• limetorrent latest100
  • 78s has left the building. ¯\_(ツ)_/¯

  • kickass lyrics
  • Schön war’s…

    Von    |   5. April 2008   |   6 Kommentare

    Konzertberichte sind unnötig, weil sie – je nach Geschmack – von Belanglosem handeln oder zu spät erscheinen, und der Leser genau diesen denkwürdigen Abend schweren Herzens verpasst hat. Aber greifen nicht gerade sie nach dem Kern, nach der Bestimmung von Musik?

    marissanadler (pitchfork)

    Denn was dem echten Musiker Mittel zum privaten, existenziellen Ausdruck ist, wird im Konzert nicht nur zur unmittelbarsten Kommunikation, sondern zum anzustrebenden musikalischen Zweck. Der Versuch, den subjektiven Eindruck davon an Dritte weiterzugeben, muss leider unbefriedigend indirekt ausfallen, da die Intensität der Empfindung durch die Abstrahierung in Worte verdampft. Aber er ist immerhin ein Weg, den Wert einer persönlichen Begegnung mit der bevorzugten Musik und ihrem Schöpfer für andere einschätzbar zu machen.

    Darum kurz: Was vor Jahren Silver Mt. Zion und Sigur Ros schafften, kriegte Marissa Nadler letzten Montag im El Lokal alleine hin. Mit ihrem wunderbar hypnotischen, tief melancholischen und doch himmlisch schönen Elfengesang lähmte sie genau jenen (ansonsten starken) Lebensnerv, der die Tränendrüse kontrolliert. Obwohl sie offensichtlich – ganz im unberechenbaren Stile einer Chan Marshall – etwas angetrunken war, ab und an schwankte und gar mal den hübschen Kopf am Mikrofon stiess, wirkte ihr kurzer Auftritt, ihre Musik umso herzlicher und authentischer. Der Drang nach einer gewissen Betäubung scheint verständlich, wenn man sein Herz jeden Abend vor Fremden blosslegt.

    Nur seltsam, dass man sich an solch einem magischen Abend als einer der letzten Indie’aner fühlt und ein unvergessliches Live-Erlebnis gerade mal mit zweidrei Dutzend Nasen teilt. Auch gut. Vielleicht kann sich eine sogeartete Intimität auch nur unter diesen Umständen vollends entfalten.

    Ach, aber letztlich sagt Musik ja bekanntlich mehr als tausend Worte:
    Marissa Nadler – famous blue raincoat (Leonard Cohen-Cover)
    [audio:http://www.ravensingstheblues.com/mp3/Famous_Blue_Raincoat.mp3]

    Ebenfalls unvergesslich:
    Sigur Ros – Popplagid (aka Untitled #8)
    [audio:http://198.85.71.234/greenemc/Sigur%20R%F3s%2008%20%5BUntitled%20Track%5D%20%28%20%29.mp3]
    Cat Power – moonshiner
    [audio:http://media.libsyn.com/media/mikewentwest/07_Moonshiner.mp3]
    Silver Mt Zion – american motor over smoldered field (live, low quality)
    [audio:http://ia310102.us.archive.org/2/items/asmz2005-06-16.mic.flac16/asmz2005-06-16d1t03_vbr.mp3]

    >> Weitere gute Konzerte: 78s Konzertagenda

    6 Reaktionen

    1. » El Lokal: Die kleine Insel des Guten | 78s - Das Magazin für bessere Musik
    1. #1 sam

      15:21 Uhr, 5.4.2008, Link

      und das zürcher publikum konnte tatsächlich für einmal aufs maul sitzen? erstaunlich!

    2. #2 Marco Durrer

      10:53 Uhr, 7.4.2008, Link

      ja, kaum zu glauben, aber kommt zum glück immer mal wieder vor

    3. #3 Sven

      14:54 Uhr, 7.4.2008, Link

      Ja, lieber Marco. Du hast Dich der schwierigsten Disziplin angenommen; ich hoffe, das ist erst der Anfang…

    4. #4 chris rosencreuz

      16:13 Uhr, 8.4.2008, Link

      worum gehts denn hier? ist das journalismus oder kulturpessimismus oder schon – behold! – philosophie? *grübel* brauch mal einen genuinen schub abstraktion, sonst verdampfen meine empfindungen zu unbefriedigend subjektiven existenzialismen. da schauen sie dann höchst mittelbar kommunizierend, die dritten.

    5. #5 Marco Durrer

      20:07 Uhr, 8.4.2008, Link

      hört sich ja schon mal nicht schlecht an, dein schub abstraktion – aber hast recht, das „genuin“ tönt scheisse

    78s wird seit Juni 2015 nicht mehr redaktionell betreut. Die Kommentarfunktion ist deswegen deaktiviert.

  • btscene serials popular