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  • Dr. Pop, gibt es mehr gute als schlechte oder mehr schlechte als gute Musik?

    Von    |   29. April 2010   |   4 Kommentare

    Die Suche nach guter Musik gleicht dem Sammeln von Speisepilzen. Vieles ist schwer verdaulich, einiges geniessbar, doch die wahren Delikatessen sind rar gesät.

    Minderjährige Mädchen mit Gitarren, provinzielle Gangster-Rapper und lebensmüde Emos verstopfen die youtube-Kanäle. Auf Musikblogs werden Hipsterbands angepriesen, die ihre Haupteinflüsse aus Modezeitschriften beziehen. Die Printmedien verkaufen mediokren Indierock als intellektuellen Höhenflug. Den lokalen Singer-Songwritern fällt bei der Zugabe nichts Besseres ein, als Hallelujah zu covern. Und die Charts sind zugemüllt wie eh und je – auch wenn man munkelt, dass ein Künstler mittlerweile nicht mehr als ein Dutzend Tonträger verkaufen muss, um in die Top 10 vorzudringen.

    An Sturgeons Gesetz, dass 90 Prozent von allem Mist ist, ist ohne Frage was dran. Das unmenschliche, an auditiven Masochismus grenzende Unterfangen, sich durch den 5,43 Gigabyte grossen SXSW-Torrent zu hören, der sämtliche 1038 Bands umfasst, die in diesem Jahr an der weltweit grössten Musikmesse aufgetreten sind, macht es nur allzu deutlich: Die meiste Musik da draussen ist schlicht und einfach unerträglich. Einfallslose Melodien, platte Texte und geklaute Riffs beleidigen das Gehör auf Schritt und Tritt. Schlechte Musik, so scheint es, ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

    Doch wer sucht, der findet bekanntlich. Wie bei der Pilzsuche braucht es auch bei der Suche nach guter Musik Ausdauer und Beharrlichkeit. Je mehr Erfahrung der Sammler mitbringt, desto eher findet er die Plätzchen, an denen die erlesensten Pflänzchen gedeihen. Bei seinen Streifzügen durch die Vegetation und an Treffen mit Gleichgesinnten lernt der Sammler mehr und mehr Sorten kennen. Freudig stellt er fest, dass der Fundus an Delikatessen beinahe unerschöpflich ist. Seine Ausbeute wird von Jahr zu Jahr grösser und plötzlich sind seine Vorräte so gross, dass er seine Ernte trocknet, einfriert oder in Einmachgläser abfüllt, um sie haltbar zu machen.

    So schlemmt der Connaisseur tagein, tagaus seine Morchel- und Steinpilzgerichte und verachtet die anspruchslose Masse, die mit Dosenpilzen Vorlieb nimmt. Mancher eingefleischte Musikhörer wird, sobald er seine Jugendsünden mit einer beachtlichen Plattensammlung kaschiert hat, zum Fundamentalist. Er zieht in den Dschihad gegen den schlechten Geschmack. Musik wird für ihn zur Religionsfrage: Es gibt viele Irrwege und nur einen heilbringenden Weg. Dabei macht der Fundamentalist allerdings einen Denkfehler. Was er für schlecht befindet, muss nicht unbedingt schlecht sein.

    Dem höchst subjektiven Musikempfinden ist mit objektiven Kriterien allerdings kaum beizukommen. Welche Qualitätsmassstäbe soll man bei der Bewertung von Musik denn auch anwenden? Originalität, Virtuosität, Authentizität? Kommt hinzu, dass die Parameter äusserst undurchsichtig sind – schliesslich haben schlechte Sänger nicht selten die besseren Stimmen. Und welche Instanz entscheidet überhaupt darüber, was gut ist? Ist das gut, was die meisten Hörer findet? Oder das, was die besten Kritiken erntet? Oder das, was das Magazin für bessere Musik unter guter Musik versteht?

    In einem Labor unweit des CERN-Teilchenbeschleunigers ist eine Gruppe von Hirnforschern nun daran, das Problem zu lösen. Mittels MRI wird eine gut durchmischte Probandengruppe untersucht, in der sich vom Metalhead über den Elektro-DJ bis hin zum Klassikfreund alle Ausprägungen der Spezies Musikhörer finden. In der Röhre werden den Probanden verschiedenste Stücke vorgespielt, die sie auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten müssen. Als „Bad Romance“ von Lady Gaga die Synapsen des Metalheads und des Klassikhörers gleichermassen in Wallung bringt, staunt die Forschergruppe nicht schlecht. Als die beiden den Song darauf trotzdem nur mit einer 2 bewerten, wird den Forschern klar, dass die Lösung des Problems noch einige Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

    > Leserfragen an: dr.pop(ät)78s.ch

    4 Reaktionen

    1. #1 stubi

      17:13 Uhr, 29.4.2010, Link

      haha, der schluss ist super :D

    2. #2 David Bauer

      17:34 Uhr, 29.4.2010, Link

      Lady Gaga: klarer Fall eines Bias durch soziale Erwünschtheit.

    3. #3 Fabio

      09:46 Uhr, 30.4.2010, Link

      Kann denn nicht die Originalität im Sinne einer wirklich selbstgemachten künstlerischen Leistung als beinahe objektives Kriterium gelten? Es existiert für mich auf alle Fälle ein sehr objektives Ausschluss-Kriterium, nämlich wenn immer und immer und immer wieder die gleiche Sauce produziert wird. Es muss ja nicht einmal von Beginn weg von anderen abgekupfert sein, es gibt genug Interpreten die sich selber fortlaufend widerholen (wie die Vervielfältigungs Pop-Art bei Warhol, nur etwas mehr Pop als Art und immer im gleichen Farbton).
      Als Konterargument zur implizierten Originalitäts-Forderung muss ich mir jetzt sagen: Musik ist gut wenn sie berührt. Hmmm. Das macht die Sache nicht einfacher, denn ein jedes „La la la“ über die Chords von Knocking on Heavens door berührt sehr wahrscheinlich irgend jemanden da draussen. Mal ganz abgesehen davon, dass man mit drei einfachen Akkorden und einer Melodie eine Perle schaffen kann (siehe zB hier schon mehrfach erwähntes Lied Roscoe von Midlake).
      Ich werde weiter Pilze Sammeln (Steinpilze, yammie) und dabei über die Thematik nachdenken.

    4. #4 Zulu

      00:54 Uhr, 30.5.2010, Link

      Es gibt mehr schlechte Musik. Zumindest, wenn man sich deren Verbreitung anschaut, äh anhört. Der Eurovision Song Contest hats grade eben bewiesen. (Und DRS3 beweists auch täglich). Wobei ich Dr. Pop vollumfänglich zustimme: Das mit gut & schlecht ist sehr subjektiv. Immerhin kann ich beruhigt zurücklehnen und für meine kleine welt behaupten, das bei mir die gute Musik deutlich dominiert.

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