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  • Beat as much as you can: Rainbow Arabia erliegen der Völlerei

    Von    |   3. März 2011   |   2 Kommentare

    Auch für ihr neues Album bedienen sich Rainbow Arabia munter bei allem, was die Kontinente an Musik so hergeben. Das Duo richtet mit der grossen Kelle an, doch wir sind schon satt.

    Die Geschichte von Rainbow Arabia beginnt mit einem libanesischen Casio AT-1. Auf eine mikrotonale Tonleiter und arabisch anmutende Drum-Loops geeicht, liefert das Keyboard in der orientalischen Version quasi im Preset die exotischen Klangbausteine zur Debüt-EP „Basta“. Doch Rainbow Arabia wollen mehr: Fürs Follow-Up bereichern sich die Eheleute Tiffany und Danny Preston weiter aus dem Fundus der Weltmusik und peppen ihren Disco-Dancehall-Import mit karibischen und afrikanischen Versatzstücken auf.

    Anfang Woche ist auf Kompakt der erste Longplayer der Band erschienen. Auch wenn die Reise diesmal deutlich aufwändiger durchgeplant ist, „Boys And Diamonds“ zeugt einmal mehr vom hemmungslosen Globe-Hopping des Duos: Emsig wird hier eingeheimst, was nicht niet- und nagelfest ist. So bringen die Souvenirjäger zum Andenken einen wild zappelnden Haufen Songs mit nach Hause, die zwar andersartig abgehen, das Album selbst aber gnadenlos aus allen Nähten platzen lassen.

    Rainbow Arabia treten im Songwriting in jedes Beatnäpfchen, dass sich finden lässt und liefern ein Gesamtwerk ab, das eher hyperaktiv denn musikalisch anmutet. „Boys And Diamonds“ scheitert am Dilemma eines jeden Pauschalurlaubers: Mit grossen Augen lädt man sich am All-You-Can-Eat-Buffet den Teller voll, um dann zu Tisch beim Anblick der schier ungeniessbaren Kombination von fremdländischen Delikatessen den Appetit zu verlieren.

    Man kann dem Duo aus Los Angeles stilistische Masslosigkeit vorwerfen, noch schwerer allerdings wiegt das Gefühl, dass Rainbow Arabia auf eine eigene Identität pfeifen. Wie ein Kind vor Mutterns Kleiderschrank streift sich Tiffany Preston im Gesang eine Persönlichkeit nach der anderen über, gibt sich auf „Blind“ wie eine aufgekratzte Karin Dreijer Andersson, lässt an Siouxsie denken oder toastet mit aufgesetztem Dancehall-Akzent. Das ist über weite Strecken gelungene Imitation, der Charakter geht dabei leider flöten.

    Das soll nicht heissen, dass „Boys And Diamonds“ nicht auch Juwelen auf Lager hat: den Cowbells-Craze der Vorabsingle „Without You“ zum Beispiel, den seidig gelackten Eighties-Space von „Mechanical“ oder einen Moroder-Synthie-Streifzug durch den „Sequencer“-Dschungel. Das Einholen von Inspiration macht ja auch durchaus Sinn. Wenn es allerdings darum geht, die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten, ist eine eigene Handschrift unabdinglich. So gibt man der Band gerne den folgenden Tipp mit auf den Weg: Appetit holen darf man sich woanders, die Songs schreiben und anrichten muss man aber immer noch zuhause.


    YouTube Direktlink

    Rainbow Arabia – Without You (Alternate Version)

    [audio:http://cdn02.cdn.gorillavsbear.net/wp-content/uploads/2011/02/Rainbow-Arabia-Without-You-Version.mp3]

    2 Reaktionen

    1. #1 nico

      10:08 Uhr, 4.3.2011, Link

      entschieden uneins mit ihnen, frau wyss! die umtriebigkeit, welche sie bemängeln, ist gar nicht so ausufernd. natürlich wird exotik mit jedem einzelnen beat transportiert. aber so verloren-eklektisch, wie sie das beschreiben, mutet es nicht im entferntesten an. im gegenteil. bei den angeführten kritikpunkten handelt es sich in wahrheit um qualitätsmerkmale eines ungewöhnlichen albums.

    2. #2 Nina Wyss

      12:44 Uhr, 7.3.2011, Link

      @nico: sie dürfen mir glauben, ich hätte die platte gern lieber gehabt. und dennoch fehlt mir hier die linie. drum bleib ich dabei: das hier ist kein album, das ist ein notdürftig zusammengehämmerter verschlag von songideen.

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