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  • Dr. Pop, warum kann das Publikum nicht einfach mal die Klappe halten?

    Von    |   3. März 2009   |   24 Kommentare

    Ein gutes Publikum ist für einen gelungenes Konzert fast so wichtig wie eine gute Performance. Allzu oft geht die Musik im Gequassel unter.

    Jeder Konzertgänger hat es schon am eigenen Leib erfahren müssen. Man freut sich auf einen magischen Konzertabend und wird enttäuscht. Nicht von der dargebotenen Musik, sondern vom Publikum. Ins rechte Ohr dringen Bruchstücke einer Beziehungskiste, ins linke Episoden eines Auslandaufenthalts. Man macht einen Schritt nach vorn und richtet seine Lauscher mit aller Kraft Richtung Bühne, doch das Geplapper bleibt so unüberhörbar wie ein Tinnitus.

    Das Phänomen ist fast ausschliesslich an kleineren Konzerten zu beobachten, wo die Anlagen zu klein sind, um gegen das Gequassel anzukommen. Musiker mit einer melancholischen Ader, insbesondere Singer-Songwriter, fallen dem Mitteilungsbedürfnis des Publikums besonders leicht zum Opfer. Sie offenbaren ihre Seelen mit intimen Geschichten, doch das Publikum hört weg. Ist der Bann einmal gebrochen, gibt es kein Zurück mehr. Schon nach wenigen Songs wird aus dem anfänglichen Getuschel ein Gemurmel, das schliesslich in einem ausgelassenen Geschwafel und Gelächter gipfelt. Machen die ersten Reihen„Psssssst“, verstummen die Störefriede kichernd, um kurz darauf ihre Konversationen wieder aufzunehmen.

    Ein Musiker muss ein dickes Fell haben, um sich von einem unaufmerksamen Publikum nicht verunsichern zu lassen. Die Fans in den ersten Reihen schämen sich fremd und fragen sich, warum sie ihre Lieblingsmusiker mit derart respektlosen Menschen teilen müssen. Wieso bezahlen diese Leute Eintritt, wenn ihnen die Musik am Arsch vorbei geht? Doch vielleicht glauben sie, Narrenfreiheit zu geniessen, gerade weil sie Eintritt bezahlt haben. Meist reicht eine Gruppe von Plaudertaschen, die den Ball – meistens von der Bar aus – ins Rollen bringt. Der Dominoeffekt tut das Übrige. Unaufhaltsam rollt die Gesprächswelle Richtung Bühne, Reihe für Reihe erstickt sie die Musik, bis man sich plötzlich selbst beim Plappern erwischt.

    Die Spassgesellschaft hat Mühe aufs Maul zu sitzen, denn still Spass zu haben ist schwierig. Geduld ist in unserer schnelllebigen Zeit zu einer raren Tugend geworden, auch wenn es um den Konsum von Kunst geht. Erst recht am Wochenende. Da lässt man sich die Feierlaune nur ungern von nachdenklicher Musik verderben. Vielleicht hat auch das Internet Mitschuld daran, dass wir nicht mehr zuhören können. Der Homo-2.0 leidet an einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Wir haben immer mehr Mühe, uns auf etwas einzulassen. Unsere Aufmerksamkeitsspanne reicht kaum noch über ein youtube-Filmchen hinaus.

    Am Sonntagabend hingegen, wenn der Büroblues allmählich die Gemüter erfasst, ist die Stimmung an Konzerten meist auch in den stillsten Passagen so andächtig wie in einem Gottesdienst. Vielleicht sollte man melancholische Musik einfach nur noch am Sonntag buchen. Oder an Konzerten nach dem Rauch- auch ein Sprechverbot einführen.

    > Leserfragen an Dr. Pop, den Briefkastenonkel von 78s, an: dr.pop(ät)78s.ch

    24 Reaktionen

    1. #1 Phil

      17:56 Uhr, 3.3.2009, Link

      Welch wahre Worte Herr Doktor!

    2. #2 the aeschli

      18:43 Uhr, 3.3.2009, Link

      http://www.facebook.com/group.php?gid=42703751391

    3. #3 Sabrina Stallone

      19:08 Uhr, 3.3.2009, Link

      dem kann ich nur beipflichten, kollege pop!
      besonders beliebt sind auch die miesmacher, à la „meine tote grossmutter hätte ja mehr charisma als dieser typ“, „muss ich also nur drei akkorde spielen können und lange haare haben, um auf europatournee zu gehen?“, und und und..

    4. #4 David Bauer

      21:29 Uhr, 3.3.2009, Link

      Unvergessen Robin Proper Sheppard, der im El Lokal den lautesten Plauderi direkt angesprochen und verbal zusammengefaltet hat. Hat gewirkt. Zumindest für den Abend.

    5. #5 jkr

      22:43 Uhr, 3.3.2009, Link

      Fast so schlimm (oder noch schlimmer?): Der Kollege der neben einem steht und die schönsten Songpassagen in einer komplett anderen Tonart mitzusingen versucht als der Sänger – da kann man nur flüchten…

    6. #6 CerpinTaxt

      23:01 Uhr, 3.3.2009, Link

      wenn ich schaue, was da alles so in die konzertlokale strömt, wundert mich das gar nicht. ein paar tauchen da auf, um sagen zu können, dass sie da waren. für andere wiederum ist die band, welche spielt, so was wie hintergrundmusik. und manche wissen nicht wohin und dann gehen sie halt mal an ein konzert, egal wer spielt. wenn sie dann merken, dass ihnen die musik nicht passt, fangen sie halt an zu plappern. mit eintritt hat das überhaupt nichts zu tun. und die hobbypsychologie im zweitletzten abschnitt ist mir zu platt. an festivals ist es doch nichts anderes. viele gehen hin, um dort gewesen zu sein – um zu feiern, saufen, tanzen, was weiss ich. die musik und bands interessieren einige einen scheissdreck. wieso sollte es sie also stören, wenn sie das konzert stören? vielleicht hat es vielmehr etwas mit wertschätzung zu tun als mit geduld und aufmerksamkeit.

      in zeiten von svp-wahlkampagnen respekt und vernunft zu verlangen ist jedoch müssig. es gehen halt nicht mehr nur elitäre musikkenner mit unantastbarem geschmack an ein indiekonzert (jetzt mal überspitzt formuliert). p.s.: wenn sprechverbot, dann nicht auch mitsingverbot? kann ja auch nicht das ziel sein, oder?

    7. #7 Matthias

      00:28 Uhr, 4.3.2009, Link

      „Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht mehr los“ so oder so ähnlich könnte es manch Booker/Veranstalter am Wochenende über die Lippen gehen.

      Neulich 1 war ich mit einer Band unterwegs. Wir hatten 110 Zahlende von denen ca. 60 sich das Konzert angeschaut haben die anderen 50 haben es vorgezogen im separaten! Raum an der Bar zu sitzen. Und das obwohl sie Eintritt bezahlt haben. Schräg.

      Neulich 2 war ich mit einem Ein-Mann Orchester unterwegs. Samstag: 200 Zahlende-> Lärm, stage diving, Zugaben, 1 CD verkauft. Sonntag: 25 Leute bei freiem Eintritt/Kollekte, Ruhe, Aufmerksamkeit und 5 verkaufte CDs.

      Der Veranstalter braucht „Zahlende“ der Musiker „Zuhörende“.

    8. #8 u.e.

      08:36 Uhr, 4.3.2009, Link

      schlimmste erinnerung diesbezüglich ist ein konzert von eleni mandell im ziegel (rote fabrik) vor bald zwei jahren. die lautesten schnorris waren zwei angestellte des tages-anzeigers…im verlauf des konzertes bildete sich um die zwei ignoranten (ein mann, eine frau) eine kreisförmige lücke. was die beiden nicht davon abhielt, ihren medientratsch in schamloser lautstärke fortzuführen. als veranstalter hätte ich die beiden vor die tür gesetzt….in solchen situationen brauchts wohl einfach mehr zivil-courage, auch von den zuhörern selber.

    9. #9 thegrid

      10:08 Uhr, 4.3.2009, Link

      Amen!
      Das ist mir so zum letzten mal wieder aufgefallen beim Emiliana Torrini-Konzert (Alte Börse), vor allem bei ihrer schönen und ruhigen Vorband. Aber die vorbands haben eben immer einen extrem schweren Stand…

    10. #10 stöff

      10:19 Uhr, 4.3.2009, Link

      Mein schlimmstes Erlebnis war vor ein paar Jahren bei Eels With Strings in Altstetten – das ultimative Zuhör-Konzert. Drei Damen hinter mir tratschten die erste Viertelstunde lang ununterbrochen. Irgendwann drehte ich mich um und bat höflich um Ruhe. Die eine machte einen blöden Spruch a la „Mimösli“ oder so, aber dann war zum Glück Schluss.
      Bei einem Depeche Mode-Konzert im Hallenstadion wurden ein Kollege und ich von ein paar Dauerquasslern derart aggressiv angemacht, nachdem wir um Ruhe baten, dass wir sogar einen anderen Platz in der Halle suchen mussten. Die Typen hatten jeder 65 Franken bezahlt, nur um bei lauter Musik reden zu können!
      A propos Mitsingen: ich hatte bei Stiller Has im Volkshaus mal einen neben mir, der hat wirklich versucht, mit Endo Anaconda mitzusingen! Wer Endo und den Has schon mal live gesehen hat, der weiss: das geht nicht, nichts wird auf der Bühne so gesungen wie auf der CD! Läck, war das schlimm!
      Und zuletzt noch dies: Es gibt diese berühmte Live-Aufnahme von Jeff Tweedy (Wilco), als er bei einem Soloauftritt plötzlich einen Song unterbricht, weil die Zuschauer plaudern und SMS schreiben. Dann diskutiert er drei Minuten lang: „Am I not playing the right songs? Am I not pouring my heart out up here for you?“ Grossartig, siehe youtube: http://www.youtube.com/watch?v=ew3AOlbJXos

    11. #11 S.

      11:18 Uhr, 4.3.2009, Link

      Der Homo-2.0 leidet an einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Die Lösung1: Ritalin für alle! Die Lösung2: Kifft mehr!

    12. #12 Dominique Marcel Iten

      11:46 Uhr, 6.3.2009, Link

      Danke für das Video Stöff…das ist einfach nur köstlich =) Der Herr Tweedy spricht mir (wieder einmal) direkt aus dem Herzen.

    13. #13 Torrez

      10:22 Uhr, 11.3.2009, Link

      Wie wahr. Gestern Abend am Polarkreis 18 Konzert ist mir das auch wieder aufgefallen: Während den ruhigen Passagen (und da gab es ein paar) wurde getratscht, gelacht und das in einer lautstärke, das man sich fast schämen musste. Ich finde es nicht nur der Band gegenüber unglaublich respektlos, sondern auch den Zuhörer und Zuschauer. Ich bezahle ja nicht 30.- für ein Konzert, und spreche dann das ganze Konzert mit Kollegen….Jeff Tweedy’s Reaktion ist also die einzig richtige.

    14. #14 Anja

      11:13 Uhr, 11.3.2009, Link

      Ja, gestern Abend am Polarkreis 18 Konzert hat mich das Getratsche auch sehr gestört. Es war ein so schönes Konzert, da ist es total daneben, über irgendeinen Ex zu reden, während Felix wunderbare hohe Passagen singt…
      Aber die Band hat mich sehr begeistert! :-)

    15. #15 vmfd

      14:18 Uhr, 11.3.2009, Link

      auch unvergesslich: twilight singers auf dem schiff in basel im sommer 2007. greg dulli bricht den song ab, zeigt auf ein paar schnoddergoofen die direkt am bühnenrand stehen, der band den rücken zudrehen und rumalbern: „you, you, you and you. get the fuck out! i’m not playing anymore as long as these assholes are in the room.“. und weg waren sie. dulli startete den song wieder mit den worten „it’s called respect and i have deserved it.“ amen to that.

    16. #16 el pablo

      23:21 Uhr, 11.3.2009, Link

      ist mir auch schon an einem cat power konzert vor einiger zeit passiert. das war glaubs noch in der guten alten boa in luzern. im hinteren drittel dauernd geschwafel. tammi, wenn man nicht mal der ruhig zuhören kann stimmt doch echt was nicht mit einem.

    17. #17 phipu

      02:28 Uhr, 13.3.2009, Link

      so und jetzt umarmen wir uns alle.

    18. #18 silvii

      16:35 Uhr, 13.3.2009, Link

      Bei The Futureheads im abart haben sich sogar mal 2 Mädchen, die die ganze Zeit Cüpli tranken, während dem Konzert auf die Bühne gesetzt. Fand ich auch saufrech und der Sänger hat zum Glück schnell reklamiert ;)

    19. #19 Marco Durrer

      11:48 Uhr, 28.8.2009, Link

      auch nicht schlecht: Julian Cope, der eine betrunkene dame rausschickt.
      http://www.youtube.com/watch?v=ADUR_yPlACY

    20. #20 wishmountain

      13:33 Uhr, 15.1.2011, Link

      Das mit dem Gequatsche wird oft auch noch durch den Getränkeausschank während des Konzertes gefördert. Ich finde der Auschank muss während eines leisen Konzertes unbedingt stoppen!

    21. #21 Silversun

      15:59 Uhr, 17.1.2011, Link

      das geschwafel ist echt eine pest. oft schreien sie sich gegenseitig an mit ohrenstöpsel drin… einziges gegenmittel ist die flucht in die erste reihe. lokale mit gläsern im ausschank machen aber auch einen rechten krach, das stimmt schon.

    22. #22 chris

      16:02 Uhr, 17.1.2011, Link

      richtig spass macht es so, konzerte zu mischen… am hinteren saal-ende kriegt man vom lärm am wenigsten mit, dafür stehen da auch die plappermäuler. immer wieder spassig.

    23. #23 the aeschli

      17:24 Uhr, 17.1.2011, Link

      ich hab mal „visitenkärtchen“ gemacht, wo einfach nur draufstand:
      „ich habe für die musik der band bezahlt und nicht für dein geschwafel“
      dem allerersten, dem ich dann so ein ding in die hand drückte, weil der grad nervte, war der konzertveranstalter selber (unwissentlich meinerseits). der fand das gar nicht lustig und hat mir das dann verboten…
      ich hab die aktion dann gleich ganz abgebrochen…

    24. #24 tobi

      18:53 Uhr, 18.1.2011, Link

      als musikant das bewährteste mittel bei zu viel plapperei: extra gaaaaanz leise spielen!

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