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  • Höhen und Tiefen der Bad Bonn Kilbi

    Von    |   3. Juni 2014   |   1 Kommentar

    Die 24. Bad Bonn Kilbi ist Geschichte. Wir haben die High- und Lowlights des einzigartigen Festivals in Düdingen mit 14 Ohren und Augen zusammengetragen.

    DSCF0305DIE HIGHLIGHTS

    Angel Olsen
    Ein seltener Anblick ergab sich am Angel Olsen Konzert am frühen Freitagabend. Die ersten zwei Reihen wurden gefüllt und verteidigt von der wohl höchsten Männerquote der diesjährigen Kilbi – besonders auffällig, bei einem dermassen intimen, stillen Konzert. Die junge Frau auf ihre Katzenaugen zu reduzieren wäre allerdings fatal. Zu beeindruckend ihr Timbre, zu kompetent wurde es ergänzt von ihrer dreiköpfigen Band. Olsen lacht ironiebeladen ins Publikum, wenn sie singt „Well this would all be so much easier / If I had nothing more to say“ – und wir flehen, bitte, bitte nicht.

    Larry Gus
    Panagiotis Melidis oder eben Larry Gus (larigas: Griechisch für Larynx/Kehlkopf) wusste nicht nur stimmlich zu überzeugen. Das tanzwütige Party Animal feuerte im Haus ein Feuerwerk aus Elektronik, Primitive Groove, 60s-Beat, 70s-Psychedelia, Free Jazz, Soul und Disco ab. Elektrisiert liessen wir unsere Körper zucken und entzückt in andere Sphären entrücken. Larry an Knöpfen schraubend, tat es uns gleich, baute Beat an Beat aneinander, haute uns schönste Melodiebögen um die Ohren und fabulierte mit wiederkehrenden Breaks die einzigartigsten Welten. Es wurde heiss im Haus an diesem eindunkelnden Donnerstagabend, aus Ekstase, Freude und Glück.

    Dim Grimm / Dimlite
    Ein enttäuschter Blick, ein Abwinken und eine entschuldigende Geste. Dimitri Grimm war nicht zufrieden – das Mikro tat nicht, was es sollte. Was nebst den versiegenden Gesängen aber sonst aus den Hausboxen ertönte, waren dennoch die feinsten Klänge, die mit jedem Schlag Bass aus jedem noch so frierenden, kränkelnden Rückgrat nickende Stiernacken schmiedeten.

    Meridian Brothers
    In den letzten Strahlen der Abendsonne pfefferten die Meridian Brothers dem Publikum südamerikanischen Groove in den Arsch. Der skurrile, psychedelische Cumbia-Salsa-Afromix sorgte für makabere Tanzekstase, wie man sie selten erlebt. Die knapp 30 Minuten andauernden Zugaberufe liessen den Effekt spüren. Und auch Sympathie für die Kolumbianer, welche nach Ende Konzert entschuldigend dem Zusammenräumen ihres Equipments zuschauen mussten. Wer’s verpasst hat: Am 5. Juni spielt die Truppe ein weiteres Konzert im Senkel, Stans.

    Goat
    Der Bassist steckte unter einer Burka, der Gitarrist unter einem Abu Ghraib-Kopfkissenbezug, der Conga-Trommler sah aus wie ein Sklaventreiber und die beiden Frontfrauen wie die Fruchtbarkeitsgöttinnen einer exotischen Inselreligion. Der Verdacht, dass Goat ausser extravaganten Kostümen nichts zu bieten haben, war jedoch schnell entkräftigt. Der Belly-Dance-Prog-Rock der Schweden ist eine Wucht und der abschliessende Monster-Jam schlug die letzten Skeptiker in die Flucht.

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    Rodrigo Amarante
    „You’re still here!“, ruft Amarante am sonnigen Samstagnachmittag sichtlich erstaunt in die Menge. Der sonst so adrett gekleidete Ex-Los Hermanos und Ex-Little Joy Gitarrist steht im Öko-Onkel-Outfit auf der B-Stage und blickt ungläubig auf ein zahlreiches, entzücktes Publikum. Mit seinem ruhigen, jedoch äusserst zeitgemässen Bossa Nova scheint er sogar den Nerv jener Kilbimeute getroffen zu haben, die gerade frisch angereist ist und für etwas mehr Action zu haben wäre als das Dreitagepublikum mit seinen schmerzenden Füssen und roten Nacken. So oder so, die schönste Sonnenstichmusik lieferte uns der entspannte Rodrigo.

    Mogwai
    Da dachte man nach den letzten zweidrei Konzerten und Alben, dass sich die Saiten der schottischen Gitarrengötzen etwas ausgeleiert hätten – und wird an der Kilbi schlicht weggeblasen. Derartig, dass es auch nächstentags im Kopf weiterstürmt und das anhaltende Dröhnwummerflimmergewitter das restliche Programm beinah vergessen macht.

    Jagwar Ma
    Ohne aufdringliche Aufforderung, ohne Gschwätz, nur mit ihren treibenden Songs und der letzten Kilbi-Nacht im Rücken luden uns Jagwar Ma auf eine Reise in die Vergangenheit ein. Heiligs Blechle, so waren also die wilden Acid House-Zeiten, als die Tanzsausen noch Raves hiessen und auch so klangen. Geil! Ohne Hektik flogen wir zu später Stunde durch die Kilbi-Atmosphäre und jauchzten zur heulenden Sirene aus Australien. Schön war’s, back to the future.

    Jungle
    Die Briten werden von verschiedenen Insidern bereits als „the next big thing“ angekündigt. Da reagiert natürlich gerade die Musiknerd-Fraktion der Kilbi gar misstrauisch. Auch die ersten Jubelschreie beim Soundcheck liessen sie noch kalt. Doch Jungle würden nicht Jungle heissen, wenn nicht Tropenklima garantiert wäre. Ihre Show zwischen epischem Afro, Disco und Funk liess das Fieber steigen. Selbst beim letzten Experten, der trotz aller Hassbekundungen glückselig und halbnackt in die Nacht rein tanzte.

    Bombino
    Seit Bands wie Tinariwen und Terakaft Erfolge feiern, gehört es an Indie-Festivals zum guten Ton, mindestens einen Tuareg-Act im Programm zu haben. Auch Omara „Bombino“ Moctar aus Agadez in Nigeria hat nomadische Wurzeln, singt in der Tuareg-Sprache Tamashek und spielt mindestens so fingerfertig Gitarre wie seine Genossen aus Mali. Noch etwas lüpfiger als diese und mit einer Prise Reggae gepanscht, versprühte Bombino eine Spielfreude, die ansteckte. Keine andere LP sah man darauf in so vielen Autos und Zelten rumliegen wie „Nomad“.

    DSCF0263Der Crèpes-Stand
    Das kulinarische Angebot der Kilbi hinkt dem musikalischen Menü seit jeher etwas hinterher. Der Flying Falafel verursacht uns nun schon seit Jahren Magenbeschwerden und die Frühlingsrolle des Chinesen schmeckt aus der Mikrowelle eigentlich fast besser. Der neue Crèpes-Stand kommt deshalb wie gerufen. Ob salzig oder süss – neben dem Ohrenschmaus bietet die Kilbi endlich auch Gaumenfreuden.

    DIE LOWLIGHTS

    Wild Beasts
    Sie wurden in den letzten Jahren als grosse Pop-Hoffnung gehandelt, liessen an der Kilbi jedoch grosse Teile des Publikums enttäuscht zurück. „Langweilig“, „seicht“ und „vo allem es bitz, aber nüt so richtig“, lautete das Fazit der Enttäuschten. Tatsächlich war der schwülstige Pop von Wild Beasts weder unterhaltend, noch berührend, noch dringlich genug, um am Donnerstagabend als Headliner zu überzeugen. Zu perfekt, um gut zu sein.

    Neutral Milk Hotel
    Im Smartphone-Zeitalter ein Foto- und Filmverbot auszusprechen hat durchaus Sympathiepunkte verdient, den Menschen das Rauchen zu verbieten eher weniger. Hätte die Musik doch wenigstens für sich gesprochen, jedoch war der Aufguss aus „In The Aeroplane Over The Sea“ und einigen anderen Stücken ein nöliges Gejammere, das vielleicht bei Erscheinung den Nerv der Zeit getroffen hatte und ab Platte durchaus hörbar sein kann, an der Kilbi aber eher Ablehnung und Unverständnis hervorrief. Den Ruf von Neutral Milk Hotel in Ehren aber das war leider nichts, meine Herren.

    Son Lux
    Sein Tasteninstrument trug Ryan Lott aka Son Lux am Freitagabend verkehrt herum, seine Gefühle auf der Zunge – oder besser auf den Händen. Mit einer Gestik, die vor Pathos strotzte, lenkte er von einem leider nicht so ganz durchstartend wollenden Konzert ab. Dass er seinen minimalistischen Übersong «Easy» auf der Bühne noch mehr reduzierte, war mehr so «schwierig». Das Gespann um Lott verlor das Interesse, welches schnell wieder der Bar zugewendet wurde.

    Phèdre
    Wie bei Dim Grimm streikte auch hier das Mikro – diesmal das von April Aliermo. Die wunderschön verstauchte Stimme der kanadischen Sängerin, die Daniel Lees leicht prolomässigen Gesang aus der Schmuddelecke holt, blieb aus oder teilweise zu leise. So tanzten die drei in ihren Neon-T-Shirts auf der Bühne auf Bierkästen. Das war schön. Aber nächstes Mal mehr April, bitte.

    1 Toi Toi für 100 Camper
    Im Gegensatz zu Mobile Homes haben VW-Busse bekanntlich keine chemische Toilette. Dutzende verbrachten ihre Kilbi in ihrem Typ 1, Typ 2 oder Typ 3 und teilten sich ein Toi Toi, das noch dazu am falschen Ende des Parkplatzes aufgestellt wurde. Während auf dem Zeltplatz und dem Festivalgelände die Toiletten quantitativ wie auch qualitativ keine Wünsche offen lassen, wäre auf dem Parkplatz das eine oder andere Toi Toi mehr angebracht. Zwei würden eigentlich schon reichen – sofern eines davon am richtigen Ende steht.

    > Where the hell is Bad Bonn?


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    Eine Reaktion

    1. #1 Ich

      07:32 Uhr, 4.6.2014, Link

      Ich geb dir so ziemlich in allem Recht, ausser bei Phèdre. Da wurde ich sehr gut unterhalten.

      …und Agadez ist in Niger, nicht Nigeria.

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