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  • Ein Kleinod aus den Tiefen der Pariser Metro

    Von    |   30. Dezember 2013   |   1 Kommentar

    Manchmal braucht es keinen kreativ ausgeschmückten Lebenslauf, um den Werdegang eines Künstlers aufregend erscheinen zu lassen. Das tatsächliche Leben bietet ausreichend beeindruckende Geschichten.

    So auch bei Benjamin Clementine aus Edmonton, einem ärmlichen Stadtbezirk an der nördlichen Grenze von London. Der Engländer mit ghanaischen Wurzeln fühlte sich fremd in seiner Heimat, ausserdem hatte er sich mit seinem langjährigen Mitbewohner zerstritten. Deshalb brach er vor ein paar Jahren auf nach Paris, ohne Geld und ohne Kenntnisse der französischen Sprache. Dort musizierte er als Strassenkünstler in verschiedenen Metro-Stationen, um sich ein Bett in einer Jugendherberge und später ein eigenes Zimmer finanzieren zu können. Eindrückliche Zeugnisse dieser Zeit finden sich auf YouTube.

    Benjamin-Clementine_credit-Clement

    Schliesslich wurde er von einem Pariser Label entdeckt und erhielt professionelle Unterstützung. In Frankreich ist er seit diesem Jahr einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, doch der Rest Europas hat trotz der Veröffentlichung seiner Debüt-EP „Cornerstone“ noch wenig Notiz genommen von Clementine.

    Spätestens seit seinem Auftritt in der renommierten BBC-Sendung Later… with Jools Holland vor ein paar Wochen ändert sich an diesem Missstand einiges. Wie für einige Künstler vor ihm (bestes Beispiel hierfür ist sicherlich Adele) dürfte sein Auftritt bei Jools Holland ein entscheidender Wendepunkt in der Karriere von Clementine darstellen.

    Dass die Musik des jungen Briten ein grösseres Publikum verdient hat als ein paar gleichgültige Passanten im Pariser Untergrund, steht ausser Frage. Seine raue Stimme, die sich immer wieder überschlägt, strotzt vor rohem Charisma. Seine Texte vermitteln ein Gefühl von Entwurzelung und Orientierungslosigkeit, ohne sich in billigen Plattitüden zu verlieren. Trotz seiner Erfahrung als Strassenmusiker scheint der zumeist barfuss auftretende Clementine seinen Platz in der Welt und auf der Bühne noch nicht endgültig gefunden zu haben. Besucher seiner Konzerte sprechen von einem angespannten und nervösen Ambiente an seinen Auftritten. Doch seine Musik füllt den Raum und vermag jeden Zuhörer zu fesseln.

    Im neuen Jahr steht für den 24-jährigen Engländer die Veröffentlichung seines ersten Albums an. Ausserdem wird er im Januar am Eurosonic Festival in Groningen auftreten, an dem die Booker der grossen europäischen Festivals Nachwuchshoffnungen vom ganzen Kontinent genauer unter die Lupe nehmen, um sie dann für Auftritte im Sommer auf den grossen Bühnen zu verpflichten. So bleibt zu hoffen, dass wir den jungen Herrn mit Piano bald auch im Sittertobel, auf dem Berner Hausberg oder auf dem weitläufigen Weidegelände im Norden von Nyon erleben dürfen.

    Photo: Micky Clement

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    1. Eurosonic Noorderslag 2014 – Tag 1 - 78s – bessere Musik!

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