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  • The Bianca Story: Crowdfunding Zero

    Von    |   4. September 2013   |   9 Kommentare

    Ist die Musik eine Geisel? The Bianca Story scheinen davon überzeugt zu sein. Denn sie wollen die Musik von dem «verhärteten Gestein des Musikgeschäftes» befreien; eine neblige Flucht durch einen Tunnel, die womöglich ins Leere führt.

    The Bianca Story

    Wenn sich das Kollektiv um Elia Rediger eine Weile nicht in Form von Pressemitteilungen in unsere Posteingänge katapultiert, heckt es bestimmt etwas Grosses aus. The Bianca Story ist schliesslich nicht bekannt für leise Schritte. Dieses Mal kommt die Band nicht alleine, sondern marschiert mit einer ganzen Menge Kumpels auf.

    Mittels Crowdfundings, oder eben Kumpelfundings, wollen die Basler 90’000 Euro sammeln. Bis hierher nichts Neues; Über die Plattform wemakeit.ch wurden bereits so einige musikalische Projekte finanziert. Beinahe alle mit der Motivation, keine «Financiers, sondern Partner und Ermöglicher» an Bord zu holen, «die dazu beitragen, dass die Musik frei wird»; keine Fesseln, keine Schecks. Ausser, eben, die für das zu ersammelnde Kleingeld.

    Anders als bei so manch anderen Crowdfunding-Träumern, steht aber das Produkt von The Bianca Story schon in den Startlöchern. «Digger» erscheint am 29. November 2013 bei Motor Records, der deutschen Plattenfirma der Basler. Ob Crowdfunding oder nicht. Die 90’000 Euro werden also nicht mehr für die Produktion benötigt, sondern für – ja, wofür genau? Andere aktuelle Spendensammler auf wemakeit.ch sind bei ihrer musikalischen Sache konkreter: Authentic Light Orchestra will Reisespesen decken können, Tobey Lucas ein hübsches Artwork für sein kommendes Album.

    Irascible ist für die Promotion von The Bianca Story in der Schweiz verantwortlich und klärt uns auf: «The Bianca Story dürfen ihr Crowdfunding mit dem Anhängsel 2.0 versehen, weil die Crowd nicht für die Band spendet, sondern für die Crowd. Kommt das Geld zusammen, werden nämlich alle freien Zugriff auf das Album haben.» Konzertbesucher würden das Album physisch gratis erhalten, in Online-Shops wie cede.ch würde ein symbolisches Entgelt (SUISA, Porto, …) dafür verlangt. Der Online-Download? Koste dann selbstverständlich nichts.

    Der Crowdfunding-Charme verschwindet. Der Künstler, der in einem finanziellen Engpass steckt und in der eigenen Sache unterstützt wird, ist bei The Bianca Story in keinem noch so ausgeklügelten Budgetplan zu finden. «Freie Musik», also solche, die für lau ins Netz gestellt wird, gibt es zuhauf. Musiker und Labels, die bewusst auf Konzerteinnahmen und Airplay setzen, erfinden 2013 das Rad nicht neu. Es ist anzunehmen, dass die Kumpels, welche sich an diesem Projekt beteiligen, Fans und Freunde sind, die sich die Platte an Gigs oder online auch ohne Crowdfunding gekauft hätten. Der nichtkumplige Nichtbezahler kann zwar aufatmen: Die Musik wird nicht geklaut, sondern wird von den Machern dem gesamten Netz zur Verfügung gestellt. Bezahlt wurde aber dafür trotzdem. Egal ob vom Label, von der Band oder von der Crowd. Das angeprangerte, verhärtete Musikbusiness lässt sich so schnell nicht presslufthämmern.

    Dazu kommt, nicht unüblich für The Bianca Story, eine Menge PR-Schnickschnack. Sie veröffentlichen ihr gesamtes Budget in Zahlen («wahrer Lohn für wahre Arbeit»), taufen den Hashtag «#bistdukumpel» und erarbeiten eine figurative Medienstrategie inklusive Licht am Ende des Tunnels. Nur sind Zahlen – besonders bei einer solch stattlichen Summe – eben nur Zahlen; der Social Media-taugliche Hashtag erinnert an Kreuzberger Gangsta-Rapper und das Tunnel ist eine sich überschätzende Metapher.

    Die Basler wollen also mit einer grossen Kelle einen Tunnel bohren. Eines, das wahrscheinlich nicht in einem «Land der freien Musik» endet, sondern höchstens auf einer Insel. Und auch von da aus ist freie Musik nicht mehr als ein Trugbild.

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    9 Reaktionen

    1. #1 Simon Aeschbacher

      11:14 Uhr, 5.9.2013, Link

      Mit Metaphern ist das so eine Sache. Laut Professor Tim ist es einfacher, einen Tunnel durch den Hügel zu graben, als darüber zu klettern. Das ist schon einmal grundsätzlich falsch. Ach, The Bianca Story! Mögen sie den “direkten Weg” finden. Der führt nähmlich mit Bestimmtheit nicht an mir vorbei!

    2. #2 the aeschli

      16:12 Uhr, 5.9.2013, Link

      egal ob es nun diese band aus basel ist oder nicht, ich finde diese idee den tragischen weiteren schritt des werteverlust der musik, es ist nicht innovativ, es ist resigniert.
      vielleicht sollte man hald mal aufhören versuchen mit aller kraft das geschäftsmodell zu erneuern oder zu revolutionieren, sondern das produkt.

    3. #3 PLUTO

      15:40 Uhr, 12.9.2013, Link

      Das Problem ist doch, dass wir alle bis jetzt (bzw. bis mp3 kam) immer nur den Tonträger und nicht die Musik oder, sagen wir, den künstlerischen Gehalt bezahlt haben. Wenn etwas begeistert hat, war man eben bereit das Geld für das Tonträger-Medium zu zahlen und so hat man gefühlsmässig nie für die Kunst, den Aufwand oder das Herzblut bezahlt.
      Das ist eine recht paradoxe Angelegenheit denn auf die Malkunst übertragen würde das heissen, dass man bereit wäre für ein Bild eine Pauschale für die Leinwand und die Farben zu bezahlen, wenn es einem gefallen würde, selbst wenn es die Mona Lisa wäre. Und egal was auf der Leinwand drauf ist, würde man die gleiche Pauschale zahlen.

      Ich vermute über kurz oder lang wird sich die musikalische Kunst ihren Wert (wieder) erkämpfen müssen durch Genialität und Exklusivität. Letzteres muss allerdings mit viel Aufwand und Geschick künstlich hergestellt werden (Hypes und Stories).
      Oder dann (und darauf hoffe ich) über eine Revolution der Attitüde. Das heisst, dass sich die Wertempfindung der Musik gegenüber anpassen würde (was ja durchaus schon passiert) hin zur Wertschätzung.

      The Bianca Story haben in meinem Empfinden immer dazu beigetragen an den bestehenden Wertestrukturen zu rütteln und versucht mutige Alternativen auszuprobieren. Auch wenn dieser Versuch mir nun vielleicht nicht der sympathischste ist, schätze ich doch den Mut und die Konsequenz mit der sie uns auch immer zwingen neu über den Wert von Musik nach zu denken.

      Wie dem auch sei, für den Erfolg wird der Faktor „Genialität“ (in irgend einer Form) unverzichtbar sein.
      Also bad news für die Heerscharen von „Musikschaffenden“ mit schlechtem, mittelmässigem oder (nur) gutem Output:
      Es kommt wieder die Zeit der Genies.

      Und das ist auch gut so.

    4. #4 BimBamBum

      16:07 Uhr, 16.9.2013, Link

      Bianca Wege Zum Geld

    5. #5 Hary

      14:07 Uhr, 17.9.2013, Link

      Fehlt nur noch, dass The Bianca Story einen Song über Geschäftsideen schreiben…

    6. #6 Patrick

      23:23 Uhr, 17.12.2013, Link

      Oje. 78s. Früher habt ihr noch Diskussionen angezettelt. Jetzt? Flaute. Wieviele Leute lesen eigentlich euer Gejammer noch? Die letzten 23 Musikpolizisten, die noch immer keine Band gefunden haben in denen sie Gitarre spielen können?
      Gute Nacht 78s.

    7. #7 Sabrina Stallone

      08:39 Uhr, 18.12.2013, Link

      Die letzten 23 Musikpolizisten, und du. Guten Morgen, Patrick!

    8. #8 Der letzte Postillon

      13:08 Uhr, 19.12.2013, Link

      Schreiben über Musik ist bekanntlich keine einfache Sache, das Anzetteln von Diskussionen aber schon. Warum das Erstere, um seine Existenz zu berechtigen, unbedingt das Letztere auslösen muss, leuchtet mir nicht ein. Was ich aber aber mit Sicherheit weiss: Jammern kann jedes Kind. Aufmerksamkeit erregen auch. Womit ich wieder zurück bei The Bianca Story wäre, worum es hier ja geht.

    9. #9 Michael Pluto

      18:54 Uhr, 15.1.2014, Link

      Um Verwechslungen auszuschliessen, dieser Pluto da oben bin nicht ich.

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