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  • Dr. Pop, was ist der Sinn von Klammern in Songtiteln?

    Von    |   12. Dezember 2008   |   7 Kommentare

    Songtitel mit Klammern sind ein popkulturelles Phänomen, das sich hartnäckig weigert auszusterben. Dr. Pop geht der Klammerseuche auf den Grund.

    Die Songtitel-Klammer ist so alt wie der Popsong selbst. Bereits Anfangs des letzten Jahrhunderts tauchten in Vaudeville-, Swing- und Blues-Songs Klammern auf. Bei Titeln wie „Everybody Loves My Baby (But My Baby Don’t Love Nobody But Me)“ oder „My Daddy Rocks Me (With One Steady Roll)“ scheint die Klammer einen Abkürzungsvorschlag für überlange Titel zu liefern und gleichzeitig etwaigen Verwechslungen vorzubeugen. Country-, Rock’n’Roll- und Soul-Songwriter übernahmen die Tradition und entwickelten sie weiter. Erstmals tauchte die Klammer auch am Anfang des Titels auf, wie beispielsweise im Elvis-Song „(Let Me Be Your) Teddy Bear“.

    Mitte der 60er sorgten die Stones mit „(I Can’t Get No) Satisfaction“ für den grössten Klammer-Hit aller Zeiten. Andere zogen nach: Dylan mit „It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)“, Otis Redding mit „(Sittin‘ On) The Dock of the Bay“ und die Beatles mit „Norwegian Woods (This Bird Has Flown)“. Aus der gleichen Zeit stammt ein Klammertitel, der heute ziemlich kontrovers anmutet: „He Hit Me (It Felt Like A Kiss)“ von The Crystals. Geistreicher dagegen ein Titel von The Kinks: Mit „(A) Face In The Crowd“ demonstrierte Ray Davis, wie sehr eine Klammer die Semantik beflügeln kann, selbst wenn nur ein Vokal dazwischen steht.

    Disco trieb den Klammertitel schliesslich ad absurdum: Chic kreierten den unsäglichen Titel „Dance, Dance, Dance (Yowsah, Yowsah, Yowsah)“ vermutlich nach dem Vorbild von Abba’s „Gimme, Gimme, Gimme (A Man After Midnight)“. Die 80er brachten die Remix-Klammer und ein weiteres Novum mit sich: Die Doppelklammer. The Stranglers tauften einen Song „(Get A) Grip (On Yourself)“ und die Beasty Boys relativierten einen revolutionären Schlachtruf zu einer harmlosen Partyhymne: „(You Gotta) Fight For Your Right (To Party)“.

    Die Klammerkönige der 90er hiessen Meat Loaf und Bryan Adams. Mit Schaudern erinnern wir uns an die Schmachtfetzen „(Everything I Do) I Do It For You“ und „I Would Do Anything For Love (But I Won’t Do That)“, zwei Beispiele, die man lieber nicht allzu genau analysiert. Was Meat Love mit „that“ genau meinte, möchte man sich nicht im Detail vorstellen und der Titel von Bryan Adams‘ Robin Hood-Powerballade ist ein grammatikalisches Verwirrspiel, dem man besser aus dem Weg geht.

    Das Paradoxe an der Pop-Klammer ist, dass sie den Titel zwar konkretisieren möchte, stattdessen aber neue Fragen aufwirft. „(What’s the Story) Morning Glory?“ wird erst durch die Klammer zur Frage und Tom Waits‘ „Jitterbug Boy (Sharing A Curbstone With Chuck E. Weiss, Robert Marchese, Paul Body And The Mug And Artie)“ dürfte selbst Waitsologen unlösbare Rätsel aufgeben. Sigur Rós benutzen die Klammer schliesslich, um das Nichts darzustellen: Eine leere Klammer ziert das Cover ihres unbetitelten Albums von 2002.

    Trotz dieser Sinnkrise der Klammer grassiert die Klammerseuche weiter. Nelly Furtado hat seit „…On The Radio (Remember The Days)“ eine Vorliebe für Klammerspielereien und George Michael taufte seinen aktuellen Weihnachtssong “December Song (I Dreamed Of Christmas)”. Natürlich könnte er auch einfach „I Dreamed Of Christmas“ heissen, schliesslich sind Weihnachten ja in der Regel im Dezember. Klammern sind eben (oftmals) überflüssig und (meistens) sinnlos.

    > Leserfragen an Dr. Pop, den Briefkastenonkel von 78s, bitte an: dr.pop(ät)78s.ch

    7 Reaktionen

    1. » Dr. Pop, welche CD soll ich meinen Eltern zu Weihnachten schenken? | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    1. #1 cerco

      18:35 Uhr, 12.12.2008, Link

      wuii, das sind aber viele klammern. und was ist nun eigentlich der sinn von klammern in songtiteln?!

    2. #2 jdw

      01:57 Uhr, 13.12.2008, Link

      egal was der sinn von klammern ist, das ist mal wieder eine wunderbare kolumne von dr. pop! wann gibt’s die kolumnen in buchform?

    3. #3 Mathias Menzl

      09:32 Uhr, 13.12.2008, Link

      dann wenn dr. pop endlich nackt vor einem gaul posieren tut. denn auch dr pop hat tattoos und eine ausgeprägte rücken-muskulatur. er ziert sich aber noch.

    4. #4 Dominique Marcel Iten

      22:58 Uhr, 13.12.2008, Link

      Radiohead – Hail To The Thief
      Ein Spannendes „Klammeralbum“ mit einer Idee dahinter =)

    5. #5 markus

      01:56 Uhr, 14.12.2008, Link

      Hallo,

      ehrlich gesagt wurde mir die erst bei der Auflistung der Weihnachtscharts bewusste.. ich wusste nie.. drin- oder weglassen?! :-)

      Gruß Markus

    6. #6 cerco

      14:41 Uhr, 14.12.2008, Link

      @mathias: ist wohl ne anspielung auf meine über alles geliebte kolumnistin aus dem tagi-magi?!

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