Alle 1268 Artikel von Ralph Hofbauer

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Gollum&Smeagol covern Barry White-Klassiker

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“Jazz isn’t dead, it just smells funny.”

Soll Frank Zappa mal gesagt haben. Mittlerweile geht nun doch Verwesungsgeruch von dem fast 100-jährigen Gesellen aus. Fett und tot liegt er da. Man wird den alten Sack in Chemikalien einlegen, ausstopfen und in ein amerikanisches Staatsmuseum stecken.

Zumindest wenn es nach jenen Amerikanern geht, die sich im letzten Jahr darüber brüskiert haben, dass die Jazzbibel Down Beat zum ersten Mal eine europäische Band aufs Cover hiefte. Jazz gehöre Amerika, genauso wie Baseball, argumentierte man.

“If you have to ask what jazz is, you’re never gonna know.”
(Louis Armstrong)

Doch auch in Europa steht der Jazz unter dem Protektorat von kulturhistorischen Fundamentalisten. Nach Solos wird gefälligst geklatscht und die Konzerte sind gestuhlt und überteuert. So stehen sich Jazz- und Pop-Hörer mit Skepsis gegenüber, zwischen ihnen eine Generationenkluft: Dem einen ist Pop zu trivial, dem andern Jazz zu altbacken. Natürlich wurden auch Brücken geschlagen, als NuJazz aus Jazz Fahrstuhlmusik machte. Seine Zähne hatte er allerdings schon vor Jazzy Lounge Vol. 19 verloren. Der einst so risikofreudige Jazz ist zu einem versteinerten Fossil geworden.

“If you want to keep creating, it has to be about change.”
(Miles Davis)

Doch wenn man genau hinhört gibt es sie, Musik, die aus Freude am Risiko gemacht wird, zum Beispiel auf den norwegischen Labels Rune Grammophon und Smalltown Superjazzz. Nur lässt sie sich nicht vermarkten, weil sie so sperrig ist, dass sie in keine Schublade passt. Jazzhörern sind Bands wie Supersilent und The Thing zu radikal und Pophörer haben keine Nerven für Instrumentalmusik.

Wenn das amerikanische Exploding Star Ochestra mit “We Are All From Somewhere Else” (23.1./recrec) eine Reise in unerforschte Klanguniversen antritt, dürfte das deshalb nur eine Randgruppe von Freigeistern interessieren. Mit an Bord der interstellaren Expedition: Rob Mazurek und Mitglieder von Tortoise. Ein Kollektiv, das dem Jazz alle Ehre macht, weil es Grenzen auslotet. Symphonisch, fordernd, neu.

“Stingray Pt. I” (Vorab-Gratisdownload von Thrill Jockey)

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Rapwunderkind aus Down Under

Wenn diese junge Dame in naher Zukunft die Herzen der Welt im Sturm erobert, wird man sie unweigerlich mit Lady Sovereign vergleichen, denn auch Romy Hoffman a.k.a. Macromantics ist klein, fein und reimt schneller als ihr Schatten. In jungen Jahren wurde die Australierin von DIY-Punk sozialisiert, inzwischen haftet ihr nach Konzerten mit Sage Francis und Aesop Rock der Ruf eines Rapwunderkindes an. Meine Vorfreude auf “Moments In Movement” (V.Ö. 23.1.) ist gross. Mehr dazu demnächst in diesem Theater.

“Scorch” (Gratisvorabdownload von Kill Rock Stars)

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Alice Coltrane ist tot

Ihr Gatte weilt schon seit 1967 im Jazzhimmel, am letzten Freitag folgte ihm Alice Coltrane dorthin. Die Frau des Freejazz-Urvaters John Coltrane entwickelte sich nach dessen Tod als eine der wenigen weiblichen Bandleaderinnen zur spirituellen Führerin des Jazz. Mit Harfe, Klavier und Orgel fand sie zu ihrer ureigenen Klangsprache. Ihre Alben werden neben jenen von Sun Ra als Meisterwerke des Cosmic Jazz in Erinnerung bleiben – denn wenn Alice Coltrane spielte schien es, als schaue ihr die Ewigkeit über die Schulter.


Oberstreber

Ich habe ihn gefunden, den König aller Nerds, den MöchtegernPrimus des Musikauskennertums. Motown-Soul heisst das Spezialgebiet des 14-jährigen Ben606, der bei youtube inzwischen gegen 100 Videos anbietet. Aufgebaut sind sie alle gleich:

Setting: Kinderzimmer inklusive Modellautos.

Handlung: Ben zeigt das Cover einer Soulplatte seiner Sammlung, gibt mit seiner pubertierenden Streberstimme sein ganzes Wissen darüber Preis und legt sie schliesslich auf.

Cut the crap and play the fucking record, Ben!

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p.s. Labern und Platten beim Drehen filmen ist im Kommen.


Ein Plädoyer für Tribute-Alben

Tributes bezichtigt man gerne der Leichenfledderei, weil sie mit den Geniestreichen anderer Geld scheffeln. Als Cover-Fetischist möchte ich einige Gegenargumente in Form von Tonträgern ins Feld führen, da Tributes im Idealfall aus guten Songs noch bessere machen.

Ein Paradebeispiel dafür ist die Hildegard Knef-Hommage “Ihre Lieder sind anders”. In allen Belangen grossartig und inspiriert, was Cobra Killer, Die Moulinettes, Regy Classen und allen voran das Tillmann Rossmy Quartett mit Klassikern der 2002 verstorbenen Knef anstellen. Ja, die Lieder der (laut Ella Fitzgerald) “besten Sängerin ohne Stimme” waren in der Tat anders und funktionieren noch heute formidabel. Lohnt sich allein schon wegen zwei famosen Versionen von “In dieser Stadt”.

Immer wieder widmen sich Tributes gerne auch kompletten Schlüsselwerken der Popgeschichte. Jüngster Vertreter dieser Gattung: “Do It Again: A Tribute To Pet Sounds”. Die Highlights auf diesem gelungenen Beach Boys-Tribute stammen von den Oldham Brothers, Mazarin und Daniel Johnston. Ebendieser wurde übrigens bereits selbst mit einem Tribute geehrt, bevor der manisch-depressive Songwriter überhaupt dazu kam, sich umzubringen. “The Great Late Daniel Johnston” versammelt Künstler, die selbst eines Tages Gegenstand für ein Tribute sein werden: u.a. Bright Eyes, Eels, Sparklehorse und Tom Waits (der gerade widerwillig als Cover-Objekt herhält). Mit kleineren Namen, aber ebenso grossem Tennis huldigt “Dream Brother” gleich zwei Suizidkandidaten bzw. einem Selbstmordopfer: Tim & Jeff Buckley.

Einen enorm hohen Spassfaktor bringen insbesondere genreübergreifende Tributes mit sich. So lassen sich z.B. sommerliche Playlists vorzüglich durch karibische alternative Takes aufpeppen (Beatles/Stones/Dylan). Ein Reggae-Radiohead-Tribute geht dann aber doch ein wenig zu weit, könnte man meinen. Das stimmt einerseits, weil die “OK Computer”-Neuinterpretationen der Easy Star All Stars nicht ganz aufgehen. Andererseits aber auch wieder nicht, weil Radiohead-Gitarrist Johnny Greenwood selbst eine Sammlung mit Reggae-Covers in petto hat (V.Ö. 6.3.).


Durchsage der Leitstelle

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Wärst du doch beim Maschinenbau geblieben, Takeo.

Im Zusammenhang mit meinem Rundumschlag gegen alpine Volksmusik bin ich auf Takeo Ischi gestossen, den die Vielglotzer unter euch vom TV kennen mögen. Mir war dieser jodelnde Japaner neu und ich war erstmal erstaunt – bis ich herausfand, dass die Japaner das Jodeln erfunden haben: Als einst zwei Japanern ihr Radio in eine Schlucht fiel, fragte der eine: “Holidiladio odel Holdudiladio?” Räusper. Jedenfalls scheinen neben den Japanern auch viele Amerikaner vom Jodeln fasziniert zu sein. Auch Gwen Stefani.

(Übrigens: Wer noch einen Alleinunterhalter für die nächste Party sucht: Takeo Ischi kann man für 2’000‚¬ unter der Artikelnummer 847 mieten)


Warum ausgerechnet wir?

Russische Volksmusik hat Seele, albanische Tiefe, senegalesische Rhythmusgefühl und japanische ruht im Zen. Weshalb ist allein die Volksmusik der Alpenvölker schlichtweg unerträglich? Sämtliches Potential von Schwyzerörgeli und Hackbrett ersticken Ländlerkapellen wie die Moosibuebe durch bünzliges Songwriting und lüpfiges Hudigäggelertum. Solche Musik ist doch einfach pervers – dann lieber kambodschanische Glockenkreise. Gut möglich, dass unsere Volksmusik mit ihrer Verstocktheit letztendlich sämtliche abgelehnten Abstimmungsvorlagen in Asylrechts- und EU-Beitrittsfragen zu verantworten hat, weil sie aus uns Eidgenossen ewige Schildbürger gemacht hat.

Mein Heimatlied: “Les Filles Du Limmatquai”

(Dank an Michèle & Co für das patriotische Sonderheft)


78s-Orakel letzter Teil: Was sagen die Sterne?

“Das Blöde wird verschwinden. Was doof ist wird aufhören. Es wird alles anders. Es wird alles besser werden. Nur noch gute Musik, keine blöden Texte. Und ausser wirtschaftlicher Unabhängigkeit wird die grosse Liebe war. Was soll das heissen, ich übertreibe? Ich denk ihr glaubt wohl, dass ich dazu neige. Ich soll am besten wohl gar nicht stören, mit meinem Quatsch hier, doch was wollt ihr hören? Denn wenn ich realistisch bin, geh ich nicht raus. Wenn ich realistisch bin, verlass ich grundsätzlich nicht das Haus. Es gibt eine Zeit, es wird eine Zeit kommen. Auf jeden Fall kommt eine Zeit und wenn die Zeit kommt, dann haben wir gewonnen. Eine Zeit für den Sänger, eine Zeit für den Schlagzeuger, eine Zeit für Keyboard und Bass – und wenn ihr Glück habt, dann bleibt für euch auch noch was.”

Die Sterne, “Wenn ich realistisch bin”

(78s- Orakel Teil 1: Wer dominiert 2007 die Charts? Teil 2: Wer findet 2007 wieder zusammen? Teil 3: Wer schafft 2007 den Durchbruch? Teil 4: Gestern Indie, morgen Superstars Teil 5: Don’t believe the hype! Teil 6: Wer spielt 2007 in der Schweiz?)


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