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  • Tunng scheitern auf hohem Niveau

    Von    |   25. Juni 2013   |   4 Kommentare

    „Turbines“, das fünfte Album der britischen Folktronica-Pioniere Tunng, hält am Ende nicht, was es am Anfang verspricht.

    Tuung

    Schritt für Schritt haben sich Tunng dem Pop angenähert. Innert einer Dekade haben sich die Briten vom experimentellen Kollektiv zur eingängigen Folkpop-Band entwickelt. Auf dem dritten Album „Good Arrows“ lösten dichte Songstrukturen die von seltsamen Geräuschen durchzogenen Folk-Miniaturen endgültig ab. Mit dem letzten Album „…And Then We Saw Land“ schaffte die Band es erstmals in die britischen Charts.

    Der Werdegang von Tunng ähnelt jenem von Efterklang. Beide Bands haben ihren Art-Pop über die Jahre hinweg perfektioniert und schreiben heute makellose Songs, deren Hooks man sich nur schwer entziehen kann. Doch bekanntlich ist alles, was perfekt ist, immer auch ein bisschen langweilig. So vermisst man auf „Turbines“ die Versponnenheit der frühen Tunng ebenso wie auf „Piramida“ die Vertracktheit der frühen Efterklang.

    Eine weitere Parallele zwischen den Briten und den Dänen ist, dass sich die Bandzusammensetzung massgeblich verändert hat. Durch die Trennung von Sam Genders haben Tunng vor drei Jaren einen ihrer beiden Songwriter und Sänger verloren. Sein Gründungskollege Mike Lindsey – quasi der Paul McCartney von Tunng – ist dadurch zum Leader avanciert. Den Leadgesang teilt sich Lindsey, der kürzlich nach Island übergesiedelt ist und unter dem Namen Cheek Mountain Thief ein Soloalbum veröffentlicht hat, mit Ashley Bates.

    Mit „Turbines“ schlagen Mike Lindsey & Co einen verblüffend ähnlichen Weg ein wie ihr ehemaliger Bandkollege Sam Genders mit „Black Light“, dem Debüt seines neuen Projekts Diagrams. Beide haben sich vom Tunng zugeschriebenen Genre Folktronica verabschiedet. Während Genders mit Diagrams im Electropop-Fach zu finden ist, nennen Tunng ihren fünften Longplayer ihr „Sci-Fi-Folk-Rock-Album“ und meinen damit, dass auch bei ihnen die Synthesizer den Gitarren den Rang abgelaufen haben.

    Der analoge Vintage-Synth-Sound steht Tunng eigentlich ganz gut zu Gesicht. Wie gut zeigen „Trip Trap“ und „Follow Follow“. Auch wenn sich Tunng mit Hits wie diesen an den Rand der Tanzfläche wagen, verzichten sie auf elektronische Beats. Stattdessen setzen sie auf ein Schlagzeug, das manchmal etwas drucklos wirkt. Nach dem vielversprechenden Anfang von „By This“ setzt ein nicht uninteressanter, aber doch sehr matter Beat ein, der ohne Antriebskraft durch das Stück humpelt. Auch die Single „The Village“ klingt als wäre ihre Energie irgendwo auf dem Weg zum Hörer verpufft.

    „So Far From Here“ erinnert noch am ehesten an den kauzigen Charme der frühen Tage, obschon Tunng die eigenartigen Samples und ihrer ersten Alben ad acta gelegt haben. Altvertraut klingt auch der gospelartige Opener „Once“, dessen Harmonien für eine Gänsehautmoment sorgen, der sich beim zweiten Hören jedoch nicht mehr einstellen will. Und hier liegt das Problem: „Turbines“ macht grosse Versprechen, ohne sie auf Dauer halten zu können. Die Songs gehen zwar gut ins Ohr, nutzen sich aber umso schneller ab, je öfter die Refrains wiederholt werden.

    Im letzten Drittel beginnen Tunng sich selbst zu wiederholen. „Bloodlines“ klingt mit seinen gezupften Gitarren wie ein aufgewärmtes Demo, das sich zu den „Därä-dä-dä-dä-s“ der Duettpartner in der Bedeutungslosigkeit verliert. „Embers“ ist ein Lullaby, wie es Tunng schon überzeugender eingespielt haben. Das Album endet schliesslich mit seinem Tiefpunkt. „Heavy Rock Warning“ klingt wie eine missglückte Hommage an Robert Wyatt’s „Rock Bottom“.

    Auf „Turbines“ steht einer starken ersten Hälfte eine schwache zweite gegenüber. Bleibt zu hoffen, dass dasselbe nicht auch für die Karriere von Tunng gilt.

    > Tunng spielen am 3. Oktober im Bogen F in Zürich


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    4 Reaktionen

    1. #1 Herr Lehrer Haben

      10:12 Uhr, 25.6.2013, Link

      Durch die Trennung von Sam Genders haben Tunng haben vor drei Jaren ….

    2. #2 Ralph Hofbauer

      10:26 Uhr, 25.6.2013, Link

      Ich darf in einem Hauptsatz nur ein flektiertes Verb verwenden. Ich darf in einem Hauptsatz nur ein flektiertes Verb verwenden. Ich darf in einem Hauptsatz nur ein flektiertes Verb verwenden. Ich darf in einem Hauptsatz nur ein flektiertes Verb verwenden. Ich darf in einem Hauptsatz nur ein flektiertes Verb verwenden. Ich darf in einem Hauptsatz nur ein flektiertes Verb verwenden. (Töö-tö-tö-tö-tööö – The Simpsons!)

    3. #3 Simon Aeschbacher

      12:50 Uhr, 26.6.2013, Link

      Scheitern? Ganz im Gegenteil. Ohne Frage, dieses Album wird bei mir weit oben in der Jahresbestenliste figurieren, weil Tunng darauf der seltene Spagat gelingt zwischen eingängig und skurril. Einordnen lässt sich die Musik nur schwer, unter “Sci-Fi-Folk-Rock” kann man sich ja jede Menge vorstellen. Schelmisch vertrackte, entzückende und ein bisschen bekloppte Musik.
      Das als drucklos oder matt beschriebene Schlagzeug empfinde ich als angenehm differenziert und im Gesamtbild in seiner Unaufdringlichkeit viel beunruhigender. Der ruhige Wahnsinn geht uns näher als der wahnsinnige Wahnsinn. Lob den Sonderlingen! Bleibt noch anzufügen, dass “Turbines” auf dem Label Full Time Hobby erscheint. Der Name sagt einiges aus über den gegenwärtigen Zustand der Musikindustrie.

    4. #4 Anika M.

      06:35 Uhr, 29.6.2013, Link

      Scheitern? Oh nein. Mir gefällt das Album außerordentlich gut. Musste mich erst reinhören, aber ich bleibe daran hängen und es fällt mir schwer, wegzuhören, wenn es im Hintergrund läuft. Das geht mir nicht bei vielen Alben so. Es ist absolut nicht langweilig obwohl es vielleicht „einfach“ aufgebaut ist, aber das ist eben Tunng. Einfach, aber genial. Genau deswegen.

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