78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

Der geniale Dilettant Daniel Johnston

Von    |   8. Oktober 2009   |   3 Kommentare

Daniel Johnston meldet sich nach sechs Jahren Pause mit einem neuen Album zurück. Auf „Is And Always Was“ verwandelt sich der kultige LoFi-Songwriter zum HiFi-Troubadour.

Daniel Johnston

„I’m just a psycho trying to write a song“, singt Daniel Johnston in „Mind Movies“, dem Opener von „Is And Always Was“. Zeitlebens kämpft der 48-jährige Songwriter und Comic-Künstler schon mit seiner Kunst und seiner Psyche. Doch trotz wiederholten Psychiatrie-Aufenthalten ist Johnston, der Ende der 70er seine ersten Songs auf einen Sanyo-Recorder aufgenommen hat, unverhofft zu Ruhm gekommen. Spätestens seit Kurt Cobain an den MTV-Video-Awards von 1992 ein Daniel-Johnston-T-Shirt getragen hat, ist der gebürtige Kalifornier zur Kultfigur geworden.

Der Dokumentarfilm „The Devil And Daniel Johnston“ sorgte 2005 für einen weiteren Popularitätsschub des US-LoFi-Schwergewichts, dennoch ist der Einfluss von Johnston auf das amerikanische Songwriting bis heute grösser als sein Bekanntheitsgrad. Seine Songs wurden von Beck, Wilco, Sonic Youth, Flaming Lips, Bright Eyes und unlängst von Girls gecovert, um nur einige von vielen Künstlern zu nennen, die Johnston verehren. Auch bei den Krtikern geniesst Johnston einen Ausnahmestatus, weshalb man von „Is And Always Was“ garantiert nirgends einen Verriss lesen wird. Sämtliche Rezensenten des Albums werden frohlocken, dass Johnstons Songwriting nun endlich in jenem Glanz erstrahlt, der dem verkannten Genie Rechnung trägt.

Daniel Johnston - Is And Always WasTatsächlich lässt sich an „Is And Always Was“ wenig aussetzen. Das Album poliert die Demo-Ästhetik von Johnstons Songs ohne je zum über-produzierten Kitsch zu verkommen. Zu verdanken hat Johnston die erdige Produktion Jason Falkner, der bereits mit Paul McCartney, Beck und Air gearbeitet hat, und auf „Is And Always Was“ neben den Reglern auch Gitarre, Bass und Keyboard bediente. Am Schlagzeug sass Joey Waronker, der auch auf dem neuen Air-Album zu hören ist. Exemplarisch für Johnstons Transformation vom LoFi-Songwriter zum HiFi-Troubadour steht das Stück „I Had Lost My Mind“, das Johnston bereits 1982 aufgenommen hat. Aus der Schlafzimmer-Songskizze ist ein druckvoller und doch recht schrammliger Pop-Song geworden.

Natürlich beraubt die edle Studio-Produktion Johnston ein Stück weit seiner Schrulligkeit. Dennoch zeigen Songs wie das komische „Queenie The Doggie“ und das an Neil Young und sein Crazy Horse erinnernde „Fake Records Of Rock’n’Roll“, dass der manisch-depressive Songwriter seine kindliche Seite trotz dem erwachsenen Sound bewahren konnte. Songs wie „Tears“ und „Light Of Day“ sorgen in der zweiten Hälfte des Albums für derart epische Momente, wie man sie Johnston nicht zugetraut hätte.

„Is And Always was“ ist eine liebenswerte und bewegende Platte, die von der ersten bis zur letzten Sekunde Spass macht. Dennoch fragt man sich, ob es im Sinne von Daniel Johnston ist, dass sein Opus Magnum mit einem iphone-App-Game promotet wird. Eine Deluxe-Edition mit einem Bildband wäre eine würdigere Hommage an den Comic-Künstler Johnston gewesen.

Daniel Johnston – Freedom
[audio:http://www.forcefieldpr.com/danieljohnstonfreedom.mp3]

> Albumstream

(Fotocredit: Jack Hill)