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  • Buskers, Blues und ein Brautpaar

    Von    |   30. August 2012   |   1 Kommentar

    Fernab von Dudelsäcken und Bruno Mars Covers: Zwei Wochen in Edinburgh auf der Suche nach besserer Musik.

    Wenn die Sommermonate nahen, ist in der schottischen Hauptstadt Festivalsaison. Das sonst fast schon schläfrige Edinburgh verwandelt sich in eine immerwache Hochburg der Kleinkunst. Das «Fringe» Festival wird zum omnipräsenten Gesprächsthema. Viel Comedy, eine Menge Tanz und Theater. Ja, überall Theater – doch wo bleibt dabei die bessere Musik?

    Edinburgh im August ist kein Ort der inneren Einkehr. Zu leicht fällt es, vom feuerjonglierenden Strassenkünstler auf der Royal Mile abgelenkt zu werden, sich von charmanten Flugblatt-Gentlemen in eine avantgardistische Inszenierung von Rotkäppchen locken zu lassen, um dann im Pub auf dem Weg zur Damentoilette zur persona grata einer Stand-up Comedy Show zu werden.

    Erstaunlich genug, dass bei Kunst in Hülle und Fülle die Musik der alternativen Sorte dieses Jahr zum ersten Mal zu kurz kommt. In den vergangenen Jahren stellte Edinburgh im August regelmässig die coolere Musikszenenschwester Glasgow in den Schatten und sorgte mit dem «Edge Festival», vor 2007 als «T on the Fringe» bekannt, bei gewieften Musikfans für feuchte Augen. Namen aus dem Musikolymp wie Pixies, Morrissey und Foo Fighters waren da keine Seltenheit.

    Arcade Fire auf der Esplanade des Edinburgh Castle im Spätsommer 2011 war das letzte Werk der «Edge Festival» Organisatoren. Die grossen Festivalsponsoren stiegen per Ende Jahr aus und die Durchführung eines weiteren Gitarrenmusikfests wurde lediglich zur nostalgischen Wunschvorstellung vieler.

    Zweifelsfrei eine dieser Nostalgikerinnen ist Amanda Palmer, die jahrelang Stammgast am «Edge» war. Doch auch ohne gross angelegtes Musikfestival war die eine Hälfte der Dresden Dolls auch heuer wieder mit eigener Show, Ukulele und Piano in Edinburgh zugegen. Neuigkeit dieses Jahres: Buchautor und Ehemann Neil Gaiman, der mit Palmer auf der Bühne seine unsägliche Singstimme präsentierte und Geschichten erzählte von ersten Küssen und Zombies und Weltherrschaft an sich reissen. Herzallerliebst. Und Amanda Fucking Palmer, halt.


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    Trotz aller Euphorie – das kann es nicht gewesen sein. Wo bleiben denn die noch zu entdeckenden, lokalen next big things? Der Vertrauensmann für konzertbezogene Ratlosigkeit ist Herr Kevin Buckle, Besitzer des Plattenladen Avalanche Records und Edinburgher Institution. Seinen Laden verlässt man in der Regel ein Dutzend Tonträger schottischen Indie-Folks schwerer und nicht ohne ein Schwätzchen über lohnenswerte Gigs in naher Zukunft. Und weil er nicht will, dass über «bagpipers and 13-year-olds pretending to be buskers playing miserable Bruno Mars covers» geschrieben wird, empfiehlt er das am selben Abend stattfindende Konzert von Lanterns On The Lake.

    Nicht wirklich lokal – das fünfköpfige Gespann stammt aus dem nordenglischen Newcastle – dafür umso mehr next big thing. Streicher, Gitarrenwände und die grazile Stimme der Frontfrau Hazel Wilde zauberten eine sphärische, leichte Traumwelt in den sommerträgen Konzertkeller Electric Circus. Auch ein Ohr voll vom Studio-Album «Gracious Tide, Take Me Home» lässt die Verzückung des Live-Erlebnisses nicht schwinden.

    Es bedarf genaueres Hinsehen und -hören, um die in Edinburgh verwurzelten Bands in der Menge auszumachen. Ein Blick in die Jazz Bar, eine Oase für Enthusiasten von Blues, Rock’n’Roll und R’n’B vergangener Jahrzehnte, zeigt, dass die Retrowelle auch den schottischen Untergrund erfasst hat. Täglich begeben sich hier mehrere Kollektive bis in die frühen Morgenstunden auf die Bühne. Viele mit der Energie derer, die nur ein Haar vor dem grossen Durchbruch stehen. Eines dieser Gespanne ist The Blueswater. Die elfköpfige Band um Frontmann Felipe Schrieberg führt jeden Abend die Show «Blues!» auf, ein knapp einstündiges Set, das vom Delta Blues der 20er Jahre bis hin zu zeitgenössischen Vertretern (Stichwort: Jack White) ein Bogen über die Geschichte des Blues‘ spannt. Deren Hommage an Screamin‘ Jay Hawkins‘ «I Put A Spell On You» ist so mitreissend, dass kaum ein Besucher der bestuhlten Venue sich nicht zum Mitwippen erhebt. Keine Ausnahme ist hier der schottische Krimiautor Ian Rankin (Inspector Rebus, anyone?), der es nicht lassen konnte, seine Begeisterung kurz nach Showende zu zwitschern.

    Das Ende der Edinburgher Festivalsaison bahnt sich dennoch schneller wieder an, als der Stadt lieb ist. Auf den Strassen wird man noch einige Monate lang Flyerfetzen aller Art erspähen. Clubs und Chippies werden jedoch bald ihre Öffnungszeiten reduzieren und so der Fringe-Madness ein jähes, wenn auch temporäres Ende setzen. «Klar, wer wieder kommt, tut es in der Regel des Kleinkunstkuriosums wegen», räumt Blueswater Frontmann Schrieberg ein, «doch wer nicht davor scheut, einen Blick über den Musiktellerrand zu wagen, soll nächstes Jahr am Fringe unser Gast sein.»

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