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  • OH SEE, ein Rückblick

    Von    |   21. Juli 2014   |   0 Kommentare

    Liebe auf den ersten Besuch? Zwei 78s Autorinnen – mit Schlafmangel und ohne – verraten es.

    peggy sue soundcheck

    Die Rote Fabrik ist in Sachen Stimmung freilich ein Selbstläufer. Die auftretenden Bands am OH SEE kriegten sich ob der wahrhaft bezaubernden Lage am Zürichsee kaum ein und schossen jeweils schon am Nachmittag Ferienfotos am Seeufer und vor den brütend heissen roten Backsteinen.

    Im Vorfeld wurde die Gretchenfrage – braucht die Schweiz denn noch ein Festival? – bis in den Stumpfsinn gestellt. Paradoxerweise zumeist von Medien, die dem neuen schmucken Musikfest erkennbar positiv gegenüber standen. So oder so: Seine Skeptiker konnte das OH SEE mit Highlights nebst Location und Wetter aus dem Weg räumen.

    Rückblick Nr. 1
    Cass McCombs
    stieg mit Band und Truckercap auf die winzige Hofbühne vor dem Clubraum. Unprätentiös und sympathisch stimmte er Songs von seinem aktuellen Album Big Wheel And Others an. Das Bier schmeckte nach Blue Ribbon und die Luft roch nach fettigen Ribs auf dem Grill, obwohl da ziemlich sicher Cervelat über der Glut brutzelte. McCombs’ klassisch amerikanischer Troubadour-Stil prägte die lockere Atmosphäre am ersten OH SEE-Sommerabend bis zu später Stunde und sorgte mit seinem Morning Star für meinen Ohrwurm der kommenden Tage.

    Cass McCombs – Morning Star (ab 09:06)

    Deutlich weniger entspannend, doch nicht minder einnehmend tat sich die Österreicherin Anja Plaschg alias Soap&Skin als zweite Perle des Festivals hervor – wenn auch eine dunkle. Das Halbopenair-Fest verlegte seine Konzerte nach Einbruch der Nachtruhe in den Ziegel Oh Lac und in den Clubraum, wo in nahezu kompletter Dunkelheit die Plaschg für Gänsehaut sorgte. Horrorfilm-Schreisamples, geisterhaftes Umherstreifen über die Bühne, ein düsteres Cover von Voyage, Voyage am Piano. Ein entwaffnendes Erlebnis, das die Schreibende ungläubig verfolgte.

    Das mulmige Gefühl hielt nicht lange an, denn Dagobert schunkelte es bereits wenige Minuten später im Ziegel Oh Lac weg. Er zeigte «Züri, Baby!» skandierend auf das in Enthusiasmus plantschende Publikum; wechselte das Outfit, während die Robocop-Brille auf der Nase blieb; sang seine Songs, zu denen man sich dann doch ein ironisches Augenzwinkern wünscht. Der Zweifel bleibt bestehen, denn der Witz ist immer noch irgendwo hinter den dunklen Gläsern versteckt; des Aargauers Indie-Cred weiterhin ein Rätsel.

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    Wenig Schlaf und erdrückende Hitze machten am letzten Tag des OH SEEs träge; ein Glück, dass Peggy Sue und Kins ausgerechnet die Bühne vor meinem Liegestuhl bespielten. Erstere so charmant, dass sie auch mit einem Hit The Road Jack Cover davon kamen, letztere mit so viel Drive, dass ich – ja! – aufsitzen und staunen musste.

    Kins aus Australien waren wohl die Über-Überraschung im des Festivals, welches die Besucher mit seinem dicht gestalteten Programm drei Tage rastlos von Bühne zu Bühne lockte. Eine gelungene Erstausgabe mit viel DIY-Charme – OH SEE, wir sehen uns nächsten Sommer. (sst)

    Rückblick Nr. 2
    Die letzten Klänge von All Ship Shape wehten auf die Seestrasse. Nur kurze Zeit später war das Festivalgelände betreten – und Boogarins auf der Seebühne. Die Brasilianer mögen Gitarren, das Publikum wippte mit. Ebenfalls sehr entspannt: Der anschliessende Auftritt von Cass McCombs und seiner Band. Der Amerikaner sorgte mit seiner unaufgeregten Musik für das erste Highlight des des Festivals.

    Die späteren Girls in Hawaii sind fast Stammmusiker der Roten Fabrik. Kein Wunder, verwechselte der Frontsänger das OH SEE mit der traditionellen Sommerbühne. Girls in Hawaii lieferten ein bekömmlicher Mix aus neuen Songs und etablierten Hits. Letzter Programmpunkt des Donnerstagabends war für die Schreibende The Acid. Die transnationale Truppe hat dieses Jahr ein starkes Debüt vorgelegt. Der Aufritt am Festival überzeugte jedoch weniger – zu dunkel die Show, zu eintönig der Sound.

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    Am Freitag wurde sämtliche Vorfreude für Soap & Skin aufgespart. Schliesslich ist das Konzert der jungen Österreicherin vor über zwei Jahren noch immer eine schöne Live-Erinnerung. Diese wurde jedoch nicht aufgefrischt, sondern die gigantischen Erwartungen enttäuscht. Denn obwohl Soap & Skin souverän durch die Melancholie führte, verirrte sich die Schreibende im Piano-Pathos. Betrübt wurde die Rote Fabrik noch vor dem Auftritt Dagoberts verlassen. Mit Sonnenbrille und weissem Blazer strauchelte dieser seit den früheren Abendstunden über das Festivalgelände. Man hörte munkeln, dass der Aargauer im Backstage ausschliesslich mit seinem Manager rede. Falls wahr: Beachtlich, wie ruckzuck Dagobert sich Starallüren zugelegt hat.

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    Da der Freitag zumindest für die Schreibende früh endete, konnte sie ausgeschlafen Peggy Sue lauschen. Die Folk-Frauen (und Schlagzeuger) waren charmant und gut gelaunt. Dass das Publikum weniger zum Scherzen aufgelegt hat, störte die Musikerinnen nicht. Auch bei den Kins schien die Zuhörerschaft noch immer verkatert: Im Sitzen genoss sie die Musik, die durchaus zum Tanzen hätte anregen können. Die Gehemmtheit verschwand erst bei Gisbert zu Knyphausen & Kid Koppenhausen Band. Wobei vor allem Ersterer beim Publikum Anklang fand: Auffallend, wie viel freudiger seine Solo-Stücke beklatscht wurden. Mit diesem Konzert endete für die Schreibende die Premiere des OH SEE Festivals. Drei Abende, die gezeigt haben: Es kann nicht zu viele gute Festivals geben. Auf eine zweite Runde Oh See im kommenden Jahr!

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