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  • „Wir hatten von nichts eine Ahnung“

    Von    |   9. April 2014   |   0 Kommentare

    Das Zürcher Label Ikarus Records feiert in diesem Frühling sein 10-Jahr-Jubiläum. Mitbegründer Manuel Clausen über Anfängerfehler und die Schwierigkeit, sich als basisdemokratisches Kollektiv zu organisieren.

    Ikarus RecordsFoto: © Hannah Lora Freeman

    78s: Herzliche Gratulation zum 10-Jahr-Jubiläum von Ikarus Records. Habt ihr eure Idee, ein Label zu gründen, in dieser Zeit jemals in Frage gestellt?
    Manuel Clausen: Nie grundsätzlich. Natürlich gab es manchmal Diskussionen, wie es weitergehen soll, doch ich glaube, gerade weil unsere Grundmotivation nicht der schnelle Erfolg war und wir nie einen Businessplan hatten, haben wir bis heute durchgehalten. Unser Kollektiv ist über die Jahre organisch gewachsen. Die Basis war die Musik und dieser Kitt hält uns bis heute zusammen.

    Wie hat damals alles begonnen?
    Als die befreundeten Bands Kid Ikarus, The Pilot und Duara an einen Punkt kamen, an dem sie ihre Musik veröffentlichen wollten, waren sich alle einig, dafür ein Label zu gründen. Wir haben nicht lange überlegt, hatten von nichts eine Ahnung und kein ausgefeiltes Konzept.

    Aus welchen Fehlern habt ihr gelernt?
    Am Anfang haben wir die Promo völlig vernachlässigt, denn uns ging es in erster Linie um das Musik machen, aufnehmen und veröffentlichen. Wir hatten zu Beginn ein Stück weit eine Verweigerungshaltung gegenüber den Medien, waren gleichzeitig aber auch frustriert, dass wir nicht wahrgenommen wurden. Es dauerte eine Weile bis wir einsahen, dass man sich Gehör verschaffen muss, um gehört zu werden.

    Und wie schafft man das?
    Durch seriöse und hartnäckige Promo-Arbeit. Je mehr man investiert, desto mehr kommt auch zurück. Man muss ein Netzwerk aufbauen, Kontakte pflegen und auf verschiedensten Kanälen Präsenz markieren, von der Label-Website über Bandcamp bis hin zu Facebook. Die Promo-Mailings sollten persönlich adressiert sein und es muss vor allem schnell gehen. Text ist Nebensache, Soundfiles und Videos sind wichtiger.

    Wie seid ihr organisiert?
    Basisdemokratisch. Die Grundidee hinter dem Label ist, dass über jede wichtige Entscheidung im Kollektiv abgestimmt wird und jedes Mitglied eine Stimme hat.

    Ist das mit elf Acts noch umsetzbar?
    Je mehr Bands dazugekommen sind, desto träger ist die Organisation natürlich geworden. Mit Disco Doom und Gabardine kamen vor etwa fünf Jahren erstmals zwei Bands hinzu, die nicht Teil des Kollektivs werden, sondern einfach ihre Alben bei uns veröffentlichen wollten. Wir sind in dieser Zeit ziemlich schnell gewachsen und plötzlich war es ein ziemlich grosser Kuchen. Durch diesen Wachstumsschub kamen wir an unsere Kapazitätsgrenzen und mussten unsere Organisation überdenken. Heute hält ein Kernteam von fünf Leuten den Laden am Laufen.

    Wie steht ihr heute zum Genre Post-Rock, das eure Anfänge geprägt hat?
    Wie im Post-Rock waren bei unseren ersten Bands die Instrumente wichtiger als der Gesang. Bands wie Mogwai und Honey For Petzi sind für die meisten von uns bis heute ein gemeinsamer Nenner. Im Laufe der Zeit hat sich unser Sound jedoch verändert und Post-Rock wurde für manche von uns fast schon zu einem Schimpfwort. Lustigerweise wurden DAVV, die eigentlich nie etwas mit Post-Rock am Hut hatten, in den deutschen Musikmedien als Post-Rock bezeichnet, was nicht weiter schlimm ist – im Gegenteil: Wir freuen uns, dass wir im Ausland wahrgenommen werden.

    Werdet ihr in Grossbritannien und den USA wahrgenommen?
    Ohne Beziehungen beisst man dort auf Granit. Das Problem ist, dass diese beiden Länder so stark auf den Markt drücken, dass da man da fast nicht rein kommt. Disco Doom haben es, nachdem sie sich fast 20 Jahre den Arsch aufgerissen haben, soweit gebracht, dass ihr Album auf Pitchfork gestreamt wird. Und das hat sicher auch damit zu tun, dass Built to Spill sie mit auf Tour genommen haben.

    Ihr spielt alle eure Platten in Eigenregie ein. Würde es euch nicht reizen, mal in ein professionelles Studio zu gehen?
    Eine Studioproduktion kostet über 5000 Franken und das könnte sich keine unserer Bands leisten. Ich glaube, unser Erfolgsgeheimnis liegt darin, dass wir intern über gute Kanäle verfügen, um unsere Musik selbst in unseren Proberäumen aufzunehmen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sich eher lohnt, Geld ins Abmischen und ins Mastering zu investieren. Mit DAVV haben wir erstmals ein Album extern abgemischt. Wir sind nach Bristol gereist und haben das Album in den Toybox Studios mit Ali Chant abgemischt. Wir haben rund 2000 Franken in den Mix investiert und das hat sich gelohnt, vom Resultat her und auch sonst. Das war schon ein kleiner Rockstarmoment, als wir dort die Tapes von PJ Harvey und Gravenhurst im Archiv sahen.

    Seit eurer Gründung ging es mit der Musikindustrie stetig bergab. Ist es auch für kleine Labels wie eures schwieriger geworden, Musik zu verkaufen?
    Einfacher sicher nicht. Über Plattenläden, Online-Versand und unseren eigenen Mailorder nehmen wir kaum etwas ein. Vinyl und CDs verkaufen eigentlich nur an den Konzerten. Wenn es gut läuft, sind unsere 300er-Auflagen am Ende der Tour ausverkauft. Bei den Downloads kommt am ehesten über Bandcamp etwas rein, da erhalten wir auch den gesamten Verkaufspreis. Die Einnahmen über Spotify und itunes hingegen sind nicht der Rede wert.

    Habt ihr bereits einmal Fördergelder erhalten?
    Für das Label noch nie, obwohl wir es an verschiedenen Orten versucht haben. Wir haben den Verdacht, dass dies an unserer Organisationsform liegen könnte, weil wir als Kollektiv kein eindeutiges Gesicht haben. Viele unserer Bands haben jedoch bereits Geld vom Popkredit der Stadt Zürich erhalten. Das sind bis zu 4000 Franken für die Produktion eines Albums und das reicht für die Finanzierung aus. Zürich ist da grosszügiger als andere Kantone. Duara, die zu den Ikarus-Mitbegründern gehören, kommen aus dem Kanton Thurgau und haben bisher keinen Rappen erhalten.

    Was ist euer Ziel für die nächsten zehn Jahre?
    Das, was wir mit viel Herzblut aufgebaut haben, weiterzuführen. Wenn möglich mithilfe von jungem Blut.

    Ikarus Records 10-Years-Celebration-Shows:
    12.April Provitreff, Zürich, mit Yuri Member, Duara, Kid Ikarus und Borderline Symphony
    9.Mai Kraftfeld, Winterthur, mit Davv, The Circle Brothers und Perfect Disaster Boy
    17.Mai Klubi, Zürich mit ENO und Duara
    23.Mai Sedel, Luzern, mit Yakari, Davv und Dans La Tente

    Zum Jubiläum veröffentlicht Ikarus Records eine Label-Compilation:

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