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  • Alle 9 Artikel von Fabienne Ruppen

    …but don’t forget what you felt!

    l_a5c22f851a6bdc1ebdae929f545f3538.jpgDer Jahreszeit gemäss in Nebel gehüllt geben sich sieben männliche Mitglieder der Broken Social Scene das Geleit aufs Parkett. Präsentiert wird, wie erwartet, nicht allein Kevin Drew, sondern ebenso der rauschartig sprudelnde Kosmos des Kollektivs. Einer zuckenden Woge gleich treiben sie an zu froh jauchzenden Luftsprüngen auf freiem Feld (Superconnected) und verführen im nächsten Takt zum exzessiven Aufprall, verursacht durch eine Implosion der Eingeweide (Frightening lives). Well it’s gonna be really hard when we get to the end…

    Broken Social Scene presents: Kevin Drew, Lido, Berlin, 6.10.2007

    All he wants – Rufus Wainwright live

    Die 1913/1914 errichtete Volksbühne ermöglicht regelmässig herausragende Konzerterfahrungen. Die Hörerschaft, an die dunkelroten Sessel gefesselt, glänzt beinahe konsequent durch ehrerbringendes Schweigen. Umso mitreissender sind ungestüme Applaussalven – Standing Ovations inklusive – , wie man sie gestern Abend erleben durfte.

    1183531979_l.jpgFlankiert von sieben schillernden Glamour-Hippies dirigiert Rufus Wainwright sein Publikum gen emotionale Kapitulation. Räumt er bezüglich „Tulsa“ (Release the stars) ein, dieses sei dermassen schwierig, dass er jedes Mal Fehler mache und es deswegen lieber allein spiele, anstatt – wie im Original – mit einem Berliner Violinquartett, so relativiert er die Sachlichkeit umgehend mit dem bedingungslosen Aufruf „but hey, it’s just for fun! It’s for fun!“ Ein von Dramatik aufgeladenes Vergnügen innerhalb der filmreifen Lichtkegelinszenierung am schwarzen Flügel. Abruptes Ende und „right back to depression!“

    Herr Wainwright perfektioniert in diesen zweieinhalb Stunden die ansonsten verabscheuungswürdige Gattung des Musicals. Derart inbrünstig vorgetragen übertrifft sein Repertoir in der Wirkungskraft mit Leichtigkeit jeden Walt Disney-Streifen. Selbst der Swarovski-Weihnachtsbaum im Zürcher Hauptbahnhof würde verschämt seinen Prestigeplatz räumen angesichts der mit vielfarbig funkelnden Diamanten behängten Diva. Spätestens bei der choreographierten Tanzeinlage in Jackett, Strümpfen und Lackpumps schmettert der Kitsch auch die sich Sträubenden in die Knie. Pures Entertainment ohne Wenn und Aber.

    finn. live

    Ein filigranes Gitter schillernder Klangströme umgarnt das Ohr. Vor dem Hintergrund projizierter Schwarz-Weiss-Krakelzeichnungen von Mond und Wolken geht der mit Glitzer bestäubte Patrick Zimmer aka finn. diesmal ohne Band ans Werk. Sein Gesang scheint einer gläsernen Kugel zu entwachsen, die sich angesichts der schneidenden Klarheit dieser Stimme in einem anhaltenden Zustand akuten Zerberstens befindet.

    finn.jpg

    Unter diesen Voraussetzungen wird auch verständlich, weshalb nicht nur die Auszüge des Debuts „Expose yourself to lower education“ (2002), sowie des Nachfolgers „The ayes will have it“ (2005) funktionieren, sondern eben auch die zwei Stücke der kürzlich erschienenen 7″. Coverversionen darf man grundsätzlich mögen oder nicht; finn.´s Interpretationen von „Moon river“ (Henri Mancini / Johnny Mercer) und Elton John´s „Tiny dancer“ muss man absorbieren.

    Die auf Platte zumindest ansatzweise aufblitzende, schützende Distanz weicht live einer beinahe unheimlichen Intimität in ihrer charmantesten Form.

     

    finn. am 21.9.2007 im Bang Bang Club, Berlin.

    City Slang und Cooperative Music spielen Popkomm

    Im Rahmen der Popkomm servieren City Slang und Cooperative Music eine reichlich garnierte Delikatesse im Berliner Postbahnhof. Das von DJ Major Taylor (Jai-Alai Savant) moderierte Minifestival ist trotz kurzfristiger Absagen von The Go! Team und Los Campensinos einer der Höhepunkte im musikalischen Begleitprogramm der internationalen Messe rund ums Musikbusiness.

    coop.jpgDer leider enttäuschende Auftakt liegt bei Reginald Vermue aka Gentleman Reg. Die textliche Simplizität seiner stimmlich stark an Ben Harper erinnernden Darbringungen veranlasst zu erleichterten Begeisterungsschüben anlässlich der komplexen Soundstrukturen der nachfolgenden Caribou. Untermalt von psychedelischen Op-Art-Visuals malträtieren letztere ihre Instrumente mit aus animalischer Rohheit geborener Inbrunst.

    Auf der Hauptbühne überzeugen die Kanadier von Malajube durch überbordende Spielfreude. Derart erfrischende Ausbrüche sucht man bei den drei jungen Herren von Menomena vergeblich; allzu konstruiert präsentiert sich hier der Abwechslungsreichtum. Der Überraschungseffekt, heraufbeschworen durch hektische Wechsel innerhalb des gesamten Spektrums an musikalischen Strömungen, geht spätestens nach drei Songs flöten. Ein konsequentes Ausarbeiten ausgewählter Ansätze würde wohl zu einem befriedigenderem Ergebnis führen, als das krampfhafte Demonstrieren der eigenen Vielseitigkeit.

    Bevor abschliessend die Australier von Architecture in Helsinki zum euphorischen Kindergeburtstag laden, gehört die Bühne den bezaubernden Stars. Was die Band um Amy Millan und Torquil Campbell in der nächsten Stunde fabriziert, ist ein musikalisches Drama, inszeniert in hinreissend anmutigen Duetten. Vermögen vom aktuellen Album (In our bedroom after the war) insbesondere „Take me to the riot“, „Midnight coward“ und „Personal“ durchaus zu entzücken, so ist es dennoch das finale „You´re ex-lover is dead“ (Set yourself on fire), welches in einer niederschmetternden Kulmination von Schönheit erstrahlt.

    Ein Stern besingt den Mond – Frank Spilker live

    m_bc71ea44964b54482e98118388492673.jpgAm vergangenen Samstag gewährte Frank Spilker (Die Sterne) im Hamburger Uebel&Gefährlich Einblicke in sein Soloprojekt. Erfreuen durfte man sich unter anderem an der Premiere des bereits 20-jährigen Stücks „Der Mond und ich“ („Ich und der Mond, wir sind beide gleich. Ab und zu Besuch, und keiner bleibt.“). Den Begeisterungszenit inklusive spontanem Mitsingen evozierte allerdings folgende Zeile der Zugabe: „Weisst du was? Ich mag dich nicht – ich feier dich!“

    Verkehrte Welt

    troyvonbalthazar-press-01.jpgDie Reihenfolge ist zwar definitiv anzufechten; trotzdem muss man dankbar sein und vor lauter Vorfreude jubilieren. Keinen geringeren als den Herrscher aller musikproduzierenden Dämonen, Troy von Balthazar (Ex-Chokebore), haben Tocotronic für das Vorprogramm ihrer Herbsttour rekrutiert. Zu geniessen zum Beispiel am 5. Oktober in der Roten Fabrik, oder auch am 6. November in der Berliner Columbiahalle.

    Melt! feiert Jubiläum

    Rund 15’000 selige Gäste haben am vergangenen Wochenende dem Melt!-Festival zu seinem zehnten Geburtstag gratuliert. Ferropolis, die Stadt aus Eisen, umgarnt seine Besucher mit dem Industrie-Charme seiner verwaisten Einwohner. Die berückende Anmut der fünf kolossalen Braunkohlebagger eint die Anwesenden in andächtiger Rührung.

    presse_pic_00042.jpgÜber 100 Acts an zwei Tagen führen zwangsläufig zu mehr oder weniger grässlichen Qualen der Entscheidungsüberforderung. Entlöhnt wird man vielseitig und üppig von Hot Chip, Digitalism, Werle & Stankowski, Final Fantasy, Tocotronic, Motorpsycho und The Thermals, um nur einige zu nennen. Erwähnenswert auch die beeindruckende Performance von Alec Empire, der am ehesten noch entfernt an einen wild gewordenen gefallenen Engel erinnert.

    Die grösste Gabe aber spielt Freitagnacht um halb elf auf der Hauptbühne: The Notwist, selbst beinahe ebenso unkaputtbar wie die Kulisse, eröffnen mit „pick up the phone“ ihr einziges Konzert im laufenden Jahr. Während 90 Minuten absorbieren die Weilheimer erbarmungslos sämtliche Emotionspartikel von Sachsen-Anhalt. Werden schon die Neon-Golden-Auszüge zu unbändigen Klangwirbeln, so kulminiert die Energie beim Shrink-Opener „day 7“ in einer wahren Orgie der Ausbrüche. Und dazwischen fügen sie sich ganz schüchtern ein – die ersten Stücke des sehnlich erwarteten und für Ende Jahr angekündigten neuen Albums. Dreimal vollendete, sich aufbäumende und windende Melancholie. Freude, Freude, Freude. Einziger Wehrmutstropfen: Die elende Technik stiehlt Markus Acher ausgerechnet bei „one with the freaks“, der einzigen Zugabe, zwischenzeitlich die Stimme.

    Tagsüber wählt man bei gefühlten 50 Grad im Schatten zwischen Wettgrillen mit den Nachbarn und Planschen im direkt an den Zeltplatz angrenzenden Gremminer See; hart Gesottene flüchten sich vor der Sonne in den Sleepless Floor.

    An dieser Stelle auch meinerseits überschwängliche Glückwünsche!

    Gegen die Sintflut: Fest van Cleef

    Man hatte sich auf einen idyllischen Open-Air-Abend im Potsdamer Lindenpark gefreut. Da Petrus zurzeit aber gar arg begeistert Herbst spielt, fühlte man sich dann schon für die Regenunterbrüche zu tiefstem Dank verpflichtet. Es ist der erste von drei Abenden, an denen das Hamburger Label Grand Hotel van Cleef zur Zelebrierung des Indierocks lädt.

    fest_van_cleef1.jpgDen Anfang machen die Kilians, „die jetzt übrigens auch alle Abitur haben – ausser einem“ (Thees Uhlmann). Die gewinnende Nonchalance, mit der die fünf Rabauken ans Werk gehen, verwandelt anfangs belächelnde Münder allerdings augenblicklich in weit offen stehen bleibende Höhlen.

    Nach einer Runde Torwandschiessen sind die „amerikanischen Bierfreunde aus Milwaukee“ (Thees) an der Reihe. Maritime spielen mehrheitlich Songs von ihrem im Herbst erscheinenden dritten Album und vermögen damit sogar den Himmel in Schach zu halten. Wer das nachvollziehen will, soll sich „Some one has to die“ von ihrem grandiosen Erstling zu Gemüte führen.

    Der famose Alleinunterhalter Bernd Begemann rettet mit Liedern wie „Judith“, „St. Pauli“ und „Bis du den Richtigen triffst – nimm mich“, die laut Eigenaussage derart gut sind, dass die Sportfreunde Stiller ihren linken Arm dafür geben würden, die wetterbedingte Tiefphase.

    Mit hart erkämpften Kartoffelecken an Sauerrahmsauce ist man gewappnet für das Staraufgebot des Abends. Die Hansen Band, anlässlich des 2005 erschienen Films „Keine Lieder über Liebe“ von Schauspieler Jürgen Vogel rekrutiert aus Mitgliedern von kettcar, Tomte, home of the lame und Der Hund Marie, gibt eines ihrer exklusiven Konzerte.

    Als die vollendete Mixtur aus Satan und dem lieben Gott werden die geladenen Gäste des Grand Hotels willkommen geheissen: Die fulminanten Kante funktionalisieren das Naturschauspiel als Kulisse für die berückende Darbringung ihres Lieblingsthemas – der Apokalypse.

    Bei kettcar dürfen sich nochmals alle gerührt und „in Empfindsamkeit vereint“ in den Armen liegen. Und dann nach hause tapsen und eben doch im BVG-Zug weinen, obwohl das im Taxi schöner wäre. Eine Wonne. Nächstes Jahr wieder.

    Rasende Klabautermänner – Modest Mouse live

    Der Berliner Postbahnhof ist seit Tagen ausverkauft. Dies wohl nicht zuletzt aufgrund eines äusserst dominanten Werbefilmchens, das vor einigen Wochen über die Bildschirme des U-Bahn-TV’s geflimmert ist und in welchem Modest Mouse eine nicht wirklich ersichtliche Verwandtschaft zu Franz Ferdinand angedichtet wurde.

    mouse.jpgIsaac Brock singt nicht – er spuckt seine Wortuniversen keuchend von sich. Der zuckende Körper scheint das Werkzeug eines nicht zu bändigenden Dämons zu sein. Seine fünf Matrosen muten nicht weniger besessen an. Der auf „Good news for people who love bad news“ (2004) auf dem Festland begonnene Exorzismus wird mit „We were dead before the ship even sank“ (2007) auf die stürmische See verlegt und bis zur Ekstase perfektioniert. Zur unspaltbaren Armada formiert prügeln Modest Mouse ihrer Zuhörerschaft Verzückung ein.

    Ausser des mehrmalig geäusserten Entsetzens über die Hitze, die an diesem bis anhin wärmsten Tag des Jahres in der Halle tatsächlich unerträglich ist, wird nicht viel Zeit an überflüssige Kommunikation vergeudet. Schlicht gehalten präsentiert sich denn auch die Bühnenszenerie: An Mast-ähnlichen Stangen montierte Schiffslaternen und dramatische Lichtführung reichen aus zur überzeugenden Suggerierung eines von orkanartigem Sturm durchgepeitschten Schiffes. Als Glamour-stiftende Galionsfigur fungiert der seit den Aufnahmen zum neuen Album zum festen Mitglied avancierte Ex-Smiths-Gitarrist Johnny Marr.

    Eröffnet wird mit dem herrlich wütenden „Bury me with it“. Neben zahlreichen neuen Prachtexemplaren wie „Fire it up“, „Dashboard“ oder „Missed the boat“, darf man auch über ältere Meisterleistungen wie „Bukowski“ und das grossartige „Float on“ frohlocken. Bei den zwei Zugaben „The view“ und „Spitting venom“ legt schliesslich sogar der werte Herr Marr seine unbestechliche Coolness ab und unterwirft sich dem überschwappenden Delirium. Ein Schmauss für Aug und Ohr.

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