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Dr. Pop, warum können die Italiener keine Musik machen?

Von Dr. Pop

Sie sind ebenso leidenschaftliche Fussballer wie Liebhaber, sie haben die beste Küche der Welt, sie schneidern die elegantesten Kleider und sie bauen die schnellsten Autos. Doch warum können Italiener nicht nur keine Politik, sondern auch keine Musik machen?

Zugegeben, es gab Zeiten, da war dies anders. Mit der Politik freilich nicht: Italien war vom Zusammenbruch des römischen Reichs bis ins 19. Jahrhundert ein Spielball fremder Mächte und regierte sich danach via Faschismus ins Chaos. In der Musik hingegen brachten es die Italiener schon früh sehr weit: Bereits in der Renaissance waren italienische Musiker Teil des internationalen Jetsets, im Barock sicherte sich Italien mit der Erfindung der Oper die musikalische Hegemonie und in der Romantik setzte Paganini neue Massstäbe im Geigenspiel. Von Vivaldi bis Verdi – das Erbe der italienischen Musik ist gewaltig. Warum ist es im 20. Jahrhundert vor die Hunde gegangen?

Einer der Gründe dafür ist sicherlich das Festival San Remo, das 1951 zum ersten Mal über die Bühne ging. An diesem Songwettbewerb werden Jahr für Jahr jene Schnulzen aufgeführt, die hauptverantwortlich dafür sind, dass italienische Musik die Ohren beleidigt. Die italienische Version des Schlagers bestimmt den Italo-Pop bis heute: Eros Ramazotti, Laura Pausini und Tiziano Ferro – sie alle sind am Anfang ihrer Karriere in San Remo aufgetreten. In der 57-jährigen Geschichte des Festivals gab es gerade mal ein Talent: Adriano Celentano. Doch auch er hat einige fürchterliche Platten gemacht.

Etwas authentischer als die pathetischen Canzoni der San Remo-Stars kommen die Lieder der Cantautori daher. Lucio Dalla und Konsorten transportierten mit ihren Stücken Geschichten und politische Inhalte, doch irgendwie waren die Franzosen dann doch immer die begnadeteren Dichter und die raffinierten Musiker. Auch bei den Canzoni der Cantautori ist der Schunkelfaktor in der Regel oft unerträglich hoch und allzu oft wird Temperament mit Talent verwechselt.

Doch lassen wir den Italienern ihre Canzoni, auch unsere Mundartmusik ist schliesslich nicht über alle Zweifel erhaben – aber wir tragen diese wenigstens nicht über die Landesgrenze hinaus! Wenden wir uns dem Rock zu: Auch hier haben die Italiener nie überzeugt. Von Beat bis Metal, italienische Bands konnten nie mitreden, wenn es um Gitarrenmusik ging. Italiens Indiebands lassen sich an einem Finger abzählen: Giardini Di Mirò.

Das selbe Bild beim Elektro: Italo-Disco ist heute bestimmt cooler als auch schon, doch italienische Danceproduktionen sind in erster Linie eben doch vor allem ein Soundtrack für Autoscooterbuden. Womit wir endlich beim einzigen Genre angelangt wären, in dem die Italiener musikalisch von Belang sind: Soundtracks! Ennio Morricone, Bruno Nicolai, Piero Umiliani – die Liste der italienischen Komponisten, die die Filmgeschichte geprägt haben, ist ebenso lang, wie die der Regisseure.

Italienisch ist gewiss eine schöne Sprache und ein bisschen Italianitá macht la vita bestimmt più dolce. Doch es bleibt dabei: Gute Musik bringt man aus dem Italienurlaub keine mit nach Hause.

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Diskussion

28 Reaktionen

    78s - Das Magazin für bessere Musik » Blog Archive » Italien: Mehr als nur Canzoni

  1. Tschino

    13:25 Uhr 10.3.2008

    ubd was ist mit dem?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Giorgio_Moroder

  2. Dr. Pop

    13:37 Uhr 10.3.2008

    Südtiroler sind doch keine richtigen Italiener.

  3. Chrigel

    13:41 Uhr 10.3.2008

    Blonde Redhead sind zumindest zu 2/3 italienisch auch wenn sie nicht mehr da wohnen.

  4. Tschino

    13:45 Uhr 10.3.2008

    eine weitere frage Dr.Pop: kannst du italienisch sprechen bzw. verstehen?

  5. Patrik

    14:21 Uhr 10.3.2008

    Lieber Dr. Pop, ich muss Ihnen eigentlich zustimmen – nur haben Sie eine tolle Band vergessen: Yuppie Flu. Wenn Sie Giardini Di Miro nennen, darf diese tolle Band nicht fehlen.

  6. Dr. Pop

    14:22 Uhr 10.3.2008

    @tschino:
    mi dispiace. non parlo italiano molto bene. e forse perché non capisco la cultura della musica italiana. e tu, sei un italiano vero?

    @patrik:
    danke für den tipp, werd ich mir anhören.

  7. Tschino

    14:26 Uhr 10.3.2008

    @Dr. Pop: nein, ich bin kein italiener und kann die sprache auch nicht.

  8. Pwei

    15:22 Uhr 10.3.2008

    Lieber Dr. Pop, Sie sollten halt nicht bloss NME, Visions, Spex und pitchforkmedia lesen, sondern auch mal http://www.rockit.it konsultieren.
    Hören Sie sich doch mal Verdena, Yuppie Flu, Afterhours und all die neuen Bands da an. Ich würde mich freuen, wenn 78s auch mal über solche Bands zu berichten wüsste.

  9. Dr. Pop

    15:43 Uhr 10.3.2008

    für die lektüre dieser seite fehlen mir wie gesagt die italienischkenntnisse. andererseits braucht man bandnamen ja zum glück nicht zu übersetzen…

  10. Tschino

    15:50 Uhr 10.3.2008

    nehmts nicht ernst. wäre Dr. Pop italiener und würde in italien leben,
    würde er ausser DJ Bobo und Michelle Hunziker – und villeicht noch Yello und Vico Torrinani – auch keine musiker aus der schweiz kennen.
    dafür aber die tollen uhren, die schönen skigebiete und vielleicht noch das schweizer taschenmesser loben..

  11. mara

    15:59 Uhr 10.3.2008

    tipp: carmen consoli

  12. stubi

    16:08 Uhr 10.3.2008

    Ja, aber warum können Italiener keine Musik machen?

  13. A Doorslammer never get along with that shit

    17:04 Uhr 10.3.2008

    Ich liebe Paolo Conte – und er ist ein Gott… und dann würde ich mal sagen. Bud Spencer hat in seinen Filmen doch auch immer ganz schöne Musik gemacht… stsch bumm flatter und so…. dr. Pop, sie sind mir ein Lustiger…

  14. peter

    17:14 Uhr 10.3.2008

    Verdena sind definitiv ein Reinhören wert, haben mich als Support der Young Gods weggeblasen.

    Auch entdeckenswert: Redworm’s Farm (siehe http://www.bandsmagazine.ch/p219.html)

  15. Tschino

    17:53 Uhr 10.3.2008

    @Stubi & Dr.Pop: warum können die schweizer keine musik machen?

  16. David Bauer

    18:24 Uhr 10.3.2008

    tschino, nicht unter jedem text die gleiche diskussion…

  17. Tschino

    20:26 Uhr 10.3.2008

    @David: hast ja recht.. ;o) eigentlich gar nicht diskussionswürdig, da eine total bescheuerte frage…

  18. Björn

    21:12 Uhr 10.3.2008

    … Disco Drive

  19. andi

    08:38 Uhr 11.3.2008

    hot gossip…

  20. akay

    18:24 Uhr 11.3.2008

    doch doch, die können das schon: http://www.myspace.com/seddymellory
    am 21. märz, live bei fiebertanz auf dem schiff!

  21. sab

    17:18 Uhr 13.3.2008

    myspace.com/legginsita
    junge, spassige, herzige, tanzbeinschwingende band.

  22. Tschino

    23:56 Uhr 14.3.2008

    http://www.myspace.com/italiansdoitbetterrecords

  23. andreo gelatini

    09:37 Uhr 20.3.2008

    also, also herr pop.
    dieser blog kann nicht ernst gemeint sein? als schweizer kann man sich vielleicht mit der musikszene von albanien vergleichen. aber nicht mit der aus italien. die italiener bringen wie schon oben erwähnt mit VERDENA, DISCO DRIVE & HOT GOSSIP bands zum vorschein…die wir in unserem ländle noch lange suchen können.
    und vergessen wir nicht die famosen 80er, als jede 2te hairspray hardrock band aus exil-italienern bestand. john bongiovi, nuno bettencourt, richie sambora usw.
    von exil-schweizern kann man sowas auch nicht behaupten ;o)

  24. N. Senada

    19:10 Uhr 20.3.2008

    Erwähnt sei noch das Berserker-Jazz-Trio “Zu”. Die haben einen Song mit dem Titel “Tom Araya Is Our Elvis”. Das sagt wohl alles. Danke.

  25. enzo

    19:42 Uhr 20.3.2008

    Dr.pop kennen Sie Baglioni, venditti,zarrillo,Battisti,zero,cocciante,leali und noch viele gute Cantautori

  26. Tschino

    20:17 Uhr 20.3.2008

    @andreo gelatini: du sprichst mir aus dem herzen.

    PS: Jovanotti, Lucio Battisti, Schlager der 50er Jahre…

  27. Tom

    15:28 Uhr 24.3.2008

    Ebenfalls erwähnenswert: Disco Drive, treibender Indierock mit zwei Schlagzeugern.

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