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  • Rehabilitierung eines verpönten Genres

    Von    |   16. Januar 2014   |   0 Kommentare

    Die Anthologie „I Am The Center – Private Issue New Age In America 1950-1990“ stellt unter Beweis, dass New Age mehr zu bieten hat als esoterisches Harfengeklimper.

    I Am The CenterNew Age – ein Begriff, der unliebsame Assoziationen weckt. Esoterikmessen, Entspannungsmusik und Delphine im Abendrot. Rosa, Violett und Türkis sind die Farben, die auf einschlägigen youtube-Kanälen dominieren. Die Musik plätschert derweil lauwarm wie ein Wohnzimmerspringbrunnen vor sich hin.

    New Age ist nichts als Kitsch, so mag man denken. Dabei übersieht man leicht, dass das Genre nicht bei Andreas Vollenweider aufhört. Die Grenzen zu Ambient, Jazz und Electronica sind fliessend. Unter New Age lässt sich alles subsumieren, was im weitesten Sinne meditativ klingt. Terry Riley, Steve Reich und Philip Glass – die heilige Dreifaltigkeit des Minimalismus trägt Mitverantwortung für das, was aus dem Genre geworden ist.

    Der Ausdruck New Age etablierte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Sammelbegriff für verschiedenste esoterische Strömungen. Im Laufe der 70er-Jahre wurde der Begriff zunehmend auch auf Musik angewendet, zu Beginn der 80er führten Plattenläden New Age-Fächer ein und bald schon war die Meditationsmusik nicht mehr nur im Fachhandel, sondern auch in Buchhandlungen und Esoterikshops erhältlich.

    Weit hinter die kommerzielle Blütezeit des New Age zurück blickt die Compilation „I Am The Center – Private Issue New Age In America 1950-1990“. Light In The Attic hat sich auf die Suche nach den Wurzeln des Genres gemacht und diese auf obskuren Platten gefunden, die von unbekannten Pionieren des Genres in Eigenregie produziert wurden. Die einzigen Household-Names unter den vertretenen Künstlern sind der Ambient-Pionier Michael Stearns und Steven Halpern, der 1975 mit seiner „Spectrum Suite“ den Grundstein für das Genre New Age gelegt hat. Hinter dem Rest dieser 20 Songs stecken vergessene Musiktherapeuten, Session-Musiker und Hippie-Gurus.

    Das erstaunliche an dieser Anthologie ist, wie zeitgemäss ihre Ästhetik wirkt. „Formentera Sunset Clouds“ von Iasos wäre ein potenzielles Intro für einen Song von Oneohtrix Point Never. „Witch’s Will“ von Wilburn Burchett klingt nach einem Barn Owl-Soloprojekt. Constance Demby könnte als Mutter von Julianna Barwick durchgehen und Laraaji als Vater von Tim Hecker. Die kosmischen Synth-Drones von Aeoliah und Don Slepian könnten ebensogut heute erscheinen.

    So spiegelt sich in dieser Anthologie die experimentelle Musik der Gegenwart. Mit Joel Andrews und Gail Laughton gibt es dann zwar doch noch etwas Geklimper im Stile von Andreas Vollenweider. Aber die Harfe gehört eben zum New Age, genauso wie die Flöten, Klangschalen und Wassergeräusche auf dieser gelungenen Compilation, die ein verpöntes Genre innert zwei Stunden zu rehabilitieren vermag.

    Laraaji – Unicorns In Paradise


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    Willburn Burchette – Witch’s Will


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    Constance Demby – Om Mani Padme Hum


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