78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

Platte der Woche: David Lynch – Crazy Clown Time

Von    |   11. November 2011   |   1 Kommentar

Auch wenn sich die Songs von David Lynchs Debüt-Album bereits in den Gehörgängen eingenistet haben, so nimmt man ihm den von innerer Kreativkraft getriebenen Musiker nicht ganz ab. Schuster, bleib bei deinen Leisten?

Als Filmemacher konnte David Lynch sein Gespür für die gelungene Inszenierung von Ton im Bild – häufig in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Angelo Badalamenti – schon oft unter Beweis stellen. Man denke nur an das Meisterwerk Twin Peaks, das mit einem grauslig-wohligen Soundtrack gleichermassen für Gänsehaut sorgte wie mit verqueren Charakteren. Und auch abseits der Filmemacherei weiss sich der Künstler auf dem musikalischen Parkett – auf der Danger Mouse & Sparklehorse’s Kollabo „Dark Night Of The Soul“ zum Beispiel – brillant in Pose zu werfen.

Auf „Crazy Clown Time“, das dieser Tage über Sunday Best Recordings erscheint, ist Lynch nun erstmals ganz allein am Drücker. Der Filmemacher hat alle Songs seines Debüt-Albums selbst geschrieben, eingespielt und produziert – und setzt dabei auf ein ganz ähnliches Rezept wie hinter der Kamera: Auch in der Musik weiss der Künstler die Grenzen zwischen Gestern und Heute zu verwischen. So stimmen in einem Song heruntergekämpfte Slide Gitarren einen kaputten Blues an, während andernorts technoide Stampf-Beats zum Tanze laden.

Und es drängen sich weitere Parallelen auf. Auf „Crazy Clown Time“ ist vornehmlich Lynchs Stimme zu hören, die durch allerlei Gerätschaften gejagt mal flüsternd, mal durchdringend daherkommt. Aus den Songs lassen sich Geschichten herausahnen, die kaum je einem stringenten Erzählfaden folgen und lieber andeuten, denn die schlüssige Story abzuliefern. Zwischen den Zeilen lauern dubiose Gestalten, nervöse Anspannung liegt in der Luft, flackert auf in verführerischer Geste, in schwelender Aggression. Lynch dämpft alles mit viel Schall und Rauch, interessiert sich – wie beim Film – eher für die Dämmrigkeit der Zwischenwelt, für Songs, die weniger einem klassischen Muster folgen als dass sie sich wie flüchtige Ideen und Atmosphären aus den Boxen ergiessen.

So hat man beim Hören „Crazy Clown Time“ unentwegt des Filmemachers Visionen vor Augen, wird degradiert zum Voyeur der fremden (eigenen?) Fantasie und oftmals bleibt die akustische Wahrnehmung auf der Strecke. Lynch’s musikalische Ausschweifung ist spannend, bleibt allerdings nur schwer fassbar. Und so bleibt die Frage nach dem Warum und die beantwortet der Filmemacher in einem Interview mit Pitchfork gleich selbst: „It’s just an intuitive thing for me. And I just love musicians. They’re not all super-happy all the time, but when they’re playing they’re happy, and it’s such a beautiful thing. I also like them because they sleep late in the morning; they’re more like children.

David Lynch – Pinky’s Dream (feat. Karen O)

[audio:http://downloads.pitchforkmedia.com/David_Lynch_-_Pinkys_Dream_ft._Karen_O.mp3]

> „Crazy Clown Time“ Albumstream bei NPR