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  • Dr. Pop, was ist Indie?

    Von    |   30. Januar 2009   |   23 Kommentare

    Kein Begriff fällt auf 78s so oft wie Indie. So oft, dass der Begriff für Teile der Leserschaft seine Bedeutung offenbar vollends verloren hat. Dr. Pop sagt, was Indie ist.

    „Der Begriff Indie-Rock bezeichnete ursprünglich Rockmusik im weitesten Sinne des Wortes, die ausschließlich von Independent-Labels vertrieben wurde. Mittlerweile ist der Indie-Rock (auch oft schlicht Indie genannt) ein vielfältiges Subgenre des Alternative Rock. Namensgebend für den Indie-Rock ist die Unabhängigkeit (engl. independence) von den großen Plattenfirmen (Major Labels).“ (Wikipedia)

    Die vagen Umschreibungen „Rockmusik im weitesten Sinne“ und „vielfältiges Subgenre“ deuten es an: Indie ist ein schwammiger Begriff, genauso wie „Alternative Rock“, eine Schublade, in die heute immer weniger Bands gesteckt werden. Doch Indie hat überlebt und ist populärer als je zuvor. Letzthin haben meine Ohren im H&M mit Erstaunen die Fleet Foxes wahrgenommen, und die sind doch Indie, oder? Genaugenommen machen sie ja eigentlich Folk, doch sie sind auf Sub Pop, neben Matador das Indie-Label schlechthin.

    Das Problematische am Begriff Indie ist evident: Er will zugleich ein Genre als auch eine Ideologie definieren. Es geht gleichzeitig um eine alternative Spielart der Gitarrenmusik als auch um eine Vertriebsmodell, das sich gegen den sogenannten Corporate Rock richtet. Allerdings wurde die Independent-Kultur spätestens mit Grunge vom Massengeschmack in Beschlag genommen. Mit dem Erfolg von Nirvana ist Indie im Mainstream angekommen, wie damals Punk mit den Sex Pistols. Indieacts wurden plötzlich von Major-Labels gesignt.

    Die stilistische Bedeutung von Indie hat sich über die Jahre ebenso verwässert. Anfangs liess sich das Genre ziemlich eindeutig auf amerikanische Bands reduzieren, die ihre Wurzeln im (Post-)Punk hatten, wie beispielsweise Sonic Youth oder Sebadoh, die 1991 die ironische Hymne „Gimme Indie Rock“ schrieben. Pavement, Dinosaur Jr., Pixies und Konsorten definierten Indie-Rock in den späten 80ern und frühen 90ern als unprätentiöse Rockmusik, die ihre Genialität hinter Lärm, Dissonanz und Dilettantismus versteckte. Rock war damals nur Indie, wenn er sperrig war und mit einer gewissen Schlampigkeit vorgetragen wurde.

    Heute klingt Indie-Rock dagegen so poliert, dass Death Cab For Cutie nicht weiter auffallen, wenn sie in O.C. California gefeatured werden. Jack White singt an der Seite von Alica Keys den Bond-Song und MGMT treten bei Conan O’Brian auf. Waren die Indie-Musiker und -Fans der ersten Stunde noch nerdige Slacker, sind sie heute stubenreine Hipster. Aus Aussenseitern sind Trendsetter geworden, die Flanellhemden, Vintage Shirts und Ray Ban-Brillen tragen, und die Kunsthochschule besuchen.

    So ist Indie über die Jahre fast schon zu einem Schimpfwort geworden. Man wirft eine uninspirierte Band, die Converse trägt, ebenso in den Indie-Topf wie eine Band, die ebenfalls Cons trägt, aber Musik mit Herz macht. Trotzdem darf man meiner Meinung nach an dem Begriff Indie festhalten, sofern man damit das richtige meint: Unabhängige, authentische Rockmusik, die weiss, wer Stephen Malkmus ist.

    > Leserfragen an Dr. Pop, den Briefkastenonkel von 78s, an: dr.pop(ät)78s.ch

    23 Reaktionen

    1. » Amazon sagt was Indie-Rock ist | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    1. #1 David Bauer

      09:45 Uhr, 30.1.2009, Link

      „Unabhängige, authentische Rockmusik, die weiss, wer Stephen Malkmus ist.“ Endlich eine griffige Definition für Indie, die fortan zu gelten hat auf 78s. Herr Couchepin, zu Dr. Pop müssen die Prämiengelder hinfliessen!

    2. #2 Mathias Menzl

      10:27 Uhr, 30.1.2009, Link

      Ich vermisse etwas den Blick in die Zukunft. Animal Collectives „Merriweather…“-Epos wurde ja vom Spiegel als „Post-Indie“ bezeichnet. Was passiert da? Gibt es womöglich schon ein Genre – Post-Indie – und nur der Spiegel weiss davon? Das Problem an sich ist ja, dass alles mittlerweile als Indie bezeichnet wird/werden darf. Da bringt die Definition “Unabhängige, authentische Rockmusik, die weiss, wer Stephen Malkmus ist.” auch keine Abhilfe… aber vielleicht gibt’s zum „Indie-Gate“ ja auch keine Lösung.

    3. #3 David Bauer

      10:29 Uhr, 30.1.2009, Link

      Vielleicht hilft Gertrude Stein weiter: Indie is indie is indie.

    4. #4 Heinz Darr

      11:04 Uhr, 30.1.2009, Link

      als älterer habe ich natürlich schon oft mitbekommen, wie sich begriffe im laufe der zeit verselbstständigen. am krassesten vielleicht mit R&B, für mich immer noch der pre-rock’n roll der 50er,
      heute mit neuer definition. und weil ich älter bin, werde ich die anfänge von indie als plattenlabel immer mit punk 1977 verbinden, als musikstil zur gleichen zeit mit den anfängen von rough trade. Und der ursprung allen „indies“ bleibt für mich velvet underground.

    5. #5 Fabio

      12:36 Uhr, 30.1.2009, Link

      Love is Indie Air

    6. #6 Tschino

      14:08 Uhr, 30.1.2009, Link

      genau genommen gibt es ja nicht nur indie-rock bzw. -pop, sonder auch indie-hiphop, -techno, -country, -metal etc. bei den meisten anderen (pop)musiksparten wird aber in der regel der begriff „alternativ“ verwendet.

      @Heinz: richtig – indie-rock/pop hat schon lange vor den späten 80er begonnen.

    7. #7 Isidor

      14:52 Uhr, 30.1.2009, Link

      Ist in diesem „Genre“ oftmals nicht eher der Fall, dass sich hinter „Lärm, Dissonanz und Dilettantismus“ musikalische Belanglosigkeit und Leere versteckt hält?

    8. #8 Mathias Menzl

      14:57 Uhr, 30.1.2009, Link

      @ Heinz. Indie ist für mich ganz klar in den USA zu verorten. Black Flag, Minor Threat, also die Hardcore-D.I.Y.-Kultur in den USA. Sonic Youth, die genannt wurden, sind zeitlich ja in der selben Zeit zu verorten und haben ihre Wurzeln ebenfalls in der Hardcore- bzw. Punk-Ecke. Nachzuhören u.a. in ‚Chapel Hill‘ von Sonic Youth, das eine Widmung an den damaligen Hardcore-Schmelztiegel Washington, D.C. darstellt, wo 16-jährige Kids dafür sorgten, dass die damals schon nicht mehr ganz so jungen New Yorker einen Ort zum Spielen hatten. SST und Dischord sind ja dann daraus entstanden und haben direkt dann auch die späten Neunziger-Bands gefördert, bis hin zu den Screaming Trees dessen Auswüchse wir ja jetz noch haben mit Queens of The Stone Age. Sonic Youth stehen darum nicht nur für Spät-Achtziger sondern auch für Früh-Achtziger.

    9. #9 starttomelt

      15:15 Uhr, 30.1.2009, Link

      Ich hätte jetzt die Geburt von „Indie“ eher nach England angesiedelt. So Ecke Rough Trade mit Smiths, Young Marble Giants, Raincoats usw.

    10. #10 Heinz Darr

      15:19 Uhr, 30.1.2009, Link

      ich meinte ja, dass es subjektiv für mich so ist und die begriffe über die jahrzehnte eine neue bedeutung bekommen. aber indie existierte damals auch als begriff und war 1977 definitiv nicht hardcore, sondern eben eher die dilettanten aus der künstlerecke, oft britisch, swell maps, tv personalities, raincoats, young marble giants, pere ubu, monochrome set, slits, magazine, nur mal ein paar, die mir grad einfallen. und es war da eher so ein anti-rock-ding. mir ist schon klar, dass das heute niemand meint, wenn er von indie spricht…

    11. #11 Dominique Marcel Iten

      15:43 Uhr, 30.1.2009, Link

      Ich persönlich würde Indie nicht nur im Rock Segment ensetzten.
      Für mich sind beispielsweise auch die aus dem Hardcore-Punk stammenden Beastie Boys „Indie“. Licenced to Ill war ja damals keine Major Platte, da Rick Rubin in der Branche noch nicht der Produzenten-Übergott war, der er heute ist.
      Ich persönlich intepretiere Indie für mich wie folgt:
      „Indie ist Musik, welche sich nicht durch Erfolg und Eingängigkeit sondern durch Ehrlichkeit,Authentizität und Innovativität auszeichnet.“

    12. #12 Mathias Menzl

      15:50 Uhr, 30.1.2009, Link

      …aber auch erfolgreich und eingängig sein kann… ;)

    13. #13 Heinz Darr

      16:28 Uhr, 30.1.2009, Link

      @startomelt: hab deinen eintrag erst gesehen, nachdem ich gepostet hatte. also wenns dann doch objektiv durch die zeiten gehen soll:
      rough trade in den 70igern, new wave, rave, electropop, shoegaze anfang der 80iger, post hardcore und pregrunge ende der 80iger, dann britpop.
      hiphop oder techno würde ich nie zu indie zählen.

    14. #14 David Bauer

      23:06 Uhr, 30.1.2009, Link

      Die Frage bleibt: Beschreibt Indie bereits einen Musikstil, bzw. ein Subgenre oder verweist es einfach nur auf die Rahmenbedingungen, unter denen gewisse Musik entsteht?

    15. #15 Gabriel

      00:02 Uhr, 31.1.2009, Link

      Vielleicht können solche Definitionen – auch wenn sie von Experten wie Dr. Pop stammen – letztlich nicht für alle gleich beantwortet werden und nur Indie Hose gehen…

    16. #16 Fritz

      12:18 Uhr, 31.1.2009, Link

      Ich finde eigentlich alle Definitionen hier passabel bis sehr zutreffend. Aber ich bekomme oft Werbung über Ron Orp und Facebook von Indie.ch. Anscheinend eine Promo Aktion von Universal die sich so nennt. Das ist nicht Indie.

      Ich finds gut und sogar wichtig das man Stilrichtigung richtig definiert. Danke!

    17. #17 zulu

      16:11 Uhr, 31.1.2009, Link

      Indie ist doch einfach eng mit dem D.I.Y-Gedanken der späten 70er verbunden. Das wird heute viel mit Dilettantismus verbunden, geht aber hauptsächlich auf die Tatsache zurück, dass Independet (Unabhängig) der einizeg Weg für viele Bands war, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Tatsächlich sind viele der heutigen Indie-Bands bei kleinen Labels die aber einem Major angehören. Es hat also mit Unabhängikeit gerade mal gar nix mehr zu tun.
      Als Genre-Bezeichnung ist deshalb in weiten Kreisen Alternative gängig. Das grenzt dann auch die Musik ein bisschen enger ein, als einfach behornbrillte Röhrlihosenträger automatisch in den übergrossen Indietopf zu schmeissen.

    18. #18 Mathias Menzl

      18:53 Uhr, 1.2.2009, Link

      nanana. Alternative ist dann sehr nahe bei Alternative-Rock, und das ist dann musikalisch wie auch ökonomisch ne ganze andere Schiene… Red Hot Chillie Peppers, Faith No More etc…

    19. #19 Isidor

      14:42 Uhr, 2.2.2009, Link

      Gerade in Amerika wird oder wurde der Begriff „Alternative Rock“ (oder früher auch „College Rock“) auch für 80er Bands wie R.E.M., Hüsker Dü, Meat Puppets… benutzt, ebenso wie für die Bands, die Anfang der Neunziger im Zuge der Grunge-Welle ins Rampenlicht des Mainstreams katapultiert wurden. Mitte der Neunziger standen mitunter die Smashing Pumpkins exemplarisch für den nun zum Etikett gewordenen Begriff.
      Wie im Beitrag von M. Menzl herauszulesen, hat er heute eine eher negative Beinote und wird wohl häufig mit harmlosen (amerikanischen) Formatbands wie Nickelback oder 3 Doors Down assoziiert.

    20. #20 nino

      11:35 Uhr, 3.2.2009, Link

      entwirrung ist gefragt:
      ‚indie‘ ist primär eine produktionsbedingung. dass der term zunehmend auch als genrebezeichnung verwendet wurde, hat damit zu tun, dass ähnliches auf unabhängigen kleinstlabels veröffentlicht wurde, wie man im backkatalog von dischord, touch & go, subpop etc. hören kann. denn eigentlich ist das alles rockmusik im wesentlichen, da kann man sich einig sein.
      dass indie mit hardcore zu tun hat, stimmt, wie herr menzl richtig erwähnt, und es ist wichtig darauf hinzuweisen. beim hc wurde zu beginn ausschliesslich unabhängig produziert. (und wird es zum teil immer noch, wenngleich nicht nur). und einige bands, die schliesslich mit indie vertaggt wurden/werden, haben eine HC vergangenheit (hüsker dü, dinosaur jr.) sonic youth mit hardcore in beziehung zu setzen, wäre indes verklärend. sonic youth hat kaum mit hardcore zu tun gehabt, trotz des Untouchables-covers („nic-fit“ auf „dirty“) und trotz ian mackayes gastspiel („youth against fascism“, auch auf „dirty“). thurston moore war zwar grosser fan der DC szene (s.o.a., teen idles, minor threat), und –vor allem– von der art, wie diese szene organisiert war. er und seine mitstreiterInnen stammen aber aus einem völlig anderen, nämlich dem kunst- und kunstschul-umfeld, wo der geldfluss völlig anders passierte. kim gordon arbeitete als kuratorin, während ian mackaye als popcorn verkäufer das geld zusammenkratzte um die ersten 7″es pressen zu lassen. dass die musik von minor threat und sonic youth nix miteinander zu tun hat, muss man nicht erwähnen.
      generell lässt sich noch kritisch fragen, ob die verschubladisierung nicht sowieso vor allem marketing ist. querverweise zu anderen bands treffen den nagel m.E. weit besser, da sie greifbar sind, wohingegen genres wesensbedingt immer kleinster gemeinsamer nenner bleiben müssen.

    21. #21 gregor

      15:47 Uhr, 4.2.2009, Link

      Frage an Dr. Pop:

      Ist denn auf einmal alles Indie, wenn die Major Companies alle ausgestorben sind nach der Finanzkrise?

    22. #22 Dr. Pop

      10:42 Uhr, 5.2.2009, Link

      ich glaube nicht, dass die majors aussterben, denn charts wird es immer geben. die vermarktung von musik verändert sich enorm, doch die stars werden in der hand der mächtigen bleiben. vielleicht heissen sie einfach anders, live nation z.b.
      noch was zu den ursprüngen von indie: die liegen ja eigentlich noch vor dem punk & hc, kleinstlabels gibt es seit es schallplatten gibt. nur wurde halt erst in den 80ern der begriff indie gängig.
      die feststellung, dass heute alles irgendwie indie ist hat bestimmt was. das hat allerdings – wie nino richtig bemerkt – mit der marketingschublade indie zu tun. eine band wie ting tings wird zwar als indie-band vermarktet, hat meines erachtens aber rein gar nichts mit indie zu tun.

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