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  • Platte der Woche: The Big Pink – A Brief History of Love

    Von    |   8. September 2009   |   14 Kommentare

    The Big PinkWas Alternative-Rock für die Neunzigerjahre war, ist Shoegaze für die ausgehenden Nullerjahre. Der „Schuhstarrer“ avanciert langsam aber sicher zum heimlichen Mainstream.

    Shoegaze ist vielleicht die beste Umschreibung dafür, was sich diesen Sommer als Trend der Stunde herauskristallisiert hat, auch wenn das Genre oder zumindest die Genrebezeichnung an sich nicht wirklich neu ist. My Bloody Valentine gelten als Erfinder des auf die Schuhe starrens. Wer hätte also gedacht, dass nach den eher heiteren Synthie-Pop-Bands wie MGMT und Passion Pit und den sowieso Mainstream-tauglichen Neuauflagen von New Wave aka Editors der Trend in langsamere, verträumtere, gemein ausgedrückt, langweiligere Gefilde abdriftet?

    Den neuen Shoegaze-Hype-Bands The xx und White Lies schwappen aber nicht nur viel Euphorie und Zuspruch entgegen, sondern viele titulieren sie nicht zu knapp als schlicht und ergreifend langweilig. So geht es auch anderen Bands, die sich eher schleppenden Rhythmen, verträumten Melodien, und verzerrten Hooklines hingeben. Die Achtziger sind zwar immer noch massgebend und die Vorbilder sind die gleichen, sie kommen aus dem Post-Punkt und New Wave, aber sie werden nicht mehr vordergründig zugänglich, zuweilen farbig und gar exaltiert interpretiert, sondern düster, zurückhaltend und eingekehrt. Bands wie JJ, Delorean, Washed Out, Neon Indian, Memory Cassette, Air France, The xx oder eben The Big Pink vefolgen genau diese Stossrichtung. Und am Ende klingen sie irgendwie alle wie Kate Bush.

    Die Wurzeln von The Big Pink liegen im Industrial-Sound und im Electro-Clash. So hat Robbie Furze bei Panic DHH und Alec Empire erste Erfahrungen gesammelt, während sein Kompagnon Milo Cordell sich vor allem als leitendes Mitglied des Merok-Labels einen Namen gemacht hat, das verantwortlich zeichnete für die Eroberungsfeldzüge von The Klaxons und den Crystal Castles.

    Mit The Big Pink kommt nun die Essenz dieser Erfahrungen aufs Parkett. The Big Pink kommen dabei mit vermeintlich bombastischem Shoegaze daher. Die harten Gitarren-Riffs, die man sich von Nine Inch Nails und Konsorten gewohnt ist, werden in Watte verpackt, mit poppigen Melodien versehen, mit nasalem und nonchalantem Gesang unterlegt und in Monotonie eingelullt ohne dass die Emotionalität erstickt wird. Die Vergleiche lassen sich auch auf das Produzenten-Team zurückführen. Im Hintergrund werkelten Alan Moulder (My Blood Valentine, NIN, Smashing Pumpkins) und Rich Costey (Mastodon, Muse, New Order). Die harten Momente von „Velvet“ sind auf  „A Brief History of Love“ eher die Ausnahme. In ihren wirklich grossartigen Momenten zeigt sich die Band reduziert, nimmt Tempo weg, verstrickt sich in Samples und Kakophonie, wie zum Beispiel im grandiosen The Cure-Cover „Love Song“. Herrlich.

    Shoegaze, wenn man es bei dieser Bezeichnung belassen möchte, hat auf seine Einzelteile heruntergebrochen durchaus langweilige Komponenten in sich, so sind auch negative Voten wie bei The xx durchaus verständlich. Zum Ende gehen aber bei The Big Pink genau wie bei The xx Schönheit, Monotonie, Lärm und Dissonanz eine nahezu perfekte Symbiose ein ohne dass sie sich Konkurrenz machen wollen. Unaufgeregt halt und beinahe langweilig. Aber gerade dieser Husarenritt auf Messers Schneide, der drohende, fatale Absturz in die musikalische Nichtaussage macht diese Bands vielleicht so interessant.

    > The Big Pink „A Brief History of Love“ erscheint am 11. September. Heute Abend auf DRS Virus gibt’s ab 20 Uhr in „78s und Barbara Weber“ einen brandheissen The Big Pink-Remix von Gang Gang Dance zu hören.

    The Bing Pink – Velvet
    [audio:http://www.beggarsgroupusa.com/mp3/Velvet_TheBigPink.mp3]

    The Big Pink – Dominos
    [audio:http://www.beggarsgroupusa.com/mp3/thebigpink_dominos.mp3]

    14 Reaktionen

    1. » Musik im September: Die Zusammenfassung | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    1. #1 Kai

      10:05 Uhr, 8.9.2009, Link

      Über The Big Pink hätte ich das aber niemals geschrieben. Da liegen Welten zwischen.

    2. #2 Patrik

      15:09 Uhr, 8.9.2009, Link

      The Big Pink wissen zu gefallen -aber was diese Band oder auch The xx mit Kate Bush zu tun haben sollen, das werd ich wohl nie verstehen…

    3. #3 vinthelad

      17:55 Uhr, 8.9.2009, Link

      zu the xx:
      ihr wollt mir doch nicht im ernst erzählen, dass sich bei all dem
      minimalismus niemand ihre gemurmelten texte angehört hat…?

      „I find shelter in this way
      undercover, hide away
      can you hear, when i say
      i have never felt this way“…

      „I still want to drown
      whenever you leave
      please teach me gently
      how to breathe“…

      schluss mit der elenden euphorie – hört euch was anständiges an.

    4. #4 Uas

      23:42 Uhr, 8.9.2009, Link

      Das mit Kate Bush möchte ich doch auch noch etwas ausführlicher erklärt bekommen …

    5. #5 Mathias

      07:44 Uhr, 9.9.2009, Link

      @kai: sorry, wollte dir nichts unterstellen. hab deinen eintrag nur als beispiel verlinkt.

      @uas, @patrick: zum vergleich mit kate bush: ist 50% ironisch und 50% wirklich so gemeint. zu den zweiten 50%: die bedrückende stimmung von kate bush wiederspiegelt sich irgendwie in all diesen 80er-shoegaze-dream-pop-revival bands. das kann man nun als völlig an den haaren herbeigezogen betrachten oder auch nicht. da schwingt halt vor allem das subjektive empfinden und erleben eine rolle.

      @vinthelad: die lyrics-diskussion kommt meiner meinung nach immer dann auf, wenn man verzweifelt nach etwas sucht, das eine band schlecht macht. wenn du immer auf die lyrics schauen würdest, dann wären wahrscheinlich 90% der bands, die du hörst nicht wirklich gut, sondern eher peinlich.

    6. #6 vinthelad

      09:27 Uhr, 9.9.2009, Link

      @Mathias: hier wird eine toleranzgrenze überschritten. es gibt selbstverständlich
      musik, da dürfen die texte cheesy sein. aber im falle von the xx sind sie nur ein weiteres
      indiz für die substanzlosigkeit ihrer musik.

    7. #7 Mathias

      13:29 Uhr, 9.9.2009, Link

      dann gehst du aber davon aus, dass sie musikalisch ebenfalls substanzlos sind. da unterscheiden wir uns halt diametral.

    8. #8 vinthelad

      14:22 Uhr, 9.9.2009, Link

      das hast du richtig erkannt.

    9. #9 starttomelt

      14:22 Uhr, 10.9.2009, Link

      The xx und White Lies sind keine Shoegaze-Bands. Mehr kann man eigentlich nicht dazu sagen. Und das Big Pink-Album ist ziemlich enttäuschend. Genauergesagt: Die Albumtracks können mit den schon bekannten Singles nicht mithalten. Schade… Meine Erwartungen waren hoch.

    10. #10 Mathias

      08:01 Uhr, 11.9.2009, Link

      @starttomelt: wie so oft ist eine differenzierte Sicht notwendig. der monokausale schluss „The xx und White Lies sind keine Shoegaze-Bands“ mag als pauschale Aussage für dich zutreffen, wenn du genauer hinhörst, dann solltest du aber durchaus Anleihen und Elemente von Shoegaze erkennen. Sonst hörst du nicht genau genug. und Singles klingen immer schöner als ein ganzes album, vor allem wenn man nur hits erwartet.

    11. #11 KinK

      12:04 Uhr, 16.9.2009, Link

      das The XX rein gar nichts mit shoegazing am hut haben, wurde hier wohl schon diskutiert. ich kann das nur unterstreichen. Was aber noch ungeheuerlicher an diesem review ist: wo bitte ist auf der Big Pink platte ein cover von Cure’s Lovesong zu finden? arrggh

    12. #12 Mathias

      13:48 Uhr, 16.9.2009, Link

      the xx sind keine reine shoegazer-band, das ist klar, wird hier aber auch nciht behauptet, sie nehmen aber ganz klar elemente von shoegaze auf, was sie somit zu nu-gazern macht. das könnt ihr hier noch so lange wegdiskutieren wie ihr wollt. der Love Song ist in der tat nicht auf der platte drauf, sondern nur bei mir im iTunes ;). Hier gibts die Version auf youtube:

      http://www.youtube.com/watch?v=NTh1MwVtCAQ

    13. #13 sponk

      18:06 Uhr, 5.11.2009, Link

      shoegaze war für mich nie ein musik-stil, sondern ein verhaltensmuster bestimmter bands aus einer bestimmten zeit, die sich gekannt haben, befreundet waren und damit letztendlich auch zT ähnliche musik gemacht haben. genauso könnte man fleet foxes, bowerbirds, animal collective usw als „zoogazers“ bezeichnen (lol) und mehrstimmige harmonien, ungebremster haarwuchs und sanft angepopptes liedgut kurzerhand so betiteln. 30 jahre nachdem es bei den beach boys einfach „pop“ hiess.
      aus solchen, nenne wirs mal strömungen, stilelemente zu destillieren die von völlig anders operierenden bands aufgegriffen und verwendet werden klingt für mich mächtig nach nerd-masturbation. es muss nicht alles verkontextualisiert werden, bis jegliche magie zwischen stapelweise spex-ausgaben vertrocknet ist.

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