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  • Keine Macht der Gewohnheit: The Knife

    Von    |   9. April 2013   |   2 Kommentare

    The Knife würden die 1:12-Initiative unterschreiben. Das schwedische Duo fordert auf „Shaking The Habitual“ mit extremer Musik ein Ende des extremen Wohlstands.

    the knife shaking the habitual

    Liest man den Albumtitel „Shaking The Habitual“ als programmatische Ansage, ist diese von doppelter Bedeutung. Einerseits haben The Knife in den letzten Jahren alte Gewohnheiten abgeschüttelt. Karin Dreijer Andersson hat mit Fever Ray ein Soloalbum veröffentlicht, während ihr Bruder Olof unter dem Pseudonym Oni Ayhun Minimal-Techno produziert hat. Als Duo wiedervereint klingen die Geschwister aus Stockholm sperriger und aggressiver als auf dem stromlinienförmigen Vorgänger „Silent Shout“.

    Andererseits stellen The Knife mit ihrem vierten Album die Gewohnheiten der Gesellschaft infrage. Dem Abzockerpatriarchat setzt „Shaking The Habitual“ Genderpolitik entgegen. Der Text der Vorabsingle „Full Of Fire“ kritisiert die männliche Geschichtsschreibung, das Video zum Song wurde von der feministischen Porno-Regisseurin Marit Östberg gedreht. In die Kritik gerät auch das kapitalistische System: „poverty is profitable“, heisst es in „Raging Lung“. Der Comic, der dem Album beiliegt, behauptet: „A world without extreme wealth is possible.“

    Der theoretische Überbau lässt es erahnen: „Shaking The Habitual“ ist ein schwer verdaulicher Brocken. Das Album erscheint als Doppel-CD bzw. Tripel-LP und hat eine Spielzeit von fast 100 Minuten. Mit „A Cherry On Top“, „Old Dreams To Be Realized“, „Fracking Fluid Injection“ umfasst das Album drei 10- bis 20-minütige Klanginstallationen, die sehr weit von herkömmlichen Vorstellungen von Popmusik entfernt sind. Die subversiven Botschaften dieses Albums erschliessen sich nur dem geduldigen Hörer. Die Theorie funktioniert in der Praxis nur bedingt.

    Waren das 2001 veröffentlichte Debüt und der Nachfolger „Deep Cuts“ noch auf schrille Weise poppig, zogen sich The Knife mit „Silent Shout“ in die Dunkelheit zurück. Nach sieben Jahren Pause kommt das Duo – das Cover lässt es erahnen – wieder greller daher. Der endzeitliche Electro des Vorgängers wird mit organischen Farbklecksen versehen: Blockflöten, Trommeln und Rasseln gesellen sich zu Synthesizern. Die exotische Perkussion rückt manche Songs in die Nähe von Gang Gang Dance: „Without You My Life Would Be Boring“ bewegt sich im Bauchtanz-Rhythmus und „Raging Lung“ wird von Buschtrommeln vorwärts getrieben.

    The Knife treiben ihre Verfremdungskunst im Spiel mit den Geschlechterrollen mit ihrem jüngsten Werk auf die Spitze. „Let’s talk about gender baby, let’t talk about you and me“, lautet eine Songzeile, die im Loop zur Unkenntlichkeit verzerrt wird. Karin Dreijer Anderson ist auf diesem Album keine Frontfrau mehr, sondern ein Chamäleon. Neben visuellen Masken setzen sich The Knife akustische Larven auf, indem sie mittels V-Effekten ein geschlechtsloses Wesen erschaffen, das mal nach Mensch, mal nach Goblin, mal nach Tier klingt.

    Dieses androgyne Wesen zeigt sich angriffslustiger denn je: In „A Tooth For An Eye“ schreit sich Karin Dreijer Anderson ihre Wut zu kreiselnden Steeldrums und einem jazzigen Bass aus dem Leib. In „Full Of Fire“ begleiten MG-Salven-Beats und Dubstep-Wobble die hysterisch hochgepitchte Stimme. „Wrap Your Arms Around Me“ weckt Industrial-Assoziationen, „Stay Out Here“ klingt nach Detroit-Techno und „Networking“ nach Down-Syndrom-Electro. Mit dem dubbig humpelnden „Ready To Lose“ versteckt sich einer der besten Songs am Ende des Albums.

    Mit ihrem langerwarteten Comebackalbum verwerfen The Knife altbewährte Formeln und legen ein ambitioniertes Epos vor, dessen Umfang manchen Hörer überfordern dürfte. Dass die Monotonie über die Melodie obsiegt, macht das dranbleiben nicht einfach. Als Gesamtwerk funktioniert „Shaking The Habitual“ nicht wirklich. Zu gross ist der Kontrast zwischen aggressiven Electro-Nummern und ruhigen Ambient-Flächen, um einen grossen Spannungsbogen zu erzeugen. Pickt man sich die besten Momente heraus, bleibt ein überschaubares Album, das den hohen Erwartungen gerecht wird.

    > Albumstream „Shaking The Habitual“ (Mute/Rabid Records) auf theknife.net

    > The Knife live: 30.4. Komplex 457 (ausverkauft)


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    2 Reaktionen

    1. #1 nico

      21:32 Uhr, 9.4.2013, Link

      politik drauf schreiben, wo höchstens selbstfindung drin ist, finde ich – gelinde gesagt – unehrlich. das politische album ist ein mythos.

    2. #2 zotto

      03:53 Uhr, 10.4.2013, Link

      ähm ist politik nicht gleich selbstfindung? und warum sollte das unehrlich sein und was ist was ein politisches album? tell me….

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