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Spanien: Der ewige Favorit zwischen Tradition, Punk und Transvestiten

Von Mathias Menzl

Guter Fussball ist wie gute Musik: leidenschaftlich, druckvoll und auf das Wesentliche reduziert. 78s präsentiert die Teilnehmerländer der Fussball-Europameisterschaft von ihrer musikalischen Seite. Heute: Spanien.

Die Euro 08 bei 78s: SpanienDie spanische Fussball-Mannschaft gilt seit jeher stets als Mitfavorit. Bis auf einen EM-Titel gingen die Iberer immer leer aus. Auch die alternative Musikszene hat einiges zu bieten, die internationalen Erfolge blieben aber zumindest auf diesem Parkett aus, mit einer Ausnahme, welche die Regel bestätigt: Héroes Del Silencio mit ihrem Überhit “Entre Dos Tierras”.

Abseits von Las Ketchup und der Familie Iglesias hat vor allem Barcelona eine sehr vitale Alternativ-Szene vorzuweisen. Verantwortlich dafür zeichnet das Label BCore, sowas wie das Sub Pop Spaniens. Das ehemaligen Hardcore-Label mauserte sich nach der Gründung 1990 quasi zum Hort für spanische Indie-Acts aller Couleur, sei es Tokyo Sex Destruction, It’s Not Not, Delorean, Standstill oder die Subterrenaen Kids.

Wer etwas zurückblickt auf die post-Franco-Zeit nach 1975 kommt nicht an “la movida madrileña” vorbei. Die frisch gewonnen Freiheiten nach Francos Diktatur fielen mehr oder weniger mit dem Aufkommen von Punk und danach New Wave aufeinander. Diese Subkulturen breiten sich natürlich auch in Spanien aus. Einer der Protagonisten war damals der heute weltbekannte Cineast Pedro Almodovar. Er war dazumal jedoch nicht nur als Filmemacher aktiv, sondern sang als Transvestit verkleidet (wie könnte es anders sein) zusammen mit seinem damaligen Freund McNamara in der gleichnamigen Punk-Band Almodóvar y McNamara. Ihr Song Voy A Ser Mamá (Ich werde Mamma; Youtube-Video) ist auch heute noch die Hymne der spanischen Gay-Community. Natürlich gabs auch seriöse (hüstel) (Post)Punk-Bands wie Los Nikis. Die wichtigsten Labels waren DRO (Discos Radioactivos Organizados) und Tres Cipreses.

Wer Spanien und Musik sagt, der bekommt Flamenco als Antwort. Dabei hat der Flamenco nur geographisch etwas mit Spanien zu tun. Wer ihn in eine Reihe stellt mit Teneriffa, Toreros und Tortilla, irrt also. Flamenco ist die Musik der Gitanos, der Zigeuner Andalusiens. Ende des 18. Jahrhunderts entstand er, durfte jedoch noch lange Zeit nur hinter verschlossenen Türen gezeigt werden. Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird er öffentlich aufgeführt.

So viele Kulturen wie in Andalusien zu Hause waren und sind, finden sich auch im Flamenco. Er enthält Elemente von Hindu und griechischen Psalmen, gregorianischem Gesang, persischen Melodien, arabischen Liedern, kastilischen Romanzen, afrikanischen Tänzen. Ihre Geschichte ist auch die Geschichte berühmter Sänger und Tänzer. Ihre Namen haben Klang: El Farruco, Rafael El Negro, Juana Vargas La Macarrona, La Joselito.

Flamenco ist aber vor allem auch “Emozioni” und das mit geballter Kraft. Und mit “Emo” können ja auch die Jungen etwas anfangen (auch wenn sie angeblich verprügelt werden dafür, so meint auf jeden Fall der “Blick am Morgen”). Zeit also für eine Horizonterweiterung, und auch höchste Zeit, dass die Spanier wieder mal einen Pokal auf die Halbinsel holen.

> Héroes Des Silencio – Entre Dos Tierras (Youtube)

> Almodóvar y McNamara (Youtube)

> Los Nikis – El Imperio Contraataca (Youtube)
> Los Nikis – Soy und Zulu (Youtube)

> Juana Vargas (Youtube)

Bisher erschienen in der 78s-Euro-08-Serie:
> Schweden
> Holland
> Russland
> Griechenland

Die Illustration stammt aus dem Euro 08-Sammelalbum des Tschuttiheftli, dem einzig wahren Fussballbildli-Album: > Mehr Infos.


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  1. jdw

    12:33 Uhr 27.4.2008

    unbedingt anhören: NO MORE LIES (http://www.myspace.com/nomoresfg)

    grossartiger punkrock zwischen hot water music und descendents

  2. Mark

    18:14 Uhr 27.4.2008

    Dover darf nicht vergessen werden.

  3. zebi

    22:12 Uhr 27.4.2008

    obwohl dover und das neuste album gehen gar nicht.

  4. Rom

    11:33 Uhr 29.6.2008

    Ein halbes Jahrtausend leben die Roma in Spanien, aber für Leute wie dich sind sie offenbar noch immer nur Fremde im eigenen Land. Die Idee, dass eventuell auch Minderheiten wie selbsteverständlich zu einem Land gehören, ist euch offenbar noch nicht gekommen. Ist das denn noch immer das alte deutsche Volksgemeinschaftsdenken, das sich Vielfalt nicht als Normalität vorstellen kann?

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