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  • Musikindustrie auf dem Krankenbett: Der historische Irrtum

    Von    |   20. Februar 2011   |   7 Kommentare

    Die Recording Industry Association of America (RIAA), dessen Pendant in der Schweiz die IFPI ist, hat eine interessante Grafik publiziert. Sie zeigt, dass die Diskussionen um eine kränkelnde Musikindustrie, einem historischen Irrtum unterliegen.


    (Grafik via ORF)

    Die Tonträger-Industrie hat sich voll gefressen. Von 1985 bis 1999 hat sie immer mehr und mehr zugenommen und einen ganz dicken Ranzen gekriegt. Sie hat in diesen fünfzehn Jahren mehr gegessen, als je zuvor. Ab dem Jahr 2000 hat sie jedoch nicht mehr so viel verdient, wie die fünfzehn Jahre vorher, und konnte sich nicht mehr so viel Nahrung und Champagner kaufen. Seit zehn Jahren ist die Tonträger-Industrie (wohlgemerkt nicht die ganze Musikindustrie) auf Diät. Und jeder oder jede, der oder die schon mal eine Diät gemacht hat, weiss, das zehrt an den Kräften und macht mitunter auch etwas stinkig.

    Stinkig ist die Tonträger-Industrie auf die sogenannten Filesharer. Doch genau diese Grafik relativiert den Schaden, den die sogenannten Internet-Piraten der Tonträger-Industrie vermeintlich zugefügt haben. Die Tonträger-Industrie hat nämlich in der Post-Napster-Dekade mehr Musik verkauft als in den 80er Jahren. Klar es ist weniger und dass die File-Sharer Urheberrecht verletzen ist unbestritten. Es ist allerdings eine Scheindiskussion, wenn man den Rückgang der verkauften Tonträger alleinig den Filesharern anhängen möchte.

    Die Kausalhaftung greift zu kurz, denn sie ignoriert zum einen, dass der horrende Anstieg der CD-Verkäufe in den 90er vor allem auch dem Verkauf der Backkataloge zuzuschreiben ist, und demnach einer Blase gleichkommt, und zum anderen, dass die CD ein Gut ist wie jedes andere auch, das einem klassichen Produktlebenszyklus unterliegt. Nach zehn Jahren und 200 CDs im Gestell, verliert das Gut halt an Interesse. Und das gilt für jeden Konsumenten. Ausserdem begünstigte das mp3-Modell, dass man für zwei, drei gute Songs eines Künstlers nicht mehr 30 Franken für eine CD hinblättern muss, um diese drei Songs zu bekommen (inklusive sieben schlechte), sondern man kauft sich für 4.50 Franken halt einfach die drei guten Songs bei iTunes oder Musicload. Und für das Minus von 25.50 Franken werden nun die Filesharer verantwortlich gemacht. Logisch.

    Zurück zur Grafik der RIAA. Sie zeigt, dass der Aufschwung der Tonträger-Industrie Ende der 80er Jahre erfolgte. Die Achtzigerjahre sind ein gutes Stichwort. Damals hiessen die Bösen nicht Napster und Rapidshare, sondern es war die Musikkasette. „Homtapeing is killing Music“ war der Slogan, den die Industrie damals verbreitete. Was darauf folgte, war die erfolgreichste Dekade für die Musikindustrie überhaupt. Trotz der Musikkasette. Auch heuer wird den Musikkopierern die Hauptschuld angelastet. Fakt ist aber, dass die Tonträgerindustrie 2009 noch mehr Musik verkauft hat als im LP-Zeitalter, im Musikkasetten-Zeitalter, im 8-Track-Zeitaler und sogar zum Teil auch mehr als im CD-Zeitalter.

    Das Haupt-Fazit ist jedoch, dass die 80er und 90er Jahre nicht als absolute Referenz hebeigezogen werden dürfen, um über den Gesundheitszustand der Musikindustrie zu urteilen. Die Tonträgerindustrie hat zwar einen Rückgang zu verzeichnen, im historischen Kontext ist der aber vergleichsweise gering ausgefallen. Dass es die Industrie nicht schafft die Ausfälle aus den ausbleibenden CD-Verkäufen zu kompensieren ist kein Todesurteil für die ganze Industrie. Die Abomodelle sind noch nicht lange genug auf dem Markt. Ausserdem macht die Industrie auch mit Video-Angeboten gehörig Kohle. Fakt ist: Spotify ist immer noch nicht in allen europäischen Ländern erhätlich. Youtube berichtet von einer Zunahme der Abgaben von 200 bis 300 Prozent an die Tonträger-Industrie. Apple und Google stehen ebenfalls kurz davor, Musikabo-Modelle zu lancieren. Dass diese Angebote noch nicht länger am Markt sind, das hat sich die Industrie selber zuzuschreiben. Und auch heuer gilt noch: Die Strategien zugunsten der Besitzstandwahrung sind immer noch dominanter, als die Bereitschaft sich zu bewegen. Die Grafik der RIAA zeigt auf wieso. Weil die Tonträgerindustrie im Grund noch nicht genug verloren hat, um sich zu ändern.

    7 Reaktionen

    1. News aus der Musikbranche #17 u.a. der tiefe Fall von MySpace | Rapresent - Deutschrap Blog
    1. #1 the aeschli

      17:50 Uhr, 20.2.2011, Link

      das sag ich seit jahren, aber man hat immer nur den kopf geschüttelt…
      solche graphiken gibt es schon lange, offenbar einfach einmal von „offizieller stelle“, vor etwa 3 jahren gabs das mal irgendwo im falle der deutschen „industrie“

    2. #2 Pain in the ass

      18:21 Uhr, 20.2.2011, Link

      Als ob sie sich in der Tonträgerindustrie nichts ändern würde.

    3. #3 Adrian Meyer

      00:28 Uhr, 21.2.2011, Link

      Eine akkuratere Grafik zeigt das wahre Ausmass, „The Real Death of the Music Industry“:

      „Wrong: The music industry is down around 40% from its peak in 1999
      Correct: The music industry is down 64% from its peak.
      Wrong: At least the music industry is almost 4 times better off than in 1973.
      Correct: The music industry is actually down 45% from where it was in 1973.
      Wrong: The CD era was the aberration. (Mr. Gruber’s reasonable take)
      Correct: The CD peak was only 13% better than the vinyl peak, not over 250% better as the Bain chart implies.

      Read more: http://www.businessinsider.com/these-charts-explain-the-real-death-of-the-music-industry-2011-2#ixzz1EXphDfZm

    4. #4 antenor

      10:30 Uhr, 21.2.2011, Link

      on a related note:
      habt ihr das schon getestet? http://www.20min.ch/soundshack/
      brauchbar als spotify ersatz?

    5. #5 David Bauer

      11:27 Uhr, 21.2.2011, Link

      @Adrian Meyer
      Die Kritik von Business Insider ist berechtigt, allerdings verzerrt die Grafik die sie als „The right chart“ bezeichnen, die Tatsachen meines Erachtens ebenso. Der Pro-Kopf-Umsatz beschreibt eine Industrie nur unzureichend. Nur weil die Musikindustrie bei gestiegener Population pro Kopf weniger verdient, müsste es ihr nicht schlechter gehen. Entscheidend ist der Gesamtumsatz – und hier kommt der entscheidende und richtige Kritikpunkt von Business Insider – bereinigt um die Inflation. BI zeigt diese Grafik auch, allerdings releativ weit unten. Aus meiner Sicht ist es jene, die der Wahrheit am nächsten kommt: http://static2.businessinsider.com/image/4d5ea3314bd7c8600a090000/music-industry.jpg.

    6. #6 Mathias Menzl

      11:44 Uhr, 21.2.2011, Link

      Ja, das ist korrekt, die Inflationsbereinigte Chart wäre die aussagekräftigere und relativiert natürlich einige der obenstehenden Aussagen. Die Hauptaussage, dass die 90er eine nicht zureichende Referenzgrösse sind, steht allerdings immer noch. Ebenso die zu kurz Argumentation, dass die Filesharer für den Umsatzrückgang alleinig verantwortlich sind.

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