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  • Eurosonic Noorderslag 2014 – Tag 1

    Von    |   16. Januar 2014   |   0 Kommentare

    Der erste Tag im holländischen Groningen brachte eine verkorkste Award-Show, einen Newcomer, der alles überstrahlte, sowie eine Band, die an diesem Festival eigentlich fehl am Platz ist.

    Wir sind in diesem Jahr ans Eurosonic Noorderslag-Festival gereist, an welchem jedes Jahr aufstrebende Nachwuchstalente aus ganz Europa auftreten, um sich für Auftritte im Ausland zu empfehlen. Die Schweiz hat zu diesem Zweck das attraktive Trio Kadebostany, Pablo Nouvelle und The Animen in den Norden geschickt. Traditionsgemäss bildete auch in diesem Jahr die Verleihung der European Border Breakers Awards (kurz EBBA) den Auftakt.

    Die EBBAs werden von der Europäischen Kommission an Bands verliehen, welche sich im vergangenen Jahr dadurch ausgezeichnet haben, dass sie mit ihren ersten internationalen Veröffentlichungen Erfolge und Beachtung ausserhalb der Heimat erlangt haben. Und genau so umständlich und unspektakulär wie sich das anhört, präsentierte sich zu einem grossen Teil auch die Award-Zeremonie.

    EBBA_Awards_Groningen

    Obwohl der Gastgeber Jools Holland charmant durch den Abend führte, vermochten die ausgezeichneten Künstler zumeist nicht zu überzeugen. Einzige Lichtblicke (neben dem erwartungsgemäss nicht anwesenden Woodkid) waren Ásgeir aus Island, der mit seiner wuchtigen Musik der müden Veranstaltung etwas Leben einhauchte, sowie der holländische Newcomer Jacco Gardner, welcher mit psychedelischer Popmusik punkten konnte. Leider streikte ausgerechnet bei diesen beiden Künstlern die Technik, so dass die Veranstaltung einen insgesamt sehr durchwachsenen Eindruck hinterliess.

    Nach einer kurzen Pause begann dann das eigentliche Festival, in Form von Konzerten in den unzähligen kleinen Bars und Clubs in der Altstadt von Groningen. Den Anfang machte der aus Helsinki stammende Jaakko Eino Kalevi. Der extrem entspannt wirkende Finne kombiniert stark an die 80er angelehnte Synth-Pop-Musik mit Saxofonklängen. Ein gefälliger Auftakt, dem jedoch ein gewisses Mass an Energie und Unberechenbarkeit fehlte.

    Danach ging es weiter ins schöne Grand Theatre in Groningen, einem beeindruckenden Art Deco-Gebäude aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Im kleinen Dachsaal folgte der Auftritt der Schwedischen Songwriterin Alice Boman. Obwohl sie mit „Skisser“ im letzten Jahr eine sehr vielversprechende EP abgeliefert hat, konnte Boman an diesem Abend nicht restlos überzeugen. Sie verfügt zweifelsohne über eine wunderschöne Stimme, allerdings fielen uns bei diesem Konzert, insbesondere bei den neueren Songs, die ziemlich platten und einfallslosen Texte ihrer Lieder auf.

    Den nächsten Auftritt von Sam Smith, der ja kürzlich von der BBC im Rahmen ihrer jährlich erscheinenden „Sound of…“-Liste als grösste Hoffnung für dieses Jahr bezeichnet worden ist, sahen wir nur aus der Ferne. Obwohl auch sein Stimmorgan durchaus beeindruckend ist, machte der Auftritt in keinster Weise Lust auf mehr. Die soulige Pop-Musik klingt schlicht zu wenig originell.

    Was nun folgte, war das erste echte Highlight des diesjährigen Festials. Vor kurzem wurde hier bereits auf das Talent von Benjamin Clementine hingewiesen. Nun konnten wir uns persönlich von seinen Qualitäten überzeugen. Im kleinen ehemaligen Kinosaal des Grossen Theaters trat der schüchterne Londoner barfuss und im Bademantel auf. Am Piano sang Clementine von seinen Sorgen und Ängsten und zog so das gesamte Publikum in seinen Bann. Immer wieder erhob er sich von seinem Barhocker und schrie eindringlich, so dass einzelne Zuhörer erschreckt zusammenzuckten. Seine gerade einmal halbstündige Show quittierte das Publikum mit frenetischem Applaus.

    Hozier aus Irland hatten es nach dem unwiderstehlichen Auftritt von Clementine erwartungsgemäss schwer. Und sie konnten die grossen Hoffnungen leider nicht vollends erfüllen, welche durch ihre tolle Single „Take Me To Church“ entfacht worden waren. Die selbstverliebte Show des Frontmannes Andrew Hozier-Byrne, welcher von zwei finger-schnippenden Sängerinnen flankiert war, muss mit den Prädikaten eindimensional und monoton bezeichnet werden.

    Die experimentelle Musik der griechisch/britischen Kombo Electric Litany kann sich schliesslich mit den zweifelhaften Lorbeeren rühmen, Teile des Publikums in den Schlaf gespielt zu haben. Die Band um Sänger Alexandros Miaris zeigte zwar durchaus gute Ansätze und erinnerte während den besten Momenten an Künstler wie Foals oder Gravenhurst. Doch leider schien eine Vielzahl der Songs blosse Entwürfe zu sein. Vielversprechende Ansätze wechselten sich ab mit unendlich langen Passagen, in denen die Band in unzugängliche Sphären abdriftete.

    Den Abschluss dieses Abends bildete der Auftritt der englischen Band Wild Beasts. Diese sind mit ihren bereits drei Alben (das vierte namens „Present Tense“ folgt im Februar) an einem Showcase-Festival ja eigentlich fehl am Platz. Doch sie fügten sich harmonisch in das Programm des Abends ein und zeigten mit einigen neuen Songs, dass sie durchaus gewillt sind, eine andere Richtung einzuschlagen. Besonders die aktuelle Single „Wanderlust“ bewies, dass sie nicht davor zurückschrecken, die Synthesizer stärker in den Vordergrund ihrer Songs zu rücken. So bildeten die Engländer einen tollen Abschluss eines abwechslungsreichen Abends, welcher Lust auf die kommenden Tage macht. Wir werden weiter berichten.

    Photo: Artur Lazar

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