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  • Tortoise und die beschwerliche Reise ihres Jüngsten

    Von    |   16. Juni 2009   |   2 Kommentare

    Nach fünf Jahren Brutzeit entschlüpfte der alten Chicagoer Schildkröte und Mutter des krautigen PostRock wieder ein reguläres Kind – das sechste – mit etwas beschwerlichem Gang in erwartungsvolle Ohren.

    Seit knapp 20 Jahren gelten Tortoise als PostRock-Pioniere, obschon sie mit ihren jazz-affinen, durchgestylten und doch lockerflockigen Kompositionen das Genre immer weiter ausdehnen. Der Vorfreude auf die neue Platte waren zwei Songs des Tages gewidmet, seit Anfang Juni ist „Beacons Of Ancestorship“ (Thrill Jockey/Irascible) in Europa erhältlich. 

    Angekündigt war das Album (mal wieder) als das progressivste Werk der Band. Und so ist der Weg der neugeborenen, sagen wir mal, ‚Wasser‘-Schildkröte zum im Gehörgang lodernden Leuchtfeuer der Vorgänger denn auch kein leichter:

    Kurz nach dem Eischlupf und Beginn ihrer Strand-Mission gerät die Kleine zwischen die ekstatisch stampfenden Füsse ausgelassen feiernder Städter (High Class Slim Came Floatin‘ In), denen sie nur dank an Retro-Thriller erinnernde Agententricks auszuweichen vermag (Prepare Your Coffin). Kaum in Sicherheit, wird sie von einer jolenden Schar Greifvögel hin- und hergeschupst (Northern Something), der sie aber in einem leichtfüssig gedribbelten Spiessrutenlauf entkommt (Gigantes). 

    Vom Schrecken erholt, hüpft ihr ein leicht beschwipster Super Mario auf den Kopf (Penumbra), der dann brummt als bespringe sich darin ne Gruppe Punks (Yinxianghechengqi). Nach Abklingen der Schmerzen wähnt sie sich in einem Spaghetti-Western und schleppt sich im Sonnenaufgang dem funkelnden Wasser entgegen (The Fall Of Seven Diamonds Plus One), jedoch nicht ohne krimimässig wachsam zu bleiben (Minors). Allein von einem neugierigen, etwas schwerfälligen Krebs beäugt und umtänzelt erreicht sie schliesslich ihr Ziel (Monument Six One Thousand), preist den grossen Moment des Glücks mit pastoralem Dank (de Chelly) und lässt sich auf dem Rückenpanzer schaukelnd ins offene Meer raustreiben (Charteroak Foundation).

    Die gelegentliche Beimischung verzerrter, technoid-noisiger Elemente macht die (Hör-) Reise zwar abwechslungsreich bis aufregend, zuweilen aber etwas mühsam. Der natürliche Flow wird gestört, komplexe Harmonien zerstört und der Hörgenuss ein klein wenig beeinträchtigt. Dennoch wird auch der jüngste Tortoise-Wurf in die einzigartig bunte Korallenbucht der Geschwister finden.  

    Wie die Musik zeugt auch das Video zu ‚Prepare Your Coffin‘ von hohem Gespür für Formen und Schnitte:     


    vimeo Direktlink

    2 Reaktionen

    1. » Nichts ist unmöglich: Tortoise | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    1. #1 Patrik

      19:57 Uhr, 23.6.2009, Link

      Gut geschrieben Marco.

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