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  • Jenseits der Ironie: Doomenfels

    Von    |   30. August 2013   |   1 Kommentar

    Doomenfels macht auf seinem zweiten Album ernsthaft gute Musik im Zürcherdialekt. So innovativ und psychedelisch hat Mundart noch nie geklungen.

    Doomenfels Epilog Mundartmusiker überspielen die Ungelenkigkeit ihres Dialekts meist mit Humor. Von Mani Matter über Baby Jail bis hin zu Stahlberger – Schweizer Liedermacher haben eine Vorliebe für die humoristische Gesellschaftssatire. Einen ernsthaften Umgang mit der Muttersprache jenseits der schalkhaften Sozialkritik haben in der Mundart erst wenige gewagt. Während es Kuno Launerer und einigen wenigen anderen Bernern durchaus gelingt, romantische Songs zu schreiben, versucht man es in allen anderen Dialekten gar nicht erst.

    Empfindsame Poesie im Stile von Sophie Hunger ist auf Züritüütsch denn auch nur schwer vorstellbar. Der einzige Ausweg, von HipHop mal abgesehen: Man vermeidet Peinlichkeiten durch die ironische Brechung wie Ian Constable mit „Hippie Kacke“. Doomenfels singt Zürichdeutsch und klingt überraschend ironiefrei – ernsthaft, aber nicht verkrampft. „Epilog“ beginnt beklemmend, bedrohlich und fast schon kafkaesk. In einem so düsteren Setting hat man diesen Dialekt noch nie gehört. „Heile Heile Säge“ hätte einen Swiss Music Award verdient. Doch soweit wird es wohl nicht kommen, denn Doomenfels ist kein Entertainment, sondern Kunst.

    Im Studio ist Doomenfels das Einmannprojekt von Dominic Oppliger. Sein zweites Album – das erste mit Texten im Dialekt – hat der Zürcher in Eigenregie in seinem Proberaum eingespielt. Auf der Bühne wird Doomenfels zur vierköpfigen Band. An der Plattentaufe klangen die Songs von „Epilog“ wie Grossleinwandprojektionen eines Homevideos – grösser, aber ebenso authentisch. Keyboard, Schlagzeug und Bass untermalten die Stücke druck- und stimmungsvoll.

    Der schüchterne, teils geflüsterte Gesang drängt sich nicht auf, schliesslich gibt es hier auch keine Slogans zum Mitsingen. Die Texte, die Gefühle gegenüber Beziehungen, Freundschaften und dem Selbst reflektieren, sind rätselhaft und abstrakt. Oft werden sie zur Nebensache, denn im Mittelpunkt steht die Musik. Oppliger ist kein Singer-Songwriter im klassischen Sinne. Mittels Sampletechnik der alten Schule, sprich Tonbandmontage, bastelt sich Oppliger seine Studioband.

    In seiner Experimentierwut ist Doomenfels vergleichbar mit der Westschweizer Nachwuchshoffnung Buvette, obschon „Epilog“ noch weit vielseitger klingt. Mit Gitarre, Keyboard, Xylophon, Melodica dringt Oppliger in verschiedenste Genres vor: „Eusi Stell“ ist ein Postrock-Melodram im Geiste von Slint, das folkige „April Wheeler“ erinnert an Grizzly Bear, das verwaschene „Jahreszithen“ klingt wie ein neues Solo-Projekt von Animal Collective und das Titelstück wie ein LoFi-Demo von Sigur Ros.

    „Epilog“ enthält zwar nur sechs Songs, ist aufgrund der Länge der meisten Stücke aber dennoch als Album zu werten und nicht etwa als EP. Der kompakteste Song ist die zweite Single „No Exit“, ein energetisches Stück dem Wahnsinn nah, über einen Mann im Anzug, der – wie mancher CEO – einen Ausgang sucht, aber nicht findet:

    > „Epilog“ ist auf Vinyl und als Download bei A Tree in a Field Records (u.a. Fai Baba, Aie ça Gicle) erhältlich.

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    1. Doomenfels: Schatzkästchen mit Lokalkolorit - 78s – bessere Musik!

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