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  • Kins: «Das Mekka ist woanders»

    Von    |   22. Juli 2014   |   0 Kommentare

    Kins waren eine der grossen Überraschungen am ersten OH SEE Festival. Im Gespräch mit 78s erzählen sie von der Musikszene in Australien und ihrem Traum von England.

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    «Wir sind Kins aus… London.» Thomas Savage, Frontmann der Band, zögert als er sich und seine Band an einem schwülen Sommerabend am OH SEE in der Roten Fabrik vorstellt. Denn Kins sind eigentlich vier Australier, die vor zwei Jahren nach England flohen, um ihrer Band eine Chance zu geben. Da entdeckte sie das Management von Alt-J; kurz darauf das Debütalbum «Kins», US- und Europa-Tours mit Phantogram und Courtney Barnett. Die Band lebt jetzt zwischen London, Brighton und Düsseldorf und begeistert mit Pop-Songs und Live-Wut, so zugänglich wie unverblümt ehrlich.

    Wie würdet ihr das Leben als Musiker in Australien in wenigen Worten beschreiben?

    Thomas: In wenigen Worten? Ich müsste ins Detail gehen. Alex?

    Alex: Umständlich, vielleicht. Im Bezug auf die Distanzen von Stadt zu Stadt, Venue zu Venue. Das ist mühsam. In Amerika sind die Distanzen auch lang, aber es gibt eben mehr Städte. In drei Stunden ist die nächste Etappe erreicht.

    Thom: Kulturell gesehen ist es schon super. Musik gehört natürlich mindestens so sehr wie hier zum Alltag.

    Aber..?

    Thomas: Nur leider ist es für Musiker schwierig, Hörer im Ausland anzusprechen – da die grossen Musikzentren sehr weit weg sind. Ich glaube, das beeinflusst die Art von Musik, die veröffentlicht wird. Man fokussiert darauf, die Massen anzusprechen, um ausserhalb von Australien anzukommen oder um sich zumindest mal als Künstler in Australien zu etablieren und Airplay zu generieren. Dies verhindert Innovation.

    Ihr seid vor wenigen Jahren nach England gezogen. Ist es da anders?

    Thomas: Auf jeden Fall. Klar, es gibt Trends und die Leute erwarten je nach Trend einen gewissen Sound. In England traut man sich als Band aber mehr. Da die Märkte etwas zugänglicher sind, ist es okay, den eigenen Sound unabhängig von der unmittelbaren Nachfrage zu finden. Das war unser Wunsch.

    Der Sprung nach England als grosser Traum für australische Bands, also?

    Thomas: Für uns war das so. Als ich 14 war und begann, mich stark für Musik zu interessieren, waren alle meine Idole aus Europa und Amerika. Natürlich denkt man dann, das Mekka liege woanders als zuhause. Und du?

    Alex: Dito. Als Teenager, der sich für Rockmusik interessiert, ist die Anziehungskraft sehr stark. Zumal alle geheiligten Australienbands – The Birthday Party, Nick Cave, The Go-Betweens – erst den Schritt nach England wagen mussten, um erfolgreich zu sein. Dead Can Dance sind eine meiner Lieblingsbands, und ich sehe förmlich vor mir, wie sie im Melbourne der 80er Jahre in kleinen Clubs spielten und die Leute nach zwei Songs die Stirn runzelten und den Raum verliessen.

    Thomas: Als wir Kins gründeten, nahmen wir uns fest vor, nur ein Jahr in Melbourne zu bleiben. Diese Kompromisslosigkeit war von Anfang an Teil unseres Plans. Unsere Musik für den Markt zu verändern, war nie eine Option.

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    Ihr erwähnt in eurer Bio, eure Musik sei beeinflusst von „muted aggression“. Was meint ihr damit?

    Thomas: Wir sahen uns in jungen Jahren in der Szene eben mit einer gewissen Beengung konfrontiert. Das führte dazu, dass wir diese Unterdrückung bekämpfen mussten, um unseren Prinzipien treu zu bleiben. Kann sein, dass man dies in unserer Musik spürt.

    Auf jeden Fall hört man es in euren Lyrics. Wenn man aber den aktuellen Emo-Revival mit Bands wie Joyce Manor oder lauten, trotzigen Indie-Rock à la Protomartyr betrachtet, ist euer Sound vergleichsweise sehr zugänglich, sanft. Wie seht ihr das?

    Thomas: Klar, das ist eine Betrachtungsweise. Wir denken, dass wir nicht einen weniger gefühlsstarken Ansatz haben, nur weil wir nicht ganz so laut auftreten. Wir haben eine andere Art von Rohheit.

    Alex: Wenn wir unsere Songs arrangieren, fühlt es sich für mich immer an wie die Ruhe vor dem Sturm. Die Stimmung darin ist immer die vom mulmigen Gefühl kurz vor einem Breakdown. Der Breakdown selbst kommt auf dem Album selten zur Geltung; live lassen wir oft etwas mehr los.

    Fühlt ihr euch von der Presse missverstanden, wenn sie euch als zartbesaitete Indieband abtut?

    Alex: Das ist mir persönlich egal. Wir haben eine sehr knappe Biographie ins Internet gestellt – gerade mal soviel wie man braucht, um gebucht zu werden. Da lässt es sich nicht vermeiden, dass dann in Reviews nur gewisse Aspekte unserer Musik hervorgehoben werden. Wenn jemand unsere Musik als ruhig und melancholisch wahrnimmt, heisst es noch lange nicht, dass er sie nicht verstanden hat.

    Thomas: Die „fassbare“ Schwere, wie sie zum Beispiel in Metal vorkommt, fehlt bei uns. Die Spannung ist eher im Inhalt. Da gibt es einen Song von Gareth Liddiard (Mitglied von The Drones, Anm. d. Red.) namens Blondin Makes an Omelette. Soviel Wut und Aggression in einem einlullenden Gitarrenstück habe ich selten gehört. Der Kontrast zwischen der oberflächlichen Laune des Songs und dem Text ist etwas, was uns als Band auch interessiert.


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    Wie viel Wut ist denn für dein Songwriting nötig?

    Thomas: Das ist eine gute Frage, keine Ahnung. Jedenfalls soviel, dass es immer mindestens eine Person gibt, vor der ich einen bestimmten Song nicht spielen würde. Oder ich mich zumindest sehr unwohl dabei fühlen müsste (lacht).

    Letzte Frage: Was passiert jetzt mit Kins?

    Thomas: Es ist sowohl sehr klar als auch noch sehr unklar: Wir werden bestimmt weiterhin auftreten und aufnehmen, ob in England oder in Deutschland, wo ich derzeit lebe. Auf jeden Fall gehen wir bald nach Amerika für eine zweiwöchige Tour, danach werden wir am Nachfolger von «Kins» (Kins’ Debütalbum, Anm. d. Red.) werken. Wir schlagen uns schon durch.

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