle im Namen Gottes zu verteufeln. Mit Schaudern habe ich “I choose death” angeklickt. Ich lebe noch.


Film ab

Sowohl in Bern als auch in Zürich laufen Dokufilmreihen an, die monatlich historische Momente der Popmusik in bewegten und bewegenden Bildern zeigen:

Der Musikfilmzyklus “Song & Dance Men” präsentiert in der Berner Cinématte ab dem 31. Januar Filme über Dylan, die Flaming Lips und Daniel Johnston. Die Einführungen dazu bestreiten Grössen der Schweizer Popintelligenzia (u.a. Alex Albert Kuhn, Ralph Hofbauer, Christian Gasser).

Die Musikschau lässt im Zürcher Corazon die Bilder für sich sprechen. Gratis! Nächster Termin: 11. Februar mit einer Ramones-Doku.


Blumfeld lösen sich auf

“Ein Kreis schließt sich. Nach sechzehn Jahren Blumfeld hat Autor, Sänger und Gitarrist Jochen Distelmeyer in Absprache mit den übrigen Bandmitgliedern Andre Rattay (Schlagzeug), Vredeber Albrecht (Keyboards) und Lars Precht (Bass) beschlossen, die Band aufzulösen.”, heisst es auf ihrer Homepage.

Doch bevor Distelmeyer die Rektorstelle an der Hamburger Schule endgültig abgibt, trifft er Massnahmen, damit die Rente gesichert ist: Die ersten drei Blumfeld-Alben werden wiederveröffentlicht, es erscheint eine auf 3000 Stück limitierte 5CD-Box und schliesslich geht’s auf Abschiedstournee.


Wie hätten Sie Ihren Rock denn gerne?

Die Rockwoche in der Roten Fabrik ist angelaufen. Im Laufe dieser Woche kommen im Ziegel au Lac fast alle Spielarten des Rock auf ihre Kosten, von Industrialpunk (The Henchmen/23.1.) und Progrock (Prisma/23.1.), über Postrock (Kid Icarus, Early Day Miners/24.1.), bis hin zu Hardcore (Norton, Fat Flag, Death Before Disco/25.1.) und Shoegaze-Indie (Gabardine, Monoland/26.1.).

Mittwoch ist Pflichttag für alle, die ihren Rock am Liebsten episch, ausufernd und instrumental haben. Die leicht überqualifizierte Vorband Kid Ikarus – laut Züritipp eine “grandiose Instrumentalband mit spannenden, lauten, aber minimalistischen 7-Minuten-Rocksuiten” – darf man zu den grössten Schweizer Hoffnungen in Sachen Postrock zählen. Mit ihren ersten drei EPs haben Kid Ikarus ihre Klanglandschaftsaufnahmen von grobkörnigem Super8 hin zu gestochenscharfem Cinescope verfeinert. Inzwischen bespielen sie in Stereo-HiFi Grossleindwände und zeigen dabei mal weite Felder unter ziehenden Wolken, mal Sternenhimmel, mal Klippen über weiten Meeren, mal Polarlandschaften. Bilder, deren Stimmung vom Lieblichen ins Dramatische kippt, sobald sich am Horizont Gitarrenwände türmen. Diese Wetterumstürze kommen oft so überraschend, dass Kid Ikarus mit ihren Einfällen auch postrockmüde Träumer wecken. Das bandeigene Label Ikarus Records ist neben kuenstli.ch eine der kreativsten Musikwerkstätten im Raum Zürich.

Auch die Hauptband des Abends beherrscht das Spiel mit der Dynamik meisterlich, ohne je langweilig zu werden. Die amerikanischen Early Day Miners haben mit “Offshore” eines der dichtesten Rockepen des letzten Jahres geschaffen.

Wer schon mal von Mogwai, Mono oder Explosions In The Sky geläutert wurde, muss schon eine verdammt gute Ausrede haben, um an diesem Abend nicht im Ziegel aufzutauchen.


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