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  • Gesetz gegen Raubkopierer: U2-Manager und französische Regierung düpiert

    Von    |   11. April 2009   |   0 Kommentare

    Die französische Nationalversammlung hat ein Gesetz gegen Raubkopierer überraschenderweise abgelehnt. Der schärfste Verfechter ist U2-Manager Paul McGuinness. Die erhoffte Signalwirkung bleibt aus.

    U2-Manager Paul McGuinness fällt in jüngster Zeit nicht mit glücklichen Entscheidungen auf und noch weniger mit geglückten Äusserungen. Wer für den ziemlich misslungen Justice-Remix von „Get On Your Boots“ verantwortlich ist, diese Frage kann hier nicht beantwortet werden. Sicher zu einem grossen Teil Justice selber, aber wohl auch Paul McGuinness. Ein U2-Remix an sich ist ja kein verwerfliches Unterfangen, allerdings zeugt die Wahl von Justice nicht gerade davon, dass man weiss, was gerade ‚wirklich‘ angesagt ist.

    Dazu gehört auch, dass man sich eher nicht mit der Internet-Generation anlegen sollte. Aber genau das tut Paul McGuinness unaufhörlich. Er ist bekannt dafür, mit dem verbalen Zweihänder gegen die Internet-Community zu wettern. Seine Ansichten sind, sagen wir mal, nicht gerade revolutionär. Er ist ein Verfechter von mehr Protektionismus und sagt jedem alternativen Business-Modell die Funktionstüchtigkeit ab.

    In einem aktuellen Artikel, den er ursprünglich für den französischen Le Figaro geschrieben hat, gratuliert er dem französischen Parlament und Nicolas Sarkozy zu ihren neusten Coup, dem sogenannten „Three-Strikes-Law“. Kern dieses Gesetzes ist das sogenannte „abgestufte Vorgehen“ (réponse graduée) gegen illegales Filesharing. Dieses erlaubt privaten Unternehmen, in diesem speziellen Fall den Service-Providern, das befristete Aussperren von Internet-Usern, die mit illegalem Herunterladen gegen die Gesetzesbestimmungen verstossen.

    Der fehlbaren User erhält eine erste Warnung per E-Mail. Bei abermaligem Verstoss kommt die Unterlassungsforderung per eingeschriebenem Brief. Beim dritten Mal soll für mindestens zwei Monate der Internetzugang gesperrt werden, nicht aber TV- und Telefondienst. Für diesen Zeitraum sollen dem Nutzer keine Kosten entstehen (in einer ersten Fassung des Gesetzes hätten die User sogar noch weiter bezahlen müssen).

    Das sogennante „Loi HADOPI“ ist aber nicht nur bei der französischen Bevölkerung, sondern auch beim Parlament selbst sehr umstritten. So kam es, das in der letzten Lesung am vergangenen Donnerstag, das Gesetz dank eines Überrumpelungsmanövers der sozialisitschen Opposition mit 21 zu 15 Stimmen abgelehnt wurde.

    Ein Grossteil der Abgeordneten des Regierungslagers war der Abstimmung während der Mittagszeit ferngeblieben, während die sozialistische Opposition in letzter Minute ein Dutzend Deputierte, die sich hinter einem Vorhang in der Wandelhalle des Parlaments versteckt gehalten hatten, ins Plenum schickte und auch mit Hilfe zweier abtrünniger Parlamentarier aus dem Regierungslager die Vorlage zu Fall bringen konnte.

    Sarkozy zeigte sich zutiefst enttäuscht. Die Musikindustrie wohl auch (eine Stellungnahme ihrerseits konnte ich nicht finden), denn vom Ausgang der Abstimmung erhoffte sie sich eine Signalwirkung in Europa. Dazu könnte es freilich immer noch kommen. Auch wenn sich die Bedenken selbst innerhalb der Regierungspartei nun in überraschend deutlicher Weise manifestiert haben, besteht die Chance, dass bei einem neuen Anlauf die parlamentarische Hürde überwunden werden könnte.

    Zurück zu Herrn Guinness und seinem Beitrag im Le Figaro. Der Artikel, der auch im Guardian erschienen ist, und bei dem es um diese französische Gesetzesvorlage geht, glänzt mit folgenden Hauptaussagen:

    There are a few simple reasons why the new law deserves strong support. First, the crisis in our music community is real. A generation of artists, all over France, and further afield, are seeing their livelihoods destroyed, their career ambitions stolen. Investment that should help them build careers is draining out of the industry. This isn’t just a shift in the business model from recorded to live music. It’s a catastrophe for all the business models, old and new. It is a myth that artists can build long-term careers on live music alone….

    There are clearly people who oppose the new law, but I have not heard of any viable economic alternative to the system now being introduced, committing ISPs to helping protect copyright. The only other proposals offered look like solutions produced for the laboratory, not for the market place.

    A system of escalating warnings, with the ultimate deterrent of temporary internet disconnection for the wilful lawbreaker, is a transparent and proportionate way of influencing consumer behaviour. And it has absolutely nothing to do with a surveillance society.

    Abgesehen davon, dass Herr Guinness auf ein sterbendes Rennpferd zu setzen scheint, ist es nicht unbedingt schlau, im Internet-Zeitalter nach Protektionismus zu verlangen und dann das Gefühl haben, dass die CD-Verkäufe wieder rasant ansteigen. Hallo Logik? Hallo Erfahrung? Hallo gesunder Menschenverstand?

    Herr Guinness sollte das Ganze vielleicht mal ganz nüchtern betrachten. Sein Argument, dass junge Bands im Internetzeitalter keine Perspektiven mehr hätten, ist wohl nicht ganz auf Fakten basierend. Alternative Business-Modelle existieren sehr wohl, wie auf 78s auch schon dargelegt wurde.

    Und wie erfolgsversprechend ist wohl ein Business-Modell, das Protektionismus heisst? Ausserdem: U2s Live-Business-Modell gemischt mit CD-Verkäufen läuft ja immer noch sehr gut mit angeblich 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Vielleicht sollte Herr Guinness mit seinen Kumpels von der Musikindustrie einfach mal Tabula Rasa machen. Denn zurzeit läuft gerade vieles sehr falsch. Diese jüngst erschienene Studie wäre wieder einmal ein Anlass hierzu. (unter anderem via)

    78s wird seit Juni 2015 nicht mehr redaktionell betreut. Die Kommentarfunktion ist deswegen deaktiviert.

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