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  • GuyVincent: Sensible Kratzbürstigkeit

    Von    |   21. September 2010   |   1 Kommentar

    GuyVincent bringen auf „33 Minutes“ so manches unter einen Hut. Das Debüt der Luzerner ist ein gelungenes Crossover-Experiment voller Gegensätze.

    Die 33 Minuten beginnen ganz sachte. „Risin‘ From Below“ lebt von Piano und Stimme allein. Dann der Bruch: Mit einem humpelnden Rumpelriff stolpert „Somebody Stop Him“ durch die Gehörgänge. Gegensätze bestimmen auch die folgende halbe Stunde. Bei GuyVincent gehen Soulsensibilität und Rockkratzbürstigkeit Hand in Hand.

    Was 2006 als R&B-Experiment von Michel Gsell (Heidi Happy) und Arno Troxler (The Sad Riders) begonnen hat, ist mittlerweile zu einer Art Funk-Rock-Band ausgewachsen. Tönt schrecklich, klingt aber halb so schlimm. GuyVincent bieten auf „33 Minutes“ (Irascible) ähnlich scheuklappenlosen Crossover wie damals die Chilli Peppers mit „Blood Sugar Sex Magik“.

    Die progressiven Songstrukturen und das punktgenaue Timing verraten die fünf Musikhochschulabsolventen, die hinter der Luzerner Allstar-Band stecken. Die Professionalität aller Beteiligten spiegelt sich im kristallinen, live eingespielten Sound. „33 Minutes“ klingt so ambitioniert, dass sich die Floskel vom internationalen Format aufdrängt. Während viele Schweizer Bands alleine schon an ihrem Schwenglish scheitern, klingt die ausdrucksstarke Stimme von Michel Gsell erfreulich weltgewandt.

    Manche dieser neun Songs tragen ihre Einflüsse etwas gar offensichtlich zur Schau: „Talk To Me/You“ klingt wie eine Kollaboration von The Foo Fighters und Queens Of The Stone Age. „Anna“ hört sich an wie ein Radiohead-Song, der von einem Jazz-Crooner gecovert wird. Andere Stücke verweisen dagegen auf subtilere Weise auf ihre Role Models: In „The Clown“ verschlägt es ein R.A.T.M.-Riff nach Seattle. „Still“ weckt dubbige Erinnerungen an das goldene Zeitalter der Wiener Kaffeehausmusik.

    GuyVincent rehabilitieren mit ihrem Debüt so manches, was man zu Recht vergessen glaubte. Mal druckvoll, mal feinfühlig machen diese 33 Minuten Lust auf mehr.

    > GuyVincent „33 Minutes“ im 78s-Soundsystem anhören

    Eine Reaktion

    1. #1 sami

      18:36 Uhr, 22.9.2010, Link

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