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  • Mittelfinger in Richtung Musikblogs

    Von    |   30. April 2010   |   12 Kommentare

    Der amerikanische Musik-Kritiker Chris Weingarten zeigt Musikblogs und damit auch 78s den dicken Mittelfinger. Chapeau!

    Chris Weingarten ist verärgert. Verärgert, weil er wegen SEO-Kriterien seine Texte mit redundanten Keywords versehen muss, verärgert weil er wegen Google-Traffic nur noch über American Idol schreiben kann, verärgert weil es auf Blogs und Twitter nur darum geht der Erste zu sein und nicht der qualitativ Hochstehendste, verärgert weil es bei Hypemachine um Algorithmen und Mathematik geht und nicht um „Taste“, verärgert weil junge Musikblogger ihm seinen exklusiven Musik-Journalisten-Job streitig machen.

    Wie er seine Frustration vorträgt ist ganz grosse Klasse und seine Kritik hat natürlich auch ein paar Funken Wahrheit. Allerdings muss er sich den Vorwurf gefallen lassen etwas gar hämisch-zugespitzt über die Realität herzuziehen, was einen etwas verbitterten Eindruck hinterlässt. So lässt sich die kritisierte Musik-Journalisten-Weltordnung garantiert nicht ändern, geschweige denn rückgängig machen. Aber vielleicht war das auch gar nicht sein Ziel (hoffentlich nicht), sondern er wollte einfach mal seinen Frust loswerden.

    Zum Thema noch ein Zitat aus der „Spex“, das aufzeigt, dass die Schuldigen nicht bloss bei den bösen Bloggern zu suchen sind, sondern vielleicht ein Gesellschaftswandel an sich vonstattengegangen ist, der natürlich auch den Musikjournalismus verändert hat.

    „Neulich habe ich aus meinem Fenster in Prenzlauer Berg geblickt und gedacht: Guck’s dir an, da unten läuft der Geist von Andy Warhol vorbei. Jeder rennt heute herum wie ein Popstar, überall sieht man Graffitis, die Werbung ist allgegenwärtig! Man kann gar nicht mehr erkennen, was ein Witz ist und was ernst gemeint ist. Was ist Popkultur – und was ist Werbung, die mit den Mitteln des Pop für ein Produkt wirbt? Wenn Warhol das sehen könnte: Er würde sich kaputtlachen. Die ganze Gesellschaft ist durchironisiert!“ (Peaches)

    > Vorgetragen hat Chris Weingarten seine Verärgerung an der 140 Character Conference in New York, die Mitte April stattgefunden hat.

    12 Reaktionen

    1. #1 Ryan

      23:02 Uhr, 9.5.2010, Link

      Was das ganze pseudo-Indie Gehype in Zusammenhang mit Twitter betrifft kann man ihm nur zustimmen, Twitter ist kacke und hat mit Musik nichts zu tun.

    2. #2 David Bauer

      10:50 Uhr, 10.5.2010, Link

      Twitter hat mit Musik nichts zu tun. Genauso wie das Internet mit Musik nichts zu tun hat. Oder das Radio. Oder eine Bühne. A priori hat nichts mit Musik zu tun. Aber wollen wir wirklich über solchen Schwachsinn diskutieren?

    3. #3 Ryan

      11:16 Uhr, 10.5.2010, Link

      Das ist kein Schwachsinn, dieser Vortrag zeigt doch sehr pointiert, wie lächerlich die Geschäftsmodelle der (Indie-) Musikindustrie sind, und dazu zählt eben auch Twitter, und anderen Dienste, wo es letzlich nur um Hype und Statistik geht. Ich schlage vor, das Modell der Finanzindustrie zu übernehmen, und den Wert der Bands in Aktien zu bewerten, generiert über Internet Präsenz und Hype. Es würde passen.

    4. #4 David Bauer

      11:27 Uhr, 10.5.2010, Link

      Twitter ist kein Geschäftsmodell. Sondern ein Kommunikationskanal. Spricht hier ein Eunuch über das Kamasutra oder hast du Twitter selber mal ausprobiert?

    5. #5 Ryan

      20:00 Uhr, 10.5.2010, Link

      Nein, nicht Twitter ist das Geschäftsmodell, aber die Art wie man es zu Promo-Zwecken verwendet. Letztlich geht es aber um Kommunikationskanäle ganz allgemein, und um den Zwang, alle verfügbaren Kanäle für Band Promo brauchen zu müssen, um überhaupt aktuell zu sein, um überhaupt dazu zu gehören und wahrgenommen zu werden. Darum geht es u.a. auch im Vortrag. Musik abseits dieser Kanäle würde demnach gar nicht existieren. Mich würde mal wundernehmen, welchen Entwicklungen du in diesem Bereich kritisch gegenüberstehst?

    6. #6 Johannes

      22:18 Uhr, 10.5.2010, Link

      «A musician has to be an internet hustler.»
      Sehr schön!:)

    7. #7 Mathias Menzl

      07:32 Uhr, 11.5.2010, Link

      @ryan: Wenn ich da kurz einhaken darf. Der Eindruck, den man als Band bekommen kann, ob all der Kommunikationsmöglichkeiten, und das Gefühl alles nutzen zu müssen, resultiert ja aus einem Gefühl des überfordert seins. Bands sind überfordert mit den zig Möglichkeiten, sie können sie nicht einschätzen und darum auch nicht entscheiden welche Möglichkeit für sich die Richtige ist, und wettern darum gegen alles (nicht nur Bands übrigens). genau wie das Weingarten eigentlich auch tut. Er ist frustriert und überfordert. Dabei wäre es so einfach: Kommunikationsmöglichkeiten analysieren, und entscheiden welche für einen stimmt und welche man wirklich auch füllen kann mit den Möglichkeiten, die man als Band hat. Man muss ja nicht alle nutzen. Die soziale Erwartungshaltung, die mitschwingt mit neuen Kommunikationsmöglichkeiten, in dem Sinn, dass evoziert wird, dass man die auch alle nutzen muss, wird völlig überschätzt. Dass Twitter nichts taugt für die „Musikberichterstattung“ ist natürlich nonsens. Das weiss auch Weingarten. Sein Rundumschlag entbehrt ja nicht einer gewissen tragi-komischen Ironie und Überspitztheit. Twitter ist im Grunde ein Spiegel der Gesellschaft. Nicht mehr und nicht weniger. Twitter ermöglicht die schnellstmögliche öffentliche Publikation für alle und damit die Hoffnung, mit einem Satz von 140 Zeichen berühmt zu werden. Es gibt Bands die nutzen Twitter, andere melden sich für das grösste Supertalent an. Jedem das Seine. Genauso wie für Bands auch.

    8. #8 David Bauer

      09:45 Uhr, 11.5.2010, Link

      @ryan
      Kurz: Warte bis im Herbst und kaufe dir das Buch, das ich derzeit schreibe. Da steht alles drin.

      Lang: Vielleicht müssen wir uns mal über das Wort „kritisch“ unterhalten. Du verstehst darunter offenbar, zu sagen „Twitter ist kacke“. Das ist nicht kritisch (darum auch meine Frage, inwieweit du dich selber schon mit Twitter befasst hast). Ich stehe allen Entwicklungen in diesem Bereich kritisch gegenüber. Kritisch im eigentlichen Wortsinn: nämlich, dass ich versuche, die Entwicklungen zu beurteilen. Twitter, wie auch jeder andere Kanal, wird niemals wichtiger als die Musik selber werden und gute Twitter-Kommunikation kann auch keine gute Musik ersetzen. Gleichzeitig ist es vollkommen klar, dass Musik heute nicht ohne das Internet auskommen kann. Also gilt es doch, alle verfügbaren Kanäle zu prüfen und jene zu verwenden, die zur jeweiligen Band und dem jeweiligen Geschäftsmodell passen. Früher war es eine super Idee, im lokalen Plattenladen ein Poster aufzuhängen. Heute muss man vielleicht ein bisschen weiter denken. Mit Scheuklappen und pseudo-elitärer Internet-Aversion kommt man da nicht weit.

    9. #9 Ryan

      15:34 Uhr, 11.5.2010, Link

      @David Bauer. Ich habe nicht behauptet, dass alle Kanäle scheisse und sinnlos sind, geschweige denn das Internet ganz allgemein für Musik. Ich finde Profile mit Songs/Info/Shop etc. ganz sinnvoll. Aber (und wenn ich deswegen als pseudo-elitärer Internet-Aversionist abgestempelt werde, na wennschon) die zunehmende Abhängigkeit und Beeinflussung von social networking auf Bands und Industrie finde ich nunmal kacke. Auch wenn es der Realität entspricht.

    10. #10 David Bauer

      17:21 Uhr, 11.5.2010, Link

      Woran machst du denn diese „zunehmende Abhängigkeit und Beeinflussung“ fest? Und inwiefern ist das schlecht?

    11. #11 Johannes

      10:15 Uhr, 14.5.2010, Link

      Weingarten sagt viel Schlaues, zieht seine Schlüsse aber etwas konservativ, geht es doch immer darum, mit neuen Möglichkeiten einen sinnvollen Umgang zu finden. Bin gespannt, inwiefern Herr Bauers Buch uns hier weiter hilft.

    12. #12 Stimmwunder

      14:42 Uhr, 21.1.2011, Link

      Ist das nicht Sinn und Zweck des Netzes an erster Stelle zu stehen und damit bekannt zu werden?

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