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  • Der Schweizer Musikkomplex: ein Plädoyer gegen die Kleingeistigkeit [Reloaded]

    Von    |   28. Dezember 2010   |   50 Kommentare

    Vor genau einem Jahr haben wir dafür plädiert, dass die Schweizer endlich ihre seltsamen Berühungsängste zu Schweizer Musik ablegen. Ein Update.

    Die Schweizer tun sich nach wie vor schwer mit Schweizer Musik

    Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Artikel von damals, der eine riesige Diskussion ausgelöst hat, nochmals, aktualisiert mit neuen Erkenntnissen.

    Nichts ist gut genug. Und was ausnahmsweise gut ist, ist unsympathisch. Warum bloss haben Schweizer ein Problem mit Schweizer Musik?

    Die 00er Jahre Das erste Jahr der Post-00er Ära sind ist in wenigen Tagen Geschichte. Zeit, schlechte Angewohnheiten zurückzulassen und Neues anzupacken. Schweizer Musikliebhabern empfehle ich, an ihrem Körper zu arbeiten. Ich wünsche mir: einen klareren Kopf, ein offeneres Herz und eine breitere Brust. Denn die Schweizer Musikszene braucht mehr Unterstützung, mehr Begeisterung und weniger bünzlihafte Nörgelei. Schweizer Musik zu belächeln zeugt weder von besonders kritischem Geschmack noch von besonderer Weltgewandtheit, sondern von erschreckender Kleingeistigkeit. Die Schweizer müssen ihr verkrampftes Verhältnis zu Schweizer Musik ablegen und ihr diejenige Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdient.

    Der klare Kopf
    Nur weil wir alle an Konzerten gerne mal ein paar Bier trinken, bedeutet das nicht, dass man Schweizer Musikschaffen nicht auch mal ganz nüchtern betrachten kann. Musik ist keine Kunst, die im luftleeren Raum steht. Musik ist immer auch ein Produkt, das vermarktet werden will. Das ist übrigens nicht nur in der Schweiz so. Eine Band und ihre Musik wird nicht schlechter oder unsympathischer, bloss weil sie sich bei Facebook präsentiert, gescheite Medienarbeit macht und hin und wieder eine Aktion ausserhalb des Bandkellers lanciert. Die ganzen Diskussionen, wer ehrliche Musik macht und Aufmerksamkeit verdient hat, sind doch müde Scheingefechte. Gute Musik bleibt gut, auch wenn sie offensiv vermarktet wird. Gleiches gilt für schlechte Musik.

    Das offene Herz
    Die Kleinräumigkeit der Schweiz macht es spielend leicht, Bands aus anderen Regionen zu entdecken. Alles, was es braucht, ist ein wenig Entdeckungsfreude und ein unverbrauchter Blick über den eigenen Tellerrand. Ob Zürich, Bern, Basel, Fribourg, Lausanne, Luzern, Genf, St. Gallen, Baden, Bellinzona, Zug, Chur, Solothurn oder Winterthur – jede Szene in der Schweiz hat interessante Bands und Künstler zu bieten, die ein Ohr voll wert sind. Wenn ihr eine Band entdeckt habt, die euch wirklich begeistert, dann macht Werbung für sie. Erzählt weiter, wie toll sie ist. Nehmt eure Freunde an die Konzerte mit. Kauft die CD und ein T-Shirt gleich dazu. Je mehr Unterstützung junge Bands bekommen, desto besser werden sie.

    Die breite Brust
    Schweizer Musik ist selten „gut“, sie ist immer „unschweizerisch gut“. Bands sind so gut, dass man gar nicht glauben würde „dass die aus der Schweiz kommen“. Eine solche Aussage kann nur machen, wer davon ausgeht, dass Schweizer Musik grundsätzlich minderwertig ist, Ausnahmen ausgenommen. Käme es denn jemandem in den Sinn zu sagen „Wow, coole Band, hätte gar nicht gedacht, dass die aus Brooklyn kommen“? Oder würde ein Londoner behaupten: „Yeah, die klingen richtig unbritisch gut“? Eben. Eigentlich ist es vollkommen egal, woher gute Musik kommt. Wichtig ist, wohin sie geht. Weil aber das Vorwärtskommen mit etwas Rückenwind leichter fällt, dürfen wir unsere Schweizer Bands und Künstler ruhig ein wenig nach vorne schreien und das nächste Mal mit breiter Brust von der Schweizer Musikszene berichten, wenn jemand danach fragt.

    Seit seiner Gründung bemüht sich 78s, der Schweizer Musikszene diejenige Plattform zu geben, die sie verdient. Wir wollen zeigen, welch grosses musikalisches Potenzial in diesem kleinen Land vorhanden ist. Vor allem aber möchten wir einen kleinen Teil dazu beitragen, dass dieses Potenzial ausgeschöpft wird und zum Tragen kommt.

    Viele Bands und Künstler, so mein Eindruck, haben begriffen, worum es geht. In den 10er Jahren wäre es nun an den Musikfans, endlich diese falschen Berührungsängste gegenüber Schweizer Musik abzulegen, n’est-ce pas?

    50 Reaktionen

    1. #1 the aeschli

      11:21 Uhr, 28.12.2010, Link

      wenn man den aussagen von label- und vertriebsmitarbeitern glauben schenken mag, was den anteil von verkaufter schweizer musik betrifft, kann von berührungsängsten keine rede sein…

    2. #2 Johannes

      12:09 Uhr, 28.12.2010, Link

      Ich kommentiere zu diesem Thema nur noch gegen Vorkasse. Meine Buchhaltung meldet noch offene Rechnungen für die Beiträge vom Vorjahr.

    3. #3 Marc Weissenberger

      16:49 Uhr, 28.12.2010, Link

      Als deutscher Radio-Host kann ich nur zustimmen, dass aus den eidgenössischen Gefilden immer wieder hoch interessante Bands wie Kapoolas, Danceaffair, Daloco oder Bubblebeatz hervorkommen. Diese machen auch tatsächlich eine gute Promoarbeit, so dass sie auch in deutschen Newcomersendungen wie Local Heroes Radio Gehör finden.
      Selbst Konzertgänger, habe ich in der Schweiz allerdings nie das Gefühl gehabt, dass das Publikum die oben dargestellte Attitude gegenüber nationalen Acts hat. Im Gegenteil, da gibt es ein hohes Maß an Aufgeschlossenheit und Support.
      Ich denke also,es ist nicht so schlecht um die schweizer Musiklandschaft bestellt, wie hier dargestellt.

    4. #4 coral

      10:19 Uhr, 29.12.2010, Link

      … und genauso in der pflicht sollte sich die schweizer bloglandschaft sehen. bei indie.ch zum beispiel ist im jahresrückblick kein wort zu finden von schweizer bands, bei exitmusic nur eine schweizer band unter den coverbildern des jahres usw usw.

    5. #5 Michael

      16:27 Uhr, 29.12.2010, Link

      @coral
      Die Jahrescharts auf exitmusic.ch werden ja erst veröffentlicht – das kommt noch. Wir hatten auch in diesem Jahr einige Rezensionen zu Bands aus der CH, die sehr gute Bewertungen beinhalteten. Natürlich sehen auch wir uns in der Pflicht, vermehrt Alben von Schweizer Bands zu rezensieren. Gar keine Frage. Ich persönlich sehe uns aber nicht in der Pflicht, Schweizer Bands mit anderen Massstäben zu bewerten als Bands, die nicht aus der CH kommen (und das bedeutet für mich übrigens das hier geforderte entkrampfte Verhältnis gegenüber Musik aus der CH). Eine CH-Quote in unseren Jahrescharts wird es also folglich keine geben. Bzw. entscheidet da jeder Autor letztendlich selber, was bei ihm in die Bestenliste hineinkommt und was nicht.

    6. #6 General Y

      15:45 Uhr, 31.12.2010, Link

      … 78s selber schreibt ja selber auch nur sehr ausgewählt CD Reviews über CH Bands, dafür hundertmal über Radiohead…

    7. #7 Jimmy

      14:33 Uhr, 3.1.2011, Link

      Musik aus Mitleid gut finden – nee, sorry

    8. #8 Dominique Marcel Iten

      16:56 Uhr, 3.1.2011, Link

      Wieso aus Mitleid? Klingt ja beinahe so, als gäbe es deiner Ansicht nach keine gute Schweizer Musik @ Jimmy..

    9. #9 Matthias

      17:43 Uhr, 3.1.2011, Link

      es gibt einfach zu wenig wirklich Gutes um „mit breiter Brust von der Schweizer Musikszene berichten“. 2-3 Aussreisser nach oben pro Jahr und ansonsten viel, viel Mittelmass. Mein Eindruck ist jedenfalls der das in der Schweiz unterdurchschnittlich wenige Hits geschrieben werden und dadurch bedingt, Schweizer Musik auch in der internationalen Blogosphäre sehr wenig Erwähnung findet. Ein „ok“ Album ohne Hit erhält weniger Beachtung als ein „weniger als ok“ Album mit Hit.

    10. #10 Dominique Marcel Iten

      17:59 Uhr, 3.1.2011, Link

      In der Schweizer Musikszene gibt es schlichtweg zu grosse Berührungsängste mit dem Wort „Hit“. Hit, das werfen gleich alle in eine Kiste mit Baschi und Bligg…und nicht mit XX oder Kings Of Leon. Zu oft wollen Schweizer Bands zu „Indie“sein. Für viele bedeutet ein Hit = Verlust der Integrität.
      Aber es stimmt schon, was du sagst, wirkliche „Hits“ werden in der Schweiz selten geschrieben..

    11. #11 the aeschli

      18:49 Uhr, 3.1.2011, Link

      der käufer macht den hit, nicht der musiker…

    12. #12 CH

      19:22 Uhr, 3.1.2011, Link

      Jede CH Band die sich Indie auf die Fahne schreibt möchte gerne anders und eigenständiger sein als alle anderen indie Bands. Auf keinen Fall kommerziell, ohne Hits (dafür ohne Erfolg immer den selben schrummel Sound), aber mit möglichst viel Publikum vor der Bühne, das sich gerne den verstaubten, abgestandenen und langweiligen sound anhört.

      Indie ist so out wie ein Faxgerät mit Thermopapier.

    13. #13 Matthias

      19:38 Uhr, 3.1.2011, Link

      @ the aeschli: das sehe ich anders.
      Der Hit wird zum Hit weil er ein Hit ist.

      Meine Definition von Hit ist des Weiteren nicht zwingend als „kommerzieller Charts“ Hit zu verstehen. Ein Song zu dem sich die Tanzfläche füllt, der um 23:59 in der Silvester Nacht gespielt wird, der in den Top Ten der Hypem Popular Charts ist für mich mindestens genauso ein Hit wie ein Airplay oder Sales Charts Hit.

    14. #14 the aeschli

      20:01 Uhr, 3.1.2011, Link

      @ matthias
      ich sage im prinzip nichts anderes. „käufer“ ist einfach ein globaler ausdruck. ich meine lediglich, dass die band insofern keinen einfluss darauf hat, ob ein song zum hit wird oder nicht. andere machen ihn zum hit, seien es menschen die den kaufen, die den im radio oder beim DJ wünschen, die den anfangen an irgendwelchen hockeysielen zu singen, was auch immer.

    15. #15 Matthias

      20:38 Uhr, 3.1.2011, Link

      ok, dann stellt sich die Frage wieso so wenige Menschen von Schweizern gespielte/komponierte Songs als Hits wahrnehmen und sie zu eben diesen machen. Und meine Antwort darauf wäre: Weil es eben keine Hits sind.

    16. #16 Dominique Marcel Iten

      23:25 Uhr, 3.1.2011, Link

      Oder besser: weil 90% der Schweizer Musik Aufgussware von bereits Gehörtem ist, was vor Monaten noch hip war. Die Schweizer hinken da jeweils ein wenig hinterher. Und wenn es dann eigenständig ist, dass ist es so eigenständig, dass es nur von einem kleinen Teil des Publikums gehört werden will. Und damit füllt man nun mal eben auch nicht die grossen Hallen…

      Es stimmt schon, der Käufer bestimmt den Hit. Oder wie erklären wir uns sonst all die auf Hit und Erfolg getrimmten Rohrkrepierer grosser Popstars, welche aus unerklärlichen Gründen beim Publikum durchfallen.
      Ein Hit braucht vieles: Den richtigen Moment, die richtige Hookline, die prägnante Gitarre, die richtige Platzierung am rechten Ort, Leute, die den Song auch hören, Radios, die den Song spielen…

    17. #17 Tschino

      13:29 Uhr, 4.1.2011, Link

      @CH: ich bin genau deiner meinung. obschon „indie“ ja stilistisch nicht definiert ist, meinen die allermeisten die musik/den sound, die/den du beschrieben hast.

    18. #18 Henri

      14:01 Uhr, 4.1.2011, Link

      @Matthias: 100% mit dir einverstanden… Wenn ich Songs wie Kids vom MGMT, oder Ready to Start von Arcarde Fire höre, dann sage ich mir, „shit so einfach ist das“! das sind Weltklasse Hits. Vielleicht CH-Bands suchen eher die komplizierte Abläufe, Melodien usw… Oder vielleicht liegt es bei der Produktion resp. mix und mastering?!?

    19. #19 David Bauer

      15:05 Uhr, 4.1.2011, Link

      Kids und Ready to Start sind grosse Songs, zweifelsohne. Damit sie zu den Hits wurden, als die wir sie jetzt wahrnehmen, brauchte es aber auch eine Menge Marketingpower und viele Leute, die die Bands nach oben getragen haben. Das sollte man nicht vergessen.

      Die grossen Songs hätten wir in der Schweiz nämlich auch.

    20. #20 Dominique Marcel Iten

      15:06 Uhr, 4.1.2011, Link

      Die grösste Angst, die Schweizer Bands haben, ist, dass jemand sagt: „Ach, das klingt ein wenig nach…“
      Nebenbei bemerkt sind die Medien nirgends so Vergleichsgeil wie hier…England mal ausgeschlossen. Davor fürchten sich viele und sehen ihre Eigenständigkeit flöten gehen.
      Das Schweizer Publikum nebenbei bemerkt geht mit Schweizer Acts auch viel härter ins Gericht. Klingt da eine Band ähnlich wie ein Big Act aus den Staaten, ist das gleich Dreck. Aber aus den Staaten dürfen dann frische Bands ähnlich klingen, und kein Schwein stört’s (aktuellstes Beispiel: The Whigs und Kings Of Leon)

    21. #21 Henri

      16:04 Uhr, 4.1.2011, Link

      @David: Zum Beispiel? Aber bitte wirklich ein Hit: d.h Hit Melodie à la Kids, 7 nation army oder wake (Arcade Fire)! Es nimmt mich Wunder

    22. #22 General Y

      16:15 Uhr, 4.1.2011, Link

      Alright von Hearts and Knives / I got a Girl von Transmartha / Gimme More von den Peacocks / Scheisslied von Guz / …

    23. #23 isabel

      18:03 Uhr, 4.1.2011, Link

      wie auch immer: eigensinnige songs gibt es immer wieder hier, dies der neuste von kutti mc „kino im kopf“:

      http://www.videoportal.sf.tv/video?id=e7bfb4dd-b472-4be2-b1d8-f0af21a8e4d5

    24. #24 Matthias

      18:32 Uhr, 4.1.2011, Link

      Isabel, eigensinnig oder meinst du nicht doch eher eigenständig? Wie dem auch sei, beide Adjektive mögen relevant sein wenn es um die Definition von Kunst geht aber sie reichen bei Weitem nicht aus um popkulturelle Relevanz zu erlangen.

      General Y: die von dir gewählten Titel bilden meiner Auffasung nach sehr schön ab auf welchem Niveau sich das Schweizer Musikschaffen im Durchschnitt befindet.

      David: Du sagst es richtig: „Kids und Ready to Start sind grosse Songs, zweifelsohne“. Alleine diese Hürde zu schaffen einen grossen Song zu schreiben, produzieren ist Grundvoraussetzung und da sehe ich momentan ausser mit Abstrichen Sheila She Loves You, frantic, TBS, Manana, MHBTCW, Legendary Lightness und an erster Stelle Acapulco Stage Divers keine Kandidaten in der Schweiz. Ich vermute sogar Henri hat die zentrale Frage gestellt:“Oder vielleicht liegt es bei der Produktion resp. mix und mastering?!?“

    25. #25 Dominique Marcel Iten

      18:59 Uhr, 4.1.2011, Link

      Stellt sich die Frage: Trauen sich Schweizer Musiker nicht, Dick aufzutragen? Oder rät Ihnen das Umfeld davon ab (Produzenten, Label)?

    26. #26 the aeschli

      19:54 Uhr, 4.1.2011, Link

      95% haben das format nicht zum dick auftragen, 4.99% sagen dann das falsche…
      und 0.01% wohnt dann zum beispiel in einer jugendstilvilla in solothurn und wird entweder geliebt oder gehasst als grossschnorri…

    27. #27 General Y

      08:43 Uhr, 5.1.2011, Link

      Genau, Matthias, die Peacocks sind in ihrem Genre Durchschnitt. Aus diesem Grund sind sie eine der wenigen CH Bands, welche international touren und dies ständig. Die Konzerte von GUZ sind in der Musikstadt Hamburg jeweils ausverkauft, weil seine Musik Durchschnitt ist…Danke für die Erleuchtung, der Herr!

    28. #28 marie

      10:24 Uhr, 5.1.2011, Link

      Der Matthias sieht seine zukünftigen Hit-Produzenten in der Kategorie „Feierabend, Freunde wir machen Musik“. Warten wir’s mal ab. Ein Hit wird zum Hit weil er ein Hit ist. Ich schaute darum in die Hitparade nach. Vor Weihnachten 2010 befand sich dort ein Baschi an der Spitze. Und selbst der Betreiber der Musikseite hitparade.ch, ein Uni Zürich Absolvent, schreibt dazu: .. genial, ein weiteres Meisterwerk, die perfekte Mischung zwischen Genie und Wahnsinn..! – Nun, irgend etwas oder wer, scheint hier nicht ganz bei Trost zu sein. Ist es der Baschi, die Uni, der Hitparaden Musikseitenbetreiber, Matthias mit seiner Zuteilung zum Durchschnitt, 78s (Sven Epiney/78s wählen den SchweizerHit) oder meine Wenigkeit?

    29. #29 marie

      11:35 Uhr, 5.1.2011, Link

      Nachtrag!
      Soeben bei der Coiffeuse in der Schweizer Illustrierten vom Musikexperten Elias Fröhlich gelesen: Welche Künstler werden uns begeistern? Er kennt sie, die Hitparadenstürmer: Bligg, Baschi, Adrian Stern, Marc Sway und Lady Gaga.
      Nichts da von Acapulco Stage Divers.
      Tröstlich, unser Durchschnitt ist enorm breit und umfassend. Wahrscheinlich gehören wir allesamt dazu!

    30. #30 Scheff

      12:17 Uhr, 5.1.2011, Link

      Wenn ich mir die Schweizer „Indie“-Szene anschaue dann seh ich eigentlich das Gleiche wie in andern Ländern: Viel Mittelmass und ein paar Namen, die herausragen. Die Szene ist zwar online sehr aktiv ist und vielfältige Blüten treibt, aber effektiv nicht mehr als eine Nische.
      Hierzulande fehlen dieser Nische jedoch Leitmedien wie z.B. NME in UK oder „Rolling Stone“, „Spex“ oder „Visions“ in D, die als Referenz gelten und einem Künstler zum Durchbruch verhelfen können. DRS3 (Pop/Rock) und Viva (HipHop) haben diese Funktion Mitte bzw. Ende der 1990er eingebüsst. Deshalb braucht es für einen Künstleraufbau in der Schweiz ungleich länger als im Ausland, in der Regel Jahre. Meiner Erfahrung nach sind Schweizer Bands oft nicht bereit, die dafür nötige Zeit, die Arbeit und das Geld zu investieren. Dazu kommt, dass viele Künstler die ganz fundamentalen Marktmechanismen nicht kennen oder denken, diese würden ausgerechnet in ihrem Fall irrelevant sein. Diese Kombination aus fehlender Strategie, Unwissenheit und Selbstüberschätzung lässt viele Bands und Künstler scheitern, bevor sie überhaupt ihr gesamtes Potential ausschöpfen konnten.

    31. #31 Tschino

      13:11 Uhr, 5.1.2011, Link

      @Scheff: word. und es guets neus! ;o)

    32. #32 Dominique Marcel Iten

      14:21 Uhr, 5.1.2011, Link

      @General Y: Internationale Touren sagen leider gar nichts…oder wie gross sind die Clubs? Wie viele Platten werden im Ausland verkauft? Wie viele Leute kennen die Band wirklich oder gehen einfach nur zu der Show?

    33. #33 marie

      16:21 Uhr, 5.1.2011, Link

      Dominique Marcel’s Aufzählung verlangt nach mehr. Gut zu wissen wäre auch noch wo die Clubs zu finden sind, am Stadtrand oder gänzlich auf dem Lande, wie alt die Kundschaft ist, wieviele Frauen zugegen, wird mehrheitlich geschwatzt oder zugehört, wo sie logierten: Ein- oder Fünfsternhotel, wurden sie eingeladen, -gekauft oder mussten sie sich bewerben, wer spielte sonst noch am gleichen Anlass, sponserte ProHelvetia, gab’s Bier oder nur Wasser im Backstage, nur ein Jugendkeller oder die Tonhalle, und der lokale Mischer, ein junger Freiwilliger etwa, Live Präsenz der tonangebenden Radiostation oder nichts gewusst, Plakate in Weltformat oder Handzettel an Hausmauern, stets frisch gewaschene Wäsche oder alle Künstler reichlich abgestanden, chauffiert oder im alten VW-Bus selbst daher- und rumgefahren, usw.

      Internationale Touren sagen gar nichts .. wenn man dies nicht weiss. Was offenbar aussagekräftiger ist als einmal selbst zuzuhören und zu sehen, z.B. dem Kontrabassisten der Peacocks: Für mich ein Hit mitsamt seinem trockenen Humor! (Spielen leider in der Schweiz wenig)

    34. #34 Patrik

      17:06 Uhr, 5.1.2011, Link

      Was geht hier vor sich?
      Proklamierung und (gewünschte?) Zementierung der Vorgaben der Leistungsgesellschaft in der Musikszene? Ich kotz gleich… „gab’s Bier oder Wasser im Backstage“ – Schein oder Sein ist hier die Frage.
      Vieles, was ich hier lese, sind Distinktionsgebaren von Kritikern, die nichts anderes zu tun haben, als Pseudo-Ratschläge und wirre Deutungsmuster für die Musiklandschaft abzugeben, die aber niemandem etwas bringen.
      Wenn man wie ich davon ausgeht, dass es tolle Acts in der Schweiz gibt, die eigenständig kreativ sind und selbstbewusst agieren, dann sind es sind nicht die Musiker, die sich ändern müssen…
      Wie heisst es doch so schön im Schlusswort von David: „Viele Bands und Künstler, so mein Eindruck, haben begriffen, worum es geht. In den 10er Jahren wäre es nun an den Musikfans, endlich diese falschen Berührungsängste gegenüber Schweizer Musik abzulegen, n’est-ce pas?“

    35. #35 David Bauer

      17:34 Uhr, 5.1.2011, Link

      Wie’s aussieht, lag ich richtig mit meinem Entscheid, ausser dem Datum am Artikel nichts zu verändern gegenüber dem Vorjahr.

    36. #36 General Y

      22:01 Uhr, 5.1.2011, Link

      danke, marie!

    37. #37 General Y

      22:02 Uhr, 5.1.2011, Link

      anmerkung: ganz wichtig auch; hatte die band auf tour zwei oder nur einen backstage zur verfügung?

    38. #38 Dale C.

      22:13 Uhr, 5.1.2011, Link

      grosses kino marie, ich bin entzückt!

    39. #39 Pablo

      11:34 Uhr, 6.1.2011, Link

      Der Einwand von Dominique Marcel Iten ist grundsätzlich schon angebracht. Ich vermute nämlich, dass er quasi aus eigener Erfahrung spricht. Ich mag seine Band zwar sehr, aber internationale Touren haben offenbar nicht zu 36’000 last.fm Hörern wie bei den Peacocks geführt.
      Noch ein Punkt: die Schweizer Ableger der Major-Plattenfirmen signen am liebsten Bands, die ihr Glück mit schweizerdeutschen Texten versuchen und diese haben beim Schreiben eines Hits, der weltweit einschlägt, einen fundamentalen Nachteil.

    40. #40 General Y

      11:46 Uhr, 6.1.2011, Link

      eine zweiwöchige tour im ausland ist nicht mit über 200 konzerten pro jahr zu vergleichen!

    41. #41 Matthias

      05:17 Uhr, 7.1.2011, Link

      General Y/Marie: Du hast da etwas falsch verstanden. Ich sagte nicht das die von dir genannten Bands Durchschnitt sind (teilweise würde ich sie sogar unterm Schnitt anordnen) sondern das die von dir genannten Bands meiner Auffasung nach sehr schön abbilden auf welchem Niveau sich das Schweizer Musikschaffen im Durchschnitt befindet. Das ist ein Unterschied.

      Ich mag die Peacocks gerne. Aber darum geht es doch gar nicht. Meine zu Beginn geäusserte Theorie lautet doch das in der Schweiz unterdurchschnittlich wenige Hits geschrieben werden und daraus resultiert, das Schweizer Musik auch in der internationalen Blogosphäre sehr wenig Erwähnung findet. Und die von mir aufgeführten Bands u.a. Acapulco stage Divers habe ich lediglich als Kandidaten benannt welche meiner Meinung nach in der Lage wären solch einen Hit zu schreiben. In dieser Aufzählung habe ich übrigens drei ganz potente Kandidaten vergessen gehabt. Les Yeux Sans Visage, Alvin Zealot und Venetus Flos.

      Marie, deine Ausführungen bzgl. der Chartsplatzierung von Baschi und das Zitat des Musikredakteur & Verleger (Experte ist wohl ein wenig übertrieben) Fröhlich erschliessen sich mir in dem von uns besprochenen Kontext nicht in dem es nach meiner Auffassung primär um internationale Reputation dreht.

      Scheff: Ja, BBC Telly & Radio, NME, KERRANG, Glastonbury etc. all das sind wichtige Multiplikatoren welche hierzulande leider, auch nicht in relativer Grösse, nicht vorhanden sind.

    42. #42 General Y

      10:07 Uhr, 7.1.2011, Link

      @Matthias:
      Macht ein Hit ein Band längerfristig gross? Der Schweiz würde es besser stehen, endlich mehrere Bands zu haben, die international in ihrem Genre bestehen und unterwegs sind. Schweden macht es vor!
      Interessant ist aber, dass du sowieso nur Bands etwas „Grosses“ zutraust, welche zum erweiterten Indiekreis zählen.
      Warum du Leute wie GUZ etc. indirekt als unterdurschnittlich bezeichnest, verdient zumindest eine elektronische Ohrfeige.
      PS: Bricks over Bricks von AZ wäre vermutlich ein Hit geworden, hätten sie einen UK Kleber auf ihrem Auto.

    43. #43 Selli

      15:28 Uhr, 7.1.2011, Link

      Einereseits denke ich, dass es schon mit der Aussage von Michael zu tun hat, nämlich „dass wir uns nicht in der Pflicht sehen, CH-Bands mit anderen Massstäben zu beurteilen“. Es müssen ja nicht andere Massstäbe sein. Aber eine separate Rubrik vielleicht? Dann würden sie wenigstens Erwähnung finden neben der Riesenflut von Veröffentlichungen aus der ganzen Welt. Die Aussage klingt für mich ein bisschen wie: „Wir sind zu müde, um uns auch noch extra mit den Acts aus dem eigenen Land zu beschäftigen.“ Das Eine schliesst doch nicht zwangsweise das Andere aus, oder? Selbst das „Arschwisch-Papier“ PopRocky (der älteren Generation noch sicher ein Begriff) hat dies hinbekommen.
      Dann muss ich auch wiederholt die Feststellung machen, dass Bands nach der ersten Veröffentlichung, wenn diese keinen Hitsong aufweist resp. auf wenig Beachtung stösst, entweder den Mut verliert, weiter dranzubleiben (remember Tajino), oder sich schmollend ins Ecklein setzt und findet: „Wir sehen uns jetzt halt eben als Indie-Band.“ Nichts gegen Indie, wohlgemerkt… Aber nach meiner Definition heisst dies „unabhängig“, und da käme die Frage nach den zur Verfügung stehenden Mitteln auf.
      Der „Grossschnorri mit seiner Villa in Solothurn“ hat auch jahrelang gekämpft und drei LP’s mit seiner Band rausgebracht, die heute kaum irgendeine Sau kennt. Aber er hat an sein Ideal geglaubt und nicht beim ersten Misserfolg aufgegeben.
      Und dann gibt es ja noch die alte Binsenweisheit: „Der Prophet zählt im eigenen Land nichts.“…

    44. #44 Michael

      16:29 Uhr, 7.1.2011, Link

      @Selli
      Mir ist nicht klar, wieso man meinen Kommentar mit einer solchen Interpretation lesen sollte: „Wir sind zu müde, um uns auch noch extra mit den Acts aus dem eigenen Land zu beschäftigen.“ So etwas in der Art habe ich nie und nimmer angetönt. Im Gegenteil: Ich habe ausdrücklich geschrieben, dass wir vermehrt über CH-Alben schreiben sollen.

      Ich finde ausserdem den Kommentar von Scheff in einem CH-Musikblog interessant, es fehle ein Leitmedium in der CH. Sprechen wir da nicht vom genau gleichen Problem, wie wenn wir darüber lamentieren, es fehle an durchschlagskräftiger CH-Musik?

    45. #45 Matthias

      19:50 Uhr, 7.1.2011, Link

      Musikförderung à la Dänemark

      Dänemark ist klein. Lediglich 5,5 Millionen Einwohner. Man glaubt es kaum. Schließlich sind fast wöchentlich dänische Bands auf den Bühnen aller größeren Städte Europas zu sehen. Das ist natürlich kein Zufall, denn dahinter steckt eine wohlüberlegte Strategie. Nach dem Vorbild skandinavischer Filmförderung gibt es in Dänemark seit 2004 die MXD – einen Zusammenschluss verschiedener Player der Musikbranche, um dänische Musik im Ausland erfolgreich nach vorne zu bringen. Mit dabei sind neben dem Verband der dänischen Independent Labels, der dänischen Phonoindustrie und dem dänischen Radio auch die Roskilde Foundation, die seit 1973 das weltbekannte Roskilde Festival auf non-Profit-Basis organisiert. Während Roskilde verschiedene Stile und Musiker aus aller Welt nach Dänemark holt, zeigt das alljährliche SPOT-Festival in Aarhus, was es an neuem, heißem Scheiß aus Dänemark gibt. Organisiert wird das Ganze von ROSA, dem dänischen Rock Council, das ebenfalls an MXD beteiligt ist.

      TRACKS hat nachgeschaut, wie die Wikinger sich organisieren, um ihre Musik in die Welt zu tragen:
      http://videos.arte.tv/de/videos/musikfoerderung_a_la_daenemark_-3465832.html

    46. #46 Unbescholtener Bürger

      03:07 Uhr, 8.1.2011, Link

      Scheff hat recht. Es fehlt an Medien, die Schweizer Musik pushen. Ich würde sogar noch weitergehen: Es fehlt die ganze notwendige Industrie: Managements, Plattenfirmen, Booking Agencies, Verlage. Kleines Beispiel: In Deutschland gibt es Merchandising-Firmen, die sich auf Punkrock-Merch spezialisieren können und so Spezialknowhow aufbauen. Das funktioniert, weil der Markt – und damit auch die Nischen – gross genug sind.

      Ich will nicht sagen, dass es in der Schweiz gar keine Strukturen gibt. Sie sind einfach zu klein. Managements sind in der Schweiz 1-3 Mann-Buden. Deren Reichweite ist von Natur aus beschränkt. Selbst ein starkes Schweizer Management wie Gadget (dem national oft Omnipräsenz vorgeworfen wird) ist im deutschen Markt lediglich Bittsteller und verfügt nur punktuell über Erfahrung. Man schaue sich an, was mit Baschis Album passiert ist. Wieviele Male wurde das nun schon verschoben?

      Um beispielsweise eine Band wie MHBTCW nur schon in den deutschen Indiemarkt reinzudrücken, wie es regelmässig mit Bands von England, Skandinavien oder Deutschland aus gemacht wird, braucht es Manpower und Portokasse, die hierzulande schlicht nicht verfügbar sind, Pro Helvetia hin, Migros Kulturprozent her. Ein Wunder wie Sophie Hunger geschieht vielleicht alle 20 Jahre. (Mir fällt eigentlich nur Stefan Eicher ein. Die obligaten Krokus und DJ Bobo lasse ich mal im Giftschrank.) Für alle anderen aufstrebenden Schweizer Bands bleibt damit lediglich a) auf einen (unwahrscheinlichen) Hype zu hoffen oder b) sich in der Schweiz so gut als möglich aufzubauen, um einen „Heimathafen“ zu haben, sich dann den Arsch abzuspielen, sich gaaaanz langsam Respekt zu verdienen – und dann immer noch auf a) zu hoffen.

      Wir haben also eine kleine und zersplitterte Industrie. Die einzige Antwort darauf: Die Industrie muss gesamthaft wachsen, und Energien müssen gebündelt werden. Das bedeutet für mich:

      Liebe Journis, berichtet mehr über Schweizer Musik! Rezensionen von Schweizer Bands sollten nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein (ja, 78s, ich schaue auch in deine Richtung. Und: Liebes Rockstar, wie wäre es mal öfter mit einem Schweizer Act auf dem Cover? Und, liebe Musiker, wie wäre es, wenn ihr dann besagtem Act nicht die Augen auskratzen, sondern ihn beglückwünschen würdet?)!

      Liebe Club-Besitzer: Organisiert mehr Schweizer Konzerte! Lokale, regionale, nationale. Fangt klein an, so dass ihr auch bei 50 zahlenden Gästen nicht gleich die Bilanz deponieren müsst. Drückt bei internationalen Konzerten einen Schweizer Support rein, oder, wenn Euch das internationale Management einen anderen Support „nahelegt“, einen Support des Supports!

      Liebe Managements: Arbeitet enger zusammen, und versucht mal gemeinsam, mit vereinten Kräften, einen Act oder eine Tour im Ausland zu pushen, auch wenn Ihr Euch dann die Einkünfte teilen müsst!

      Liebe Politiker (Achtung, polemischer Vorschlag!): Denkt doch mal über eine Radioquote nach. Kostet nix, bringt der Schweizer Musik vielleicht was. Klar, die Radios würden dann grösstenteils einfach mehr Plüsch und Konsorten spielen. Aber müssten, wenn der Kuchen insgesamt grösser würde, nicht auch unsere heissgeliebten Nischen grösser werden?

      Liebe Musik-Liebhaber: Ihr seid der Schlüssel zum Ganzen. Solange Ihr Euer Dünkel gegenüber Schweizer Musik nicht ablegt, wird es auch für alle anderen genannten Akteure schwer. Vergesst endlich den Bullshit von wegen „unterdurchschnittlicher Qualität“ oder „nicht internationalem Klang“. Schweizer Musik ist genauso frisch, kreativ, und ja – hitverdächtig! – wie ausländische Musik auch; nur wirds Euch nicht vom NME eingetrichtert. Ihr müsst es selbst herausfinden. Wichtig ist nur, das Ihr euch getraut, hinzuhören. ES GEHT HIER DARUM, SICH FÜR DAS EIGENE NICHT ZU SCHÄMEN. Ich hoffe, das ist nicht zu viel verlangt.

      TLDR: David hat Recht. Zu 100%.

      PS. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass die beiden erfolgreichsten „neuen“ CH-Künstler Baschi und Bligg beide mithilfe des Fernsehens den Durchbruch geschafft haben? SF hat mit seinen Sendegefässen eine unglaubliche Macht (ich rede hier nicht von Musicnight, das genau dann läuft, wenn alle unter 40-jährigen im Ausgang sind). Ich behaupte, SF könnte auch einer Kartoffel zum Erfolg verhelfen – wenn sie Mundart singt, natürlich.

      PPS: Ach ja, eines noch, liebe Sänger: Wenn Ihr unbedingt Englisch singen wollt, dann spart Geld, zieht für sechs Monate in eine englischsprachige Stadt – und lernt die verdammte Sprache!!! Sonst gibts vom Fachpublikum nicht Anerkennung, sondern Mitleid.

    47. #47 Marie

      10:15 Uhr, 8.1.2011, Link

      Genau so ist es, wie die Herren Scheff und Unbescholtener Bürger schreiben! Danke für die klare Formulierung. Einige Thesen ertrügen noch eine Ergänzung. Vielleicht lohnt sich deshalb die Fortsetzung der Diskussion, obwohl im Prinzip jetzt alles gesagt ist. (Sonst kommt der Matthias und schmeichelt; „Marie, deine Ausführungen (…) erschliessen sich mir in dem von uns besprochenen Kontext nicht in dem es nach meiner Auffassung primär um internationale Reputation dreht.“)

    48. #48 Nudel

      10:56 Uhr, 8.1.2011, Link

      Hm.. Ich glaube auch, dass vieles mit der mangelnden Kommunikation zu tun hat. Über schweizerische Bands wird kaum in den grösseren Zeitungen berichtet (und in lokalen Zeitungen oft unqualifiziert)… Wenn man nicht ziemlich viel Zeit und Energie aufwendet, sich in der schweizerischen Musikszene, die sich abseits von Radio und Fernsehen abspielt, umzusehen, findet man nur schwer neue interessante Bands, die man in einen Zusammenhang stellen könnte.
      Ich bin dann immer wieder überrascht, wie es passieren konnte, dass ich Herr Bitter, Überreel, Aie ca gicle und ähnliche Bands, die wirklich gute Musik machen, nicht viel früher entdeckt habe.
      Vermutlich haben es Bands in der Schweiz schwerer, weil die schweizerischen Hörer hier in gleichem Masse Hipsters sind wie an anderen Orten und sich immer auf den neusten Trend stürzen, der ihrer Meinung nach international der „state of mind“ ist. Wenn z.B. Pitchfork nicht mehr so viel über „Chillwave“ schreiben wird, werden Bands aus der Schweiz, die in entferntem Masse ähnliche Musik machen, als rückständig betrachtet. Leider hat man dann nicht im Kopf, dass es schon vor dem Hype und auch nach dem Hype Musik gab, die ähnlich klang und ähnlich klingen wird, die gut war und gut bleiben wird. Pitchfork und co. können dann einfach einen Trend durch einen andern ersetzen und müssen sich nicht an geographische Grenzen halten, wie wir das tun müssen, wenn wir von schweizerischer Musik reden. Wir haben das, was wir haben. Und es gibt sehr viel gutes!

    49. #49 Scheff

      18:28 Uhr, 9.1.2011, Link

      @Michael: Eine Präzisierung: Ich schrieb, uns fehlen Leitmedien, die einem Künstler zum Durchbruch verhelfen können. Damit meine ich beispielsweise, dass Airplay und Berichterstattung direkt zu Verkäufen von Alben und Tickets führen weil das Publikum dem Medium vertraut. DRS 3 war ein solches Leitmedium in den 80er für Schweizer Pop- und Rockmusik, Viva in den 90ern für den HipHop. Ich sehe heute hierzulande kein einzelnes Medium, das diese Funktion in den hier diskutierten Musiksparten erfüllt. Das hat nichts mit Lamentieren zu tun, es ist lediglich eine Feststellung.

    50. #50 Exilschweizer

      14:48 Uhr, 10.1.2011, Link

      Vielleicht müssen die Bands einfach auch mal über die Grenzen denken. Warum stoppt jede Band aus der Deutschschweiz ihre Aktivitäten, sobald der Rhein überquert werden muss?
      Die Bands müssen den deutschsprachigen Raum als Ganzes sehen, dann wird’s auch weniger schnell langweilig und Konkurrenz kann ja auch inspirierend wirken… Bands aus Baden-Württemberg (Flächen- und Einwohnermässig ca. gleich groß wie die Schweiz) bewegen sich auch nicht nur in ihrem Bundesland. Klar in D sind die Gagen natürlich nicht so attraktiv wie zu Hause, aber wer wirklich will, muss am Anfang halt auch mal bereit sein für Benzingeld und einen Kasten Bier zu spielen…

      Deshalb:

      „Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen.“

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