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  • Die Renaissance der Kompaktkassette

    Von    |   27. August 2009   |   8 Kommentare

    Allerorts heisst es, Tonträger hätten keine Zukunft. Dennoch setzen viele Kleinstlabels wieder auf Kassetten. Ein Anachronismus, der Ausdruck unserer Sehnsucht nach etwas Greifbarem ist.

    Tapes von Paradise VendorsDie Einmannband Washed Out ist mit ihrem Sound absolut auf der Höhe der Zeit. Der Synth-Pop von Ernest Greene passt perfekt zu den neoromantischen Newcomern, die in diesem Sommer für Aufsehen gesorgt haben – JJ, The XX und Deastro. Doch Ernest Greene veröffentlicht seine neuen Songs nicht etwa auf CD oder Vinyl, sondern auf Kassette. Das auf 100 Stück limitierte Tape erscheint im September bei Mirror Universe Tapes. Ein Download-Code ist selbstverständlich inbegriffen.

    In eine ganz andere musikalische Kerbe hauen Telephone Explosion Records aus Toronto. Die Bands des Labels frönen dem Gitarrenlärm in der heimischen Garage, wo sie auch ihre Tapes aufnehmen. Auf eBay haben die Labelbetreiber eine professionelle Kassetten-Kopiermaschine erstanden, mit der sich ein Mastertape auf vier Kassetten überspielen lässt. Läppische 50 Dollar haben sie für das Gerät bezahlt, das einst 10’000 Dollar Wert war. Auch für die Kanadier ist das Analogtape in erster Linie ein preiswertes Vehikel für die digitalen Files. Die Kassette ist vom Tonträger zum Kunstobjekt geworden, das die haptischen Defizite des MP3-Formats aufwiegen soll.

    Auch in Europa feiert die Kassette eine Renaissance. Wilhelm Show Me The Major nennt sich ein Label aus Graz, das Musik von Bands aus dem Umfeld von Killed By 9V Batteries vertreibt (über die wir auch schon einige Male berichtet haben). Ein Dutzend Alben und Compilations haben die Österreicher mittlerweile auf Kassette veröffentlicht, auch sie liefern einen Download-Code mit. In England sind es Labels wie Suplex Cassettes und Paradise Vendors, die ihre Musik auf Tonband unter die Leute bringen. Die beiden Labels aus London veröffentlichen das, was am besten auf Tapes passt: LoFi. Und sie gehören zu den letzten radikalen Kassettenlabels: Wer ihre Musik hören will, muss ein Kassettengerät besitzen – einen Download-Coupon gibt es nicht.

    Durch die Kompaktkassette ist das Reproduzieren von Musik für jedermann erschwinglich geworden. Die Kassette, die anfangs von der Musikindustrie genauso verteufelt wurde wie das MP3-Format, war das ideale Medium für die DIY-Kultur der frühen 80er. Ein Grossteil der Post-Punk-Revolution hat auf Tonband stattgefunden. Mixtapes wurden ausgetauscht und Kassettenlabels schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Geschichte wiederholt sich: Die Mixtapekultur ist heute lebendiger denn je. Unter den jungen Labels der Gegenwart herrscht eine ähnliche Aufbruchsstimmung wie damals, denn mit dem MP3-Format haben Kleinstlabels das erste Medium in der Hand, dessen Vervielfältigung keinen Rappen kostet.

    Das entkörperlichte MP3-Format wirkt auf viele Musikliebhaber jedoch seelenlos. Die Sehnsucht nach etwas Greifbarem wächst. Neben Kassetten feiern gegenwärtig auch Floppy-Discs ein kleines Revival. Nie haben mehr Medien nebeneinander existiert als heute. Die jungen amerikanischen Labels Digitalis Industries und Leftist Nautical Antiques zeigen, wie der moderne Independent-Musikverlag aussehen könnte: Neben Vinyl, CDs, Downloads und Büchern bieten die beiden Labels limitierte Kassetten an. Auch wenn die Musik für die breite Masse mittlerweile auf dem Computer spielt – der Untergrund der Zukunft agiert multimedial.

    8 Reaktionen

    1. Die Kassette lebt | funkygog Blog
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    1. #1 Silvio Serioso

      12:21 Uhr, 27.8.2009, Link

      So ein schöner Text zu lesen erfreut mein Kassettenherz! Danke

    2. #2 starttomelt

      13:43 Uhr, 27.8.2009, Link

      ein bisschen seltsam, dass Fuck It Tapes nicht erwähnt wird.

    3. #3 Ruudi

      16:39 Uhr, 8.9.2009, Link

      Bei Interesse an dem Tonträger: Kompakt-Produkte Website, Web-Archiv eines der ersten Kassetten-Labels.
      Gruß

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