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  • Dr. Pop, ist Innovation in der Popmusik noch möglich?

    Von    |   25. März 2008   |   12 Kommentare

    Das ABC der Musikstile war einst so simpel. Der Rock’n’Roll hüpfte, der Blues schlurfte, der Country galoppierte, der Soul schrie, der Jazz dudelte, der Folk zupfte. Doch dann wurde alles etwas komplizierter.

    Patent der GlühbirneDie 60er brachten nicht nur Politik und Gesellschaft zum Umdenken. Musikalische Innovationen lösten ein popkulturelles Erdbeben aus, das lange nachhallte: Aus Rock’n’Roll wurde Rock, der schliesslich in Prog-Rock ausuferte und sich mit Glam-Schminke und Plateau-Schuhen eindeckte, bevor er vom Punk wiederbelebt wurde. Cool Jazz und HardBop mündeten in Free Jazz, worauf sich der Jazz als Fusion mit anderen Spielarten zu amalgamieren begann. Aus Soul wurde Funk und daraus wiederum Disco, bevor Ende der 70er die Pioniere der elektronischen Musik und die ersten MCs die beiden letzten Revolutionen des Pop anzettelten.

    Als zu Beginn der 80er-Jahre alle Grundsteine der Popmusik gelegt waren, war die Bastardisierung der Popmusik besiegelt. Plötzlich schien alles möglich: Die elektronische Musikproduktion vergrösserte das Klangspektrum bedeutend, Hiphop verleibte sich mittels Samples alle erdenklichen Musikstile ein und Post-Punk brachte Unzusammengehöriges zusammen.

    Mit dem Post-Zeitalter des Pop begann das wilde Collagieren. Was die Postmoderne in Wissenschaft und Kunst schon lange geltend gemachte hatte, galt nun auch für die Musik: Das einheitliche Prinzip hatte vollends ausgedient und stattdessen hatte sich eine Vielfalt nebeneinander bestehender Perspektiven etabliert. Der Remix war geboren.

    So wurde die Musiklandschaft im ausgehenden Jahrtausend allmählich zum Rhizom. Das Internet hat diese Verästelung weiter vorangetrieben. Heute ist jede erdenkliche Lücke zwischen Folktronics und Crunk geschlossen. Alles wurde schon mit allem kombiniert, Eklektizismus ist kein Garant für Innovation mehr. Auch wenn eine vermeintlich neue Strömung die Vorsilbe Nu- oder New- trägt – etwas Neues hat sie nicht zu bieten.

    Kann Musik also nicht mehr innovativ sein? Doch! Die Fantasie kennt schliesslich keine (Stil-)Grenzen. Zwar kann man davon ausgehen, dass die Anzahl aller möglichen Melodien endlich ist, doch noch sind nicht alle geschrieben.

    > Leserfragen an Dr. Pop, den Briefkastenonkel von 78s, an: dr.pop(ät)78s.ch

    12 Reaktionen

    1. #1 Tschino

      16:21 Uhr, 25.3.2008, Link

      ich denke wenn noch innovation statt findet, dann nur noch subtil, bzw. im detail. aber dass wegweisende stilistische innovationen stattfinden, wie zuletzt eben ab mitte 70er bis anfang 80er jahre mit hip hop und techno, die ja vorwiegend mit neuen technologien einherging, daran glaub‘ ich schon lange nicht mehr.

    2. #2 Tom

      21:32 Uhr, 25.3.2008, Link

      Bis jetzt ist noch jede „Mode“, die sich als ultimativ betrachtet hat widerlegt worden.

      Auch wenn der Retroismus in den letzten Jahren wirklich sehr bedenklich war/ist/sein wird.

    3. #3 sherlock homie

      00:41 Uhr, 26.3.2008, Link

      dr. pop wer bist du eigentlich?

    4. #4 Don

      10:14 Uhr, 26.3.2008, Link

      Viel interessanter ist doch die Frage: „Was kommt, wenn die Retrowelle sich erst mal überschlägt?“
      Revival of the 70’s, jetzt die 80’s, Grunge und Crossover ist untergründig auch wieder am kommen… Aber was dann? Das Revival vom Revival? Cheers!

    5. #5 Dr. Pop

      15:00 Uhr, 26.3.2008, Link

      Diese Frage läuft ja eigentlich auf das hinaus, was hier konstatiert wird: es gibt nichts neues nach der revival-welle, weil es nicht mehr möglich ist musik zu machen ohne sich – freiwillig oder unfreiwillig – auf etwas vergangenes zu beziehen. das ist jedoch nicht weiter tragisch, denn gute musik ist ja zeitlos.

    6. #6 Tschino

      15:48 Uhr, 26.3.2008, Link

      es wird wie in der mode sein: mehrere stile herschen nebeneinander, ohne dass der eine alleine speziell trendy oder vorherschend sein wird.
      diese vielseitigkeit, gleichberechtigt und gleichzeitig, scheint der aktuelle trend zu werden, wenn nicht schon zu sein. diejenigen, denen das zu beliebig oder anstrengend ist, wenden sich lieber den zeitlosen und qualitativen „klassikern“ zu. eben denjenigen, die mal mehr oder weniger innovativ waren bzw. unverkennbar eigenständig sind.

    7. #7 ralu

      03:24 Uhr, 28.3.2008, Link

      die innovation bestand meist aus einem sound: verzerrte gitarren, mellotron,sampling….
      die beatles, stones, price, madonna, gabriel und wie sie alle heissen, haben sich ja auch einen fusion-stil angeeignet.da wurde kräftig zwischen klassik, blues, rnb, rnroll usw. gemischt. das machen chemical brothers oder foofighters (post-grunge-pop-rock)oder etwa winehouse (rnb, motown, blues) ja auch. house und rap konnten ohne ihre vorgänger gar nicht entstehen.
      pop never dies!
      gut, den euter-pop von sabrina und konsorten vergessen wir jetzt mal.

      und wenn es um die zukunft geht, dann prophezeihe ich eine spaltung zwischen kommerz=charts und avantgarde=ipod (der ja bereits stattfindet). also wird das bestreben der verbliebenen plattenfirmen sein, die ipod und lastfm-ströme abzusuchen. davon produzieren sie 10 bands, klatschen sie an die wand, und wer kleben bleibt wird neuer superstar.

    8. #8 Don

      10:45 Uhr, 28.3.2008, Link

      @ralu
      Sehr treffend beschrieben. Das sehe ich genauso und finde es erschreckend!
      Was die Grundsatzfrage von Herrn Pop angeht: Nein, wirkliche Innovation ist nicht mehr möglich, oder zumindest zum jetzigen Zeitpunkt keine in Sicht. Unsere Popmusik kann sich gerade mal 12 Tönen in verschiedenen Lagen bedienen. Wenn man da harmonisch und eingängig arbeiten will, kommt man immer wieder auf dasselbe. Das erkennt man ja schon daran, dass Künstler ihre eigenen Songs immer wieder neu schreiben, bzw. kopieren. Und auch daran, dass immer wieder neue Songs auftauchen, deren Riffs 1:1 einem schon lange dagewesenen entsprechen, um dann im letzen Moment eine neue Wendung zu nehmen. Wem das noch Innovation genug ist, ist wenig anspruchsvoll.
      Selber Musik machen macht Spass, aber wenn man innovative Musik hören will, muss man sich wohl an die alte Schule halten, bei der neue Ideen noch möglich waren. Oder man erfreut sich an all den zeitgenössischen remakes davon. No solution, but pollution.

    9. #9 Langweiler

      17:46 Uhr, 28.3.2008, Link

      Innovation ist immer noch möglich, z.B. in der Art wie man sich oder die Musik präsentiert, es gibt bestimmt haufenweise Konzepte, die sich anwenden liessen. Einen neuen epochalen allgemeingültigen Pop/Rock/…-Stil wird man nicht mehr erfinden können, aber letztlich kommt es darauf an, wer etwas auf welche Art und Weise vermittelt. In dieser Hinsicht wird es immer Neuerungen geben, die wir als solche Empfinden. Solange die Zeit nicht stillsteht jedenfalls.

    10. #10 Langweiler

      18:46 Uhr, 28.3.2008, Link

      Hat nicht direkt mit Pop-Innovationen zu tun, aber indirekt vielleicht trotzdem. Man könnte sich fragen, wie es um innovative und eigenständige schweizer Pop Kultur steht, oder ob es so etwas überhaupt gibt. ‚Innovative‘ Schweizer Musik, da gibt’s vieles noch nicht. Bands rennen heute wie früher internationalen Trends hinterher ohne je wirklich dazuzugehören, anstatt sich kreativ und kritisch mit der eigenen Kultur und Musik auseinanderzusetzen, und auf diesem Weg vielleicht was Authentisches zu schaffen. Diese Auseinandersetzung fehlt doch grösstenteils, und wenn sie stattfindet, dann meistens von Leuten, die dem ganzen ein sehr schlechtes Image verpassen und oberflächlich in peinliche Schweizer Klischees verfallen. Mir fällt keine ernstzunehmende (jüngere) Band ein, die einen intelligenten Umgang damit gefunden hat, und dazu noch gute Musik macht.

    11. #11 Schneeglöggli

      09:12 Uhr, 29.3.2008, Link

      @Langweiler

      Versuch’s mal hier:

      http://www.amtsbladt.ch

    12. #12 Bruder Bernhard

      08:29 Uhr, 30.3.2008, Link

      @Schneeglöggli:

      Finde den Link zu Musicnight speziell gelungen! Dort also ist Mäni Weber gelandet?

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