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  • Julia Holter: Die Stille im Lärm

    Von    |   16. August 2013   |   0 Kommentare

    Julia Holter hat eine Vorliebe für ambitionierte Konzepte. Auch das dritte Werk der Ausnahmekünstlerin aus Los Angeles ist weit mehr als nur ein Popalbum.

    JuliaHolter Loud City Song

    „Loud City Song“ ist der dritte Longplayer von Julia Holter und dennoch ihr erstes Studioalbum. Ihre ersten beiden Werke hat die Kalifornierin in Eigenregie eingespielt, nun hat sie erstmals in einem professionellen Studio aufgenommen. Mit dem Wechsel zur Indie-Institution Domino sind neue Möglichkeiten hinzugekommen. Neben Stimme und Keyboard kommen auf dem neuen Album auch Posaune, Saxofon, Kontrabass, Cello, Geige und Schlagzeug zum Einsatz.

    Trotz diesem kleinen Orchester klingt das Album, das von Becks Sound Engineer Cole M. Greif-Neill produziert wurde, nur unwesentlich opulenter als die beiden Vorgänger. Vieles wirkt so fragil, dass sich der Hörer wie ein Elefant im Porzellanladen fühlt. Während den ersten Minuten könnte man eine Stecknadel fallen hören. Begleitet von Streicherstrichen, Tastentupfern und Posaunenraunen gibt die Protagonistin Gigi erste Hinweise auf ihre Existenz. Sie lebt in einem Apartment im fünften Stock, spielt Tennis und trägt einen Hut mit so breiter Krempe, dass ihre Augen kaum zu sehen sind.

    Die Figur Gigi stammt aus dem gleichnamigen Roman von Sidonie-Gabrielle Colette, dessen Verfilmung von Vincente Minnelli die Inspirationsquelle für „Loud City Song“ lieferte. Holter findet ihren Bezugsrahmen seit jeher nicht in der Popmusik, sondern in der Literatur und im Film. Ihrem Debüt „Tragedy“ lag eine griechische Tragödie zugrunde, der Zweitling „Ekstasis“ war mit Film- und Literaturzitaten gespickt. Auf „Loud City Song“ proijziert Holter nun das Paris des frühen 20. Jahrhunderts auf den Alltag in ihrer Heimatstadt Los Angeles.

    Der konzeptionelle Rahmen lässt es erahnen: „Loud City Song“ ist eher ein Hörspiel als ein Popalbum. Die Geräuschkulisse der Grossstadt liefert den Hintergrund für diese Songs, die weder ins Radio noch ins Musikfernsehen passen. Die Musik wirkt entrückt vom medialen Rauschen der Gegenwart. Dem perkussionslosen Auftakt folgt in „Horns Surround Me“ ein erster Groove, der so luftig klingt wie Kate Bush’s „Cloudbusting“. „In The Green Wild“ paart jazzige Bassfiguren mit Sprechgesang, der an Laurie Anderson erinnert – bei weitem nicht die einzige Gemeinsamkeit, die Holter mit der Performancekünstlerin teilt.

    Das Stück „Maxim“ verkörpert mit seinen zwei Teilen die beiden Pole dieses Albums – Ruhe und Hektik, Einsamkeit und Gesellschaft. In der ersten Albumhälfte passiert alles wie in Zeitlupe, etwa wenn Holter die Soul-Schnulze „Hello Stranger“ von Barbara Lewis in eine ätherische New-Age-Träumerei verwandelt. Danach wird die Atmosphäre unruhiger und die Stimmung kippt vom Besinnlichen ins Klaustrophobische. Die Ruhe wird mehr und mehr vom „Loud City Song“ bedroht, bis die Stille schliesslich im noisigen Finale von „City Appearing“ untergeht.

    > „Loud City Song“ erscheint am 19. August

    > Albumstreams gibt’s auf NPR und auf luisterpaal:

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