Copyright Extension für Dylan-Outtakes

Sony Music hat ein Box-Set mit Outtakes von Bob Dylan in einer Auflage von 100 Stück auf den Markt geworfen – nur um sich die Rechte an den bislang unveröffentlichten Aufnahmen für die nächsten zwei Jahrzehnte zu sichern.

Bod Dylan - 50th Anniversary CollectionAm 27. Dezember 2012 ist ein Box-Set mit 84 Outtakes von Bob Dylan erschienen, das seinen Veröffentlichungszweck unumwunden zugibt: “The Copyright Extension Collection Vol. 1″ lautet der offizielle Untertitel der “50th Anniversary Collection”, die Alternative Takes, Homerecordings und Live-Aufnahmen aus den Jahren 1962 und 1963 versammelt. Einziger Zweck der 4-CD-Box, die Sony Music in einer Auflage von nur 100 Stück an eine handvoll europäische Plattenläden ausgeliefert hat, ist die Sicherung der Urheberrechte.

Am 12. September 2011 hat der Ministerrat der Europäischen Union eine Verlängerung der Schutzfrist für Tonaufnahmen von 50 auf 70 Jahre beschlossen. Das Gesetz wurde in Grossbritannien unter dem Namen “Cliff’s Law” bekannt, weil es Cliff Richard ermöglicht, mit seinen Songs aus den frühen 60er-Jahren weiterhin Geld zu verdienen. Die Regelung gilt allerdings nur für offiziell veröffentlichte Songs, was bei den bislang nur als Bootleg erhältlichen Aufnahmen des Dylan Box-Sets nicht der Fall ist.

Gegenüber Rolling Stone gibt Sony offen zu, dass man sich mit dem Box-Set lediglich die Urheberrechte der Dylan-Outtakes sichern wollte, und erst zu einem späteren Zeitpunkt Kapital aus den Aufnahmen schlagen möchte. Kurz nach der Veröffentlichung von Dylans letztem Album “Tempest” sei der Zeitpunkt für einen Release im grossen Stil nicht der richtige gewesen. Ein Schelm, wer da an eine grossangelegte posthume Veröffentlichung des Dylan-Nachlasses denkt. 20 Jahre bleiben Sony, um die Cash-Cow zu melken.

Eine goldene Nase verdienen sich vorerst andere: Eines der Box-Sets, die in Deutschland für 29,99 Euro über den Ladentisch gingen, hat am 12. Januar auf ebay für 1’120 Pfund den Besitzer gewechselt.

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Diskussion

Eine Reaktion

  1. #1 Janosch Tröhler

    08:07 Uhr, 14.1.2013, Link

    Es entbehrt schon einer gewissen Tragik, dass die Musik mehr und mehr zur Ware verkommt. Eine Ware, die nur dazu dient, dass sich die ach so bedeutenden Manager bei den Major-Labels weiterhin Geld scheffeln können. Dass Sony Music ihre Karten so unverblümt auf den Tisch legen, verwundert mich indes schon, zeigt sich doch hierzulande – abgesehen von Warner, die begriffen haben, von wo der Wind weht – ein ganz anderes Bild der IFPI-Dominanten.

    Beschissen werden am Ende immer nur die Fans. It’s a mad world.

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